Cleveland Cavaliers, Miami Heat

LeBron James und seine Coaches

Ein Nachteil im Kampf um den GOAT?

All-Time-Greats – ein beliebtes und bei manchen auch schon verhasstes Thema. Wer gehört in die Top 5? Ist LeBron schon in der Top3 oder kann er gar den Thron erobern? Oder ist Kobe Bryant doch höher einzustufen als Michael Jordan, den er gerade erst frisch punktemäßig überholt hat? Hatte Shaquille O’Neal vielleicht die dominanteste Prime aller Zeiten? Und was ist eigentlich mit Kareem Abdul-Jabbar? Oder dem Mann mit den meisten Ringen, Bill Russell? Oder sollte man vielleicht noch über Tim Duncan und Magic Johnson reden müssen?

Für alle genannten Spieler lassen sich wohl mehr oder weniger gute Argumente für eine Top 5 Platzierung in einem All-Time Ranking finden und sicher würden einige noch aufschreien, dass Spieler X oder Y unbedingt in diese Liste müsste. Mit dieser Aufzählung soll jedoch nicht eine neue, ultimative Liste entstehen, viel mehr zeigt sie eine Sache auf, die vielleicht erst auf den zweiten Blick auffällt: Es handelt sich nicht nur um alles überragende Basketballer, sondern alle hatten auch Coaches, die zu den besten aller Zeiten gehören. MJ, Kobe und Shaq hatten Phil Jackson. Tim Duncans Erfolg geht Hand in Hand mit dem von Gregg Popovich, ebenso denkt man bei Bill Russell sofort an den großen Red Auerbach. Kareem Abdul Jabbar und Magic Johnson profitierten in den 80er Jahren von Pat Riley. Und LeBron?

Seine Ringe und die vier aufeinanderfolgenden Finals in Miami errang er allesamt gemeinsam mit Coach Erik Spoelstra. Müssen wir daher Spoelstra auch zu den ATG-Coaches zählen oder profitierte er gar nur von Miamis Superteam? Welche Trainer hatte er in Cleveland und wie muss man diese einordnen? Kann man das Management der Cavaliers für die Coaches verantwortlich machen oder trägt gar LeBron selbst eine Mitschuld daran, dass er bislang von keiner „Trainer-Legende“ gecoacht wurde?

Die Coaches im Überblick: Von Paul Silas bis David Blatt

Paul Silas übernahm die Cavaliers im Sommer 2003, nachdem sein Vertrag in New Orleans nicht mehr verlängert wurde. Dabei wurde er trotz vier Playoffteilnahmen in Folge mit den Hornets nicht mehr weiter in Erwägung gezogen, sodass die Cavaliers zuschlagen konnten. Diese Entscheidung war nachvollziehbar, da Silas zu der Zeit als „player’s coach“ bekannt war, der vor allem mit jungen Spielern sehr gut zurechtkam und sich bei den Hornets nichts zu Schulden kommen ließ. Trotz der scheinbar guten Voraussetzungen wurde Silas schon in der zweiten Saison kurz vor Saisonende gefeuert, da die Playoffteilnahme nach gutem Saisonstart im Endspurt in Gefahr geriet. Schlussendlich verpassten die Cavs unter Interimscoach Brendan Malone (der zuvor Assistenz-Trainer war) die Playoffs knapp. Paul Silas fand nach dem Engagement in Cleveland erst wieder in der Saison 2010/11 einen Job als Cheftrainer, wobei er Larry Brown bei den Bobcats ablöste. Während er in der ersten Saison noch eine akzeptable Saison zu Ende spielen ließ (25-29 Bilanz, nachdem Brown mit 9-19 startete), wurde die zweite sowie vorerst letzte Saison seiner Laufbahn zur Farce, da sie mit einer 7-59 Bilanz endete.

Im Sommer 2005 bekam LeBron James seinen zweiten Trainer in der NBA, welcher fünf Jahre an seiner Seite blieb – Mike Brown. Für ihn war es sein erster Headcoach-Job, davor war er Assistent von Gregg Popovich und Rick Carlisle. Unter Brown wurden die Cavs zwei Jahre in Folge zu einem 50-Siege-Team und zogen schon im zweiten Jahr unter ihm in die NBA-Finals 2007 ein. In den restlichen drei Jahren in Cleveland konnte der Playoff-Erfolg nicht wiederholt werden, obgleich die Cavs 08/09 und 09/10 jeweils über 60 Spiele in der Regular Season gewinnen konnten. Für eine erste Station als Headcoach schlug sich Brown hervorragend und avancierte zudem zum Coach of the Year. Ähnlich wie Silas konnte Brown bei seinem nächsten Job nicht mehr überzeugen und schaffte es nicht die Lakers mit Nash-Bryant-Gasol-Howard zu Erfolgen zu führen. Auch seine zweite Amtszeit in Cleveland ließ viele Wünsche offen und endete vorzeitig.

