3-on-1 Fastbreak, Sacramento Kings

What’s next for the Sacramento Kings?

3-on-1 Fastbreak #11

Wagt man einen kleinen Zeitsprung zurück in den Sommer 2013, könnte man meinen, dass die Zukunft der Sacramento Kings ziemlich rosig aussehen könnte. Die Franchise konnte trotz massiver Abwerbeversuche aus Seattle schließlich in Sacramento gehalten werden. Vivek Ranadivé als Speerspitze einer Investorengruppe sicherte sich den Zuschlag von den bisherigen Ownern, der Maloof-Familie. Der angehende Franchiseplayer DeMarcus Cousins unterzeichnete einen neuen 62-Mio/4-Jahresvertrag und in der Draft konnte man an Position 7 mit Ben McLemore einen Spieler ziehen, der eigentlich als Top-3-Talent galt. Zudem konnte man für den Trainerstuhl den begehrten Mike Malone verpflichten, der zuvor als Assistent bei den Warriors eine der besten Defensiven des Landes installiert hatte.

Seit dem ging es aber nicht unbedingt bergauf. In den ersten zwei Jahren konnte man jeweils nur 28 und 29 Spiele gewinnen, heuer ist man auf dem Weg zu 33 Siegen, nur eine marginale Verbesserung. Die Owner und das Front Office treffen eine schlechte Entscheidung nach der anderen (Stauskas-Draft, Stauskas Trade, Entlassung Malones), Coach und Besitzer diskutieren öffentlich über die Verfehlungen des Stars des Teams und jener besagte Star ist unzufrieden mit dem neuen Headcoach.

Die Euphorie, die vor 3 Jahren entstand, ist längst abgeebbt. Man ist nach wie vor keinen Schritt näher an den Playoffs und der Kader passt irgendwie nicht zusammen. Wie sollen die Kings in Offseason und Free Agency vorgehen? Wie sieht die mittelfristige Zukunft der Franchise aus? Gibt es Lösungen, die vielleicht doch noch zu baldigen Playoffs führen? Diese Fragen stellen sich auch unsere Redakteure und versuchen, sie im 3-on-1-Fastbreak zu beantworten.

 

Philipp Rück: Ich tue mich schwer damit, einem Team radikale Maßnahmen ans Herz zu legen, aber die Situation der Kings ist alles andere als beneidenswert. Sportlich entwickelt man sich keinen Schritt weiter und der Head Coach wird nach den Querelen um Cousins wahrscheinlich seinen Hut nehmen müssen. Dies wäre dann schon der fünfte Übungsleiter seit 2012; Kontinuität auf dem Trainerstuhl ist für ambitionierte Teams aber immens wichtig. Zudem werden renommierte Kandidaten eher einen großen Bogen um Sacramento machen, da niemand in einem derartig schwierigen Klima arbeiten möchte.

Wie die letzte Offseason gezeigt hat, meiden große und mittelgroße Free Agents die Kings ebenso wie der Teufel das Weihwasser. Obwohl manche Spieler hier mehr Geld geboten bekamen, entschieden sie sich für andere Orte, um weiterhin Basketball zu spielen. Der Status quo in Sacramento erlaubt fast keine Sprünge nach vorne. Woher sollen die Verbesserungen in der Offseason 2016 also kommen, wenn nicht durch einen guten Head Coach oder neue, besser passende und produktive Spieler?

Die Franchise muss hier einen Schnitt machen und versuchen, ihr Image komplett neu aufzubauen. Sie müssen versuchen, langfristig ein sportlich attraktives Ziel zu sein, das sie jetzt trotz eines vermeintlichen Stars der Liga nicht sind. Sie müssen der NBA und allen Spielern zeigen, dass hier professionell gearbeitet wird. General Manager Vlade Divac, der im letzten Jahr noch nicht einmal von der Stretch Provision wusste und somit den Stauskas-Trade hätte verhindern können, bekam zwar einen neuen Vertrag, aber er sollte mehr in eine repräsentative Rolle versetzt werden. Die Kings sollten einen neuen, fähigen de facto-GM suchen, der erfahren ist und das operative Geschäft hauptsächlich übernimmt. Ranadivé sollte keine Entscheidungsbefugnis in der Draft-Nacht haben („For me, Stauskas!“).

