Atlanta Hawks

Atlantas Offseason 2016

Flexibilität ist Trumpf

Die NBA-Saison 2015/16 ging mit dem 4:3-Finalsieg der Cleveland Cavaliers mit einem echten Kracher zu Ende. Längst richten sich aber die Blicke bereits wieder auf die neue Spielzeit: über Trades, Draft und Free Agency verstärken sich Teams und versuchen, einen Angriff auf die Spitze der NBA zu starten.

Eines dieser Teams sind die Atlanta Hawks. Zwei Sweeps setzte es in den letzten beiden Jahren gegen die Cleveland Cavaliers, die in dieser Zeit die Eastern Conference dominierten; einmal war im Conference Finale Schluss, einmal in der 2. Runde. Atlanta scheint also eines dieser Teams zu sein, die im (oberen) Mittelfeld der Liga feststecken: ein sicheres Playoff-Team, das kaum gute Picks und Talente bekommt, aber gleichzeitig nicht stark genug ist, zum erweiterten Contender-Kreis zu gehören. Dementsprechend umtriebig war das Front-Office der Hawks im Sommer.

Mit dem 3-Team-Trade, der Jeff Teague zu de Indiana Pacers schickte, läutete die Franchise den NBA-Sommer ein. Im Gegenzug kam der 12. Pick der Draft, mit dem Atlanta Swingman Taurean Prince zog. Weiterhin erhielten die Hawks über die Draft die Rechte an DeAndre Bembry (21. Pick), Isiah Cordinier (44.Pick) und Kay Felder – letzterer wurde bereits für Cash nach Cleveland geschickt. Deutlich interessanter waren jedoch drei Free-Agent-Personalien. Zunächst verließ Al Horford die Franchise in Richtung Boston, wo er einen Fast-Maximaldeal erhielt (5 Jahre/135 mio.). Ihn ersetzten die Hawks durch Dwight Howard (3 Jahre/70,5 mio.). Zudem einigte sich Atlanta mit Kent Bazemore (4 Jahre/72 mio.) auf eine Vertragsverlängerung. Anschließend füllten die Hawks den Kader mit den Rollenspielern Malcolm Delaney (2 Jahre/5 mio.), Jarret Jack (1 Jahr/1,5 mio.) und Matt Costello (2 Jahre/ 1,4 mio.) auf.

Wie gesagt, ein sehr umtriebiger Sommer. Mit Horford und Teague verließen das Team zwei Starter, mit Howard wurde zudem ein großer Name verpflichtet. Bis auf einige kleinere Deals, die den Kader auffüllen, ist fürs erste nicht mehr viel zu erwarten. Was bedeutet diese Offseason also für die Hawks – kurz- wie langfristig? Kann der Sprung zu einem Top-Team gelingen?

Die Ära Budenholzer

Vor dem Ausblick auf die nächste Spielzeit, sollte man einen kurzen Blick auf die bisherige Ära Budenholzer werfen. Einige Erkenntnisse daraus können wichtig für die Zukunft der Franchise sein. 3 Jahre coacht er das Team jetzt schon, seit letzter Saison schwingt er in Doppelfunktion auch als General Manager das Szepter. Der Kern des Teams um Teague-Korver-Millsap-Horford blieb in dieser Zeit der Gleiche. Dabei zeigte Budenholzer durchaus ein glückliches Händchen bei der Talent- und Rollenspielerentwicklung: Spieler wie Dennis Schröder, Kent Bazemore oder Demarre Carroll legten allesamt deutlich Leistungssprünge hin und ergänzten den Kern gut.

atl 5Auf Team-Ebene sprangen dabei durchaus Verbesserungen heraus: die Siegesbilanz veränderte sich von 38 zu 60 zu 48 Siegen. In den Playoffs reichte es einmal für die 1. Runde, einmal für die Conference Finals und einmal für die 2. Runde, wo man zuletzt beide Male den Cleveland Cavaliers unterlag. Dabei sticht sicherlich die Saison 2014/15 heraus, in denen die Hawks teilweise begeisternden Team-Basketball zeigten und die Regular Season auf Platz 1 der Eastern Conference abschlossen. In der abgelaufenen Saison trat das Team hingegen ein wenig verändert auf:

Die augenscheinlichste Veränderung betrifft die Offensive: von Platz 6 (108,9) im Ortg rutschte das Team auf Platz 22 (105,1) ab. Dabei spielte das Team sogar deutlich schneller: die Pace erhöhte sich von 93,9 auf 97,1. Die Gründe für diesen Abfall sind vielfältig: sowohl der Abgang Demarre Carrolls als auch eine schwächere Saison Kyle Korvers dürften eine Rolle gespielt haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Saison 2014/15 schlicht und ergreifend ein „Betriebsunfall“ war, in dem der Kader deutlich über seinen Möglichkeiten performte – die abgelaufene Saison sollte den realistischeren Blick auf dessen Leistungsvermögen bieten. In dieser wurde das gesunkene Niveau der Offense von der starken Defense aufgefangen: ein starkes Drtg von 101,4 reichte für den ligaweiten 2. Platz in dieser Kategorie. Besonders in der zweiten Saisonhälfte brillierten die Hawks am eigenen Korb. Der Fokus des Teams verschob sich also von der Offense zur Defense.

Blicken wir auf einige weitere Kennzahlen des Hawks-Spiels. In der Offensive zeigten die Hawks weiterhin das starke Ballmovement, dass Beobachter von den „Spurs-Ost“ sprechen lässt – Platz 2 in der Assist-Kategorie. Dass die Offense trotzdem zum unteren Drittel der Liga gehörte lag an einigen Faktoren: die Turnover-Ratio war viel zu hoch (15,0/Spiel, Platz 22) und auch aus der Distanz traf das Team nur mittelmäßig (35,0% 3FG, Platz 15). Zudem fehlt dem Team immer noch ein glasklarer Go-to-guy, der die Offense in engen Spielen an sich reißt; das äußert sich etwa in der schwachen FT/FTA-Rate, die die zweitschlechteste der Liga war. Die defensiven Kennzahlen sind dagegen durchweg stark: Platz 1 bei der erlaubten Feldwurfquote, Platz 6 bei der erlaubten Dreierquote und auch ohne waschechten Ringbeschützer Platz 5 bei den Blocks. Einzige Ausnahme hierbei bilden die Rebounds: hier standen die Hawks auf einem schwachen 24. Rang (42,1). Besonders am offensiven Brett ging gar nichts (Platz 30), was aber zu Budenholzers Taktik gehört – gegnerische Fastbreaks sollen vermieden werden. Bei den Defensiv-Rebounds belegte man immerhin Rang 13, dies ist jedoch eher der starken Verteidigungsarbeit und der daraus resultierenden niedrigen Wurfquote geschuldet; gleichzeitig ließ man die viertmeisten Offensiv-Rebounds zu.

Dies ist also das Fundament auf dem die Hawks für die nächste Saison aufbauen. Wagen wir also eine neue Prognose, welche Möglichkeiten das veränderte Personal Coach Budenholzer ermöglicht – offensiv wie defensiv.

