Boston Celtics, Los Angeles Lakers, Philadelphia 76ers

Draft Team Needs 2016: Picks 1-3

Sixers, Lakers und Celtics

Wie in den letzten Jahren gibt es wieder ein Gegenstück zum Draft: die Team Needs. Die Idee dahinter findet sich in der ersten Ausgabe und beschreibt, was sich von dem Draft Powerranking grundlegend unterscheidet:

Das Go-to-Guys Draft Powerranking unterscheidet sich von den üblichen Mockdrafts vor allem dadurch, dass die Spieler nur nach der prognostizierten Qualität gerankt sind. Um eine möglichst große Aussagekraft bezüglich der spielerischen Möglichkeiten der Prospects zu erhalten, sind Team Needs nicht Teil des Rankings. Dieser dreiteilige Artikel setzt hier an und stellt das Gegenstück dar, eine Darstellung der Voraussetzungen und Rebuild-Pläne der Teams ohne Betrachtung der Draft Class.

Das mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen: Wie kann man das Draftverhalten eines Teams ohne die Draftees beschreiben? Und tatsächlich gibt es Fälle wie etwa 2012 Anthony Davis, wo jede Franchise zugreifen muss – unabhängig vom bisherigen Kader, den Plänen für die kommenden Jahre oder anderen Faktoren. Oft ist das Talentlevel jedoch vergleichbar, wie auch die Kategorien des GtG-Rankings zeigen. Hier werden dann die Voraussetzungen und Ziele der Franchise interessanter, die Draftstrategien unabhängiger von den Spielern. Die Grundlagen sind bereits hier dargestellt, für diesen Artikel wird ein etwas ausgeweitetes System eingesetzt: Zu den Kategorien der Entwicklung des Spielers (Upside vs. NBA-Ready) tritt noch die Möglichkeit Trade (siehe auch hier).

Den Anfang machen die drei Gewinner-Teams der Lottery:

1. Pick: Philadelphia 76ers

Wie schon im letzten Jahr müssen die Sixers abwägen, wie sehr sie sich von ihrem bestehenden Roster beeinflussen lassen. 2015 hieß die Entscheidung ‚praktisch gar nicht‘, denn der gewählte Jahil Okafor ist mittlerweile nicht mehr allzu gut mit Nerlens Noel oder Joel Embiid auf dem Feld vorzustellen: Die möglicherweise geplante Offense-Defense-Kombination Noel/Okafor hat in der abgelaufenen Saison weitgehend enttäuscht. Auch individuell konnte keiner der beiden jungen Bigs die Erwartungen erfüllen. Zudem wartet Embiid, der 3. Pick von 2014, noch auf seinen ersten Einsatz.

Die Big Man-Situation in Philadelphia ist daher gleich in doppelter Hinsicht verfahren: Einerseits besteht eindeutig ein Überangebot, vor allem, solange alle drei nur sinnvoll als Center auflaufen können. Andererseits ist nicht einmal klar, dass einer der Spieler wirklich der langfristige Teambaustein wird. Trotz positiver Äußerungen seinerseits wäre es für Embiid wohl bereits ein Erfolg, wenn er so viele NBA-Spiele wie Greg Oden absolvieren würde – mit ihm ist also nicht wirklich zu rechnen. Gleichzeitig erscheint ein Trade schwer vorstellbar, weil der Unterschied zwischen Optimalfall und Worst-Case-Szenario so riesig ist, dass eine Einigung beim Tradewert praktisch auszuschließen sein dürfte. Bei Noel und Okafor sind jeweils die Schwächen auf einer Seite des Courts so gravierend, dass sie ebenfalls schwer einzuschätzen sind. Zwar sollten beide zumindest brauchbare Rotationsspieler werden, der Hype von vor einem Jahr ist jedoch weitgehend abgeklungen. Noel konnte seine Potential zum Defensivanker zumindest nicht weiter bestätigen; Okafor steht in der NBA vor einer massiven defensiven Herausforderung. Zudem ließ sich auch seine Offense noch nicht komplett übertragen. Zuletzt sollte auch noch Dario Saric eine Rolle spielen, wobei sein Wurf mehr Flexibilität bedeuten dürfte. Außerdem ist es schwer zu rechtfertigen, den ersten Pick von dem ehemaligen 12. Pick Saric stärker beeinflussen zu lassen.

Diese Skepsis gegenüber den jüngeren Bigs bedeutet, dass zumindest größere Zugeständnisse nicht nachvollziehbar wären. Es ist meist ohnehin keine gute Idee, sich bei den frühesten Picks von anderen Kriterien als den Spielern selbst beeinflussen zu lassen. Bei einem Spieler vom Kaliber Karl-Anthony Towns sähe das vielleicht anders aus – allerdings würde sich dann die Frage gar nicht stellen: Den Sixers fehlt ja gerade das (gesunde) Two-Way-Talent auf den großen Positionen.

Tendenz: Mit Pick 1 muss es der erhoffte Franchise Player werden – das spricht gegen Kompromisse, also BPA.

2. Pick: Los Angeles Lakers

Die gute Nachricht zuerst: Die Lakers hatten nicht das Pech, in der Lottery aus der Top 3 zu fallen und deshalb den Pick nach Philadelphia schicken zu müssen. Zum zweiten Mal in Folge geht der zweite Pick nach Los Angeles, diese Saison jedoch durch den Rücktritt Kobe Bryants unter veränderten Vorzeichen. Nach enttäuschenden Jahren trotz Win Now-Ambitionen wäre also grundsätzlich eine geduldige Entwicklung des Teams möglich.