Ein Problem für die zukünftigen Aussichten ist auch, dass der First Round Pick 2019 nicht mehr im Besitz Sacramentos ist, ein Jahr nach dem Vertragsende von Cousins. In einem Jahr, in dem man also voraussichtlich eine miese Bilanz hat, hat man keinen Pick in der ersten Runde. Aufgrund dessen, der Free Agent-Problematik und der möglicherweise komplizierten Coach-Suche sollten die Kings alles tauschen, was einen Trade-Wert besitzt, vorrangig DeMarcus Cousins. Sein Wert war nie höher, die Aussichten der Kings selten schlechter. Sein Vertrag ist ein Schnäppchen, ein möglicher Abnehmer hätte sogar zwei volle Jahre mit ihm. Durch den Gegenwert und die vermutlich dann eigene gute Draft-Position könnte man mit einem kleinen Vorsprung in den Rebuild starten (so ähnlich wie Minnesota nach dem Love-Trade). In der Trainerfrage könnte man sich einen jungen, ambitionierten Coach suchen, der auf eine Chance wartet und der sich in Spielerentwicklung versteht. Stand jetzt wäre ein Abgang Cousins ohne Gegenwert als Free Agent 2018 sehr wahrscheinlich. Diesem worst case-Szenario müssen die Kings entgehen, solange die Chance besteht und andere Teams genügend Trade Assets aufbieten können (Boston!).

 

Julian Lage: In der Einschätzung der Situation stimme ich Philipp Rück weitgehend zu – es sieht richtig schlecht aus in Sacramento, da besteht kaum ein Zweifel. Meistens ist es in einer solchen Lage eine der besseren Ideen, das Team wie vorgeschlagen komplett zu demontieren und einen Komplettrebuild über den Draft zu starten. Vor etwa einem Jahr hätte ich mir diese Lösung auch noch gut vorstellen können. Das Problem für die Kings: Ähnlich wie in Brooklyn sieht es mittlerweile so schlecht aus, dass nicht mal die Radikallösung wirklich helfen würde.

Den Unterschied zwischen Pro und Contra Rebuild macht für mich eine Entscheidung vom letzten Sommer, der Stauskas/Thompson/Landry-Salary Drop. Ein Trade, bei dem Sam Hinkie das Kings-Management um Divac praktisch ausplünderte, wie jedem klar sein sollte, der die Rockets nicht immer noch für einen Contender hält. Der Verlust des Firstrounders waren schließlich nicht die gesamten Kosten: Zusätzlich erhielten die Sixers das Recht, 2016 und 2017 den eigenen gegen Sacramentos Pick zu tauschen, abhängig auch von dem Pick, der noch an die Bulls geht. In anderen Worten: Bis einschließlich 2019 haben die Kings nie volle Kontrolle über ihre Draftrechte. Ein kompetenter GM (wurde nicht gerade einer mit Rebuild-Erfahrung und hervorragender Trade-Bilanz arbeitslos?) könnte möglicherweise für Cousins und einige Rollenspieler brauchbare Assets erhalten, aber der Hauptanreiz zum Tanken fehlt trotzdem: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Sixers unter den Colangelos wieder den Weg Richtung Playoffs suchen. Damit könnten die Kings in drei Jahren Tanking auf das wenig attraktive Ergebnis von nur einem späten Lottery-Pick der Sixers 2017 und einem Top 5-Pick 2018 kommen – der Firstrounder 2019 ist schließlich ungeschützt.

Die Alternative ist zwar nicht viel besser, bietet aber immerhin Chancen: Die Kings sollten sich in den nächsten drei Jahren darauf konzentrieren, keine Fehler zu machen und 1818deshalb generell möglichst wenige Transaktionen durchführen. Diesen Sommer sind einige Veränderungen unausweichlich: George Karl ist vermutlich aufgrund seiner anhaltenden Konflikte mit Cousins nicht mehr zu halten. Divac braucht wie angesprochen dringend Unterstützung. Trades und Free Agency-Signings sollten die Kings allerdings  nicht forcieren, sondern nur bei einer guten Gelegenheit zugreifen. Das gilt auch im Fall Cousins, für den in seinen letzten beiden Vertragsjahren genug Angebote erfolgen dürften, so dass noch kein unmittelbarer Druck zum sofortigen Handeln besteht. Zu große Ungeduld war bereits der Hauptgrund für diverse Management-Fehler der Vergangenheit. Mit einem langsamen Vorgehen ist zwar für die kommende Offseason keine echte Weiterentwicklung des Teams zu erwarten, aber eine in jeder Hinsicht überzeugende Perspektive wird sich für die Kings ohnehin nicht finden. Das Ziel von Ranadivé und dem neuen Management muss es vorerst sein, aus den Schlagzeilen zu verschwinden und die Franchise nicht über 2019 hinaus zu beschädigen – dafür ist langweiliges Mittelmaß vorerst genau das Richtige.

 

Marc Petri: Schenkt man Vivek Ranadivé Glauben ist die Marschrichtung für die Sacramento Kings in der kommenden Saison klar; das Ziel kann nur das Erreichen der Playoffs sein. Die Aussagekraft von derartigen Kampfansangen des indischen Besitzers der Franchise aus Kalifornien sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn seit seinem Amtsantritt im März 2013 gab es nie eine andere Zielsetzung. In die Nähe der Playoff-Ränge kam man jedoch nie. Während man in den vergangenen beiden Spielzeiten mit 28 und 29 Siegen jeweils auf Platz 13 der Western Conference abschloss, wird diese Saison zwar die Erste in der Karriere von DeMarcus Cousins mit über 30 Siegen sein, von den Playoff-Rängen ist man jedoch immer noch weit entfernt.