Die Defense

Zunächst also zum Prunkstück der vergangenen Spielzeit. Den größten Einfluss sollte hierbei die Verpflichtung von Dwight Howard haben. Sein Defensivrating in drei Jahren Houston liest sich mit 101, 100 und 104 immer noch stark, gerade im streckenweise katastrophalen Defensiv-Verbund der Rockets. Alterserscheinungen und qualitativer Abbau sind bei ihm eher am offensiven Ende zu finden. Dennoch bleibt die Frage: ist er ein defensives Upgrade zu Al Horford? Der gemeine Fan würde das wahrscheinlich erst einmal bejahen. Die Zahlen stützen dies allerdings nur bedingt. Im Drtg hat Neu-Celtic Horford die Nase mit 101 zu 104 vorn – allerdings legt er diese Zahlen im defensiv viel besseren Team der Hawks auf. Trotzdem war er damit der 4.beste Rotationsspieler des Teams. Gerade bei den Rim-Protection Stats – eigentlich ja die große Stärke Howards – kann er jedoch punkten. Direkt am Ring erlaubt Horford eine Wurfquote von 49,5% und contested 30,7% der Würfe. Howards Werte sind in beiden Kategorien leicht schlechter (50,1% erlaubte Wurfquote / 27,0% erschwerte Würfe). Beide Big Men bewegen sich mit diesen Werten im Ligamittelfeld.

Horfords Trumpf in der Defensive ist seine Variabilität: er kann am Korb Würfe erschweren, ist ein variabler Verteidiger am Perimeter und kann zur Not auch im Post dagegen halten. Im Post lässt er so etwa nur 0,80 PPP zu – ein Spitzenwert. Howards Werte sind minimal schlechter (0,82 PPP). Die absoluten Zahlen sprechen eine leicht andere Sprache: weniger als ein Mal pro Spiel muss Howard ein Post-up verteidigen – gegnerische Teams versuchen erst gar nicht, ihn dort zu attackieren, da er schlicht zu physisch ist. Horford dagegen war in der abgelaufenen Saison der am Meisten aufgepostete Big Man der Liga war (177 Mal in 82 Spielen). Er verteidigte dies wie gesagt gut, dennoch zeigt die Tatsache, dass Teams ihn dort gezielt attackieren, dass er in diesem Bereich kein Elite-Verteidiger wie Howard ist. Auch am Perimeter im Pick-and-Roll gehört Howard zu den besseren Verteidigern und kann Horfords Leistungen ersetzen. Trotz schwindender Athletik ist er noch immer schnell genug, um gegnerische Ballhandler zumindest kurz vor sich zu halten.

Das Potential, Horfords Abgang aufzufangen ist also vorhanden. Bleibt die Frage, ob Howard in einem starken Defensiv-Team defensiv wieder aufblühen kann. Viel wird dabei von Verletzungen abhängen: in den letzten drei Jahren spielte er nur in 71, 41 und 71 Spielen. Bleibt er fit – und nur dann – könnte er sich sogar als leichtes Upgrade zu Horford erweisen. Immerhin sollte er gut mit Frontcourt-Partner Paul Millsap harmonieren. Dieser ist ein extrem variabler Verteidiger, kann den Ring beschützen und am Perimeter verteidigen. Mit Howard als Absicherung sollte die Zone der Hawks in der nächsten Saison nur schwer zu knacken sein.

atl 6Auch bei den Rebounds ist eine Verbesserung zu erwarten. Howard ist, wenn fit, immer noch eine athletische Ausnahme-Erscheinung und gehört zu den besten Reboundern der Association. Seine Rebound-Percentage von 20,2% war die 7.-beste der Liga; Horford gehörte in diesem Bereich mit gerade einmal 12,4% zu den schwächsten Big Men der Liga.

Auch am Perimeter steht Atlantas Defensiv-Formation. Dennis Schröder ist dabei ein leichtes Upgrade verglichen mit Jeff Teague (Ortg: 103 zu 104). Dank seines Speeds und der langen Arme sollte er es gegnerischen Ballhandlern extrem schwer machen – es sei denn seine sprunghaft ansteigende Spielzeit macht sich hier kräftemäßig negativ bemerkbar. Zudem steht mit Kent Bazemore ein weiterer starker Verteidiger auf dem Flügel bereit. Kyle Korver ist die defensive Schwachstelle in der Starting Five; der Shooter ist jedoch clever und sollte im Teamverbund seinen Mann stehen. Insgesamt ist die Starting Five Schröder-Bazemore-Korver-Millsap-Howard defensiv enorm vielversprechend. Die Spieler auf den Flügel sind jung und schnell auf den Beinen, die Koordinatoren im Frontcourt erfahren. Gegen die allermeisten gegnerischen Spielertypen stehen geeignete Verteidiger im Kader.

Ein Blick auf die Bank bestätigt diese Eindrücke: Spieler wie Tabo Sefolosha, Mike Scott, Mike Muscala oder Tim Hardaway sind allesamt solide Verteidiger, mit Taurean Prince wurde ein defensiv starker Flügel in der Draft gezogen. Man sollte also damit rechnen, dass Mike Budenholzer in der nächsten Saison erneut eine absolute Top-Verteidigung aufs Parkett zaubern sollte. Entscheidend wird dabei Howards Gesundheitszustand sein; bleibt er fit, sollte eine Top-5 Verteidigung Pflicht sein.

Die Offense

Am offensiven Ende des Feldes sollten größere Probleme auf die Hawks zukommen. Zu Beginn noch einmal der Hinweis: schon in der letzten Saison rangierte die Hawks-Offense im unteren Drittel der Liga – trotz des starken Ballmovements. Gerade die Abgänge von Jeff Teague und Al Horford werden hier schmerzen. Blicken wir zunächst einmal wieder auf die Center-Position: was verändert sich durch den Austausch Horfords durch Howard? Nun, wohl ziemlich viel. Auf den Punkt bringen kann man es durch die Feststellung: Dwight Howard ist kein Playmaker. Und wird es auch nie sein.

In der abgelaufenen Saison nahm Howard genau 600 Würfe. 573 davon erfolgten innerhalb der Zone – ein himmelweiter Unterschied zu Horford, der ein veritabler Stretch-Big ist. Das gleiche Resultat sieht man bei den Wurfarten: 109 Alley-Oops, 192 Dunks, 201 Layups und gerade einmal 152 Hookshots nahm Howard in Houston. Bei letzteren traf er zudem nur bescheidene 44,7%. Das äußert sich in miesen Post-up Werten. Aus diesen Situationen generierte Howard gerade einmal 0,82 PPP, nahm aber trotzdem 4,1 Würfe pro Spiel. Noch abstruser werden die Post-ups, wenn man sie mit seinen starken Pick-and-Roll Zahlen vergleicht: als Abroller erzielte Howard hervorragende 1,10 PPP, nahm aber gerade einmal 1,28 Würfe pro Spiel! Nur mal zum Verdeutlichen – das ist weniger als Andrea Bargnani!

Hier stellt sich die große Frage, wer für diese Missverhältnisse verantwortlich ist. Weigert sich Howard, das Pick-and-Roll zu laufen und möchte unbedingt im Lowpost agieren? Oder sind die Zahlen das Produkt einer katastrophalen Rockets-Saison mit einem überforderten Head Coach? Coach Budenholzer wird die Antwort auf die Frage hoffentlich wissen und in den Meetings mit Howard darüber gesprochen haben. Fest steht aber, dass Howard richtig eingesetzt immer noch eine offensive Waffe sein kann. Nur eingesetzt werden muss, beziehungsweise sollte er eben: 71% seiner FG ging ein Assist voraus. Hier kommt durchaus eine Umstellung auf die Hawks zu: der Anteil der assistierten Würfe war bei Horford (81,3%) in der abgelaufenen Saison sogar höher als bei Howard, ersterer trug allerdings auch abseits des Balles als Spot-up Schütze zur Offensive bei. Womit, wir bei einem Knackpunkt wären – welche Mitspieler sollen Horford überhaupt einsetzen?

atl 4Das Spotlight scheint hier sicherlich auf einen 22-Jährigen, der in diesem Sommer zum Starter befördert wurde: Dennis Schröder. Er wird Jeff Teagues Platz in der Starting Five einnehmen und auch einen Großteil der Playmaking- und Ballhandling-Aufgaben übernehmen. Diese Entscheidung wurde den Hawks nicht zuletzt durch die Playoffs leicht gemacht. Teague überzeugte in den Serien gegen die Celtics und Cavaliers nur bedingt, Schröder spielte sich dagegen besonders gegen Cleveland in den Fokus. Im Conference Semifinal zeigte er Leader-Qualitäten und spielte offensiv eine starke Serie. Dennoch ist diese Entscheidung nicht ohne Risiko. Schröders und Teagues Produktion ist auf 36 Minuten hochgerechnet zwar fast dieselbe, gerade bei den Advanced Stats hat Schröder jedoch das Nachsehen. Sein Ortg von 97 (Teague: 105) war das schwächste der Hawks-Rotationsspieler. Seine Playoffs (Ortg: 100) können zwar als Schritt in die richtige Richtung gesehen werden, dennoch ist Schröder noch kein Spieler, der ein Team problemlos anleiten kann und offensiv stärker macht. Upside ist definitiv vorhanden, Konstanz nicht zu erwarten.

