Sacramento Kings

Going Big? – Die Big-Men-Situation bei den Sacramento Kings

Denkt man an Center und Power Forwards der Sacramento Kings zurück, so fallen einem aus der jüngeren Vergangenheit Namen wie Chris Webber, Vlade Divac oder Brad Miller ein. Es sind dies allesamt Spieler, die offensiv über viel Potenzial verfügten und zudem für Big Men außerordentlich gute Passgeber waren.

Photo: Arranging Matches (Lizenz)

Nach dem Abgang von Webber in der Saison 2005/2006 – zugleich die bislang letzte Spielzeit, in der man die Playoffs erreichen konnte – ging es auch mit der Franchise stetig bergab. Was die Situation im Low Post anging, so wäre es freilich ungerecht und unsinnig gewesen, von Spielern wie Shareef Abdur-Rahim (dem zudem noch mehrere Knieverletzungen zu schaffen machten), Kenny Thomas oder Mikki Moore Wunderdinge zu erwarten.

Die Suche beginnt

Einen dringend benötigten Lichtblick stellte dann jedoch die Draft 2007 dar, wo man an zehnter Stelle den 7-Footer Spencer Hawes auswählte. Nach einer Rookie-Saison, in der er 13 Minuten pro Spiel zum Einsatz kam, profitierte Hawes in seiner zweiten Spielzeit davon, dass Brad Miller zwischenzeitlich zu den Chicago Bulls getradet worden war. 11,4 Punkte sowie 7,1 Rebounds konnte der große Mann mit dem feinen Händchen von draußen (knapp 35% verwandelte Dreier) in der Saison 2008/2009 in rund 29 Minuten pro Spiel verbuchen. Zudem kam mit dem 6′ 11” (2,11m) großen Jason Thompson ein weiterer viel versprechender Big Man an Bord, dem in seinem Rookie-Jahr gleich 11,1 Punkte sowie 7,4 Rebounds in 28 Minuten pro Spiel gelangen.

Ein erster Umbau

Noch erfreuter dürften die meisten Kings-Fans auf die Draft des folgenden Jahres reagiert haben, denn dort wählte man an vierter Stelle den Guard Tyreke Evans (und verzichtete dafür beispielsweise auf das große spanische Talent Ricky Rubio, das ebenfalls noch zu haben gewesen wäre). Evans gilt vielen als neuer Franchise-Spieler der Kings und wurde in seiner ersten Saison in der NBA als Rookie of the Year ausgezeichnet.

Photo: Arranging Matches (Lizenz)

Deutlich wurden in der Saison 2009/2010 auch zwei weitere Sachverhalte: Zum einen, dass das Duo zweier so balldominanter Spieler wie Evans und Kevin Martin auf lange Sicht nicht funktionieren würde. Hier entschied man sich für den jüngeren und potenziell vielleicht auch talentierteren Evans, während der verletzungsanfällige, in Bestform aber ungemein effiziente Martin bei einem Drei-Team-Deal nach Houston verschifft wurde. Zum anderen musste man erkennen, dass das Frontcourt-Duo Hawes und Thompson nicht ausreichen würde, um mittelfristig zu einem ernsthaften Playoff-Anwärter zu werden.

Geoff Petrie, der General Manager der Sacramento Kings, entschied sich daher im Juni 2010 dafür, Spencer Hawes und den Forward Andres Nocioni gegen den Center Samuel Dalembert von den Philadelphia 76ers zu tauschen. Dalembert, ein guter Rebounder und exzellenter Blocker (sein Karrierewert liegt bei knapp zwei pro Spiel), soll dazu beitragen, die Defensive der Kings aus dem NBA-Keller zu führen. In der Saison 2009/2010 war die Mannschaft mit umgerechnet knapp 110 gegnerischen Punkten pro 100 Possessions (Ballbesitz-Situationen) ligaweit das sechst-schlechteste Team in dieser Kategorie – in der Vorsaison belegte man mit umgerechnet 114,7 gegnerischen Punkten gar den letzten Platz.

