BBL, Taktik

Drei Viertel Playoffs, Ein Viertel Pro B

Die großen Namen fehlten an diesem Freitagabend in der Beko Basketball Bundesliga, doch trotzdem sollte die anstehende Partie Spannung versprechen: Denn mit der BG Göttingen und medi Bayreuth trafen zwei Teams aufeinander, die sich beide noch Hoffnungen auf die Pokal-Qualifikation machten. Genauso sind sie, auch wenn es keiner der beiden Coaches in den Mund nehmen mag, irgendwie in das Rennen um den 8. Playoff-Platz verstrickt. Das Bayreuth aber wohl doch noch kein Playoff-Niveau hat, zeigte dann das letzte Viertel. Drei Viertel Playoffs, ein Viertel ProB…  

 

30 Minuten lang, sah es nach einer eindeutigen Angelegenheit für die Oberfranken aus, die gegen die von Verletzungen geplagten Veilchen immer eine Antwort parat hatten. Insbesondere wenn Göttingen-Coach Johan Roijakkers eine 3-2-Zonenverteidigung spielen ließ, bewiesen die Jungs von Mike Koch ein gutes Auge und erspielten sich mit toller Ballbewegung einfache Würfe. So ging man mit einer 17-Punkte-Führung im Rücken in den letzten Spielabschnitt und hätte diese nur noch mit ruhigem Spielaufbau und einfachen Set-Plays verwalten müssen. Doch stattdessen suchten die Bayreuther viel zu überhastet den Abschluss, spielten sich keinen offenen Wurf mehr frei und wurden letztendlich mit einem 23:6-Lauf aus der Halle gedroschen. BBL News hat sich auf Fehlersuche begeben.

 

Offense  

 

Nur sechs erzielte Punkte in einem Viertel, sollten eigentlich für sich sprechen. Doch es muss ja auch Gründe für diesen eklatanten Einbruch geben. Man kann wahrlich nicht davon sprechen, dass die Göttinger Defense jetzt viel intensiver war. Die Bayreuther Offensive war nur umso schwächer. Während die Franken sich in den ersten 30 Minuten noch gute und offene Würfe erspielen konnten, waren die meisten Würfe im letzten Viertel sehr eng verteidigt und somit war ein Fehlversuch nur die logische Konsequenz.

Bestes Beispiel dafür ist diese Szene aus dem vierten Viertel, als Simon Schmitz und Phillip Heyden ein Pick& Roll auf der linken Seite des Courts starten. Da der Göttinger Big Man Jamal Boykin sich dafür entscheidet zu „hedgen“, also als Verteidiger des Block-Stellers weit heraus zu kommen, ist der Screener zwangsläufig immer frei. Genau das passiert hier auch und Schmitz muss diesen Pass zu Heyden spielen, damit der Bayreuther Center zum Korb ziehen kann.  

 

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Doch stattdessen dreht Schmitz den Kopf weg und sucht Trevon Hughes. Dies ist wahrscheinlich die zweite Option aus dem P&R. Nämlich Hughes könnte jetzt immer noch Heyden bedienen, da Boykin so weit nach oben gekommen ist. Doch das funktioniert aus zwei Gründen nicht. Erst brauchen die Bayreuther zu lange und dann verteidigen die Veilchen das auch ordentlich. Sie rotieren einen dritten Mann in die Zone, um Heyden den Weg zum Korb zu versperren.  

 

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Daraus resultiert logischerweise wieder ein offener Mann in Neon-grün. Dieser heißt Brenden Bowman und steht in der rechten Ecke. In der ersten Halbzeit hätte Hughes jetzt wahrscheinlich schnell weitergepasst, um den offenen Dreier für Bowman zu kreieren. Doch passend zum Verlauf des Viertels, entscheidet sich der Aufbauspieler hier gegen David Godbold in die Isolation zu gehen. Dieser verteidigt das gut und Hughes verfehlt.  

 

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Außerdem symptomatisch für dieses letzte Viertel: Die Bayreuther suchten nicht mehr ihren Topscorer an diesem Abend. Javon McCrea erarbeitete sich immer wieder gute Low-Post-Positionen, doch seine Mitspieler belohnten ihn nicht. Wie in dieser Situation, als er mit Boykin um die Position fightet und dann auch gut steht um mit dem Rücken zum Korb arbeiten zu können.  

 

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Ronnie Burrell wählt aber lieber den sicheren Weg über Simon Schmitz. Dieser hat nicht mehr viel Zeit und begibt sich dann in eine Isolation gegen Dominik Bahiense de Mello. Sicher nicht die Würfe, die Headcoach Mike Koch sehen will. Die Reaktion von Center McCrea fiel auch entsprechend aus.  

