Houston Rockets

Dwight Howards Offensive

Warum das Post-Up den Big der Houston Rockets behindert.

Die Houston Rockets sind bisher eine der Enttäuschungen in dieser Saison. Nach dem Coach-Wechsel von Kevin McHale hin zu J. B. Bickerstaff kreist man gerade mal um eine ausgeglichene Bilanz. Verantwortlich dafür wird in erster Instanz immer James Harden gemacht. Der Ballhandler der Rockets trifft auch weiterhin nur in ungenügendem Maße seine Dreier und konnte damit das Team nicht zu der erhofften, weit besseren Platzierung führen. Ein Spieler bleibt dabei jedoch immer im Schatten der Kritik, obwohl sein Signing als das ursprüngliche Argument galt, weshalb die Houston Rockets zu den Titelfavoriten gezählt werden sollten: Dwight Howard. Wie steht es um den Center? Hilft er seinem Team?

Probleme in Houston

Houston hat sich von dem schwachen Start unter McHale zwar einigermaßen erholt (den Dezember beendete man mit 9-7), aber weist auch zu diesem Zeitpunkt der Saison ein negatives NetRating auf. Von einem Titelkandidaten ist man weit entfernt. Dies liegt nicht nur an Harden oder Howard, sondern auch daran, dass Ty Lawson katastrophal agiert und man auf der Vier noch immer keine gute Lösung gefunden hat – auch weil Donatas Motiejunas noch immer nicht wirklich von seiner Verletzung zurückgekehrt ist.

Dass man die Verantwortung zu Harden schiebt, erscheint logisch, weil er als Fast-MVP des letzten Jahres zumindest die offensive Last schultern sollte. Die Rockets sind nach über einem Drittel der Saison im Angriff allerdings wieder überdurchschnittlich, wenn Harden auf dem Feld steht: Mit ihm spielt das Team eine Top 6-Offense. Problematisch ist vor allem die Rolle von Ty Lawson, weil Houston einbricht, sobald er spielt. Zudem ist Terrence Jones noch gar nicht in der Saison angekommen, die Rockets agieren mit ihm im Schnitt am schlechtesten.

Allerdings scheint die Offense gar nicht allzu sehr das Problem zu sein, wenn man in den Top-10 steht und man defensiv zu den zehn schlechtesten Teams zählt. Trotz Dwight Howard. Zusätzlich stellt Houston noch eine der besten Spot-Up-Defenses. Dem entgegengesetzt hat man Probleme, das Post-Up zu verteidigen und Putbacks zu verhindern. Dies ist bei einer von Dwight Howard orchestrierten Defensive schon verwunderlich, aber nicht der Knackpunkt, weil sowohl Post-Ups als auch Putbacks nicht sonderlich oft genutzt werden. Problematischer ist etwas anderes: Houston lässt die sechsmeisten Fastbreaks zu und kann diese einfach nicht verteidigen (Flop-5 der Liga). Jeder sechste Angriff des Gegners findet in Transition statt. Ein Faktor dafür ist sicherlich wieder James Harden, der aber wenigstens noch anführen kann, dass er der primäre Ballhandler ist – und auch nicht die höchste Turnover-Percentage im Team hat. Diese gehört – hinter dem katastrophalen Ty Lawson – Dwight Howard, der jeden fünften Ball verliert! Howard gehört zu den zehn Big Men, die am meisten den Ball verlieren. Dies ist sicherlich keine besonders gute Eigenschaft, um die Defensive zu stabilisieren.

Houstons defensive Probleme beginnen in der Offensive

Somit landen wir unweigerlich doch wieder bei der Offense, denn diese generiert die Turnover und sorgt so für die Transition-Punkte. Howards Einstellung zum Spiel scheint ein erstes Problem für die Rockets zu sein:

“I think a lot of people think you got to have a million and one post moves to score down there. The best thing to do is stay simple.”