Für LeBron folgte auf Brown ein weiterer junger Coach in Miami – Erik Spoelstra. Dieser führte zuvor Miami zwei Mal in Folge in die Playoffs, nachdem er den Job von Pat Riley übernahm, der sich fortan mit dem Posten des Präsidenten begnügte und Spoelstra quasi als Ziehsohn installierte. Die Erfolgsgeschichte LeBrons in Miami sollte allgemein bekannt sein – vier Finalsteilnahmen in Folge und zwei Championships.

Aktuell hat es James schon wieder mit einem unbeschriebenen Blatt in der NBA zu tun. Zwar ist sein neuer Coach schon seit 20 Jahren im Trainergeschäft, allerdings sammelte David Blatt ausnahmslos im internationalen Basketball Erfahrungen. Seine größten Erfolge waren dabei der Gewinn der Europameisterschaft 2007 mit Russland sowie 2014 die “Triple Crown” (Gewinn der Euroleague+Meisterschaft+Pokal) mit Maccabi Tel Aviv.

Demnach hatte von den bisherigen vier Coaches (Brendan Malone wird nicht berücksichtigt) nur ein Trainer schon mehr als zwei Jahre Headcoach-Erfahrung, bevor die Zusammenarbeit zustande kam. In der Prime wurde James von Rookie-Coach Mike Brown und Erik Spoelstra gecoacht. Doch ist das wirklich so ein Nachteil, wie es im ersten Moment ausschaut? Oder handelt es sich bei Coach Spo nicht eher um einen zukünftigen Hall of Fame-Coach, der den Heat zwei Meisterschaften brachte?

Coach Spo: Der Versuch einer Einordnung seiner Leistung

Bevor tatsächlich seine Leistung in Augenschein genommen wird, lohnt sich ein Blick auf die Entstehungsgeschichte seines Engagements bei den Heat. Schon 1995, also zeitgleich mit Pat Rileys Übernahme der Heat als Coach und Präsident, wurde Spoelstra zum Video-Koordinator des Team ernannt. Fortan blieb er den Heat treu. Im Alter von 26 Jahren (1997) wurde er bereits zum Bestandteil der Assistent-Coaches und stieg dort mit der Zeit zum “Director of Scouting” auf. Nach der Katastrophensaison 07/08 übernahm er dann das Amt des Cheftrainers von Riley.

Damit war Spoelstra der zweite Assitent-Coach, der die Heat in der Ära Riley trainieren durfte, denn schon im Jahr 2003 trat Riley bereits als Coach zurück und machte ebenfalls einem seiner Assistenten Platz – Stan van Gundy. Dieser war damals ebenfalls wie Spo bereits seit 1995 im Trainerstab tätig, somit hat die Vergabe des Trainerpostens an einen Assistenz-Coach eine gewisse Tradition in Miami. Nachdem Stan van Gundy im Dezember 2005 überraschend zurücktrat, setzte sich Riley wieder auf den Trainerstuhl und bescherte den Heat die erste und sich selbst die fünfte Meisterschaft als Headcoach.

Spoelstra wusste im ersten Jahr als Headcoach zu überzeugen und schaffte den Einzug in die Playoffs 2009, nachdem man im Jahr zuvor lediglich 15 Siege erzielen konnte. Im zweiten Jahr konnte das Team sogar in die 2. Runde einziehen. Die ersten zwei Spielzeiten von Spo können als Erfolge gewertet werden, obgleich ihm natürlich entgegen kam, dass sich der Franchise Player Dwyane Wade in seiner Prime befand, andererseits war das Team nicht wirklich überragend besetzt. Rookie Michael Beasley war die zweite Option im Angriff, Jermaine O’Neal wurde für Marion ertradet und hinter Chalmers und Haslem kamen nicht mehr viele Optionen, die man in einem Playoff-Team erwartet.