Es wird also vor allem an Schröder liegen, das Pick-and-Roll zu laufen und so auch Neuzugang Howard einzusetzen. Seine Drives werden bitter nötig sein, da der Rest der Starting Five nur bedingt Offense kreieren kann. Über Howards Offense wurde oben bereits gesprochen; Kent Bazemore ist ein 3&D Spieler. Paul Millsap kann natürlich mit dem Ball in der Hand etwas anfangen und ist vielseitig einsetzbar. Die Frage bleibt trotzdem: reichen Millsap und Schröder als primäre Ballhandler aus? Viel wird mit den (sinkenden) Leistungen Kyle Korvers zusammenhängen. Der spielte eine schlichtweg überragende Saison 2014/15 (Ortg: 122 / 49,23FG% / 69,9 TS%) und traf in seinen ersten drei Jahren bei den Hawks nie weniger als 45,7% von der Dreierlinie. Auf diese Weise konnte Coach Budenholzer ihn perfekt als Shotcreater auf der Weakside einsetzen; seine Bewegung und Wurfqualitäten öffneten Räume für seine Mitspieler. In der letzten Saison konnte Korver das Niveau jedoch nicht halten: seine Dreierquote fiel auf 39,1%, sein Ortg (104) war das schlechteste seit seiner Rookie-Saison. Alterserscheinungen oder einfach nur ein schlechtes Jahr? Für Atlanta ist er trotz allem als Waffe in der Offensive gefährlich.

Diese Punkte erhalten noch mehr Bedeutung, wenn man sich die Bank der Hawks anschaut. Auch hier sind Playmaker rar gesät: Tabo Sefolosha sowie Rookie Taurean Prince sind ebenfalls 3&D Spieler, Mike Scott ist zwar als Stretch Big wertvoll (Ortg 112), sollte aber möglichst wenig den Ball in der Hand halten. Auf den Big Men Positionen tummeln sich Spieler wie Mike Muscala, Walter Tavares, Tiago Splitter oder Sophomore Lamare Patterson – keiner von ihnen ist bisher als offensive Waffe aufgefallen. Bleibt Backup-Pointguard Tim Hardaway Jr. Der spielte zwei verheißungsvolle Saisons in New York, ist aber auch noch lange kein fertiger Impact-Spieler. In der letzten Saison hatte er von der Bank positiven Einfluss auf die Hawks-Offense: sein Ortg von 110 war stark. Seine Rolle wird sich jedoch aller Voraussicht nach wandeln. Letzte Saison agiert er noch als Volume-Shooter (33,8% 3FG bei 5,7 Versuchen/Spiel), der kaum den Ball in Händen hielt (USG%: 16,2). In Zukunft wird er verstärkt das Playmaking von der Bank übernehmen müssen. Als Versicherung stehen mit Malcolm Delaney und Jarret Jacl zwei billige, erfahrene Backups im Kader.

Coach Budenholzer ist es immer zuzutrauen, die offensiven Schwächen des Kaders durch seine Ballmovement-Offense zu kaschieren. Dennoch sollte man im Angriff nicht allzu viel von den Hawks erwarten. Weder in den schwächeren Bereichen Turnover, Dreier und Go-to-guy-Qualitäten ist eine Verbesserung zu erwarten, eher im Gegenteil. Es fehlen schlicht und ergreifend erfahrene Playmaker im Kader. Viel wird dabei von Dennis Schröder abhängen, der mit dieser Aufgabe aber zunächst noch überfordert sein dürfte. Man sollte daher von einer ähnlichen Saison wie letztes Jahr ausgehen: Atlanta dürfte eine Top-Defense stellen, sollte sich aber im unteren Drittel bei der Angriffseffizienz befinden. Die Playoffs scheinen sicher, mehr lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer prognostizieren.

Die Zukunft der Franchise

Es wäre jedoch ein Fehler, die Offseason der Hawks nur auf die kommende Saison zu reduzieren. Vielmehr stellte die Franchise gleichzeitig die Weichen für die Zukunft; schließlich stand Atlanta vor der Frage, einen Rebuild einzuleiten oder einen weiteren Angriff mit demselben Kadergerüst zu starten. Im Endeffekt entschied man sich für einen klugen und flexiblen Mittelweg. Aber schauen wir uns noch einmal die Aktivitäten der Hawks in der Offseason an.

Die Entscheidung pro Schröder war letztlich eine einfache. Er ist zwar noch der schlechtere Spieler als  Teague, dafür aber billiger, jünger und hat mehr Potential. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Teague als primärer Playmaker nicht für die Spitze der Eastern Conference Finals reicht. Mit Schröder bauen die Hawks also sportlich wie finanziell auf die mittelfristig vielversprechendere Variante. Unter demselben Licht ist die Causa Al Horford zu sehen. Sein Fast-Maximalvertrag (5 Jahre/135mio.) ist ohne Zweifel verdient, aber auch nicht unproblematisch: Horford ist ein guter Spieler, aber kein Superstar und zudem schon 30 Jahre alt. Unter Umständen wäre er ein Spieler, der das Team jahrelang im Mittelmaß festhält, ohne wirkliche Meisterschaftschancen zu haben. Zudem ist die Frage, wie gut sein Vertrag in ein paar Jahre noch ist; in seinem letzten Vertragsjahr wäre Horford schon 34.

Schlussendlich entschied sich Horford für die Celtics. Wie stark sich die Hawks für einen Verbleib eingesetzt haben, weiß man nicht. Klar ist jedoch, dass die Option spätestens nach dem Howard Signing quasi vom Tisch war. Diese Entscheidung passt zum Kurs der Hawks: Howard kann Horford einigermaßen adäquat ersetzen, sein Vertrag ist jedoch billiger und läuft zwei Jahre kürzer. Ein großes Fragezeichen bleibt Howards Gesundheit: im schlimmsten Fall verlieren die Hawks einen ihrer Stars, um ihn mit einem verletzungsanfälligen ü30-Center zu ersetzen, der über 20mio. pro Jahr verdient. Bleibt Howard jedoch fit, sind 70,5mio. für 3 Jahre fast schon ein Schnäppchen. Der Deal ist somit ein Gamble, beschneidet die Hawks jedoch mittel- und langfristig nicht in ihrer Flexibilität. Und: Howard ist ein Hometown-Hero, der somit auch den Fans gefallen dürfte.

