NBA

The Grindfather – Meister der kleinen Dinge

Kein Spieler der Memphis Grizzlies verkörpert die “Grit-and-Grind”-Mentalität so sehr wie Tony Allen. In den Saisons 2012/2013 und 2013/2014 wurde er ins All-NBA-First-Defensive-Team gewählt. In der letzten Saison klappte es nicht mit einer erneuten Nominierung, da er einen Großteil der Saison wegen einer Handverletzung verpasste. Wie gut ist Tony Allen in der Defensive wirklich? Hat er offensiv aufgrund seiner Wurfschwäche einen schlechten Einfluss auf sein Team?

Bester Individualverteidiger der Liga?

Ein Center kann üblicherweise deutlich mehr Einfluss auf die Defensive seines Teams nehmen als ein Guard. Deshalb gewinnt bei der Wahl zum Defensive Player of the Year auch nahezu immer ein Big Men. Dieser muss nicht einmal unbedingt ein hervorragender 1-gegen-1-Verteidiger sein, sondern muss durch seine Fähigkeiten in der Defensive Löcher zu stopfen, den Ring zu beschützen und Mitspieler zu koordinieren überzeugen.
Diese Aufgaben kann Tony Allen natürlich nicht erfüllen, doch gibt es einen Spieler, der seinen direkten Gegenspieler mehr aus dem Spiel nehmen kann als Tony Allen?
 
Allen ist ein unglaublich vielseitiger Verteidiger, der von der Point Guard Position bis zum Small Forward aufjeden Spieler angesetzt werden kann.
 
Dabei macht Allen seinen Gegenspielern schon das Leben schwer, wenn diese noch gar nicht im Ballbesitz sind. In dem folgenden Video sind einige Szenen aus der letztjährigen Playoffserie zwischen den Grizzlies und Thunder zu sehen, in denen Tony Allen es Durant extrem schwer macht überhaupt angespielt zu werden.Laut Statistiken von Vantagesports verhindert Allen auf 100 Chancen 2.56 Anspiele. Diese Zahl klingt an sich erstmal nicht beeindruckend, doch der Ligadurchschnitt liegt gerade einmal bei 0.9. Allen verhindert also ungefähr dreimal so viele Anspiele wie der durchschnittliche NBA-Spieler und liegt in dieser Statistik unter allen NBA-Spielern auf Rang 5.
 
Weitere Fähigkeiten von Allen, wie sich auch abseits des Balles um Screens zu kämpfen, seinem Gegenspieler keine gute Position im Post zu erlauben, von der Weakside intelligente Hilfe ihm Pick`n Roll zu spielen, fallen oft erst bei genauerem Hinsehen auf sind aber trotzdem essentielle Bestandteile seiner starken Defensive. Auch wenn seine Gegenspieler in Ballbesitz gelangt sind macht Allen einen überragenden Job sie davon abzuhalten in die Zone zu ziehen. Allen macht extrem viel Druck auf den ballführenden Spieler und schafft es regelmäßig vor ihm zu bleiben. Gerade wenn Allen sich über Screens kämpfen muss macht er dies vermutlich besser als jeder andere Spieler der Liga. Er antizipiert die Blöcke bereits im Vorfeld und drängt dann seinen Gegenspieler soweit vom Screen weg, dass er problemlos über den Block kommt. Im Video ist noch einmal zu sehen, wie Allen selbst wenn er etwas “out-of-position” ist, es schafft den Zug zum Korb zu verhindern und jeden Wurfversuch wenn es geht mit einer Hand im Gesicht abzuschließen. Selbst Joe Johnson, einer der kräftigsten Flügelspieler der NBA, schafft es nicht ihn im Post in Richtung des Korbes zu drängen.
 
 
Diese aktive Spielweise macht sich natürlich auch negativ bemerkbar, so verursacht Allen auf 36 Minuten 4.4 Fouls und muss deshalb auch nicht gerade selten mit Foulproblemen auf der Bank Platz nehmen.

In der Offensive eine Belastung?

Tony Allen verfügt über keinen nennenswerten Sprungwurf. Er trifft nur 29 Prozent seiner Dreipunktewürfe und auch aus der Mitteldiszanz gerade einmal 38 Prozent. Dabei nimmt Allen den Sprungwurf auch nur wenn er weit offen steht und die Wurfuhr runter läuft. Nur 14 Prozent seiner Abschlüsse kommen von einer Entfernung, die größer als 10 feet ist (in etwa drei Meter). Diese Wurfschwäche ist in der Regel für einen Flügelspieler, der kaum mit Ball in der Hand agiert, eklatant. Doch Allen ist clever genug um in der Offensive dennoch eine wichtige Rolle zu spielen.
 
Er weiß sehr wohl, dass gegnerische Defensiven seinem Sprungwurf keine Aufmerksamkeit zu wenden, deshalb nutzt er Unaufmerksamkeiten seines Gegenspielers aus um abseits des Balles in die Zone zu cutten um dort von dem Center mit den besten Passing Skills der Liga bedient zu werden oder auf den Offensivrebound zu spekulieren. Auf 36 Minuten holt Allen 2.1 Offensivrebounds und gehört damit zu den besten Offensivreboundern unter den Guards. Selbst Russell Westbrook holt auf 36 Minuten gerechnet nur knapp mehr Rebounds am offensiven Ende (2.3). Mit Allen auf dem Feld haben die Grizzlies eine deutlich höhere Pace (On-Court 95.3/Off-Court 93.3), oft versucht Allen den Ball in der Transition zu pushen um dort einfache Punkte zu generieren. Dabei hat er auch ein Auge für seine Mitspieler und ist ein williger Passer. Im Video sind wieder ein paar Szenen zusammengeschnitten, die zeigen sollen wie Tony Allen offensiv hauptsächlich agiert.
 
 
Gerade die erste und die letzte Szene zeigen noch einmal sehr gut wie Allen durch Cuts gegnerische Defensiven bestraft. Die erste Szene ist ein perfektes Beispiel dafür wie Allen die Unaufmerksamkeit bzw. die Helpdefense seines direkten Gegenspielers ausnutzt, zum Korb cuttet und dort den Alley-Oop-Pass von Conley verwertet. Die letzte Szene zeigt klar, dass Tony Allen gar nicht darüber nachdenkt in der Ecke auf einen weitoffenen Dreier zu lauern, sondern lieber den Cut zum Korb macht, wo ihn Gasol perfekt in Szene setzt. Das Offensivrating der Grizzlies (Anzahl der Punkte auf 100 Possessions) ist mit Tony Allen auf dem Court sogar deutlich besser als ohne ihn. Sobald Allen auf der Bank Platz nimmt sinkt das Offensivrating der Grizzlies von 107.8 auf 102.9. Allen ist in der Offensive also alles andere als eine Belastung, sondern füllt seine Rolle in der Offensive der Grizzlies durch Cuts, Hustle, Fastbreakpunkte und Uneigennützigkeit exzellent aus.
 
Meister der kleinen Dinge 

Tony Allen legt keine großen Zahlen auf, viel mehr ist er ein Meister der kleinen Dinge. Ein Großteil davon lässt sich auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennen. Sein Einfluss auf die Memphis Grizzlies ist dennoch unfassbar hoch. Tony Allen hat ein Netrating (Offensive Rating – Defensiv Rating) von 10.1 und damit das Beste aller Spieler der Grizzlies. Steht Allen nicht auf dem Feld machen die Grizzlies auf 100 Possessions sogar 2.7 Punkte weniger als ihr Gegner.

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