SpoIn seiner Zeit als Coach von LeBron-Wade-Bosh gelang es Spo die Heat in vier Finals in Folge zu führen und zwei Meistertitel zu erringen. Eine neu zusammen-gewürfelte Mannschaft zum Erfolg zu führen, ist trotz dreier legitimer Franchise Player nicht einfach, was aktuell auch wieder in Cleveland zu beobachten ist. Er schaffte es, eine funktionierende Team-Offense um LeBron herum zu installieren und eine aggressive Defense spielen zu lassen. Die Handschrift des Trainers war definitiv erkennbar und ist damit auch als ein Grund für den Erfolg zu werten. Allerdings sind die Heat auch hinter ihren eigenen Erwartungen geblieben (not one, not two…) und Spo zeigte Schwächen in den Finals, als er teilweise von Carlisle und Popovich mustergültig ausgecoacht wurde. Jedoch muss man ihm im Zuge dessen auch zugestehen, dass er die Spurs und damit auch Popovich 2013 besiegen konnte. Schaut man des Weiteren rein auf die Statistiken, zeichnet sich bei Spo ein überzeugendes Bild ab:

 GamesWinsLossesWinning Percentage
Regular Season514331183.644
Playoffs  996336.636

Unter den Coaches, die mindestens 300 Spiele geleitet haben, nimmt er Platz 7 in Bezug auf die Winning Percentage ein. Vor ihm stehen nur Jackson, Cunningham, Popovich, K.C. Jones, Auerbach und Thibodeau (der jedoch 200 Spiele weniger hat).

99 Spiele mögen auf den ersten Blick wenig erscheinen, allerdings belegt er damit schon jetzt Platz 21 der All-Time Liste. Geht es um die Winning Percentage steht er sogar auf Platz 2 hinter Phil Jackson, wenn man die PO-Performance von Westphal (19 Spiele, 13-6) ausklammert. Statistisch muss sich demnach ein Spoelstra vor wenigen und wenn dann nur vor den ATG verstecken. Doch ist er wirklich in diese Riege einzuordnen oder hat er hier einfach vom Konstrukt von Riley um die Big Three profitiert?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, denn natürlich hätten die Heat ohne LeBron die Finals nicht vier Mal in Folge erreicht, allerdings lässt sich nicht nachprüfen, wie erfolgreich die Heat ohne Spoelstra agiert hätten. Einen Aufschluss über die tatsächliche Leistungsstärke von Spoelstra könnte die Zeit nach LeBron geben, denn die Heat haben aktuell eine Mannschaft zusammen, welche eigentlich keine Probleme haben dürfte, im schwachen Osten in die Playoffs zu kommen.
Trotzdem haben sie momentan Schwierigkeiten eine positive Bilanz zu erreichen, wobei sie auch von argen Verletzungssorgen geplagt werden. Dennoch wird auch der zweifache Meistercoach durchaus von Fans in Frage gestellt. Anfang Januar 2015 wurde beispielsweise ein Thread bei RealGM eröffnet, der sogar die Frage stellte “Is Spo the worst coach in the league”, bei dem von mehreren Usern auf seine fehlerhaften Ingame-Adjustements und starren Rotationen verwiesen wird. Ein noch frustrierter Fan stellte auf “FireSpo.com” eine Art “Online Petition” zur Verfügung, bei der schon über 40.000 Stimmen gegen Spo gesammelt wurden.

Trotz dieser negativen Stimmen im Netz, die nicht nur bei den Heat zum guten Ton gehören, sondern ein ligaweites, wenn nicht sogar sportübergreifendes Phänomen darstellen, muss konstatiert werden, dass Spo einen sehr guten Job gemacht hat und der Teamerfolg ihm Recht gibt, auch wenn manche die zwei Meisterschaften als Enttäuschung ansehen (wollen). Die Coaching-Leistung in der Ära der Big Three ist zufriedenstellend, auch wenn natürlich die Frage offen bleibt, ob nicht mit einem anderen, erfahreren Playoff-Coach möglicherweise mehr für die Heat drin gewesen wäre. Doch die erfahrenen Coaches sind nicht immer jederzeit verfügbar und daher müssen Teams Glück haben, diese unter Vertrag zu nehmen –  wie zum Beispiel die Mavericks mit Rick Carlisle oder die Spurs, die sich ein Jahr vor dem Draft Duncans für Popovich als Headcoach entschieden. Oder ist vielleicht das Management der Cavs, welches sich bereits bei der Akquise von Mitspielern für LeBron nicht mit Ruhm bekleckerte, Schuld daran, dass James nie einen herausragenden Trainer an seiner Seite hatte?