Aber, und damit zu den schlechten Nachrichten: Geduld wäre vermutlich nicht der erste Begriff, der dem durchschnittlichen NBA-Beobachter zu den Lakers einfällt. Außerdem trägt die Franchise weiter Altlasten im Kader und bei den Picks mit sich herum. Umgekehrt fehlen dagegen die überzeugenden Talenten: Jordan Clarkson, D’Angelo Russell, Larry Nance Jr. und Julius Randle weisen jeweils größere Haken auf, die ihre zukünftige Rolle im Team beeinflussen dürften. Zuerst zu Clarkson, der positiven Entdeckung der letzen Jahre bei den Lakers: Als Zweitrundenpick, der mit der Minium-Exception unter Vertrag genommen wurde, läuft sein Vertrag bereits nach zwei Jahren aus. Das bedeutet angesichts der Cap-Situation im Sommer vermutlich den teuersten möglichen Vertrag, was trotz Gilbert Arenas-Regel noch etwa 50 Millionen Dollar über 4 Jahre ergäbe. Russell, der zweite Pick 2015, konnte schon auf dem Parkett nicht überzeugen – das Hauptproblem stellt jedoch seine Auseinandersetzung mit Nick Young dar. Hier stellt sich nochmals die Frage, was ältere Spieler ohne positiven Einfluss in schlechten Teams verloren haben. Auch Randle und Nance wirken bisher nicht wie überdurchschnittliche Starter, was bei letzterem (Pick 27 2015) zumindest kein Problem darstellt, bei Randle als 8. Pick 2014 schon eher.

Zusammenfassend ähnelt die Situation daher der in Philadelphia: Es gibt keine echten Argumente, auf den Spieler mit dem größten Potential zu verzichten. Clarkson und Russell sind dank ihrer Größe ohnehin recht flexibel, sonst fehlt erst Recht die Konkurrenz. Nur müssen Jim Buss und Mitch Kuptchak unbedingt der Verlockung widerstehen, den Rebuild durch einen Trade beschleunigen zu wollen.

Tendenz: Upside und BPA – und bloß keine Experimente in Richtung Trade. Dafür fehlt den Lakers jedes vernünftige Argument.

3. Pick: Boston Celtics

Einen Top 3-Pick als Playoffteam – das gab es schon länger nicht mehr in der NBA. Die Entscheidung der Nets zum Garnett-Pierce-Trade wird noch auf Jahre zum Kopfschütteln bis Verzweifeln bei jedem Beobachter sorgen, was aber natürlich nicht das Problem der Celtics ist. Stattdessen befinden sie sich grundsätzlich in einer sehr komfortablen Situation mit großer Flexibilität: Es gibt mindestens drei realistische und attraktive Wege.

Zum einen könnten sie schlicht einen Spieler ziehen und ihn langsam von Brad Stevens entwickeln lassen. Der junge Head Coach der Celtics konnte von Anfang an überzeugen und leistete einen erheblichen Beitrag zum sportlichen Erfolg des Teams in der Umbruchphase der letzten Jahre. Wieso also nicht einfach den Pick nutzen? Dank ihrer flexiblen Spieler wäre praktisch jeder Spieler über 6-3 denkbar (die Plätze für kleine Guards sind durch Isaiah Thomas, Avery Bradley und den zumindest etwas größeren Marcus Smart vermutlich besetzt). Einige Rotationsminuten würden für den Spieler vermutlich sofort anfangen, falls die Celtics nicht zusätzliche Spieler verpflichten.

Nur wirkt diese Möglichkeit nicht optimal: Wie gut kann sich der Draftee in einem Team mit Playoffambitionen wirklich entwickeln? Gibt der dritte Pick ausreichend Chancen auf einen Franchise Player? Passt der Spieler annähernd in die Timeline der Celtics? Es wäre beispielsweise keine gute Idee, einen Win Now-Spieler als Reach zu ziehen, nur weil er besser in die kurzfristigen Pläne passt.

Die beiden Alternativen sind entweder ein Trade des Picks – oder der besten Veteranen. Der Radikal-Rebuild ist durchaus nicht völlig absurd, aber eher unwahrscheinlich. Das Team ist zu gut und die Celtics auch dank ihrer Geschichte zu attraktiv, um den ganz langsamen Weg zu wählen. Damit bleibt ein Trade des Picks als wahrscheinlichste Alternative. Dank der vielen günstigen Spieler (Thomas, Bradley, Jae Crowder) und auslaufenden oder nicht garantierten Verträge (Jared Sullinger, Tyler Zeller und Evan Turner beziehungsweise Amir Johnson und Jonas Jerebko) hat GM Danny Ainge alle Optionen, vor oder nach der Draft auf dem Trademarkt aktiv zu werden und zudem weitere Spieler in der Free Agency zu verpflichten. Nicht nur deshalb wirkt das Szenario stimmig: Auch aufgrund der vielen weiteren Assets ist Boston sicher die erste Adresse, an die sich Teams mit Star auf dem Tradeblock wenden. Die Perspektiven der Celtics sind zwar unklar, aber in jedem Fall eindeutig positiv.

Tendenz: Es dürfte auf einen Trade des Picks hinauslaufen – aber die Celtics können im Zweifel auch einfach draften, wenn die überzeugenden Angebote fehlen. Das Problem ist nur: Nähert sich Boston auf die eine oder andere Weise einem Franchise Player?

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