Den Blick gen Zukunft gerichtet

Eine weitere wichtige Verstärkung unter dem Korb in der neuen Spielzeit soll Rookie DeMarcus Cousins werden, den die Kings 2010 an fünfter Stelle drafteten. Die Meinungen zu dem 20-Jährigen, der für Kentucky College-Basketball gespielt hat, gehen recht weit auseinander. Während man sich einerseits im besten Falle einen neuen Franchise-Big wie Chris Webber erhoffen mag, gibt es auf der anderen Seite nicht wenige, die befürchten, dass sich Sacramento einen zweiten Eddie Curry ins Boot geholt hat. Unzweifelhaft ist in jedem Fall Cousins’ körperliches und spielerisches Potenzial. Bei einer Größe von 6′ 11” (2,11m) und einem Gewicht von rund 120 kg sollte er sowohl offensiv als auch defensiv eine nicht zu unterschätzende Präsenz unter dem Korb darstellen. Cousins kann im Low Post punkten, hat ein ordentliches Skillset, gute Hände und einen Mitteldistanzwurf (in der Preseason nahm er gar vier Dreier und versenkte drei davon). Andererseits jedoch ist eindeutig, dass er noch lernen muss, auf dem Parkett öfter die richtige als die falsche Entscheidung zu treffen. Auch seine Einstellung wurde von vielen NCAA-Experten als zumindest zweifelhaft eingestuft. Seine Athletik erscheint bei einem Körperfettanteil von 16,3% (ermittelt bei den NBA Combine Measurements) ebenfalls noch verbesserungswürdig, um es vorsichtig auszudrücken.

Man wird also viel mit DeMarcus Cousins arbeiten müssen, und er wird vor allem zeigen müssen, dass er selbst bereit ist, an sich zu arbeiten. In der Summer League sowie in der Preseason zeigte er seine vielseitigen Talente, hatte aber auch mit unterdurchschnittlichen Quoten (33% bzw. knapp 41%), Foulproblemen und Ballverlusten zu kämpfen. Mit all diesen Problemen ist auch und erst recht in der NBA zu rechnen, weswegen es nicht verwundert, dass Kings-Coach Paul Westphal unlängst verkündete, dass er mit höchstens 25 Minuten Einsatzzeit pro Spiel für Cousins plane. Angesichts der Adduktoren-Verletzung von Samuel Dalembert kam der Rookie jedoch immerhin in seinem ersten Spiel gleich als Starter zum Einsatz und konnte mit 14 Punkten und acht Rebounds sowie fünf Assists durchaus überzeugen.

Photo: Jeff Balke (Lizenz )

An seiner Seite wird Carl Landry auflaufen, der zur Saisonmitte 2009/2010 durch den Kevin-Martin-Trade in der kalifornischen Hauptstadt landete und in der Offensive mit 18 Punkten pro Spiel bei guten Quoten (52% aus dem Feld, 56,8% True-Shooting-Percentage) überzeugen konnte (er stand allerdings im Schnitt auch über 37 Minuten pro Spiel auf dem Parkett). Landry wird die erste Option unter dem Korb bleiben, sofern Cousins nicht alle Erwartungen deutlich übertrifft. Jason Thompson hingegen wird mit dem Rookie um Einsatzzeit kämpfen und seine guten Ansätze aus der letzten Saison mit mehr Konstanz fortführen müssen. Eine weitere Defensivoption stellt wiederum der Rookie Hassan Whiteside dar, den die Kings in der zweiten Runde der Draft an 33. Stelle auswählten. Whiteside gelangen immerhin 2,3 Blocks pro Spiel in der Summer League, aber er verpasste verletzungsbedingt fast die gesamte Preseason und dürfte es zunächst schwer haben, auf mehr als ein paar Minuten Spielzeit pro Partie zu kommen. Mittelfristig erhofft man sich in Sacramento jedoch, dass der 2,13m große Whiteside seinen Beitrag dazu leisten kann, den defensiven Mittelpunkt Dalembert zu entlasten.

In jedem Fall jedoch können die Kings zukünftig mit beachtlicher körperlicher Größe (erwähnt sei an dieser Stelle auch noch der 6′ 11” große Donte Green, der als Small Forward auflaufen wird) unter den Körben aufwarten – nicht die schlechteste Option in einer Liga, in der die Lakers mit zwei 7-Footern zuletzt zwei Mal in Folge Meister wurden. Wie es um die basketballerische Größe von Cousins und Co. bestellt ist, bleibt freilich abzuwarten. Und auch die unsichere Zukunft von Landry und Dalembert (beider Verträge laufen nach dieser Saison aus) könnte bald schon für Unruhe bei den Sacramento Kings sorgen. Deren Fans sollten sich von anfänglichen Schwierigkeiten jedoch nicht entmutigen lassen. Auch im Fall von Chris Webber gab es zunächst Probleme – der wollte ursprünglich nämlich gar nicht nach Sacramento kommen.

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