Das Management der Cavs und die Coaches: Alles falsch gemacht?

Aufgrund anhaltender Playoff-Erfolglosigkeit sah sich LeBron 2010 gezwungen die Cavs nach 7 Jahren zu verlassen. Obgleich große Namen verpflichtet wurden (Ben Wallace, Jamison, Shaq), waren diese zum Zeitpunkt der Verpflichtung schon zum Teil deutlich über ihrer Prime, auch wenn das Gehalt der Akteure etwas anderes suggerierte. Es war daher bemerkenswert, zu welchen Resultaten James die Cavs führen konnte, ohne wirklich exzellentes Spielermaterial neben sich zu haben. Das Management musste sich daher zurecht vorwerfen lassen, dass das eigene Missmanagment einen großen Beitrag zum Abschied von James beisteuerte. Doch gilt dies auch für die Trainerfrage?

Wie bereits angesprochen wurde 2003 zur Rookie-Saison von LeBron Paul Silas verpflichtet. Dabei hatten die Cavs zwei Kandidaten zur Auswahl: Paul Silas und den ehemaligen Knicks-Coach Jeff van Gundy. Schlussendlich entschied man sich für Silas und van Gundy endete bei den Rockets, wo er in der Folge vier Spielzeiten blieb und seither gerne bei vakanten Trainerposten in der NBA von Fans ins Spiel gebracht wird. Deswegen mag aus heutiger Fansicht, welche unter anderem auf seine Beliebtheit als Analyst für ESPN zurückzuführen ist, der Vorzug von Silas gegenüber Jeff van Gundy zumindest diskutabel erscheinen. Jedoch kann die Verpflichtung von Silas zu dem Zeitpunkt nicht als Fehler angesehen werden, da dieser hervorragende Arbeit in New Orleans und Charlotte leistete und vor allem mit jungen Spielern gut auskam. In Bezug auf LeBrons Entwicklung war Silas auch die richtige Wahl und noch heute erinnert sich Silas daran, wie wissbegierig James in seinen ersten beiden Jahren gewesen ist:

“The second year when he was there, when we had practice, he knew everything from the year before. He could point it out – the practice plans, the game plans – and it just blew me away.”

Die Chemie zwischen Silas und James stimmte demnach, wobei schlussendlich seine Entlassung dahingehend begründet wurde, dass er es nicht geschafft hat, die restlichen Spieler besser zu machen. Des Weiteren war die Entlassung nicht nur auf sportliche Gründe zurückzuführen, auch wenn die Cavs sich in einer Krise befanden und neun der letzten zwölf Spiele verloren hatten. Der Hauptgrund für den Wechsel des Headcoaches war der neue Besitzer der Cavs, Dan Gilbert, der das Team im März 2005 kaufte und dabei fast den gesamten sportlichen Bereich umstrukturierte, indem er nicht nur den Coach entließ, sondern auch einen neuen General Manager einsetzen wollte. Demzufolge könnte man die Entlassung auch als Panikreaktion oder Aktionismus interpretieren, schließlich war eine positive Entwicklung der Mannschaft (auf 43 Siege-Kurs, was für die PO gereicht hätte) zu sehen.

Trotzdem ermöglichte die Entlassung natürlich neue Möglichkeiten für die Cavaliers. LeBron zeigte schon in seinen ersten zwei Spielzeiten, dass er ein überragender Spieler ist und das Potential zu einem ATG hat. Demnach war die Chance groß, dass man einen fähigen Trainer an Land ziehen, welcher die Cavs zu PO-Erfolgen führen könnte. Laut Aussage von Dan Gilbert hatte er Gespräche mit 10-12 Kandidaten geführt, darunter Phil Jackson, Flip Saunders und Eric Musselman. Obwohl man mit diesen erfahrenen Coaches verhandelt hat und die Gespräche mit Phil Jackson nicht positiv verliefen, entschied man sich für einen Neuling als Headcoach. Phil Jackson wäre 2005 und zu jedem anderen Zeitpunkt gewiss die ideale Wahl gewesen, jedoch ist es fraglich, ob das Management an der Stelle versagt oder nicht eher die Abneigung Jacksons gegenüber small markets (er nannte Sacramento einst “cow town”) eine Zusammenkunft zwischen Zen Master und dem King verhinderte.