Hieraus lassen sich gleich zwei Erkenntnisse ableiten, die nicht gerade für Howard sprechen: Zuallererst sollte hinterfragt werden, warum Howard sich so auf das Post-Up fokussiert. Er war (und ist noch) einer der physischsten Athleten der NBA, wodurch sein Selbstverständnis ihn dazu drängen sollte, diese Physis auszunutzen. Von daher ist noch verständlich, dass er sich selbst als Low-Post-Option sieht, wo er mit den schweren Jungs um die Vorherrschaft an den Brettern kämpft. Allerdings sollte Howard einsehen, dass er zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere schlicht zu überfordert ist, um ein Low-Post-Threat zu sein.

Dabei kommt – zweitens – hinzu, dass der zweite Teil der Aussage schlichtweg falsch ist, wenn es um das Post-Up geht. Wenn du in der einen Saison erfolgreich bist und einen Move beherrscht hast, dann wird sich ein gutes Team per Scouting auf genau diesen Move einstellen und versuchen, ihn zu kontern. Du brauchst in der neuen Saison einen weiteren Move, um den Konter der Verteidigung bestrafen zu können. So versuchten die besten Low-Post-Center der 90er – bspw. Patrick Ewing oder Hakeem Olajuwon – mit weiteren Moves die jeweilige Konkurrenz auszukontern. Pro Offseason wurde an einer Variante oder einem weiteren Ausstieg aus dem Post-Up gearbeitet. Stellvertretend für das Post-Game Howards erkennt man hier die Hilflosigkeit des Centers im Post, wenn man zu wenige Moves beherrscht:

Diese Ballverluste sind keine Rarität, sondern gehören zu Howards Spiel: Jeder sechste Post-Up-Versuch endet in einem Turnover. Dies zu erklären, fällt auf der einen Seite leicht, auf der anderen ist es unerklärlich. Durch Dwights physische Präsenz kann er eigentlich Raum für sich schaffen und sollte gegen keinen Center der Liga Probleme haben, aufzuposten. Er war in Orlando eine absolute Macht unterm Korb. Dass dies aber schon eine (zu) lange Zeit her ist, merkt man zum einen am Gesundheitszustand Howards, der seit seiner Rücken-Operation ein anderer Spieler zu sein scheint. Dennoch sagt der Center der Rockets von sich selbst, dass er gesund ist und sich gut fühlt:

“Actually, the last couple of weeks I’ve been feeling really good.[…] My body has felt great. I think when you stay stress-free, your body tends to follow.”

Sollte es nicht am Körper des 30-jährigen liegen, kommt zum anderen der Wandel der Liga hinzu. Durchschnittlich wird die Liga wieder schneller durch die vielen, vielen Stretch-Bigs, die 08/09 noch Small Forward gespielt hätten. Somit ergeben sich defensiv auch weitere Möglichkeiten zur Helpdefense und –rotation. Das Post-Up ist alleine schon deswegen so problematisch, weil es sehr statisch ist. Ein Spieler arbeitet unter dem Korb, während die anderen zumeist auf ihrer Position verharren. Der Gegner weiß, was jetzt passieren soll, und adaptiert. Im obigen Beispiel kommt Klay Thompson erst zu Hilfe, ohne großartig zu riskieren, dass Howard einen Pass zu Harden spielen kann. Die Hilfe misslingt teilweise, aber Howard wird zumindest so sehr gestört, dass Draymond Green als dritter Gegenspieler zu Howard rotieren kann und den Ball freischlägt.
Durch die fehlende Dynamik eines Post-Ups ist es sehr schwierig, konstant erfolgreich zu sein. Bei Howard kommt noch hinzu, dass er sich einfach falsch einschätzt und jeden vierten Abschluss über das Post-Up sucht. Dies ist Teil des Problems von Howards Offensivgame. Seit dem Finalseinzug 2009 hat sich jedoch einiges bei Howard verändert.

howardonoffense

Wie klar zu sehen ist, ist die Entwicklung Howards seit 2009 rückläufig. Er scort nicht so effizient wie in Orlando, frappierender ist aber das Sinken der Usage-Rate. Dwight Howard wird viel zu wenig offensiv genutzt, sodass er gerade einmal 14 Punkte pro Spiel erzielt. Das ist, zusammen mit der fallenden Freiwurfquote, das größte Problem Howards. Die Rockets wissen ihn einfach nicht einzusetzen.