Die Aussichtslosigkeit der gegenwärtigen Situation der Sacramento Kings wurde bereits von Philipp Rück und Julian Lage sehr gut dargestellt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Free Agency in einem Sommer, in dem bis zu 26 Teams theoretisch die Möglichkeit haben, über 20 Mio. USD Capspace zu generieren, wenn man sich in der vergangenen Offseason, als man einer der wenigen Franchises mit großer finanzieller Flexibilität war, Absagen am laufenden Band einhandelte? Ein Fall aus dem vergangenen Sommer, der dabei hilft die Situation einzuschätzen,  ist der Versuch der Sacramento Kings Wesley Matthews nach Kalifornien zu holen. Nachdem dieser das erste Angebot ablehnte, signalisierte er früh, dass er kein Interesse an einen Wechsel nach Sacramento hat. Erst wesentlich später und ohne den Kings eine Chance zu geben ein verbessertes Angebot abzugeben, einigte sich der Spieler mit den Dallas Mavericks auf einen neuen Vertrag, der ihm 70 Mio USD über die nächsten vier Jahre einbringen wird. Ein Betrag, bei den man in Kalifornien dem Vernehmen  nach auch bereit war diesen zu zahlen. Wenn man bedenkt, dass Wesley Matthews im vergangenen Sommer an den Folgen eines Achillessehnenriss laborierte und wir hier von einer Verletzung sprechen, bei der Einbußen bei der Athletik nicht außergewöhnlich sind, ein deutlicher Indikator um die Attraktivität der Kings für Free Agents einzuschätzen.  Auch weitere Wunschspieler wie Tobias Harris von den Orlando Magic sagten trotz finanziell besserer Angebote ab, sodass man in der Free Agency erst zum Zug kam, als alle Franchises mit Capspace diesen genutzt hatten. Die Aussichten in diesem Sommer dürften eher schlechter als besser aussehen. Analog dazu kann man schon zum jetzigen Zeitpunkt mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Einzug in die Playoffs in der Spielzeit 2016-2017 äußerst gering ist.

Ohne Chancen auf signifikante Verbesserungen in der Free Agency stecken die Sacramento Kings in einer Sackgasse, die spätestens nach dem schon erwähnten Trade mit Philadelphia und der daraus folgenden Situation der eigenen Draftpicks, zusätzlich wie eine Einbahnstraße erscheint. Einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden erscheint daher schwer und ich würde – wie Philipp Rück – einen radikalen Schnitt als den logischsten Weg erachten. Wohlwissend dass man einen Spieler mit der Qualität eines DeMarcus Cousins eigentlich nicht vor seinem letzten Vertragsjahr transferiert, sehe ich hier die einzige Chance talentierte Spieler und dringend benötigte Draftpicks als Gegenwert zu erhalten. Die bereits erwähnten Boston Celtics haben von beidem einiges zu bieten, die Orlando Magic wären ebenfalls eine Franchise, die sowohl über junge Talente als auch aussichtsreicher Draftpicks verfügt und in der kommenden Saison höhere Ziele anstrebt. Außerdem wäre es nicht verwunderlich, wenn die Philadelphia 76ers unter neuer sportlicher Führung einen radikalen Weg zurück in die Playoff-Regionen anstreben. Mit deren eigenem Erstrundenpick, aber beispielsweise auch mit dem Draftpick der LA Lakers (diesen und nächsten Sommer Top-3 geschützt, 2019 unprotected) hätten die Sixers einige Argumente auf ihrer Seite, welche die Kings dazu überzeugen könnten, ihre eigenen Aussichten in potentiellen Pick-Tausch-Szenarien zu verschlechtern. Auch Marco Belinelli und Rudy Gay sollten in den Zukunftsplänen keine Rolle spielen und sollten bei entsprechenden Angeboten für Future Assets abgegeben werden

Mit einem jungen Team und einer dann wieder besseren Draftpick-Situation hätte man die Chance, mittel- bis langfristig wieder erfolgreichen Basketball zu spielen und den noch vor wenigen Jahren so enthusiastischen Fans eine Indentifikationsmöglichkeit zu bieten. Aussichten, welche ich mit dem aktuell vorhandenen Stamm nicht sehe. Vivek Ranadivé wird das ziemlich sicher anders sehen und es ist fest davon auszugehen, dass die Sacramento Kings in der kommenden Free Agency zu einem späten Zeitpunkt Spieler überbezahlen werden, welche ihnen weder kurz- noch mittelfristig dabei helfen können, den Sprung in die Playoffs zu ermöglichen. Wenig majestätische Aussichten für die Kings.

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