Denver Nuggets, Minnesota Timberwolves, New Orleans Pelicans, Phoenix Suns, Sacramento Kings

Draft Team Needs 2016: Picks 4-8

Suns, T'Wolves, Pelicans, Nuggets und Kings

Wie in den letzten Jahren gibt es wieder ein Gegenstück zum Draft: die Team Needs. Hier gelangt ihr zu Teil 1.

4. und 13. Pick: Phoenix Suns

Wären die Planungen der Suns in den letzten Jahren aufgegangen, würde ihre Situation jetzt wohl der der Celtics ähneln: Junge Spieler, trotzdem erfolgreich, trotzdem noch weitere Assets zur Verstärkung des Teams. Auch aufgrund der stärkeren Western Conference reichte es jedoch in den letzten Jahren nie für die Playoffs, und statt stetiger Entwicklung der Spieler gab es praktisch dauerhaft teaminterne Unruhen: Vor zwei Jahren begannen die Probleme mit den drei Spielmacher Goran Dragic, Eric Bledsoe und Isaiah Thomas, in der darauffolgenden Saison folgte dann das Markieff Morris-Drama und die Entlassung Jeff Hornaceks. Einige an Gehalt und/oder Assets teure Verpflichtungen wie Brandon Knight (mit einer gewissen Neuauflage der Playmaker-Problematik) und Tyson Chandler zementierten dann die Orientierungslosigkeit des Teams.

Management und Team-Besitzer zeigten sich in dieser Situation alles andere als geduldig, so dass sie trotz der fragwürdigen Bedingungen der Win Now-Weg beibehalten könnten. Im Extremfall würden die Suns dafür den Pick abgeben, ansonsten zumindest das Team weitgehend beibehalten. Letzteres mag noch vertretbar sein, ein Abgeben des 4. Picks wäre dagegen tendenziell desaströs. Auch den 13. Pick sollten sie sinnvoll einsetzen, sinnvoll wäre auch das Bündeln von Assets für einen zweiten Top 10-Pick. Einige der Spieler über 25 gehören mit Sicherheit auf den Trade Block. Die Suns brauchen den Komplett-Rebuild, und zwar am besten schon Vorgestern. Dabei sollte die Qualität des Spielers im Vordergrund stehen und nicht seine Position oder seine sofortige Einsetzbarkeit: Es gibt kaum Spieler, die mit dem einzigen festen Baustein Devin Booker nicht kombinierbar sind. Das heißt umgekehrt, dass weder Eric Bledsoe, noch Alex Len unantastbar sein sollten.

Tendenz: Spieler abgeben, Picks bekommen – und auf gar keinen Fall umgekehrt. Ansonsten ist unter diesen Umständen meistens BPA die richtige Entscheidung, so auch bei den Suns.

5. Pick: Minnesota Timberwolves

In Sachen Perspektive und Franchise-Player-Talent haben die Timberwolves dagegen sicher keine Probleme. In Karl-Anthony Towns und Andrew Wiggins stehen zwei langfristige Starter bereits im Team; Zach LaVine, Gorgui Dieng und Ricky Rubio sind ebenfalls noch relativ jung und komplettierten zum Ende der Saison eine vielversprechende Starting Five. Die logische Frage: Wie lässt sich so auf diesen Kern aufbauen, dass endlich der Playoff-Einzug – und mehr – gelingt?