Howards Probleme beginnen im Post

Dass dies nicht nur an der Unfähigkeit des Trainerstabes in Houston liegt, lässt sich aufzeigen, indem man sich die Offense Howards genauer anschaut:

howardpostups

Die Grafik zeigt an, was passiert, wenn Howard den Ball bekommt. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass die vorangegangenen Turnover kein Teil der Statistik sind. Howards Offense besteht schon seit knapp 10 Jahren aus einem Hook Shot oder einem Nahdistanzabschluss (Layup oder Dunk). Die ersten drei Kategorien wurden deswegen nach unassistierten Würfen gefiltert, weil dies die erarbeiteten Würfe Howards darstellt. Dies wird in der Großzahl der Versuche ein Post-Up gewesen sein. Leider gab es 2009 noch keine Kameras in den Hallen, um die Post-Up-Daten auszuwerten. Die Auflistung nach Shot Types soll nur zur Annäherung dienen, was Dwight Howard aus Pässen generiert, die kein Assist sind – wonach er also selbstständig mit dem Ball arbeiten musste. Die Verschiebungen in seinem Spiel sind unübersehbar: Dwight Howard aus Orlando hat mit Dwight Howard in Houston kaum noch etwas gemein. Während Howard etwas mehr als sechs Punkte aus unassistierten Würfen in Orlando erzielte, sind es in Houston nur noch 2,8. Dabei sind die Wurfquoten für den jeweiligen Wurf eigentlich relativ stabil geblieben und lassen kaum Schlüsse zu. Hier hilft nur ein Blick auf das Spiel Howards. Bei den Rockets sieht die Mehrzahl der Post-Ups Howards so aus:

Während dies 2009 noch ganz anders vollendet wurde:

Beide Szenen lassen sich deswegen so gut vergleichen, weil Howard in vergleichbarer Position den Ball erhält und dann versucht, seinen Gegenspieler aufzuposten. Das sind offensichtlich identische Ausgangslagen. Die Lösung des Bigs sehen aber verschieden aus. Während er 2009 Asik mit purer Muskelkraft zurückdrängt und in die Mitte drückt, um dann kraftvoll abzuschließen, entscheidet er sich 2016 für eine Rotation nach außen und einen Hook Shot oder einen Layup. Für diese Nähe am Horb hat Howard aber kein weiches Händchen, um diese Würfe oft genug zu treffen. Er hat sich über all die Jahre nie signifikant verbessert und unter 50% direkt in der Nähe des Korbes zu treffen, ist nicht mehr ausreichend. In seinen dominanten Jahren besaß Howard zudem einen lockerleichten Spinmove, wobei er das Post-Up fast nur antäuschte, um per Dunk abzuschließen:

Hiervon wirkt der jetzige Dwight Howard weit entfernt. Dies liegt vor allem daran, dass er den Fokus darauf legen sollte, so tief wie möglich im Post Stellung zu beziehen und einfach das Bewusstsein entwickeln sollte, dass so gut wie jedes Post-Up am besten per Dunk abzuschließen ist. Doch dafür scheint die Verletzung der Bandscheibe zum einen die Explosivität genommen zu haben, zum anderen sieht Howard sich selbst auch als klaren Post-Spieler, der Hook Shots und Bewegungen haben muss, um respektiert zu werden.

Zudem hat Howard einfach nicht die Übersicht, um den freien Mann zu finden und aus einem Post-Up herauszupassen. Obwohl Howard pro Spiel 42 Pässe spielt, führen nur 8 Pässe zu Feldwurfversuchen der Mitspieler. Dies lässt sich wahrscheinlich am einfachsten damit erklären, dass die Inbound-Pässe zu Beginn einer Possession ebenso gezählt werden. Ansonsten würde Howard  niemals auf diese hohe Zahl an Pässen kommen. Aus den Pässen Howards entstehen 1,5 getroffene Würfe pro Spiel. Howard weiß zu oft einfach nicht, wie er den Mann finden soll, der freistehen müsste, wenn er gedoppelt wird. Somit sollte er am besten auf sich selbst hören und es „simple“ halten, allerdings nicht beim Post-Up.

