NBA, Taktik

Hörner raus!

Das "Horns"-Play anhand von Beispielen aus den (Conference) Finals

Wohl in jedem NBA Playbook zu finden ist das System Horns. Alle 30 Headcoaches laufen eine oder mehrere Variationen des so simpel klingenden Spielzugs. Hinter dem Begriff versteckt sich jedoch mehr als man zunächst denken mag. Aus einer gleichbleibenden Grundaufstellung ergeben sich diverse Varianten und Ausstiege. Wie es der Name bereits assoziieren lässt, bilden für gewöhnlich jeweils zwei Big Men die Hörner am Elbow (der Schnittpunkt zwischen Freiwurflinie und seitlichem Zonenrand). In den Ecken warten zwei Schützen, die das Feld breit machen und so die Zone für Penetration oder Cuts öffnen sollen.

Double Screens:

Spurs Horns Set #2

Hier warten zum einen Patty Mills und Danny Green in den Ecken auf den Pass oder den Block. Da beide eine exzellente Quote von außen aufweisen, dürfen ihre Gegenspieler nicht zu tief in die Zone absinken. Am Highpost macht sich zum einen Boris Diaw bereit, der sich nach einem Block auch vielversprechend an der Dreierlinie postieren kann, zum anderen Thiago Splitter. Der brasilianische Centerspieler schloss in der vergangenen Saison mit einer soliden FG% von 53 in der Zone ab; direkt am Korb waren es über 60%. In der ausgewählten Szene laufen die Spurs eine klassische Variante von Horns. Als Initialzündung dienen zwei Blöcke der Spieler am Highpost für den ballführenden Spieler am Perimeter, in diesem Fall Manu Ginobili. Der Argentinier kann sich so die Seite aussuchen, zu der er den Block nehmen möchte. Der zweiseitige Block erschwert es der Verteidigung zudem den Block zu verteidigen.

Ginobili entscheidet sich für Splitter, der nach dem Block gen Zone rollt. Diaw nimmt den frei gewordenen Platz von Ginobili ein und kann sich als sichere Anspielstation festigen. 

Spurs Horns Set #1

In diesem Fall versucht die Verteidigung der Heat den Guard auf dem Flügel zu doppeln. Dadurch bleibt Splitter in der Zone offen, da auch die Hilfe von der Weakside zu spät kommt. Diese Option ist besonders gefährlich, wenn Spieler wie Chris Paul oder hier Manu Ginobili hart den Korb attackieren können. Aufgrund der Schützen in den Ecken bleibt dann entweder die Zone frei oder ein Aushelfen der Verteidigung ermöglicht den Kick Out Pass.

Häufig stellen auch beide Spieler entweder einen Doppelblock in eine Richtung oder zwei zeitlich aufeinanderfolgende Blöcke. Vermehrt sind auch Flare-Screens in Amerika und Europa auffindbar. In diesem Fall würde hier Boris Diaw beispielsweise einen Flare-Screen für Splitter setzen, nachdem Splitter den ersten Screen für Ginobili gesetzt hätte (es ist nur ein theoretisches Szenario, Splitters Wurfauswahl verhindert eine effektive Option). 

Highpost Entry Pass:

Die vorgestellte erste Option ist besonders durch die Blöcke für den ballführenden Spieler erfolgreich. Weitaus mehr Optionen beginnen mit einem einleitenden Pass des Aufbauspielers auf den Highpost. Daraus ergeben sich grundsätzlich zwei Optionen für das Fortlaufen des Systems: Entweder zieht der Spieler aus der Mitte gen Strongside oder Weakside.

Variante 1: Strongside

OKC Horns #1

In Spiel fünf zwischen Oklahoma und San Antonio der diesjährigen Playoffs ließen beide Coaches vermehrt Variationen von Horns laufen. Die Grundaufstellung unterschied sich nicht. Mit Derek Fisher und Butler warteten zwei gefährliche Schützen auf ihren Einsatz in den Ecken, während Center und Power Forward am Highpost postiert waren.

Spielmacher Reggie Jackson entscheidet sich nun nach dem ersten Pass auf den Highpost für den Laufweg Richtung Strongside. Dort folgt der erste Block für Derek Fisher. Der Veteran nutzt diesen und schneidet durch die Zone auf die Weakside. Sitzt der Screen gut, kann Steven Adams ihn direkt vom Highpost in der Zone anspielen.
Nachdem Jackson den Screen gesetzt hat, orientiert er sich wieder zum Ball. Da der blocksetzende Spieler von der Verteidigung oft weniger Aufmerksamkeit als der blocknutzende erhält, kann er sich leicht von seinem Gegenspieler absetzen und den Handoff mit Steven Adams laufen. Obwohl sich hieraus bereits oft entweder ein offener Sprungwurf oder ein Pick&Roll entwickeln, besteht stets eine zweite Option auf der Weakside. Dafür setzt der zweite Spieler am Highpost für Fisher den Downscreen, der dann am Perimeter den Ball erhält. Fisher eng zu verteidigen wird dadurch erschwert, dass er vor dem Downscreen bereits einen Crossscreen für Caron Butler gesetzt hatte. Butler schneidet – wie Fisher zu Beginn des Spielzugs – durch die Zone in die gegenüberliegende Ecke. 

Variante 2: Weakside

Heat Horns #3

In der zweiten Variante schneidet hier Miami Heat-Point Guard Mario Chalmers weg vom Ball auf die Weakside. Dabei bleibt das Grundprinzip gleich: Chalmers setzt den Block für Wade, der – ähnlich der Strongside Variante – durch die Zone schneidet. 

In dieser Situation stellt neben Chalmers auch Lewis einen Downscreen für Wade. Der Guard hat nun die Wahl zwischen einem Cross-Screen von Chalmers oder dem Block von Lewis. Eine andere beliebte Option auf der Weakside ist ein Downscreen für den ersten Blocksteller. In diesem Fall würde der Point Guard Chalmers nach dem Block für Wade einen Downscreen von Lewis gestellt bekommen. Diese Flex-Action Variante ist nur eine von vielen Varianten, die wir täglich in der NBA zu sehen bekommen.

Fazit

Einer der Vorteile dieses Grundsystems ist es, dass es sich von Trainern beliebig erweitern oder variieren lässt. Dadurch können Coaches die einzelnen Stärken ihrer Spieler einbringen und effektiv ausnutzen. Ein guter Spot-up Shooter kann auf der Weakside einen doppelten staggered-screen ausnutzen, während auf der Strongside ein Handoff gespielt wird, und so den offenen Distanzwurf versenken oder zum Korb ziehen. So lässt sich das System auf jeden einzelnen Spieler anpassen und erweitern. Das Elevator Play der Golden State Warriors stellt eine weitere Variation dar. Es entsteht aus der Horns-Grundaufstellung und setzt die Stärken des Duos Curry/Thompson von außen optimal zu ihrem Vorteil ein (lest hierzu auch: Johannes Hübner – “Elevator Play” der Warriors).

Es ist wohl deshalb kein Wunder, dass wir diese Sets so oft zu sehen bekommen und sie – wenn sie richtig ausgeführt werden – auch meistens vielversprechend enden.

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