Grundsätzlich sind die Wolves nicht unbedingt in Eile, da die beiden wichtigsten Spieler noch mindestens fünf Jahre unter Vertrag stehen. Das Beispiel der Pelicans mit Anthony Davis zeigt hervorragend, was trotz eines frisch gedrafteten Franchise Players alles schief laufen kann, wenn die nötige Geduld fehlt. Andererseits will niemand Spieler vom Kaliber der Wolves-Jungstars unnötig lange in der Lottery sehen. Die Verpflichtung von Tom Thibodeau als Ersatz für den glücklosen Sam Mitchell machte ziemlich deutlich, dass kommende Saison ein klarer Sprung erhofft wird. Towns hätte einen solchen auch als Rookie mit tragen können, an Position 5 ist das jedoch nicht mehr zwingend zu erwarten. Es ist also überlegenswert, einen sofort einsetzbaren Spieler vorzuziehen statt einen Teenager auf der Bank versauern zu lassen. Ein Trade wäre aber vermutlich übertrieben, sofern nicht ebenfalls ein sehr junger Spieler zurückkommt.

Außerdem besteht bei so viel Potential innerhalb des Teams die Gefahr, dass einige mögliche Draftees positionell oder vom Skillset her nicht zur bestehenden Struktur passen. Wiggins und Towns sind immerhin so flexibel, dass kaum ein Kandidat sofort auszuschließen wäre. Je nach den weiteren Plänen der Wolves mit Rubio und LaVine wären höchstens die Guard-Positionen etwas überbesetzt. Problematischer ist eine andere Team Fit-Frage: Außer LaVine traf nur Nemanja Bjelica überdurchschnittlich gut, Towns immerhin 34,1% – während Rubio, Wiggins und der Non-Shooter Dieng wie auch Shabazz Muhammad recht klar unter der 33,3%-Marke blieben. Auch wenn sich diese Spieler noch weiterentwickeln können, wäre ein aus der Distanz zuverlässiger Spieler kein Luxus.

Tendenz: Die Wolves sollten sich den Bedürfnissen ihres Kaders anpassen und zuerst etwas ältere Spieler mit Dreipunktwurf in Erwägung ziehen. Ist die Kombination nicht verfügbar oder sinnvoll, sollte der Wurf priorisiert werden.

6. Pick: New Orleans Pelicans

Dass die gerade angesprochenen Pelicans direkt nach den Wolves zu finden sind, bestätigt die angesprochene Problematik: Für eine Franchise, die nach dem Davis-Draft über Jahre hinweg immer wieder Picks in Win Now-Trades abgab, ist auch bei massiven Verletzungsproblemen eine solche Bilanz inakzeptabel. Für GM Dell Demps dürfte die diese Offseason die allerletzte Chance sein, den Kurs zu korrigieren.

Was bisher schief lief, stand bereits hier im Fokus: Im Wesentlichen muss sich New Orleans die Unterbewertung des Drafts und Fehler bei der Entwicklung junger Spieler zum Vorwurf machen lassen. Man könnte es daher für die naheliegende Überlegung halten, diesen Fehler endlich zu korrigieren und einfach den bestmöglichen Spieler zu ziehen. Das Problem: Dafür ist es vermutlich zu spät. Anthony Davis steht zwar noch für vier Jahre – plus Player Option – unter Vertrag und hat durch seine schwächere Form in der abgelaufenen Saison nicht einmal die Derrick Rose-Exception für teurere Extensions ausgelöst. Trotzdem dürfte diese Zeit für eine langsame Restrukturierung nicht ausreichen: Falls Davis seine Unzufriedenheit deutlich macht, wären die Pelicans praktisch in drei Jahren zu einem Trade gezwungen. Bis dahin steht ein sehr roher Spieler, der an Position Sechs gezogen wurde, vermutlich nicht für eine größere Rolle bereit. In den nächsten Jahren gilt das natürlich umso mehr, so dass die Pelicans praktisch zu einer Fortsetzung ihrer bisherigen Strategie gezwungen sind.

Das heißt, sie könnten entweder erneut Traden oder zumindest einen Spieler draften, der Richtung NBA-ready geht. Beides kann sinnvoll sein, wobei ein Trade vermutlich der Wahrnehmung des Teams weiter schaden würde: Für Fans und Medien stünde der alte Vorwurf der Ungeduld im Raum, obwohl die mittlerweile gerechtfertigt ist. Ein Draftee mit mehreren College-Jahren, der zwar möglicherweise weniger Potential, aber dafür auch ein niedrigeres Bust-Potential mitbringt, klingt daher nach einem naheliegenden Kompromiss.