Bei der Vorstellung von Mike Brown in Cleveland lieferte Dan Gilbert eine interessante Begründung, die nicht nur Aufschluss über seine Wahl gab, sondern die gesamte Trainerdiskussion aus einem anderen Winkel beleuchtete:

“I think potential, passion and talent are more important than experience. When you look at the last 20 or 25 NBA champions, over half of them were won by coaches who were in their first head coaching job. If you can get a guy who is ready to blossom and become the next great coach in the NBA, that’s the way to go.”

Schaut man nämlich nun zurück auf die großen ATG-Coaches, welche bereits erwähnt wurden, dann wird deutlich, dass diese eben nicht nur schon als legendäre Trainer die Superstars übernommen haben, so wie etwa Phil Jackson es in LA mit Kobe und Shaq getan hat. Phil Jacksons erster Job war bei den Bulls und Popovich wurde erst mit Duncan gemeinsam zum Startrainer. Die Entwicklung zum Elitetrainer und Elitespieler ging also teilweise Hand in Hand, was in der Retrospektive oft missachtet wird, da es nur heißt, dass Jordan auch den Zenmaster an seiner Seite hatte oder Duncan das Glück Popovich zu “erwischen”. Aus dieser Perspektive erscheint auch Spoelstra in einem anderen Licht und zeigt auf, dass es für eine historische Einordnung Spoelstras noch zu früh ist und derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass er weitere Titel sammelt und in den Trainerhimmel aufsteigt oder aber als “Randfigur” von den “Big Three” in Vergessenheit gerät.

Gilberts Aussage zeigt aber deutlich, dass er sich mit der Geschichte der NBA befasst hat und ein Plan hinter der Verpflichtung stand. Andererseits sind solche Aussagen auch plumpes Tagesgeschäft, denn nach der Verpflichtung konnte er schlecht bei der Präsentation von Brown kund geben, dass er lieber einen erfahreneren Trainer bevorzugt hätte, aber man sich mit keinem geeigneteren Coach einigen konnte. Das Signing von Brown ist jedoch verständlich und aktuell sieht man in der NBA auch, dass viele ehemalige Assistenten in ihrem ersten Trainerjob sehr erfolgreiche Arbeit leisten, wie etwa Thibodeau in Chicago oder auch Budenholzer in Atlanta. Ebenfalls schaffte es Mike Brown bereits im zweiten Jahr in die Finals. Des Weiteren war mit Ausnahme von Phil Jackson kein Ausnahmecoach gesprächsbereit, sodass die Entscheidung pro Brown sicherlich nicht so negativ ausfallen sollte, wie es durch die Entwicklung von Mike Brown vor allem bei den Lakers erahnen lässt.
Trotzdem erscheint es derzeit eher so, dass Brown mehr von der Präsenz von LeBron profitierte als andersherum, da er den Coaching-Erfolg an anderer Stelle nicht wiederholen konnte und ihm oft vorgeworfen wurde, dass er sich in den Playoffs auscoachen lassen hat. Die Cavs müssen sich auch fragen, ob sie die Reißleine nicht hätten früher ziehen müssen. Auch wird oft über die Zeit unter Mike Brown berichtet, dass LeBron Narrenfreiheit genossen hat und nicht auf den Coach hören musste. Vielleicht hielt aber genau diese Narrenfreiheit Brown am Leben?

Im Jahr 2014 kam das Signing von David Blatt noch bevor sich jemand vorstellen konnte, dass sich LeBron für die Cavs entscheiden würde. Seine (europäische) Vita liest sich exzellent und als Team mit Playoff-Ambitionen erschien Blatt eine “low risk high reward”-Verpflichtung. Den Cavs kann man an dieser Stelle nicht vorwerfen, dass sie LeBron abermals einen NBA unerfahrenen Coach zur Seite stellten.

Doch was ist eigentlich mit LeBron selbst? Welchen Einfluss hatte er auf die jeweiligen Signings oder kann man als Spieler überhaupt Einfluss ausüben?

LeBron James: Alles unter Kontrolle?

