Salary Cap / CBA

Lockout 2011?

Anfang Juni 2011: Die Finals in der NBA stehen an, und der amtierende Champion, die Los Angeles Lakers, trifft auf das runderneuerte Team der Miami Heat. Die Einschaltquoten kommen an die Finals-Begegnungen der Chicago Bulls um Michael Jordan heran, und nach einer epischen Schlacht krönt sich ein Team zum verdienten Meister.So – oder so ähnlich – könnte sich das Basketballgeschehen der NBA entwickeln und sich uns in sechs Monaten präsentieren. Doch was wird danach folgen? Die Miami Heat werden sicherlich versuchen, eine Dynastie aufzubauen. Doch werden sie dieses ehrgeizige Ziel nach der jetzigen Saison überhaupt in Angriff nehmen können? Spielerisch sicherlich. Fraglich ist nur, ob sie überhaupt das Parkett zum Start der Saison betreten dürfen. Denn über der Saison 2010/2011 schwebt die Bedrohung eines Lockouts, da am 30. Juni 2011 der Tarifvertrag ausläuft.

Anfang Juni 2011: Die Finals in der NBA stehen an, und der amtierende Champion, die Los Angeles Lakers, trifft auf das runderneuerte Team der Miami Heat. Die Einschaltquoten kommen an die Finals-Begegnungen der Chicago Bulls um Michael Jordan heran, und nach einer epischen Schlacht krönt sich ein Team zum verdienten Meister.

So – oder so ähnlich – könnte sich das Basketballgeschehen der NBA entwickeln und sich uns in sechs Monaten präsentieren. Doch was wird danach folgen? Die Miami Heat werden sicherlich versuchen, eine Dynastie aufzubauen.  Doch werden sie dieses ehrgeizige Ziel nach der jetzigen Saison überhaupt in Angriff nehmen können? Spielerisch sicherlich. Fraglich ist nur, ob sie überhaupt das Parkett zum Start der Saison betreten dürfen. Denn über der Saison 2010/2011 schwebt die Bedrohung eines Lockouts, da am 30. Juni 2011 der Tarifvertrag ausläuft.

Aus der Vergangenheit lernen?

Photo: Eric Richardson (Lizenz)

Die Situation ist beileibe nicht neu. Seit der Einführung des Salary Caps in der Saison 1984/85 kommt es immer wieder zu Vertragsverhandlungen zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft. Der Streitpunkt ist im Grunde immer derselbe: die Beteiligung der Spieler am Gewinn der NBA. Zu welchen dramatischen Ausmaßen das Ganze führen kann, sah man nicht zuletzt in der Saison 1998. Die Spielergewerkschaft (National Basketball Player Association [NBPA]) und das Office der Liga, vertreten durch David Stern, konnten sich auf keinen neuen Tarifvertrag einigen. Die Folge? Die NBA-Saison wurde zu Teilen abgesagt und die Verträge der Spieler wurden ausgesetzt. Ein zähes Ringen um die Beteiligung am Einkommen der Liga (Basketball Related Income [BRI]) setzte sich bis in die eigentliche Regular Season fort.

Wie immer gab es auch hier zwei Seiten, deren Argumente man nachvollziehen konnte, auch wenn sie meist diametral gegenüberstanden. Die Teambesitzer beklagten die nach oben hin offene Gehaltsskala. Es gab natürlich einen Salary Cap, der eigentlich das Gehaltsvolumen einer Franchise begrenzte, aber durch die Larry Bird Exception war es möglich, einem Spieler jede Summe zu zahlen, wenn er denn für eben jene Ausnahmeregelung qualifiziert war. Dies nahm abstruse Züge an. So erhielt alleine Michael Jordan 33 Millionen für ein weiteres Jahr bei den Chicago Bulls. Der Salary Cap betrug zu diesem Zeitpunkt aber nur knapp 27 Millionen Dollar. Jordan verdiente mehr als manches gesamte Team. Dass die Besitzer eine solche Entwicklung stoppen wollten, versteht sich von selbst.

