Brooklyn Nets

A new King in Brooklyn?

Die Nets nach der Trennung von Billy King und Lionel Hollins

Auf den ersten Blick ist es längst überfällig, dass die Nets in Billy King denjenigen loswerden, der für ihre desaströse Lage verantwortlich ist. Kurz zusammengefasst: Die Franchise wird noch in den nächsten drei Jahren jeweils ihren Draftpick ungeschützt abgeben (nur 2017 als Swap mit den ziemlich sicher besseren Celtics), hat praktisch keine Talente oder tradebare Veteranen im Kader und schleppt zusätzliche Altlasten wie etwa Deron Williams Cap Hit mit sich herum. Auf Kings Konto gehen Entscheidungen wie der Trade des 2012er-Picks – schließlich Damian Lillard – für Gerald Wallace und dessen anschließende 40 Millionen-Dollar-Vertrag; der Trade für Joe Johnson, durch den die Nets im letzten Draft von Platz 15 auf 29 rutschten, und insbesondere der im Rückblick legendär schlechte Trade für Kevin Garnett und Paul Pierce, der den Celtics in den nächsten drei Jahren vermutlich drei Lottery-Picks einbringen wird. Wie hier und hier beschrieben, sind die Nets daher auf Jahre weitgehend handlungsunfähig.

 

 

Shooting the Messenger?

Auf eine gewisse Weise ist die Entscheidung also überfällig, gleichzeitig aber auch zu radikal und, so absurd es klingen mag, zu früh. Zum einen ist die Verknüpfung von King und Hollins nachvollziehbar, aber nicht unbedingt schlüssig. Nachvollziehbar, weil sich so der geforderte Neustart besser symbolisieren lässt und auch hinter den Kulissen die beiden Gesichter der Franchise gegen das übrige Management standen. Wenn jedoch nicht sofort ein Coach-GM in Doppelfunktion a la Doc Rivers und Stan van Gundy bereit steht, hätte die Entscheidung zu Hollins beispielsweise besser dem neuen GM überlassen werden können. So steht der Neue unter Druck, eine Lösung zu präsentieren, muss aber gleichzeitig darauf verzichten, selbst durch die Entlassung ein Zeichen setzen zu können. Auf eine gewisse Weise zeigt sich wieder das Problem, dass Mikhail Prokhorov zu viel Einfluss auf das Alltagsgeschäft nimmt – es wirkt, als wäre der Schlussstrich ein spontaner Entschluss des Besitzers gewesen. Außerdem stellt sich die Frage, wie viel Verantwortung Hollins für die miese Lage trägt: Der Kader diese Saison gab nie mehr her als einen aller Wahrscheinlichkeit nach vergeblichen Kampf um die Playoffs, und letztes Jahr war die Situation kaum besser. Für die Management-Entscheidungen kann Hollins zumindest nicht verantwortlich gemacht werden.

Die Management-Line folgte außerdem klar Forderungen von Prokhorov, der zum Umzug nach Brooklyn unbedingt ein wettbewerbsfähiges Team zusammenstellen wollte. Als vielversprechend durfte dieser Plan wohl nie gelten: Die hohen Investitionen in Form von Gehältern, Luxussteuer und Picks konnten unter dem aktuellen Collective Bargaining Agreement nicht mehr die gleichen Resultate zeigen wie vor 10 Jahren. Als Prokhorov dann noch den Geldhahn zudrehte, wie sich etwa am Deron-Williams-Buyout zeigte, war der Absturz logische Konsequenz. Der von Prokhorov in der Pressemitteilung geforderte ‚Fresh Start‘ kann daher nicht nur am Management festgemacht werden, sondern hängt auch am Besitzer. Schlechte Trade-Verhandlungen trugen zur derzeitigen Situation bei, aber King setzte letztendlich nur die Grundidee seines Chefs um. Ein echter Vorteil entsteht daher aus der Degradierung Kings und der Entlassung Hollins‘ nicht zwangsläufig, immerhin wirken sie aus diesem Blickwinkel nicht gleich schädlich.

Kein Traumjob

Aus einem anderen schon, und das ist der Grund, warum der vermeintliche Umbruch zu früh kommen dürfte: Die aktuelle Situation der Nets ist so ausweglos, dass ein neues Management praktisch keine grundlegenden neuen Entscheidungen treffen oder gar einen Richtungswechsel initiieren könnte. Die nächsten drei Jahre dürften in Brooklyn im Wesentlichen aus einem Aussitzen der vergangenen Fehlentscheidungen bestehen. Ohne Assets sind auch keine größeren Trades und damit schwer Verbesserungen gegenüber King möglich. Im kommenden Sommer haben die Nets zwar Cap Space, dürften aber kaum ein beliebtes Ziel für Free Agents darstellen. Es wird für den neuen GM also extrem schwierig sein, eigene Akzente zu setzten. Gleichzeitig dürfte er, wie auch der neue Head Coach, für die zu erwartenden Misserfolge zumindest mitverantwortlich gemacht werden. Diese Situation ist weder für die Franchise noch mögliche Kandidaten für den Job vielversprechend – die Nets riskieren also, dass naheliegende Bewerber auf die Position verzichten oder innerhalb der nächsten Jahre erneut ein radikaler Personalwechsel nötig wird.

Mit etwas mehr Geduld von Seiten Prokhorovs hätten die Nachfolger von King und Hollins nicht gleich eine Saison mit wohl unter 30 Siegen als ersten Misserfolg zu verbuchen gehabt, sondern – etwa bei einem Wechsel in der kommenden Offseason – zumindest mit Free Agency-Signings und einem Trainingslager in ihre trotzdem anspruchsvolle Tätigkeit starten können. Stattdessen war das letzte einschneidende Ereignis die Knieverletzung von Jarrett Jack, durch die einer der wenigen Spieler auf NBA-Niveau für den Rest der Saison ausfällt. Das einzig Positive angesichts dieser Fülle negativer Nachrichten: Viel falsch machen können die beiden Neuen erst mal nicht, vor allem, wenn die Vergleichsgröße Billy King heißt…

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