BBL

Zahlendreher: 229

229. Das ist die Anzahl der Würfe, die der Bayreuther Point Guard Trevon Hughes diese Saison genommen hat. Mit diesem Wert führt der US-Amerikaner vor Moses Ehambe (204), Dru Joyce (196), David Bell (196) und Kerron Johnson (188) die Liga an. So weit nichts Ungewöhnliches, da wir von allen genannten Spielern wissen, dass sie gerne abdrücken und scoren. Interessant wird es erst, wenn man sich die Quoten ansieht und dann vielleicht anfängt zu verstehen, warum die Bayreuther ihren „Point Guard“ entlassen haben…  

So traf Hughes von seinen 229 Würfen lediglich 83, was eine Quote von 36,2 Prozent bedeutet. Im Vergleich mit den anderen fünf High-Volume-Shootern sieht Hughes‘ Quote noch schlechter aus: Ehambe (42,7%), Joyce (40,8%), Bell (44,4%) und Johnson (48,4%) treffen allesamt deutlich besser als die ehemalige Nummer 24 der Wagnerstädter. Doch damit nicht genug. Von allen 81 Spielern, die diese Saison mindestens 110 Würfe genommen haben, trifft jeder mindestens 38% seiner Würfe. Ausnahme: Trevon Hughes.

Im Klartext heißt das, dass Hughes sehr, sehr viel wirft, aber nur sehr, sehr wenig trifft. So braucht er für seine 13.9 Punkte, die er pro Spiel auflegt, im Schnitt 12.7 Würfe –  unterirdisch. Durch diesen sehr überschaubaren offensiven Impact, hilft er weder sich selbst noch der Mannschaft. Denn der beste Bayreuther heißt nun Mal Javon McCrea. Der Center, der zudem Top-Scorer der Wagnerstädter (15,1 PPG) ist, wurde nicht umsonst direkt in die All-Star-Auswahl gewählt. Mit der Entlassung von Hughes könnte seine Punkteausbeute wohl nochmal ansteigen. Denn der Ex-Spielmacher der Bayreuther funktionierte nicht zusammen mit McCrea. Ein Pick&Roll mit den beiden war so gut wie nicht existent, sodass es entweder die Möglichkeit eines McCrea-Post-Up’s oder einer Isolation von Hughes gab. Da letzterer meist den Ball in den Händen hielt, wurde der All-Star-Center häufig ignoriert und dem Bayreuther Spiel wurde somit die stärkste Waffe geraubt.   Schon in meiner Analyse des miserablen letzten Viertels gegen Göttingen, hatte ich vermehrt auf solche Situationen hingewiesen.

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Doch wir wollen nicht Trevon Hughes die ganze Schuld in die Sneaker schieben. Denn der Guard wurde von seinem Coach falsch eingesetzt. Hughes ist kein „normaler“ Einser, wie wir ihn in aus der Beko BBL kennen. Seine Assist-Turnover-Ratio von 1,6 ist alles andere als eines Point Guards würdig. Er ist nicht derjenige, der seinen Mitspielern freie Würfe durch viele Drives kreieren kann. Hughes fühlt sich am Perimeter am wohlsten, von wo er auch 47,5% seiner Würfe abfeuerte. So wäre ein Aufbauspieler neben Hughes wohl über lange Sicht eine bessere Variante gewesen. Mit Je’Kel Foster als Nachverpflichtung für den verletzten Bryan Bailey hat sich Bayreuth allerdings wieder keinen wirklichen Gefallen getan. Der Ex-Münchener ist auch eher ein Zweier mit ähnlich hohem Wurfvolumen. Somit muss man eigentlich mit einer weiteren Verpflichtung rechnen. Denn ansonsten müsste Simon Schmitz den Job des startenden Point Guards übernehmen, was für die Playoff-Ambitionen der Bayreuther sicherlich nicht förderlich wäre.

Abschließend kann gesagt werden, dass Mike Koch und das Managment mit der Entlassung von Trevon Hughes aber alles richtig gemacht hat. Der wurfwütige Einser, der eigentlich nie einer war, hatte keinen positiven Einfluss auf die Offensive der Bayreuther und stand vor allem der Entwicklung von McCrea im Weg. Mit McCrea, David Brembly, Brandon Bowman oder Je‘Kel Foster hat man weiterhin ein gutes Gerüst, um vom Abstiegskampf fern zu bleiben. Nur jetzt ist auch Koch gefragt. Der Headcoach hat mit der Entlassung von Hughes den ersten Schritt gemacht, muss in der  Entwicklung einer neuen Spielweise aber jetzt auch den zweiten Schritt machen. Denn die 229 Würfe, die Hughes geworfen hat, müssen jetzt umverteilt werden. Aus Bayreuther Sicht kann man da nur hoffen, dass diese 229 Würfe ein Schritt in eine bessere Zukunft sind.      

Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

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