Eine mögliche Lösung

In der jetzigen Situation sollte Howard so eingesetzt werden, dass seine Stärken maximiert werden und nicht, wie ihm dies am liebsten wäre. Ein Spieler ohne Wurf und ohne ausgeprägtes Passing oder Dribbling sollte also kaum den Ball in einer Isolationssituation bekommen – nichts anderes ist das Post-Up. Also sollte man Howard auf das reduzieren, was er kann: direkt am Ring abschließen, am besten, ohne Dribbling. Dies geht passiv durch Putbacks, aber Howard hat eine Stärke, die er nur ungerne nutzt:

Dwight Howard ist einer der besten Roll Men der Liga, wenn er sich dazu herablässt, das Pick-and-Roll zu laufen. Zwar erzielt er „nur“ 1,04 Punkte pro Versuch, aber bei häufigerer Nutzung sollte diese Zahl ansteigen. Das liegt daran, dass Howard erstaunlich stark darin ist, Alley Oops oder Pässe zu Dunks zu verwerten, auch wenn er sonst keine guten Hände hat.

Gerade das gezeigte Play müsste Houston bis zum Erbrechen laufen, weil es die beiden besten Spieler einbindet und Harden ein hervorragender Decision-Maker ist. Nach dem Pick Howards dürfte der Star der Rockets eine Hand voll an Optionen haben, um das Play erfolgreich zu beenden. Harden schließt selbst überdurchschnittlich aus dem Pick’n’Roll ab (er gehört zu den besten 20% in dieser Kategorie, obwohl er viele Turnover begeht!), bedient äußerst gerne die Schützen in den Ecken, oder kann – wie im Beispiel oben – Howard für die einfachen Punkte finden. Dies verhindert bei Howard zudem die Turnoverrate erheblich: Statt 17% begeht er als Roll Man nur 8% Turnover. Somit könnte durch eine effizientere Offense von Howard auch zugleich die Defensive verbessert werden, wenn der Gegner nicht mehr so häufig in den Fastbreak kommt.

Fazit

Der Schlüssel zum Erfolg der Houston Rockets liegt nicht nur daran, dass James Harden an seine MVP-Form anknüpft, denn der Ballhandler scort sogar etwas mehr als in der letzten Saison und tut dies weiterhin effizient, wenn auch nicht so stark wie in der letzten Saison. Vielmehr müssen die Rockets einen Weg finden, um Dwight Howard den Ball nur in die Hände zu geben, wenn er direkt abschließen soll – ohne vorher zu dribbeln oder noch aufzuposten. Howard ist weiterhin ein starker Finisher, wenn er per Alley-Oop bedient wird oder den Ball zum Dunk durchgesteckt bekommt. Er muss nicht so eindimensional wie andere offensiv impotente Center eingesetzt werden, die nur auf Putbacks warten, sondern muss eingebunden werden, um Harden und dem gesamten Team noch mehr Scoringmöglichkeiten zu verschaffen. Doch diese Erkenntnis muss zunächst Howard selbst klar werden, ehe eine radikalere Änderung eintritt. Dann könnte die bisher enttäuschende Saison der Rockets noch retten.

 

Statistiken via basketball-reference.com & nba.com/stats – Stand 08.01.2016

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1 comment

  1. Coach K

    Gut geschriebner Artikel der besonders durch den Bilder vergleich zeigt was sich bei Howard so geändert hat.

    Das große Problem denke ich ist sein Ego. Wie du geschrieben hast meint er den Hakeem zu geben dabei hat er ganz andere Stärken.
    An seine Orlando Leitungen wird er sowieso nie mehr anknüpfen.


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