Tendenz: Situation und Roster der Pelicans passen nicht zu einem zu jungen Draftee, mit Rücksicht auf die Außendarstellung ist ein Trade riskant. Also bleibt nur die dritte Alternative, einen möglichst fertigen Spieler zu ziehen.

7. Pick. Denver Nuggets

Die Situation der Nuggets ist ähnlich zwiespältig wie die der Suns: Einerseits stehen immer noch Spieler wie Danilo Gallinari, Kenneth Faried und Wilson Chandler im Kader, andererseits wartet in Nikola Jokic, Jussuf Nurkic, Gary Harris und Emmanuel Mudiay die nächste Generation. Im März waren wir uns im 3-on-1 einig, dass eine langsame Umgestaltung zumindest einige der älteren Spieler ersetzen muss. Falls sich nicht vor dem Drafttag ein Trade ergibt, vereinfacht sich die Situation dadurch jedoch nicht. Beispiel Kenneth Faried: Sollte man einen ähnlichen Spieler ziehen, wenn nicht klar ist, was mit dem Energy-Big passiert? Entweder mit einem jungen Spieler oder einem der Veteranen ist jedoch jede Position gut besetzt – ohne, dass mit Ausnahme Jokics einer der Spieler unantastbar sein dürfte.

Im Optimalfall würde GM Tim Connelly daher wie angesprochen vor dem Draft einige Weichenstellungen durchführen, um so gleichzeitig Platz für den Draftee zu machen. Es wäre beispielsweise wünschenswert, einige Plätze nach oben oder für einen weiteren Lottery Pick zu traden. Angebot und Zeitfenster dafür dürften jedoch nicht gerade großzügig sein, so dass die Nuggets vermutlich mit dem aktuellen Roster eine Entscheidung für ihren 7. Pick treffen müssen. Dabei sollte sich die Franchise nicht von Hoffnungen auf schnelle Erfolge blenden lassen und einen Win Now-Spieler ziehen, sondern auf langfristiges Potential setzen. Der Spieler muss mit Jokic und Co. wachsen können – wobei diese Beschreibung schon die zentrale Einschränkung mitliefert: Ein Center sollte es eindeutig nicht werden. Bei Guards und Wings besteht größere Flexibilität, weil mehr Spieler Tradekandidaten sind oder verschiedene Positionen besetzen können.

Tendenz: Die aktuelle Roster-Struktur macht den Draft einfach und schwierig zugleich: Einerseits bietet sich kaum eine Position wirklich an, andererseits kann man daher außer mit einem klassischen Big wenig falsch machen. Der weitere Rebuild der Nuggets dürfte eher durch die noch anstehenden Trades geprägt werden.

8. Pick: Sacramento Kings

Same procedure as every year: Die Kings draften nach einer enttäuschend bis chaotischen Saison (mit obligatorischer Entlassung des Head Coaches) mal wieder mit einem Top 10-Pick. Seit 2007 gab es kein Jahr, in dem die Franchise nicht in der Lottery zog, wobei außer DeMarcus Cousins kein Spieler auch nur mittelfristig zufriedenstellende Leistungen in Sacramento ablieferte. Selbst von den Top-Picks der letzten vier Jahre sind zwei nicht mehr in Kalifornien (Thomas Robinson und Nik Stauskas), während die anderen beiden bisher von der Situation in der Franchise alles anderes als profitierten: Ben McLemore wurde nach nur einem Jahr der angesprochene Stauskas vor die Nase gesetzt, Willie Cauley-Stein bekam neben Cousins auch noch Kosta Koufos als Konkurrenten um Minuten und Platz auf dem Court. Dass mit Stauskas auch noch praktisch alle Draftpicks der nächsten Jahre vertraden wurden, macht die Situation noch vertrackter.