Die Entscheidungen pro Schröder und Howard wurden also auch mit Blick auf die Zukunft getroffen – gleichzeitig schreit ein Dwight Howard Signing auch nicht gerade nach Rebuild! Das zeigen die Personalien Kent Bazemore und Taurean Prince. Bazemores Vertrag ist in der heutigen NBA moderat, zudem ist er als 3&D-Spieler ein gefragter Spielertyp, der sich in den letzten Jahren stetig verbessert hat – die Vertragsverlängerung war also ein No-Brainer. An Nr. 12 im Draft Prince zu picken, ist jedoch eine interessante Entscheidung: der College-Senior wird dem Team wahrscheinlich sofort helfen können, verfügt jedoch über vergleichsweise wenig Upside (Draft-Profil: https://go-to-guys.de/2016/06/07/taurean-prince/). Im Endeffekt hat man also Teague für einen zumindest relativ kurzfristig helfenden Rollenspieler abgegeben. Die Option, ein etwas roheres Talent zu draften, wurde ausgeschlagen. Gesucht wurden Spieler, die dem Team helfen sollen, erneut um die vorderen Playoff-Plätze mitzuspielen.

Die restlichen Aktivitäten der Hawks waren kosmetischer Natur. Mit Malcolm Delaney kam ein erfahrener, motivierter Backup-Point Guard; er kann Schröder im Training pushen und stellt finanziell keinerlei Risiko dar (2 Jahre/1,1mio.). Jarret Jack ist mit seinem 1-Jahres-Deal ebenfalls eine solide Verpflichtung. DeAndre Bembry ist ein weiterer solider Flügel. Die Veteranen Kris Humphries und Kirk Hinrich werden das Team verlassen: ihr sportlicher Wert ist zu vernachlässigen, das Gehalt wird anderswo gebraucht.

Kommt noch was?

Finanziell scheint Atlanta also gut aufgestellt. Das Team startete mit 56 mio. Dollar an garantierten Verträgen in die Free Agency und konnte somit fast 40 mio. Dollar investieren. Einen Großteil davon verschlangen die Verträge für Bazemore und Howard. Mit dem Teague-Trade strichen die Hawks 8 mio. aus den Büchern, die Rollenspieler Delaney, Prince, Jack und Bembry kamen für kleines Geld. Unter dem Strich gibt man so bisher ca. 95 mio. an Gehältern aus – keine unbedeutende Zahl. Verstärkungen gibt es in diesem Stadium des Sommers sowieso nur noch fürs Minimum, der Kader steht also in seinen Grundzügen. Gleichzeitig helfen sie der Franchise, auf dem Trade-Markt aktiv zu bleiben: in Kombination mit den auslaufenden Verträgen von Tiago Splitter (8mio.), Kyle Korver (5mio.), Thabo Sefolosha (3mio.) oder Mike Scott (3mio.) kann der Cap-Space benutzt werden, um eventuell Verstärkungen aufnehmen zu können. Ebenfalls nicht unerheblich: Atlanta zahlt keinerlei Luxussteuer oder muss sonstige Strafen für Teams, die über dem Cap liegen, hinnehmen. Das klingt sportlich wie finanziell ein bisschen nach einem Übergangsjahr und genau das ist es auch: Im Sommer 2017 naht die Stunde Null für die Hawks, in der wieder richtungsweisende Entscheidungen anstehen. Das hängt vor allem an einem Mann: Paul Millsap.

Die Cap Situation 2017

atl 2Millsap besitzt für die Saison 2017/18 eine Spieleroption in der Höhe von 21 mio. Dollar. Generell wird erwartet, dass er diese nicht zieht: gerade in Zeiten ansteigendem Salary Caps könnte er in seinem letzten großen Vertrag deutlich mehr verdienen. Für die Hawks wiederholt sich die Horford-Situation: gesetzt dem Fell, Millsap möchte in Atlanta bleiben, will man wirklich einem dann 31-Jährigen einen Maximalvertrag über mehr als 30mio. pro Jahr zahlen? Falls nicht, könnte spätestens dann doch noch der Rebuild eingeleitet werden. Sollten die Zeichen früh auf Trennung stehen, könnten die Hawks Millsap bereits im Laufe der Saison zum Trade anbieten. Ein Markt sollte definitiv vorhanden sein, die Hawks haben zudem alle Möglichkeiten, in diesem Sommer ihre Zukunft zu gestalten.

Auslaufende Verträge wurden oben schon erwähnt. Genau genommen stehen gerade einmal 7 Spieler sicher über die nächste Saison hinaus im Kader: die Neuzugänge Howard und Bazemore, die Rookies Prince und Bembry sowie die Rollenspieler Delaney, Costello und Tavares. Einen weiteren Rookie mit einberechnet, verdienen diese Spieler ca. 50 mio. Dollar an garantierten Gehältern. Steigt der Salary Cap tatsächlich auf prognostizierte 110 mio. Dollar, hätte Atlanta astronomische 60 mio. für Neuzugänge üblich. Ein totaler Rebuild wäre somit möglich. Dennis Schröder wird die Franchise wohl halten wollen – für ihn könnten je nach Leistung an die 20mio./Jahr fällig werden. Mit einem Kern um Schröder-Bazemore-Howard könnten die Hawks also locker einen Maximalvertrag ausgeben und ihre wichtigsten Free Agents verlängern, ohne an die finanzielle Schmerzgrenze zu müssen. In der extrem starken Free-Agent-Class 2017 ergeben sich so einige Möglichkeiten.

Verlängert Millsap zu einem möglichen Maximal-Deal (35mio./Jahr), ändert sich die Situation. Der zur Verfügung stehende Cap würde sich so auf ca. 25 mio. verringern. Rechnet man eine Schröder-Vertragsverlängerung mit ein, würden dem Front Office nicht mehr viel Geld für Verstärkungen übrig bleiben. Große Sprünge lassen sich so nicht machen; vor allem, wenn man einige der Rollenspieler Scott, Korver, Muscala, Patterson, Hardaway oder Sefolosha halten möchte. Gut möglich, dass eine solche Offseason die Franchise endgültig ins dauerhafte Mittelmaß bringen könnte. Unter Umständen erscheint es daher sinnvoller, es mit aller Macht bei den Superstars zu versuchen und im Misserfolgsfall den Rebuild einzuleiten. In jedem Fall wird der Sommer 2017 ein spannender und richtungsweisender für die Atlanta Hawks.

Fazit

Die umtriebige Offseason der Hawks hat kurz-, mittel- und langfristige Implikationen. Die Franchise entschied sich gegen die Rebuild, aber auch gegen ein Vorankommen mit aller Macht und hält sich alle Optionen offen. Das Management agierte dabei überlegt und umsichtig: jeder der Moves und Verträge ergibt für sich genommen Sinn. Für die nächste Saison bedeutet das wohl Mittelmaß: die Playoffs sollten sicher sein, mehr als ein Seriensieg scheint aber kaum möglich. Die langfristige Zukunft der Franchise wird sich im Sommer 2017 entscheiden. Dann wird ein Großteil des Kaders vertragsfrei. Möglich wäre dann ein vehementer Angriff auf die Spitze der Eastern Conference genauso wie ein kompletter Neuaufbau. Durch ihre Arbeit in der Offseason haben sich die Hawks Flexibilität gesichert und halten sich alle Möglichkeiten offen. Solange Mike Budenholzer als Coach und General Manager die Fäden in Atlanta zieht, können Hawks-Fans beruhigt in die Zukunft sehen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

28 comments

  1. Poohdini

    “Im Drtg hat Neu-Celtic Horford die Nase mit 101 zu 104 vorn –”

    und

    “Dennis Schröder ist dabei ein leichtes Upgrade verglichen mit Jeff Teague (Ortg: 103 zu 104).”

    Was meinst du damit? Das geht aus dem Text nicht hervor?

  2. Julian Wolf

    |Author

    DAs ist nur der Drtg-Vergleich zwischen Horford (101) und Howard (104) – aber das wird ja im Nachhinein auch noch relativiert…

  3. Poohdini

    Das ist zwar immer noch sehr ungenau. Aber es wäre sehr sinnvoll zu erwähnen, wo du deine Quellen beziehst, welche genaue Statistik das ist (bball ref hat auch mehrere Ratings).