Die Wahl des Rookie-Coaches konnte LeBron natürlich nicht beeinflussen, aber wie hinreichend dargelegt wurde, war die Wahl von Silas vielversprechend, auch wenn sie sich nicht auszahlte. Über die Verpflichtung von Mike Brown zeigte sich James zu Beginn begeistert, jedoch wurde die Beziehung in den letzten Jahren immer komplizierter. Es hieß, dass er Coach Brown nicht wirklich folgen würde und im Umkehrschluss der Trainer dazu neige, LeBron lieber nicht zu kritisieren. Dennoch wurden selten Gerüchte laut, dass James gerne einen neuen Trainer an seiner Seite hätte, sodass man durchaus die Frage in den Raum stellen kann, ob ihm eben dieser Freiraum oder gar die Macht über dem Coach zu stehen sogar gefallen haben mag. Schlussendlich trennten sich die Cavs von Mike Brown nach der Playoff Niederlage 2010 und noch vor “The Decision”, sodass LeBron die Möglichkeit gehabt hätte, einen Trainer nach seinen Wünschen auszuwählen, da er zu der Zeit als bester Spieler der Welt jegliche Fäden in der Hand hielt.

Nach jahrelang höchstens mittelmäßigem Management wählte James den Weg zu den Heat, wo mit Pat Riley als Präsident und Bosh-Wade eine überragende Ausgangssituation auf ihn wartete. Doch als Coach stand “lediglich” der Newcomer Spoelstra zur Verfügung, was folgende Schlüsse zulässt: James sah die Situation mit Riley und dem Duo als so gut an, sodass ihn die Trainerfrage wenig interessierte. Schließlich hatte man noch Riley in der Hinterhand, der notfalls, wie schon 2005 getan, übernehmen hätte können. Möglich wäre auch noch, dass LeBron die Tatsache gefiel, dass abermals ein junger Coach am Werk ist und er wiederum Freiheiten genießen könnte, ohne sich zu sehr unterordnen zu müssen. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass er generell Coaching für überbewertet hält bzw. dessen Impact als nicht zu hoch einschätzt.

Das “Coming Home” von LeBron in Richtung Cleveland würde die zuletzt genannte These unterstützen. Denn wieder hatte LeBron alle Möglichkeiten in seiner Hand und wählte die Rückkehr nach Cleveland. Zurück zu einem ausgetauschten, aber dennoch mit Fragezeichen versehenen Management und abermals dürfte die Trainerfrage keine Rolle gespielt haben. In seinem Brief “I’m coming home” nennt er auch nicht den neuen Coach beim Namen und thematisiert ihn eher am Rande, wobei er seine eigene Rolle herausstellt: “I’m going into a situation with a young team and a new coach. I will be the old head.”

Die Trainerfrage stand abermals im Hintergrund. Stattdessen kann festgehalten werden, dass LeBron zwei andere Aspekte wichtiger erschienen. Erstens war die Ankunft von Kevin Love relativ sicher, sodass er davon ausgehen konnte, wieder mit zwei Allstars spielen zu können. Zweitens die – tatsächliche oder auch zum Zwecke des Selbstmarketings gespielte – Sehnsucht nach seiner Heimatregion, wobei die Frage nach dem wahren Grund für die Heimkehr hier eine untergeordnete Rolle spielt. Schließlich führt jegliche Begründung für seine Rückkehr zum immer gleichen Ergebnis in der Trainerfrage: Der Trainer spielte keine Rolle oder LeBron gefällt es unter einem Rookie-Coach zu spielen.

Fazit

Die Trainersituation von LeBron in seiner Karriere war nicht optimal und die Namen Silas, Brown, Spoelstra und Blatt lesen sich wahrlich nicht wie ein who-is-who der Trainerzunft. Es lässt sich schon heute festhalten, dass LeBron nach seinem Karriereende nicht mit einem bestimmten Trainer assoziiert wird, so wie es bei Duncan oder auch Jordan der Fall ist. Demnach hat er natürlich einen kleinen Nachteil gegenüber den anderen Elite-Playern in Bezug auf das Coaching, da er keine gemeinsame Dynastie mit einem Star-Coach aufbauen konnte.

Es darf erwartet werden, dass in einigen Jahren aus der Retrospektive betrachtet die Trainer von LeBron James als Nachteil im Rennen um den GOAT angeführt werden könnten, allerdings ist zu befürchten, dass dies eher auf das Unterschätzen von den Coaches, in aller erster Linie von Spoelstra, zurückzuführen sein wird und weniger die tatsächliche Coachingleistung Berücksichtigung erhält und des Weiteren seine eigene Rolle bei der Trainerwahl ignoriert wird. 

Wirkt sich dies zum Nachteil für James aus? Möglicherweise. Trägt James eine Teilschuld daran? Höchstwahrscheinlich.

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