Andererseits führte die Spielergewerkschaft ebenfalls Argumente an, die es nicht zu ignorieren galt. Die NBA hatte sich in Sachen Vermarktung in den Jahren zuvor sehr hervorgetan und nicht zuletzt ein abgeschlossener Fernsehvertrag hatte sehr viel Geld in die Kassen gespült. Die Spieler wollten zu einem größeren Teil an den neuen Einnahmen beteiligt werden.  Der Executive Director der Spielergewerkschaft, Billy Hunter, betonte gerade dies in seinen Ausführungen wiederholt. Die Teambesitzer müssten ihren Blick darauf richten, dass sich durch die neuen Einnahmen die Rahmenbedingungen verändert hatten.

Die Fronten waren verhärtet. Die gesamte NBA-Saison war ernsthaft in Gefahr. Die Franchise-Owner einigten sich bei Gesprächen darauf,  ihre Standpunkte  notfalls auszusitzen. Die Spieler wurden seit dem ersten August nicht mehr bezahlt. Dadurch wollten die Besitzer die Einigkeit unter den Spielern aufreiben, schließlich gab es in der NBA nicht nur Superstars. Spieler, die für das Minimum aufliefen, mussten um ihre Existenz fürchten. Infolgedessen wird auch ersichtlich, wer letztlich am längeren Hebel sitzt: diejenigen, die ihre Angestellten bezahlen.

1998 konnte man sich letztlich doch noch auf ein Abkommen einigen, allerdings wirklich zum letztmöglichen Zeitpunkt. Dies war unter anderem mit der Absage des All Star Games verbunden, da die Saison schon zu weit fortgeschritten war. David Stern – auch damals schon Commissioner der NBA – hatte die letzte Frist auf den siebten Januar 1999 gesetzt. Einen Tag vorher konnte ein neuer Arbeitsvertrag (Collective Bargaining Agreement [CBA]) präsentiert werden. Die NBA-Saison war zu Teilen gerettet, jedes Team konnte noch 50 Spiele vor den Playoffs absolvieren. Die San Antonio Spurs krönten sich zum ersten Mal in der Geschichte der NBA zum Champion.

Doch der angerichtete Schaden durch den Lockout sollte die NBA noch weitere Jahre treffen. Nicht nur die Fans sahen einen empfindlichen Imageschaden am Produkt „NBA“, sondern auch die finanzstarken Sponsoren. Der Streit zwischen Teambesitzern und Spielergewerkschaft hatte letztlich für beide Seiten vornehmlich negative Auswirkungen.

Aus der Vergangenheit hatte man zumindest 2005 gelernt. Mit dem Wissen, dass die NHL eine komplette Saison aufgrund eines Lockouts verloren hatte, konnten sich Liga und NBPA pünktlich einigen und zumindest bis 2011 sicherstellen, dass die NBA-Saisons gesichert waren. Genau ein Jahr vor einem potenziellen Lockout haben sich die Fronten jedoch wieder verhärtet. Hatte die Vergangenheit den Beteiligten denn gar nichts gelehrt?

Andere Voraussetzungen – ein neuer Kampf?

Sollte man die Geschehnisse von 1998 in einem Satz zusammenfassen wollen, würde man sich wohl auf folgenden Ausspruch einigen: Der Liga ging es finanziell sehr gut und die Spieler forderten ihren verdienten Anteil daran.

Zwölf Jahre später trifft diese Situation aber nicht mehr zu. Die Spieler verdienen momentan 57% des BRI – so viel wie noch nie. Dies ist prinzipiell auch nicht schlimm. Doch glaubt man den Zahlen des Forbes-Instituts, verschuldet sich momentan fast die Hälfte aller Franchises. Manche Eigentümer gehen diesen Umstand bewusst ein, wie bspw. Mark Cuban von den Dallas Mavericks. Ein Großteil der Besitzer besteht aber weiterhin aus finanzorientierten Eigentümern, die eine Beteiligung an einer Sport-Franchise vor allem unter dem Aspekt des Gewinns sehen. Im Gegensatz zu 1998 hat sich das Bild also gewandelt: Die Spieler haben viele Forderungen erfüllt bekommen und profitieren momentan vom CBA. Laut Aussage der Team-Besitzer zu einem viel zu großen Teil.

Betrachtet man die Entwicklung der NBA unter dem Gesichtspunkt der Trades in den letzten drei Jahren, wird schon sehr auffällig, in welche Richtung sich die beste Basketballliga der Welt entwickelt hat. Einige Beispiele:

  • 01.02.2008: Die Memphis Grizzlies traden Pau Gasol und einen 2nd Rounder gegen Kwame Brown, Javaris Crittenton, Marc Gasol und zwei First Rounder zu den Los Angeles Lakers.
  • 23.06.2009: Die Milwaukee Bucks schicken Richard Jefferson zu den San Antonio Spurs und erhalten dafür Bruce Bowen, Fabricio Oberto und Kurt Thomas.
  • 25.06.2009: Die New Jersey Nets senden Vince Carter und Ryan Anderson zu den Orlando Magic. Sie erhalten im Gegenzug Tony Battie, Courtney Lee und Rafer Alston.

Das Schema lässt sich auf eine Vielzahl anderer, kleinerer Trades übertragen. Im Mittelpunkt steht ein überdurchschnittlicher Spieler, der gegen auslaufende Verträge und – im besten Fall – Talent getauscht wird. Es geht schon seit längerer Zeit nicht mehr um sportlich sinnvolle Trades für beide Seiten. Die eine Seite muss dringend Geld sparen, die andere möchte sich sportlich verbessern und ist bereit, Geld auszugeben. Die beiden Deals aus dem Jahr 2009 sind symptomatisch: Kein Spieler, der gegen einen Star getauscht wurde, ist noch im Kader des Teams – und das nach 12 Monaten.

Dass die meisten Teambesitzer also nicht einfach raffgierig sind, sondern in den letzten Jahren vor allem auf Ersparnisse achten, ist unstrittig. Deshalb sind nun auch Forderungen der Besitzer an die Öffentlichkeit gedrungen. Ein Blick darauf zeigt die schon fast verzweifelte Lage der Besitzer.

Streitpunkte – zwei Sichten auf die Lage der NBA

Wie wichtig und zentral ein rechtzeitig verabschiedetes CBA ist, machte der Umstand deutlich, dass es bereits beim diesjährigen All-Star Game zu einem Treffen zwischen Teambesitzern und der Spielergewerkschaft kam, das sich konkret mit der Situation in 18 Monaten beschäftigen sollte. Wie Ken Berger schon damals darstellte, würden die Forderungen der Liga in diesem Verhandlungsturnus weit einschneidender sein als in den Gesprächen aus den vorhergehenden Perioden. Berger hatte wesentliche Eckdaten der Forderungen der Besitzer erhalten, da diese ihr Anliegen bereits schriftlich ausformuliert der „players union“ zukommen ließen, um in Dallas darüber diskutieren zu können. Genaues konnte Berger nicht in Erfahrung bringen, wohl aber, dass die Liga einen so genannten Hard Cap anstrebt und das Einkommen der Spieler auf „deutlich unter 50%“ des BRI sinken lassen will.
Derek Fisher, seines Zeichens Präsident der Spielervereinigung, kommentierte knapp, dass die Liga „über das Ziel hinausgeschossen“ sei und die Spieler-Union sich gegen die Vorschläge auflehnen werde. Die Verhandlungen endeten also – wie erwartet – ohne Ergebnis. Dies ist auch dem zusätzlichen Umstand verdankt, dass der Salary Cap von momentan 57,7 Millionen Dollar in der nächsten Saison wohl fallen soll. Das bedeutet, dass die Spieler schon damit rechnen, dass sie – zumindest durchschnittlich gesehen – weniger verdienen werden.

Anfang Oktober 2010 wurde dann von Billy Hunter –  in seiner Position als Executive Director für die Spielergewerkschaft – enthüllt, was im Februar in Dallas wirklich für ein Vertragsangebot der Liga auf dem Tisch lag: Die Einführung eines Hard Caps, die Reduzierung der Spielergehälter um 40%(!) und die Eliminierung der Möglichkeit, langjährige garantierte Verträge vergeben zu können. Dass die Spielervereinigung darauf nicht einging, scheint zuerst einmal logisch. Die Spieler der NBA verdienen momentan zusammen 2,1 Billionen Dollar. Dieser Betrag soll um 700 bis 800 Millionen Dollar gekürzt werden. Astronomische Summen auf beiden Seiten. Warum diese Forderungen so drastisch sind, lässt sich aber relativ leicht belegen: Die Liga befindet sich in einer „unökonomischen Situation“. Dies sind die Worte von David Stern , der weiterführend darlegt, dass ligaweit im letzten Jahr zwischen 340 und 350 Millionen Dollar Verlust gemacht wurden. Die Franchise-Owner kämpfen hier – nach Darstellung Sterns – wirklich ums Überleben. Deshalb ist auch zu verstehen, wieso die Forderungen derart hoch sind: die NBA rentiert sich als Geschäft nicht. Zieht man dann noch hinzu, dass die letztjährigen Finals die höchste Einschaltquote seit zwölf Jahren erzielte, muss die Liga ja in eine Schieflage geraten sein, wenn es genügend Publikum gibt, man jedoch weiter rote Zahlen schreibt.

Bisher gänzlich unberücksichtigt blieben die Forderungen der Spielergewerkschaft. Dies ist auch recht einfach zu erklären: die Spieler wollen nur den Status quo erhalten. Auch hier wendete sich – im Vergleich zu 1998 – das Blatt. Nicht die Spieler wollen an den Gewinnen stärker beteiligt werden, sondern die Liga will keine Verluste mehr einfahren.

Was bis hierhin klar wird, ist, dass die Akzentsetzung eine völlig neue Dimension angenommen hat. Es wird nicht darum gestritten, wer wie viel vom großen Kuchen abbekommt, sondern, wie die Liga sich mittelfristig positionieren kann, um weiter „gesund“ zu wirtschaften. Die Frage, wer nun Schuld an der Situation ist, ist genauso wenig zu beantworten wie die Frage nach dem Huhn oder dem Ei.

Auf der einen Seite steht die Liga, die durch ihre starke Öffentlichkeitsarbeit und die immer weiter führende globale Erschließung des Marktes das Fundament für einen aufstrebenden Wirtschaftszweig bildet und klarer Marktführer im Bereich Basketball ist. Auf der anderen Seite sind gerade die Spieler, durch ihre individuelle Klasse als Sportler, dafür verantwortlich, dass der Liga so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Beide Teile sind unabdingbar für ein Gelingen, beide Teile sehen sich deshalb auch in einer guten Verhandlungsposition.

Demnach ist Sterns Argumentation insofern schlüssig, als er nach einer zweitätigen Sitzung im Oktober darlegte, dass das Hauptaugenmerk darauf zu richten ist, dass die Liga „profitabel“ sein soll. Das Wort ist wirtschaftlich angehaucht, aber letztlich ist die NBA nichts anderes als ein Wirtschaftsunternehmen. Wenn hier nicht solide gewirtschaftet wird, ruiniert das einen ganzen Industriezweig, an den weltweit sicherlich zehntausende Menschen angeschlossen oder gar abhängig davon sind. David Stern hat zudem angekündigt, dass bei ausbleibendem Verhandlungserfolg gar einige Franchises ganz aufgelöst werden müssten, da man finanziell nicht mehr tragbar wäre. An den Verhandlungen hängen also wirklich Arbeitsplätze, nicht nur die der NBA-Spieler, sondern ganzer Organisationen.

Wie bestimmend das Thema Lockout ist, sieht man des Weiteren  an den Handlungen , die im NBA-Umfeld durchgeführt werden.

Die Verhandlungen prägen den Alltag der Liga

Carmelo Anthony ist in diesen Tagen öfter Thema in Diskussionen rund um die NBA. Das liegt zwar vorrangig an den immer wieder aufflammenden Tradegerüchten,  aber diese haben nicht zuletzt auch einen Kern in den Verhandlungen um die CBA. Anthonys Vertrag läuft nämlich – wie auch der Tarifvertrag – am 30.06.2011 aus. Auch er möchte einen neuen Vertrag abschließen. Nach jetzigen Schätzungen möchte er auch weiterhin das Maximalgehalt kassieren. Dieses Unterfangen dürfte eigentlich kein Problem darstellen, schließlich sind die Denver Nuggets dazu bereit – und sicherlich nicht das einzige Team. Was die Zukunft Anthonys unsicher macht, ist nicht nur das Gerücht, dass er Denver verlassen will, sondern auch der Umstand, dass er als Free Agent eventuell weniger Geld verdienen könnte, da Anthony unter dem neuen Tarifvertrag erst zu einem neuen Vertrag gelangen würde. Dies wäre mit einer möglichen Vertragsverlängerung anders. Diese würde Anthony zunächst zusichern, unter dem alten CBA einen Vertrag abgeschlossen zu haben – ohne mögliche 40% Gehaltskürzungen. Diese Unsicherheit erschwert es Anthony, eine Entscheidung für oder gegen die Denver Nuggets zu treffen.

Als einen wichtigen Entscheidungsgrund gibt hingegen Joakim Noah gerade jene Tarifverhandlungen an. Der Center der Chicago Bulls hatte sich Anfang Oktober mit seinem Club auf eine Vertragsverlängerung geeinigt. Er gab in einem Interview zu Protokoll, dass die Situation rund um das neue CBA die NBA-Besitzer vorsichtiger agieren lässt und er froh sei, dass die Bulls ihm einen Vertrag angeboten haben. Noah unterschrieb für fünf Jahre und soll 60 Millionen Dollar für sein Engagement erhalten. Dies ist natürlich eine stolze Summe, aber Noahs Verhandlungsposition – blendete man die Verhandlungen um eine neue CBA aus – wären im Sommer wohl noch besser gewesen. Er hätte auf einen Sechsjahres-Vertrag bestehen können, eventuell mit noch einem größeren Verdienst. Dass Noah jedoch über diesen guten Vertrag froh ist, ist verständlich. Bisher spielte er noch für ein festgeschriebenes Rookie-Gehalt.

Für dieses Rookie-Gehalt sollen 2011 dann auch die besten College-Spieler des vergangenen Jahres in die NBA wechseln. Wie Chad Ford in seinem Draft-Blog aber zu bedenken gibt, beeinflusst der neue Vertrag zwischen Spielern und Liga auch hier bereits den Alltag. Wenn die Verhandlungen nicht in einem gesunden Tempo voranschreiten und auch im März oder April noch nicht klar ist, dass es einen neuen Vertrag gibt und der Lockout abgewendet wird, können viele Freshmen eventuell davon absehen, sich für den Draft 2011 anzumelden. Die NCAA ist für die Highschool-Superstars meist nur ein Zwischenstopp. Zumeist endet dies im „one and done“  (ein Jahr wird in der NCAA gespielt, danach wechselt man direkt in die NBA). Das bringt die Spieler jedoch in diesem Jahr in die komfortable Lage, auf die NBA zu verzichten. Schließlich verdient man bei einem Lockout kein Geld und darf keinen organisierten Basketball spielen. In der NCAA wäre zumindest das Zweite möglich. In diesem Draft wären  dann unter Umständen nur College-Seniors zu picken, da diese das College eh verlassen müssten.

Um diesen beschriebenen worst case zu verhindern, müssen also Fortschritte bei den Verhandlungen erzielt werden – und dies am besten schnell. Doch wie können mögliche Lösungen aussehen?

Mögliche Lösungsansätze

Betrachtet man die letzten 15 Jahre die Vertrags- und Gehaltsentwicklung in der NBA, lokalisiert man ziemlich schnell einen Umstand, der das Gleichgewicht zwischen Ligaeinnahmen und Spielereinkommen bedroht: die sogenannten Ausnahmeregelungen (Exceptions) und in diesem Fall genauer: die Larry Bird Exception. Den Boston Celtics wurde es als erster Franchise erlaubt, die Grenze des Salary Caps zu überschreiten, um Larry Bird weiter an die Celtics zu binden. Sobald ein Spieler einen Drei-Jahres-Vertrag in der NBA erfüllt, ohne entlassen zu werden, besitzt er sogenannte volle Bird-Rechte. Das bedeutet, dass sein momentaner Verein ihm jedes Gehalt bieten darf – auch über den eigentlichen Salary Cap hinaus. Die Veranlassung für diesen Schritt im Regelwerk ist aus Sicht der Teambesitzer zunächst als positiv zu bewerten. Durch die Bird Rights kann ein Gesicht der Franchise auch weiterhin für das Geld, das die Franchise investieren will, für eben diese auflaufen. Daraus resultiert eine höhere Identifikation zwischen Spieler und Franchise.

Die negativen Seiten treten allerdings vermehrt zu Tage und sind auch jetzt – zwei Monate nach DEM Sommer, wo so viele Teams Capspace hatten, um Free Agents zu verpflichten – schon wieder sichtbar: gerade mal neun Team sind unter dem Salary Cap von 57,7 Mio$. Das Gehaltsgefüge ist eine Spirale, die nur einen Richtung kennt: weiter nach oben. Nicht zuletzt verdienen die Spieler prozentual so viel wie noch nie. Verantwortlich dafür ist auch die Larry Bird Exception, die neben der Mid Level Exception (MLE) am häufigsten genutzt wird. Aus dieser Einsicht folgt die Erkenntnis, dass man diese Exceptions aus dem neuen CBA verbannen muss.

Der Hard Cap

Die Folge ist der Vorschlag eines Hard Caps. Bisher hat die NBA einen Soft Cap. Es gibt zwar einen Begrenzung bei 57,7 Mio$, aber unter bestimmten Bedingungen kann dies ausgehebelt werden und die Teams überschreiten die magische Grenze. Ein Hard Cap würde alle Ausnahmeregelungen verbieten und einen festen Richtwert ausgeben, der nicht überschritten werden darf. Das ehrgeizige Projekt wirft jedoch mehrere Fragen auf.

Zunächst einmal wäre zu klären, ab wann dieser Hard Cap gelten solle. Würde bereits das nächste Jahr angepeilt, entstehen unweigerlich riesige Konflikte, die letztlich dem Image der NBA schaden würden. Teams wie die Los Angeles Lakers um Kobe Bryant haben auch im nächsten Jahr schon feste Ausgaben von knapp 90 Millionen Dollar. Da ein Hard Cap in dieser Höhe unrealistisch ist (da dadurch die Beteiligung der Spieler am BRI noch ansteigen würde), müsste es wieder Regelungen geben, wie mit Teams zu verfahren ist, die über dem Hard Cap liegen würden. Müssten empfindliche Strafen gezahlt werden, bis man unter dem Hard Cap ist? Diese Strafen (momentan in dem CBA als Luxury Tax benannt) gibt es bereits – und sie werden von einigen Teams bewusst in Kauf genommen. Außerdem sollten Ausnahmeregelungen ja gerade verhindert werden. Was also dann? Sollten Spieler gewaived werden können, um unter den Hard Cap zu kommen? Im Falle der Lakers müsste man sich sicherlich von Schlüsselspielern trennen und sich erheblich schaden. Dazu kommt noch, dass diese Spieler dann arbeitslos wären und sich einen neuen Verein suchen müssten. Ein Chaos würde ausbrechen, viele Teams würden völlig anders aussehen und die Identifikation ginge verloren. Ein Imageschaden wäre unausweichlich.