Anders gesagt: Es ist nahezu unmöglich, für die Kings eine sinnvolle Prognose abzugeben oder einen brauchbaren Plan zu finden. Vielleicht kann der neue Head Coach Dave Joerger für etwas Stabilität sorgen, aber an dieser Aufgabe ist schon George Karl gescheitert. In jedem Fall ist dafür zuerst eine Managementleistung nötig, die Joerger einen funktionierenden Kader verschafft. Mit Blick auf die abgegebenen Picks der nächsten Jahre klingt sowohl ein Trade Cousins‘ als auch des Picks nach einer schlechten Idee. Risikoloses Draften eines Spielers mit niedrigem Bust-Potential könnte daher die einzige Methode sein, sich nicht noch weiter zu verschlechtern. Ein etwas älterer Spieler wäre zudem vermutlich weniger von der Situation beeinträchtigt und könnte bei einem Playoff-Push besser helfen.

Tendenz: NBA-Ready und – wie eigentlich immer – etwas Shooting und Defense sollte vermutlich auf dem Kings-Wunschzettel stehen. Aber, es geht um die Kings – vielleicht wird es also auch ein Trade oder ein High Risk-High Reward-Freshman. Solange GM Vlade Divac und Besitzer Vivek Ranadive nicht noch einen Center ziehen, wäre vermutlich alles ein Fortschritt…

  •  
  • 9
  •  
  •  
  •  
  •  

2 comments

  1. Sebastian Hansen

    Wie siehst du das mit Minnesota? Ist ein Trade für Jimmy Butler realistisch?

  2. Julian Lage

    |Author

    Ich habs ja auf Twitter schon ein, zwei mal angerissen, aber gerne noch mal ausführlicher: Ich sehe keinen für beide Teams sinnvollen Weg, Butler nach Minnesota zu bekommen. Das Problem ist, dass jedes Angebot ohne Wiggins von den Celtics bequem überboten werden kann und werden sollte. Der 5. Pick ist wenig berauschend, und die Cs haben den 3. Die Wolves können auch keine zukünftigen traden, weil sie ja unbedingt Adreian Payne wollten. (Mit Butler wären sie eh nur begrenzt wertvoll.) Damit bleiben außer dem Pick höchstens noch LaVine und Dieng, was mir aus Bulls-Sicht klar zu wenig wäre. Da ist einfach nichts dabei, was irgendwie nach brauchbarem Gegenwert für einen Franchise Player klingt. In dieser Form wäre ich umgekehrt natürlich aus Wolves-Sicht sofort dafür. Talent konsolidieren und dabei keinen kritischen Baustein des Teams abzugeben ist nie falsch.

    Sobald Wiggins im Paket ist (was die Cs nicht mehr mitgehen sollten, ein Bieterwettbewerb ist natürlich für beide Teams mies) sehe ich aber den Sinn für die Wolves nicht mehr. Dann besteht das Team praktisch aus KAT, Butler und ein paar Durchschnittsstartern ohne Assets zur weiteren Verbesserung. Wie gesagt: Genau so hat sich NoLa in die aktuelle Situation manövriert. Butler ist zwar besser als Holiday, aber gewisse Verletzungsprobleme hatte er ja auch schon. Mit Towns und Wiggins können die Wolves relativ entspannt mit risikolosen Entscheidungen zum Contender werden, denke ich, und haben praktisch noch 6 Jahre (!) Zeit.

    Deswegen halte ich das Angebot eher für ein Abtasten bzw. sich positiv in die Medien bringen. Allerdings kann es sein, dass Wolves aus finanziellen Gründen usw. nicht so geduldig sein können, wie ich es für sinnvoll halte. Ich kann auch das Management (und Thibodeaus Einfluss) überhaupt nicht einschätzen, ist ja auch größtenteils ziemlich neu.


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben