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Machowski findet gute Antworten auf Ulmer Small Ball

In der Ulmer „ratiopharm Arena“ kam es am 1. Spieltag schon zu einem echten Topspiel. Die beiden Playoffteams aus der letzten Saison, ratiopharm Ulm und die EWE Baskets Oldenburg, standen sich dabei gegenüber. Während die Niedersachsen ihren Kader größtenteils zusammenhalten konnten, mussten bei den Männern in orange einige neue Spieler integriert werden. Ob das funktioniert hat und welche Taktiken die beiden Headcoaches verfolgten, erklärt euch BBL News mit dieser Analyse nun genauer…

 

Die Ulmer mussten auf Point Guard Per Günther verzichten, weshalb Coach Thorsten Leibenath  sich auf das Experiment einließ, den slowenischen Neuzugang Jaka Klobucar auf der Eins starten zu lassen. Neben ihm standen C.J. Harris, Will Clyburn, Maarty Leunen und Boris Savovic von Beginn an auf dem Parkett. Die EWE Baskets starteten mit Chris Kramer, Maurice Stuckey, Rickey Paulding, Nemanja Aleksandrov und Adam Chubb. Schon in den beiden Starting Five’s zeigten sich zwei komplett unterschiedliche Trainer-Philosophien. Während Leibenath in dieser Saison auf Small Ball setzt, wollte Machowski ihn mit seinen großen Spielern unter den Körben schlagen.

 

Große Spieler bedeuten aber meist auch Schnelligkeitsdefizite. Diese machten sich besonders in den ersten Minuten dieser neuen Saison bemerkbar. Die Ulmer waren in der Defense extrem aufmerksam und antizipierten gut die Passwege der Oldenburger. So kamen sie zu Steals in der Anfangsphase und hielten die Wurfquote der EWE Baskets sehr gering. Auffällig war direkt zu Beginn, dass Ulm sofort versuchte Boris Savovic, Neuzugang vom FC Bayern Basketball, in die Offense einzubinden. Meist wurde er auf Höhe der Dreipunktlinie gesucht, um Adam Chubb vom Korb fern zu halten und Räume für Drives für die schnellen, kleinen Spieler wie C.J. Harris zu schaffen. Dies klappte gut, weil Oldenburg nun jegliche Größe und Rim Protection unter dem eigenen Korb fehlte. Savovic selbst konnte zudem auch zum Korb ziehen oder sogar per Distanzwurf abschließen. Oldenburg verfolgte dagegen ein ganz anderes Konzept: Sie wussten um ihre physischen Vorteile unter den Körben und liefen viele Sets für Adam Chubb. Der, in der Defense oftmals überforderte Savovic, gewährte dem US-Amerikaner im Laufe des Spiels zu viel Raum und Oldenburg kam zu einfachen Punkten. Auch aus diesem Grund, musste Leibenath dann Tim Ohlbrecht auf das Parkett schicken. Der deutsche Center zeigte sich vor allem defensiv und bei der Reboundarbeit in guter Form. So schnappte sich der Ex-NBA-Spieler in zwölf Minuten Spielzeit alleine neun Bretter. Savovic griff sich in 27 Minuten Einsatzzeit gerade mal drei Boards. Einzig in der Offense schienen seine Mitspieler noch wenig Vertrauen in Ohlbrecht zu haben. Der 26-Jährige durfte Blöcke stellen und nach Offensivrebounds fischen, allerdings wurde er selbst bei guten Positionen im Low-Post nicht von seinen Teamkameraden gesucht.

 

Zur Halbzeit egalisierten sich diese beiden Systeme noch (40:40), doch im zweiten Spielabschnitt zogen die Oldenburg davon. Einen großen Anteil daran, hatte ihre Einstellung in der Defense. Dort verteidigten sie nun deutlich hartnäckiger und zwangen die Ulmer mehrmals zu Würfen zum Ablauf der 24 Sekunden Angriffszeit. Dies forcierten die Oldenburger dadurch, in dem sie durch ihre defensivstarken Guards Kramer und Stuckey extrem viel Druck auf Klobucar und Harris aufbauten. Zudem sah Savovic im Low-Post gegen Chubb immer noch kein Land, sodass die Ulmer den Ball immer wieder rauspassen mussten, keine Penetration zu Stande kam und sie so immer mehr schwere Würfe nehmen mussten. Zudem switchten sie, wenn notwendig, gut und zeigten sich in der Help-Defense sehr abgestimmt. Die Ulmer dagegen fanden auch in der zweiten Halbzeit kein Mittel gegen den 2,08m-Mann Adam Chubb, der besonders aus dem Pick-and-Roll erfolgreich war. Als dann auch noch Rickey Paulding (17 Punkte, 3/4 Dreier) und Julius Jenkins (9 Punkte) ihren Scoring-Beitrag leisteten und das Oldenburger Spiel somit noch variantenreicher machten, wurde es in der ratiopharm Arena bedenklich ruhig. Was die Ulmer Fans wohl auch verstummen ließ, war die Tatsache, dass in der zweiten Hälfte gefühlt ausschließlich Will Clyburn scoren konnte. Zwar bewies er ein ums andere Mal seine unglaubliche Schnelligkeit, Athletik und Stärke im Drive zum Korb, allerdings sollte es Leibenath nicht gefallen haben, dass seine Offense so abhängig von dem US-Amerikaner war. Natürlich war der Small Foward mit 22 Zählern und acht Brettern am Ende Ulm’s bester Werfer. Als es zum Schluss noch mal eng wurde, ließ Leibenath aber weiterhin mit Savovic und Leunen auf den großen Positionen spielen. Besonders Savovic konnte in der Crunchtime defensiv seinen Ansprüchen nicht gerecht werden. Zwei Mal stimmte die Abstimmung bei der Verteidigung des Pick-and-Rolls mit Klobucar nicht. Erst stand er zu hoch und wurde von Kramer, der mit einem einfachen Korbleger abschloss, überlaufen (73:81). In der zweiten Sequenz „iced“ Klobucar das Pick-and-Roll der Oldenburger Kramer und Chubb, allerdings stand Savovic abermals zu hoch und der Center der EWE Baskets steckte, wenn auch glücklich, auf seinen Teamkollegen Aleksandrov durch, der den tollen Spielzug mit einem Layup vollendete (73:83).  Damit stand 95 Sekunden vor Schluss der Sieger in der ratiopharm Arena fest.      

 

Fazit:  

 

Sebastian Machwoski kann in großen Teilen sehr zufrieden sein mit der Leistung seiner Mannschaft. Die Niedersachsen zeigten sich früh schon sehr abgestimmt und bewiesen, dass sie eine unfassbare Breite in ihrem Kader haben. Das Scoring kann auf verschiedene Schultern verteilt werden und das Oldenburger Spiel ist sehr variantenreich. Mit der richtigen Einstellung in der Defense sind die EWE Baskets defensiv eine Macht und nur schwer zu schlagen. In Ulm muss man sich über das System „Small Ball“ Gedanken machen. Die Männer von Thorsten Leibenath haben offensiv damit viele Möglichkeiten und zeigten diese auch schon in Ansätzen. Sie haben gute Schützen, aber auch Spieler, denen im Drive zum Korb keiner folgen kann. Die Big Man sind beweglich und haben ein weiches Händchen. Während Savovic offensiv schon seine Stärken bewies, blieb Leunen noch einiges schuldig. Das große Problem der beiden liegt im defensiven Bereich. Mit diesen Big Man hat Ulm keinen Shotblocker bzw. eine physische Präsenz auf dem Court. Dies könnte sie noch einige Spiele kosten, weshalb eine Lineup mit Savovic auf der Power Foward-Position und Tim Ohlbrecht als Starting-Center in der Zukunft durchaus wahrscheinlich ist. Denn auch Leibenath weiß: „Offense wins games, Defense wins championships.“

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