Ein andere Variante wäre ein stufenweiser Rückgang von 90 Millionen Dollar auf den gewünschten Wert, der nahe dem jetzigen Salary Cap anzusiedeln sein dürfte. Pro Jahr würde der Cap um fünf Millionen Dollar gesenkt, bis man den gewünschten Wert (ungefähr 60 Millionen) erreichen würde.

Mögliche Auswüchse müsste man eventuell in Kauf nehmen. Teams wie die Miami Heat um LeBron James könnten mit riesigen Ein-Jahres-Verträgen direkt Spieler an sich binden, um ihre Dynastie endgültig zu errichten. Denn 90 Millionen Dollar im ersten Jahr hieße ja auch, dass die anderen Teams investieren dürften. Das Gleichgewicht zwischen Big und Small Market Teams würde in diesen Jahren extrem ins Wanken geraten.

Letztlich bleiben nur zwei Modelle, die ohne großen Imageschaden einhergehen würden: zum einen wäre dies – wie von der Liga gefordert – eine kollektive Reduzierung der Gehälter um 40%. Die Lakers würden nach Abzug von 40% bei 54 Millionen Dollar stehen. Wäre der Hard Cap bei 60 Millionen angesiedelt, hätte man keinerlei Probleme. Der Hard Cap würde für alle Teams direkt greifen können, die Teambesitzer würden wieder schwarze Zahlen schreiben und die Teams würden in ihrer Zusammenstellung beisammen bleiben. Für den Fan würde sich nichts ändern. Wohl aber für die Spieler. Welcher Arbeitnehmer lässt sich einfach 40% seines Lohns kürzen, für den man vorher wochenlang mit seinem Arbeitgeber verhandelt hatte? Der Lohn eines durchschnittlichen NBA-Spielers würde von momentan 5,8 Millionen auf 3,5 fallen. Die Spielergewerkschaft würde diesem Vertrag nur zustimmen, wenn es gar keine andere Möglichkeit gäbe und die NBA-Saison in ernsthafter Gefahr wäre.

Zum anderen gäbe es aber auch die Möglichkeit, den Hard Cap erst in sechs Jahren verpflichtend einzuführen. Man gäbe damit den Teams Zeit, ihre jetzigen Verträge problemlos auslaufen zu lassen (deshalb der Ansatz, dass der Hard Cap erst in sechs Jahren eingeführt würde; dann laufen alle Verträge aus, die vor dem neuen CBA abgeschlossen wurden) und sich auf einen Hard Cap auszurichten. Es würde für die nächsten Jahre das alte CBA gelten – genau dies wäre aber wohl auch der Genickbruch für einige Besitzer  oder ganze Franchises.
Wie man es dreht und wendet, eine Lösung, mit der alle Beteiligten zufrieden wären, ist bisher nicht in Sicht.

Weitere Veränderungen

Mit einem Hard Cap gingen auch weitere Veränderungen einher. Neben dem Wegfall der ganzen Exceptions würde über die maximale Vertragslaufzeit und auch das fristlose Kündigen geredet werden müssen. Man stelle sich nur vor, dass ein Team den Hard Cap voll ausgenutzt hat, aber Spieler eine Progression  (einen Anstieg des Gehalts) im Vertrag festgeschrieben haben. Wie ist das miteinander vereinbar? Gibt es keine Progression mehr? Das wäre durchaus möglich. Auch der Anstieg des Gehalts nach gespielten Jahren sorgte für eine immer höher werdende Belastung der Teambesitzer.

Ein weiterer Punkt, der bedacht werden muss, ist der des Waivens eines Spielers. Wenn ein Spieler für eine Franchise nicht mehr interessant ist, hat man im alten CBA die Möglichkeit gehabt, ihn zu entlassen oder ihn zu traden. Gerade der Tradegedanke entfällt  bei einem spielerisch wertlosen Basketballer mit einem langjährigen Vertrag in einem Hard Cap aber. Durch den Hard Cap haben alle Besitzer den Anspruch, ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen zu führen. Es muss also kein Gehalt eingespart werden, weil man wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Somit entfallen alle „Talent gegen Geld“-Trades. Des Weiteren blockiert der Spieler einen Rosterplatz und durch die nicht mehr existenten Exceptions kann der Club selbst bei einem Cut des Spielers niemanden mehr nachverpflichten. Es gibt ja auch das Veterans Minimum nicht mehr. Daraus resultiert Vorschlag drei der Liga: keine garantierten Verträge. Wie genau sich die Liga das vorstellt, ist bisher nicht bekannt. Zum einen könnte die maximale Vertragslänge gekürzt werden, zum anderen sind alle Verträge nur teilweise garantiert und an spielerische Leistungen geknüpft. Vielleicht sind auch alle Verträge jederzeit kündbar. Ein Horrorszenario für alle Spieler.

Prozentuale Anpassung ans BRI?

Die zahlreichen Exceptions haben das Lohnniveau pro Jahr weiter angehoben und höhlen von innen die NBA aus. Dem muss Einhalt geboten werden. Ein Hard Cap wäre gerade langfristig eine Lösung. Reduziert man jetzt „nur“ die Gehälter und senkt eventuell die Höhe des Maximalvertrags, verschleppt man das Problem wieder nur. In den nächsten Jahren werden dann wieder zahlreiche Ausnahmeregelungen gebraucht und das Lohnniveau steigt wieder an. Vielleicht sollte man die Verträge auch einfach prozentual an den BRI knüpfen. Jeder Franchise stehen 1,5%  des BRI für Spielergehälter zur Verfügung und man teilt das Gehalt dann prozentual ein. Die Folge wäre, dass die Gehälter dynamisch wären und für jedes Jahr neu errechnet würden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Verluste dürfte die Liga damit nicht mehr machen. Eine Progression in den Verträgen wäre möglich, wenn auch mit einiger Vorsicht einsetzbar.

Ein finanziell gesunder Gegenvorschlag der Spielergewerkschaft liegt übrigens nicht vor. Sie sind aber auch nicht dafür verantwortlich. Es ist hingegen bezeichnend genug, dass die „players union“ einfach das alte CBA verlängern möchte und deutet klar darauf hin, dass man sich durchaus bewusst ist, dass man momentan viel (oder gar zu viel) vom BRI profitiert. Allerdings gefährdet man mittelfristig seinen eigenen Arbeitsplatz, wenn der Arbeitgeber einen Spieler nicht mehr bezahlen kann.

Ein (unbefriedigendes) Fazit

Wie hier dargestellt wurde, muss die Liga schauen, dass sie auf finanziell gesunden Beinen steht. Ohne diese Voraussetzung ist kein reibungsloser Spielbetrieb möglich. Da die NBA ein in sich geschlossenes System ist und man nicht einfach die maroden Clubs absteigen lassen kann, muss gemeinschaftlich eine Lösung gefunden werden. Im Extremfall müssen ein oder mehrere Franchises wirklich geschlossen werden. Die ersten Forderungen der Franchise-Besitzer waren sicherlich überzogen. Man möchte aus 350 Millionen Verlust 350 Millionen Gewinn für die Liga machen, und dies komplett zu Lasten der Spieler. Ohne Gehaltseinbußen der Spieler ist es aber auch nicht möglich, ein Konstrukt aufzustellen, das mittelfristig rentabel sein wird.

Wie auch immer die Verhandlungen ausgehen, eine Seite wird empfindliche Einbußen hinnehmen müssen. Es geht eben nicht nur um die Beteiligung am Gewinn, sondern um die Vermeidung des Verlusts. Es geht um Geld, Arbeitsplätze, Organisationen und Existenzen. Die Anzeichen für einen Lockout sind stärker denn je.
Zu diesem Zeitpunkt ist ein Lockout alles andere als ausgeschlossen. Die Parteien sind zu weit voneinander entfernt, als dass man in kurzer Zeit mit einer Einigung rechnen kann. Allerdings hat man noch acht Monate Zeit. Die Uhr tickt.

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