    So oder so ist es schlecht, die Statistiken, so wie du sie im Text umschreibst, überhaupt zu benutzen. Ein Team-DRtg Vergleich ist hierbei sinnlos, das Individual DRtg ist nicht nutzbar. Wenn man sich schon nicht die Mühe macht, die entsprechenden Artikel zu lesen, könnte man im Notfall nachfragen.

  4. Julian Wolf

    |Author

    Danke für die Kritik, aber eigentlich habe ich das im Text auch versucht, deutlich zu machen:

    “Im Drtg hat Neu-Celtic Horford die Nase mit 101 zu 104 vorn – allerdings legt er diese Zahlen im defensiv viel besseren Team der Hawks auf.”

    Danach kommen die ganzen individuellen (PPP, Rimprotection-Stats) Statistiken, die aussagekräftiger waren – also sollte es eigentlich nur die Eingangsstatistik sein.

    Ortg (ich hab grad nochmal nachgeschaut) ist übrigens immer von bball-reference – auf nba.com heißt das Off-Rtg; weitere ähnliche Zahlen, die man damit verwechseln könnte, kenn ich jetzt ehrlich gesagt gar nicht…

    Aber wie gesagt: der Leser ist König und ich nehm’s mir zu Herzen! :tup:

  5. pitschini99

    Hmm, mal eine Frage an Julian und viele andere mit änlichen Meinungen, wo fängt Mittelmaß in der NBA an, und wo hört er auf?
    In Zeiten wo 2 Teams 7 der besten ca. 30 Spieler auf sich vereinen und damit jeweils ihre Conferenz dominieren. Sind also alle Teams von 3-25 Mittelmaß? Sind die schlechtesten 5 Teams erstrebenswert wegen der vermeintlichen Picks, wovon sich statistisch maximal 30% zu einem ordentlichen NBA Spieler entwickeln und die Chance auf mehr als ordentlich noch deutlich geringer ist?
    Bedeutet Rebuild, wie die 76ers oder Wolves ca. 10 Jahre oder länger im Keller der NBA gefangen zu sein?

    Ansonsten finde ich den Beitrag gut und bin auch der Meinung, dass die Hawks ein paar Sachen gut, genau richtig gemacht haben. Der Tausch Horford -> Howard kann noch Gold wert sein, da dieser die größte Schwäche (Rebounding) beheben kann. Einzig den Deal um Teague verstehe ich nicht, weil mir der Gegenwert zu gering war, da hätte man mehr rausholen können und müssen.

    Gruß Pit

  6. Sebastian Hansen

    Für mich ist Mittelmaß dann, wenn du ein Team hast, das in absehbarer Zeit und ohne große Veränderungen keine eine Chance hat, die Conference-Finals zu erreichen, gleichzeitig aber auch nicht richtig schlecht ist. Die Denver Nuggets der letzten Jahre zum Beispiel.

  7. pitschini99

    Bei den Nuggets, würde ich dir zu 100% Recht geben, die sind für mich auch Mittelmaß. Aber ich finde Runde 2 in den PO´s schon besser als Mittelmaß, immerhin gehört man mit Runde 2 zu den 8 besten Teams.
    Natürlich kann und muss man immer versuchen besser zu werden, selbst Teams wie die Cavs und GSW versuchen dies, Stillstand ist ein Rückschritt. Und manchmal kann ein offensichtlicher Schritt zurück, die Tür für 2 nach vorne öffnen. Manchmal! Aber jeder sollte versuchen zu gewinnen, da Verlieren nur für Picks sich in den allerseltesten Fällen auszahlt. Einer dieser seltenen Fälle war Tim Duncan und die Spurs, die Wahrscheinlichkeit auf einen guten oder sehr guten NBA Spieler ist viel zu gering, um dafür ganze Jahre absichtlich/frewillig zu opfern. Mir persönlich tun die Fans solcher Franchieses eher leid.

    Gruß Pit

  8. Avatar

    STAT

    Herzlich Willkommen im Forum pitschini99! :tup:

    Aber jeder sollte versuchen zu gewinnen, da Verlieren nur für Picks sich in den allerseltesten Fällen auszahlt. Einer dieser seltenen Fälle war Tim Duncan und die Spurs, die Wahrscheinlichkeit auf einen guten oder sehr guten NBA Spieler ist viel zu gering, um dafür ganze Jahre absichtlich/frewillig zu opfern. Mir persönlich tun die Fans solcher Franchieses eher leid.

    Gilt das denn generell?
    Bei jüngeren und durchaus talentierten Teams würde ich auch nicht mehr bewusst auf längere Jahre tanken. Aber was ist mit Teams wie aktuell die Mavs? Der eingeschlagene Weg funktioniert ganz offensichtlich nicht und man wird von Jahr zu Jahr gefühlt unattraktiver. Wo soll da der Weg ohne junges Talent im Kader hingehen? Rollenspieler überbezahlen und um Platz 8 über viele Jahre mitkämpfen?
    Krampfhaft immer zu gewinnen zu wollen ist zwar ehrenhaft, kann allerdings genauso nach hinten los gehen, wie freiwillig oder bewusst zu tanken.

  9. pitschini99

    Das Problem an einem Rebuild ist doch, das du nie weißt ob und wie er funktioniert. Die Mavs vor Dirk waren ein lächerliches Team, das über 12 jahren einmal PO´s sehen durfte. Die 76ers der Neuzeit, die Wolves etc …
    Es gibt doch mehrere Probleme wen man auf Rooks setzt. Habe ich einen von 3 erwischt, der ein brauchbarer NBA Spieler wird? Oder hatte ich gar noch mehr glück? Oder bekomme ich einen der anderen 70%? Aber selbst, wenn ich Glück hatte, was macht dieser junge Spieler wenn er zum ersten mal UFA ist?

    Im Sport muss man immer beide wege gehen (Die Spurs machen das in meinen Augen perfekt), auf bewährte Kräfte vertrauen, von denen man weiß, das sie wissen wie man Spiele gewinnt, völlig unabhängig ihrer persöhnlichen Statistiken und gleichzeitig junge Spieler zu Siegern zu entwickeln.

    Und hier haben die Mavs in den letzten Jahren immer wieder was verschlafen, sie hatten ja den ein oder anderen Spieler der gerade am Anfang der Entwicklung stand und haben ihn dann für abgehalfterte alte Stars abgegeben. Dass die Mavs aber versuchen in der FA fertige Spieler zu bekommen, ist kein gänzlich falscher Weg, nur die Mischung hatte bis jetzt immer gefehlt, übrigens genau dies haben die Mavs in meinen Augen in diesem Jahr hinbekommen. Aber anderes Thema, die Diskussion passt hier eigentlich eh nicht her.

    Gruß Pit

  10. Dennis Spillmann

    Im Sport muss man immer beide wege gehen (Die Spurs machen das in meinen Augen perfekt), auf bewährte Kräfte vertrauen, von denen man weiß, das sie wissen wie man Spiele gewinnt, völlig unabhängig ihrer persöhnlichen Statistiken und gleichzeitig junge Spieler zu Siegern zu entwickeln.

    Und hier haben die Mavs in den letzten Jahren immer wieder was verschlafen, sie hatten ja den ein oder anderen Spieler der gerade am Anfang der Entwicklung stand und haben ihn dann für abgehalfterte alte Stars abgegeben. Dass die Mavs aber versuchen in der FA fertige Spieler zu bekommen, ist kein gänzlich falscher Weg, nur die Mischung hatte bis jetzt immer gefehlt, übrigens genau dies haben die Mavs in meinen Augen in diesem Jahr hinbekommen. Aber anderes Thema, die Diskussion passt hier eigentlich eh nicht her.

    Ich finde, dass du dir hier extrem widersprichst, was dein sonstiges Konstrukt (nicht tanken, sondern gestandene Spieler holen) torpediert: Die Mavs haben genau das gemacht, was du für richtig erachtest: nicht auf Talente setzen, sondern bereits bewiesene Spieler in dieser Liga geholt. Denn du weißt ja nicht, ob das Talent etwas wird. Dann lieber Rajon Rondo als Jae Crowder. Das ist zumindest konsequent.

    Ich habe noch einige Fragen, da du ja sehr gegen das Tanken argumentierst: Wie konnte Dirk ein Winner werden, wenn er zu einer Franchise kam, die sich vorher lächerlich gemacht hat? Wie können LeBron James oder Steph Curry zu Winnern werden, wenn ihre Franchise zum Draftzeitpunkt absolute Lachnummern waren?

    Die wichtigste Frage aber: Wie sind die Meister der letzten 10 Jahre an ihre Spieler gekommen, die letztlich die besten Spieler des Teams waren? James bei den Cavs, Curry bei den Warriors, Duncan/Leonard/Parker bei den Spurs, Nowitzki, Bryant, Pierce, Wade? Die einzige Ausnahme ist LeBron James bei den Heat, die in Wade aber auch schon eine eigentlich veritable erste Option hatten. Alle anderen Champions haben als besten Spieler einen Draftee oder zumindest einen Spieler, der das erste NBA-Spiel für die Franchise gemacht hat (Draft-Deals) gemacht, in ihren Reihen gehabt. Alle. Es ist nicht nur eine mögliche Erfolgsgeschichte, sondern DIE Erfolgsgeschichte der NBA. Seit 1990 gab es genau drei erste Optionen eines Champions, die NICHT vom Team gedraftet (bzw. am Drafttag ertradet wurden) wurden: O’Neal, Billups und James. Drei. Alle anderen Champions haben über die Draft ihre Superstars gesammelt. Ist es deshalb clever, alles abzureißen und darauf zu hoffen, dass man garantiert einen Titel holt? Niemals. Aber es ist sicherlich nicht nur Zufall, dass die besten Spieler nicht durch die Free Agency zum Championship-Team kamen, sondern durch den Draft.

  11. kdurant35

    Das Problem bei der ganzen Diskussion ist mmn was genau tanken ist. Das der Draft sehr wichtig ist ist sicherlich unumstritten. Wenn man die Liste genauer betrachtet muss man das aber differenzieren. Kobe und Leonard wurden zwar von den Teams gedraftet, aber nicht durch tanken. Man besaß die Tradeassetts um sich die Picks zu holen. Pierce war soweit ich weiß im zweistelligen Bereich. GS hat nur getankt um den Pick 7 2012 zu halten. Wollte aber eigentlich schon besser werden (siehe offer sheet DJ).
    Denke für jedes Team muss individuell analysiert werden was am meisten Sinn macht. Halte von den ständigen Forderungen nach Tanking ebenso wenig wie diejenigen die das gänzlich verurteilen.

  12. Dennis Spillmann

    Das Problem bei der ganzen Diskussion ist mmn was genau tanken ist. Das der Draft sehr wichtig ist ist sicherlich unumstritten. Wenn man die Liste genauer betrachtet muss man das aber differenzieren. Kobe und Leonard wurden zwar von den Teams gedraftet, aber nicht durch tanken. Man besaß die Tradeassetts um sich die Picks zu holen. Pierce war soweit ich weiß im zweistelligen Bereich. GS hat nur getankt um den Pick 7 2012 zu halten. Wollte aber eigentlich schon besser werden (siehe offer sheet DJ).
    Denke für jedes Team muss individuell analysiert werden was am meisten Sinn macht. Halte von den ständigen Forderungen nach Tanking ebenso wenig wie diejenigen die das gänzlich verurteilen.

    Sehr richtig. Wir müssen natürlich differenzieren, wie die Teams an die Picks kamen. Unstrittig sollte jedoch sein, dass man fast zwingend die eigenen Picks brauchte und diese relativ gut sein mussten, um etwas zu gewinnen. Steht ja in Sebastians Artikel auch drin. Das sollte man keinesfalls verdrängen. Immer Pick 16-20 hilft bestimmt nicht.

    Die Sixers sind für mich deshalb eigentlich ein gutes Projekt, weil sie nach EINEM Trade vor dem Nichts standen: Iguodala weg für Bynum, der kein Spiel für sie machte. Das Team hatte kaum Assets und keine Perspektive. Da in den Rebuild zu gehen, erscheint mir sinnvoll. Wenn man bereits ein Star-Talent hat, sollte man es natürlich nicht traden und neu anfangen. Die Sixers hatten nichts.

  13. Sebastian Hansen

    Sehr richtig. Wir müssen natürlich differenzieren, wie die Teams an die Picks kamen. Unstrittig sollte jedoch sein, dass man fast zwingend die eigenen Picks brauchte und diese relativ gut sein mussten, um etwas zu gewinnen. Steht ja in Sebastians Artikel auch drin. Das sollte man keinesfalls verdrängen. Immer Pick 16-20 hilft bestimmt nicht.

    Es geht da vor allem, um Wahrscheinlichkeiten und die kann man statistisch erfassen und darstellen. NBA-Franchises sind Wirtschaftsunternehmen. Ja, das mag für Basketballromantiker ein bisschen schräg klingen, aber in einem Wirtschaftsunternehmen wird streng nach statistischen Wahrscheinlichkeiten gehandelt und zumindest innerhalb des kapitalistischen Systems, in dem wir leben, ist das auch vollständig legitim und sinnvoll.

  14. pitschini99

    Das Problem an dieser Statistik ist, traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.
    Oder anders herum, um diese Statistik Hieb- und Stichfest zu machen, könnte man mal die Spieler all der Teams betrachten, die nicht in die Finals etc … kommen. Und wie viele der TOP 1-5 Picks nie oder nur unzureichend Erfolg bringen …

    Wie oft also Teams völlig unnötig den Weg des Verlierens gegangen sind, weil ihre Picks keine FP wurden, oder nur solche die keine Siege brachten.

    Wunderbar, wenn ich eine These habe und möglichst viele Zahlen bringe die diese These unterstützen und ganz einfach, all die Zahlen von der anderen Seite unter den Teppich kehre.
    Wissenschaftlich ziemlich fundiert, wie ich finde. Aber sorry nichts Wert! Es ist nämlich relativ einfach, die Rohrkrepierer unter den TOP 5 Picks sind höher als die Anzahl der FP, deutlich höher!
    Und dafür hat man oft seine besten Assets abgegeben, dass man Jahrelang nichts bekommt. Genau das ist das Problem und wird hier überhaupt nicht beleuchtet.
    Ganz abgesehen davon, dass die US Sportligen eher kommunistische Systeme sind, als den Regeln einer “freien” Marktwirtschaft zu folgen. Die gibt es nämlich zur Zeit vor allem in Europa.

    Gruß Pit

  15. Dennis Spillmann

    Die Busts sind definitiv in der Mehrheit. Keine Frage. Aber zeig mir mal die Teams, die jahrelang nur im Mittelfeld der Tabelle gespielt haben und danach Meisterteams wurden. Wie viele gibt es davon? Wer hat dort den Sprung geschafft, indem er auf den Draft verzichtete und nur durch Trades/Signings nach oben kam? In den letzten Jahrzehnten wohl auch niemand. Und – wie du sagtest – geht es ja ums Gewinnen.