 

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Die Offensive blieb im vierten Viertel keine Teamleistung, sondern eine Ansammlung von Einzelaktionen. So fielen am Ende selbst die einfachsten Würfe am Brett nicht und Bayreuth traf lediglich zwei von 14 Feldwurfversuchen in den letzten 10 Minuten. Die Shotchart:  

   

 

Defense  

 

Wenn man 22 Punkte am Stück kassiert ohne selbst zu punkten, macht man zuerst die Offense dafür verantwortlich. Doch auch defensiv haben die Franken es den Göttingern sehr leicht gemacht. Insbesondere Jamal Boykin, der im letzten Viertel richtig aufdrehte, kam immer wieder zu einfachen Korblegern ohne jegliche Gegenwehr. Verantwortlich dafür war die fehlende Kommunikation in der medi-Defense. Die Kommunikation ist besonders in der Verteidigung des Block&Abrollens ein elementarer Bestandteil.

Welcher Typ der Pick&Roll-Defense wird genutzt? Brauchen wir einen dritten Mann zum Rotieren? All diese Dinge wurden hatten die Bayreuther im letzten Viertel scheinbar vergessen. In der folgenden Situation wird sich wahrscheinlich auch Mike Koch die Haare gerauft haben. Simon Schmitz und Phillipp Heyden sollen das Block und Abrollen von Andrew Onwuegbuzie und Jamal Boykin verteidigen.  

 

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Offensichtlich will Heyden hier „hedgen“, also weit bis an die Dreipunktlinie rauskommen, um besonders den Ballhandler unter Druck zu setzen. Schmitz bleibt dabei am Screen hängen und ist somit nun näher an Boykin dran, als an Onwuegbuzie.  

 

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Nun gäbe es zum Beispiel die Möglichkeit zu switchen, sodass Heyden einfach an Onwuegbuzie dran bleibt und ihm den Weg zum Korb versperrt. Natürlich würde dieser seine Schnelligkeit ausspielen wollen, doch mit anständiger Help-Defense wäre der Drive zu verteidigen. Anscheinend haben sich Schmitz und Heyden aber gar nicht abgesprochen, denn der Bayreuther Center sprintet plötzlich zurück zu seinem eigentlich Gegenspieler (Boykin).

 

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Schmitz scheint etwas überrascht und muss sich sofort von Boykin lösen, um Onwuegbuzie überhaupt noch folgen zu können. Doch da Heyden auch noch den Laufweg von Schmitz versperrt, kann dieser überhaupt nicht mehr den Drive von dem Göttinger Youngster stoppen.  

 

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Help-Defense ist auch keine vorhanden, sodass Onwuegbuzie mit allen Freiheiten zum Korb ziehen kann. Diese Pick&Roll-Defense ist sicher nicht erstklassig. Eine ziemlich ähnliche Situation entsteht nach einem Out-of-Bounds-Play der Göttinger. Godbold wirft den Ball zu Onwuegbuzie, der von Trevon Hughes verteidigt wird.

 

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In der Folge kommt es sofort zu einem Hand-Off zwischen Onwuegbuzie und Godbold, sodass dieser nun mit dem Ball in der linken Ecke verweilt. Onwuegbuzie hingegen orintiert sich schon wieder in Richtung des Korbes.

 

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Das Problem: Keiner folgt ihm. Hughes und Bowman, die sich scheinbar nicht abgesprochen haben, stehen beide bei Godbold und können nur hinterherschauen, wenn Godbold den Ball wieder zu seinem 19-jährigen Teamkollegen passt. Dieser zieht zum Korb und passt raus auf den freistehenden Bahiense de Mello. Dieser kann die Bayreuther allerdings dann nicht bestrafen.  

 

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In der Schlussphase sind die Göttinger dann fast nur noch ein „Two-Men-Game“ gelaufen, als sie immer wieder das Pick&Roll mit Khalid El-Amin und Jamal Boykin forciert haben. Dieses wurde ein ums andere Mal mit Erfolg gekrönt. Wieder war dafür die schwache P&R-Defense verantwortlich. Obwohl der Big Man „gehedged“ hat, kam kein dritter Bayreuther zur Hilfe und Jamal Boykin bedankte sich immer wieder mit einfachen Korblegern.

 

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Fazit  

 

Auch wenn es 30 Minuten wirklich gut aussah, was die Jungs von Mike Koch auf das Parkett brachten, war es in den letzten 10 Minuten eine unglaublich unkonzentrierte Leistung, die folglich mit einer Niederlage bestraft wurde. In der Defense waren die Franken fahrlässig und ließen die Göttinger immer wieder zu einfachen Punkten kommen. Am anderen Ende des Courts dagegen, verfielen sie immer öfter in Isolations und andere schlechte Plays, die keine offenen Würfe generierten. Somit muss man sich in Bayreuth von den Pokal- und wohl auch von den Playoff-Träumen vorerst verabschieden…    

 

Alle Rechte an den Bildern liegen bei der Telekom.

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