    Die Chancen, dass man so aufbaut wie Golden State, Oklahoma City und evtl. die Jazz, sind klein. Aber sie sind größer, als mit einem mittelmäßigen Team darauf zu hoffen, dass der nächste Superstar einfach per Free Agency zu dir kommt. Alle erfolgreichen Teams haben sich ihren Superstar im Draft abgeholt (ja, natürlich absolut alle. James, O’Neal und Durant sind in den letzten 20 Jahren wohl die Ausnahmen). Wie hoch ist die Chance, in der FA einen Superstar zu landen? Und wie hoch im Draft?

    Aber du bist elegant den Winner-Gen-Fragen ausgewichen. Kannst du dazu noch mal was sagen?

  16. kdurant35

    Das der Weg über den Draft in einer Situation wie den Sixers kaum Alternativen bot ist vollkommen richtig. Es ist halt kein Allheilmittel. Das sah man ja z.B. auch bei den zig Expensionteams. Die hatten alle frühe Picks und konnten neu aufbauen. Und es hat bei den Grizzlies und Raptors in 21 gerade einmal für zwei CF gereicht. Was um diese zweifelsohne wichtigen Picks aufgebaut wird ist ebenfalls sehr wichtig und wird oft vernachlässigt.

    @Sebastian Ja, NBA Teams sind Wirtschaftsunternehmen. Das ist aber aus meiner Sicht oft ein Grund gegen den Rebuild. Denn der ist ja auch nicht ohne Risiko. Viele Teams haben sich da jahrelang verrannt und brauchten ewig um wieder respektabel zu sein. Rein aus wirtschaftlicher Sicht muss man sich schon die Frage stellen ob es das Risiko wert ist um die Wahrscheinlichkeit auf den Titel zu erhöhen. Memphis hat z.B. wirtschaftlich unglaublich von dem jetztigen Team profitiert. Rein sportlich ist man seit 2-3 Jahren eher in einer Sackgasse. Hätten die 2014 z.B. Gasol und Conley getradet und später dann dementsprechend auch keinen Pick für Green geopfert besäße man womöglich eine sehr gute Ausgangssituation. Aber gerade die Wirtschaftlichkeit sprach mmn dagegen. Und da sind auch viele Teams darauf angewiesen einfach “nur” die Pos zu erreichen.

  17. pitschini99

    Die Busts sind definitiv in der Mehrheit. Keine Frage. Aber zeig mir mal die Teams, die jahrelang nur im Mittelfeld der Tabelle gespielt haben und danach Meisterteams wurden. Wie viele gibt es davon? Wer hat dort den Sprung geschafft, indem er auf den Draft verzichtete und nur durch Trades/Signings nach oben kam? In den letzten Jahrzehnten wohl auch niemand. Und – wie du sagtest – geht es ja ums Gewinnen.

    Da gebe ich dir Recht, die gibt es auch kaum! Aber wenn dann über Trades und FA, wie z.B. die letzte Pistons Championship, die letzte Celtics, die Mavs, die seit jeher diesen Weg gehen (was ich auch nicht richtig finde!), Ja auch alle Miami Titel sind über diesen Weg entstanden (Shaq, Big 3). Also doch gar nicht so wenige, wie ich zuerst dachte, habe vlt. sogar noch 1-2 vergessen.

    Was ihr in meinen Augen total überseht, dass es immer einzelne Trainer und Spieler sind, die meist mehrere Jahre, manchmal sogar eine Dekade dominieren. (Jackson, Riley, Popovich z.B zuletzt Kerr)
    Magic + Bird die 80´s, Olajuwon + MJ, die 90er, Kobe + Shaq + TD + LeBron das neue Jahrtausend, die garniert von Wade und Dirk evtl. noch, zuletzt kamen noch die Thunder mit Durant + Beastbrook und die GSW mit (Curry, Thompson, Green/ übrigens kein einziger Top5 Pick) dazu.

    Wenn du also in einer Zeit steckst, wo einzelne deinen Sport dominieren, kannst du Draften so toll du willst, du kannst Traden wie ein Weltmeister oder auch die teuersten FA´s an Land ziehen, solange du keinen der Domiatoren hast oder bekommst, gewinnst du nix.
    Ausserdem werden in eurer Betrachtung zu oft die wichtigen Sidekicks vergessen, kein FP gewinnt alleine. Die Sidekicks sind wichtig und kommen oft mit hohen Picks (manchmal sogar 2nd Rounder) oder durch Trade/ FA´s zum Star.

    Ich bin der felsenfesten Überzeugung, das die besten GM´s und Coaches alles beherrschen, ein goldenes Händchen im Draft (im richtigen Jahrgang), gute Trades zum richtigen Zeitpunkt (auch mal für einen Draftpick) und natürlich die richtigen Entscheidungen und Angebote in der FA-Phase.
    Und die guten GM´s und Coaches verlieren sehr, sehr selten. Wenn dann meist wegen Verletzungspech.

    Gruß Pit

  18. pitschini99

    Achso und zu der Gewinnergen Frage … Die kann sich durch vieles ändern. Aber meistens von oben nach unten. Neue Besitzer, Neue GM´s, neue Trainer, oder einen natürlichen Anführer auf dem Platz.
    Z.B. LeBron

    Gruß Pit

  19. Dennis Spillmann

    Wenn du also in einer Zeit steckst, wo einzelne deinen Sport dominieren, kannst du Draften so toll du willst, du kannst Traden wie ein Weltmeister oder auch die teuersten FA´s an Land ziehen, solange du keinen der Domiatoren hast oder bekommst, gewinnst du nix.
    Ausserdem werden in eurer Betrachtung zu oft die wichtigen Sidekicks vergessen, kein FP gewinnt alleine. Die Sidekicks sind wichtig und kommen oft mit hohen Picks (manchmal sogar 2nd Rounder) oder durch Trade/ FA´s zum Star.

    Das Ding ist doch: Die Superstars steigen ja nicht aus einem UFO aus und sind plötzlich da: Die werden auch gedraftet! Und meistens sehr hoch. DU willst GENAU diese Spieler bekommen. Wissen wir, ob Ben Simmons der neue LeBron wird? Nein. Wird er mit großer, großer Wahrscheinlichkeit auch nicht. Aber wenn es nur 5-6 Spieler in der Liga gibt, die diese bestimmen, dann WILLST DU SIE HABEN. Nur kommst du über die Free Agency im Normalfall nicht an sie heran. Also musst du sie selbst ziehen: im Draft. Du siehst: Wir drehen uns im Kreis (wie die Ping-Pong-Bälle bei der Lottery ;) ). Es fällt alles auf den Draft zurück. Du musst da den Jackpot landen, um zu dominieren.
    Es ist nicht in jeder Situation sinnvoll. Als 50-Siege-Team baust du weiter auf. Aber mit 40 Siegen und einem alten Kader könntest du darüber nachdenken. Bei einem jungen Kader passiert es aufgrund der Unerfahrenheit schon fast von selbst.

    Grüße
    Dennis

  20. pitschini99

    Es ist doch immer so, dass die jungen irgendwann die älteren ablösen, ob sie deshalb änliche oder gar bessere Karrieren haben werden, steht in den Sternen. Und ja die NBA hat ein Draftsystem und es ist schöner oben zu Draften als unten, allein weil ich als 1ster noch die volle Auswahl habe.

    Nehmen wir mal den letzten erfolgreichen Rebuild … Portland völlig ohne Tanken und das obwohl sie 4 von 5 Startern abgegeben haben. So geht das halt auch. Ohne Verlieren.

    Gruß Pit

  21. Avatar

    STAT

    Achso und zu der Gewinnergen Frage … Die kann sich durch vieles ändern. Aber meistens von oben nach unten. Neue Besitzer, Neue GM´s, neue Trainer, oder einen natürlichen Anführer auf dem Platz.
    Z.B. LeBron

    Ganz zweifellos spielt das eine Rolle. Aber die Gewinnermentalität kommt in erster Linie von Innen und nur da kann sie auch wachsen. Die erste und letzte Instanz warum ich eine Gewinnermentalität habe oder nicht, liegt immer an mir selbst. Niemals im außen!
    Von außen (Coach, Owner, Mitspieler) können immer hilfreiche Impusle kommen um zu wachsen. Aber nur weil ein Spieler bei einer Franchise im Rebuild spielt, ist er nicht gleich automatisch ein Verlierer oder erzeugt eine Verlierermentalität.

    OKC war am Anfang auch schlecht, na und? Heute sprechen wir bei Westbrook von einem Mentalitätsmonster! Warum? Weil ER alleine dafür verantwortlich ist und gemeinsam mit Brooks, Durant und Co. gewachsen ist.

    Warum sollen das Embiid (hoffentlich gesund), Noel und Simmons nicht auch schaffen? Das jahrelanges Verlieren keinen Spaß macht und seine Nachteile hat, unbestritten.

    Wenn diese von dir genannte Mentalität von oben vorgelebt wird, kann das sehr hilfreich sein und dadurch kann eine positive Gruppendynamik entstehen. Aber trotzdem liegt es am Ende immer an den Spielern selbst ob sie zu “Gewinnern” oder “Verlierern” werden. Die Verantwortung kann eine Profi im Leistungssport nicht auf andere (Owner/Frontoffice) abschieben.

    Bei Curry ist es im Übrigen genau das Gleiche wie bei Westbrook auch. Theoretisch müssten das alles Verlierer sein…

    Fazit: Pauschalisieren geht diesbezüglich meiner Ansicht nach nicht.

  22. Sebastian Hansen

    Was ihr in meinen Augen total überseht, dass es immer einzelne Trainer und Spieler sind, die meist mehrere Jahre, manchmal sogar eine Dekade dominieren. (Jackson, Riley, Popovich z.B zuletzt Kerr)
    Magic + Bird die 80´s, Olajuwon + MJ, die 90er, Kobe + Shaq + TD + LeBron das neue Jahrtausend, die garniert von Wade und Dirk evtl. noch, zuletzt kamen noch die Thunder mit Durant + Beastbrook und die GSW mit (Curry, Thompson, Green/ übrigens kein einziger Top5 Pick) dazu.

    Es geht ja auch nicht nur um Titel. OKC hat zwischen 2011 und 2016 keinen Titel geholt, war aber 4 mal im CF und einmal im Finale, dazu tollen Basketball gespielt. Würde ich das als Erfolg bezeichnen? Ja, das würde ich! Dazu hab ich übrigens zusammen mit Nicholas auch mal was geschrieben. Zitat:

    Ein beliebtes Format der vielen Sport-Seiten im Internet sind Bildergalerien mit dem Namen „Superstars, die nie einen Titel holten“. Meistens werden dabei Spieler wie Charles Barkley, Steve Nash oder Karl Malone genannt. Bis 2011 fiel auch Dirk Nowitzki unter diese Kategorie. Vor dem Titelrun galt der gebürtige Würzburger immer als zu weich, es wurde gesagt, er sei einfach kein Sieger-Typ. Zwei Monate später war er dann der gefeierte Star und bester Europäer aller Zeiten. Die Bilanz von Dirk Nowitzkis Karriere hat sich durch den Titel geändert, keine Frage, und seine Leistungen im Finale waren extrem stark. Doch sind alle seine anderen Leistungen mehr wert, nur weil ein Titel wie eine Kirsche auf der Torte wirkt?

    Ein Aspekt, der dieses Denken vielleicht erklären kann, ist die in den USA weit verbreitete „Der Zweite ist der erste Verlierer“ – Mentalität. Danach sind nur die die wirklichen Großen, die „richtigen“ Erfolg hatten – sprich mindestens einmal über alle anderen triumphiert haben. Doch gerade in der NBA ist dieses Denken völlig falsch. Es gibt pro Jahr nur eine einzige Championship zu vergeben und der Gewinn derselben wird von extrem vielen kleinteiligen Faktoren beeinflusst. Glück spielt dabei oft eine entscheidende Rolle, wie auch bei dem eingangs erwähnten Dreier Ray Allens. Da hinter einem erfolgreichen Titelrun zumeist eine herausragende Leistung sowohl des Teams, als auch von Einzelspielern steht, macht es in jedem Fall Sinn, den Gewinn von Titeln in die Gesamtbewertung von Karriere oder auch Saisonleistungen einfließen zu lassen. Und ja, ein Titel sollte nach wie vor den Höhepunkt des Erfolges repräsentieren. Das darf aber keineswegs bedeuten, dass eine fehlende Championship eine ansonsten tadellose Bilanz völlig entwertet.

    Quintessenz: Erfolg ist, jahrelang oben mitzuspielen. Titel hin oder her. Und dahin kommt man am ehesten über einen sinnvollen Aufbau aus jungen, guten Spielern. Und die kriegt man am ehesten über die Draft. Und zur Causa James/Miami und KD/Golden State: Wären die zwei dahin gegangen, wenn nicht schon Wade (selbstgedraftet, Top 5 – Pick) und Curry (selbstgedraftet, Top 10-Pick) da gewesen wären? Ich glaube nicht!

  23. pitschini99

    Ok, ich bin wohl der letzte der pauschalieren will. Wir diskutieren hier wegen der Effizienz-Aussage beim Tanken.

    Ich finde OKC ist ein geiles Beispiel, sollen und können die mit RW0 tanken? Solange RW0 ein Thunder ist, und ich hoffe noch lange, können ein paar passende FA´s, ein paar gute Rooks (auch hintere) und vlt.
    1-2 Trades wieder ein Team bringen, dass um den Titel spielen kann.
    Ganz einfach, weil halt RW0 die Mentalität, die Athletik und Skills hat, die er hat.

    Gruß Pit

  24. pitschini99

    @Sebastian

    Natürlich nicht. Das behaupte ich auch nicht, gute Spieler und Trainer/Manager ziehen natürlich auch andere an. Und natürlich kann man die über den Draft bekommen, übrigens auch über ertradete Picks.
    Aber man kann es auch schaffen ohne zu Verlieren.

    Vergleiche doch nur mal die Blazers und ihren Rebuild mit den Wolves Rebuild klappe 37.
    Wolves hatten Love + Rubio, Love ist schon weg und Rubio sicher bald auch.
    Dann kommt die nächste Generation um KAT, Wiggins, LaVine und Dunn … man darf gespannt sein,
    ob und wie lange sie zusammen bleiben, und ob sie tatsächlich anfangen zu gewinnen. Wobei ich Thib zutraue das hinzubekommen. Aber auch hier … liegt es wenn, am Trainerwechsel.

    Gruß Pit

  25. Sebastian Hansen

    Ich finde OKC ist ein geiles Beispiel, sollen und können die mit RW0 tanken? Solange RW0 ein Thunder ist, und ich hoffe noch lange, können ein paar passende FA´s, ein paar gute Rooks (auch hintere) und vlt.
    1-2 Trades wieder ein Team bringen, dass um den Titel spielen kann.
    Ganz einfach, weil halt RW0 die Mentalität, die Athletik und Skills hat, die er hat.

    Solange Russ bleiben will, dürfen wir auf gar keinen Fall tanken! Das Team hat mit Russ und dem Rest die Möglichkeit auf ein CF und damit lässt sich arbeiten. Zur Frage, was wir tun sollten, wenn Russ gehen will/geht, siehe OKC-Thread. Da sind wir uns im Forum auch nicht wirklich einig :D


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben