Cleveland Cavaliers, Minnesota Timberwolves, Philadelphia 76ers

Price to Pay

Die hohen Kosten des Love-Trades

Zwei aufeinanderfolgende #1-Picks in einem Trade – ein außergewöhnlich hoher Preis, selbst für einen Spieler vom Kaliber Kevin Loves. Ob die Entscheidung für die Cavs richtig war, werden die meisten Beobachter wohl von der Ring-Bilanz der kommenden Jahre oder der weiteren Karriere von Andrew Wiggins abhängig machen. Schon jetzt stellt sich aber die Frage, wie der hohe Preis zustande kam. Ein Breakdown des Kevin-Love-Trades.

Two in One

Als 30 Tage nach seiner Vertragsunterschrift die Trade-Restriction für Nummer 1-Pick Andrew Wiggins auslief, konnte der schon lange diskutierte Transfer Kevin Loves zu den Cavaliers endlich durchgeführt werden. Cleveland gab zusätzlich noch Anthony Bennett und den Miami-Pick aus dem LeBron James-Sign and Trade vor vier Jahren ab. Der Draftpick, dieses und nächstes Jahr Top 10-geschützt, wurde jedoch mit den Wolves Luc Mbah a Moute und Alexey Shved nach Philadelphia umgelenkt. Nach Minnesota kommt neben den beiden Nummer 1-Picks auch noch Thad Young von den 76ers. Praktisch lässt sich der Trade also aufteilen, die Wolves hätten auch einfach den Pick behalten können, für die Cavs ist die Beteiligung der Sixers bedeutungslos.

lebronjamesstandingDer interessantere Teil des Trades ist natürlich der Tausch
Wiggins (und Bennett) für Love. Minnesota wird die endlose Love-Story los, die Cavs können sich unter die echten Contender einreihen. Letztendlich mussten sie dafür in Wiggins ihr wertvollstes Asset abgeben – und selbst das reichte noch nicht aus. Auch wenn Bennett im Großen und Ganzen enttäuscht hat, ist er noch nicht komplett abzuschreiben. Ähnliches gilt für den Heat-Pick: Obwohl ein Team um James und Love vergleichsweise weniger Bedarf für einen relativ spät gewählten Rookie hat, ist das zusätzliche Asset keinesfalls zu vernachlässigen. Von den hier skizzierten Möglichkeiten ist es also die teuerste geworden, wobei die Cavs immerhin Dion Waiters behalten durften.

Die Liga der getradeten Stars

Der hohe Preis lädt also zu einem Blick zurück ein, wo sich sofort diverse vergleichbare Fälle finden. Der bisherige Karriereverlauf Loves entspricht in den meisten Details einem Schema, das in den letzten Jahren immer wieder für das Ungleichgewicht zugunsten der größeren NBA-Teams verantwortlich gemacht wurde: Top-Pick wird bei seinem Team zum Star, unterschreibt eine Verlängerung, größerer sportlicher Erfolg bleibt aus – und zuletzt fordert der Spieler gegen Ende seines Vertrags einen Trade. Die Gefahr eines Verlusts ohne Gegenwert zwingt das bisherige Team praktisch dazu, aktiv zu werden. Schließlich landet der Spieler bei einem Contender der Liga, das bisherige Team erhält einen mehr oder oft eher weniger attraktiven Gegenwert.

Diese austauschbare Story lässt sich auf vier weitere Fälle allein in den letzten drei Jahren anwenden. Ende Februar 2011 erfolgten zwei Blockbuster-Trades innerhalb kürzester Zeit: Am 22. kam Carmelo Anthony zusammen mit Chauncey Billups und weiteren, eher irrelevanten Spielern zu den Knicks, die dafür praktisch eine ganze Starting Five an jüngeren Spielern abgaben. Nur einen Tag später wurde der Trade der Nets für Deron Williams offiziell, im Kern erhielten die Jazz die Picks der Jahre 2010 und 2011 – mit letztendlich Position 3 und 4 wohl dem Love-Trade noch am Ähnlichsten. Dennis Spillmann analysierte die beiden Transaktionen damals. Insbesondere bei den nächsten beiden Trades entstand zudem die auch beim Love-Trade sichtbare Hängepartie: Der Paul-Trade unterhielt vor allem durch die Absurditäten rund um das Liga-Vetos gegen den Deal mit den Lakers, Howard sorgte für die wohlverdiente Bezeichnung ‚Dwightmare‘. Magic und Hornets erhielten jeweils ein relativ bunt gemischtes Paket aus Assets, unsere Coverage von Jan Karon und Dennis Spillmann findet sich hier beziehungsweise hier.

Und jährlich grüßt…

Im Rückblick lässt sich sofort ein Sonderfall festmachen: Der Dwight-Howard-Trade war von Anfang an extrem seltsam, der Gegenwert erschien allen Beobachtern extrem niedrig. Wie der Zufall (oder doch Magic-GM Rob Hennigan?) dafür sorgte, dass die Magic nach nur einem Jahr wie der einzige Gewinner aussahen, macht den ganzen Trade zu einem der absurdesten der vergangenen Jahre. Die anderen Fälle entwickelten sich mehr oder weniger wie prognostiziert: Ein teurer, aber akzeptabler Preis, der Star bindet sich kurz darauf langfristig an die Franchise. Wie gut das ertradete Paket schließlich aussieht, hängt stark an den übrigen Managementleistungen: Die Knicks und Nets haben in der Hinsicht eher nicht geglänzt, die Clippers einen Contender aufgebaut. Auf der anderen Seite haben die Hornets/Pelicans die hereinkommenden Assets in einen überbezahlten Pseudo-Star (Eric Gordon) und zwei Draft-Busts (Austin Rivers und Al-Farouq Aminu) verwandelt, konnten dafür aber mit dem eigenen Pick Anthony Davis ziehen. Auch Nuggets und Jazz erzielten nicht den ganz großen Preis, banden aber zumindest gute Spieler wie Danilo Gallinari oder Derrick Favors langfristig an die Franchise.

Zudem ist auffällig, dass die drei abgebenden Teams in einer relativ guten Verhandlungsposition waren. Trotz des Drucks durch die kurze verbliebene Vertragslaufzeit fanden sich mehrere Interessenten, oder das aufnehmende Team war selbst nicht sonderlich flexibel. Für die Nets stand der Umzug nach Brooklyn bevor, die Knicks haben ohnehin einen dauerhaften Anspruch auf Siege. Chris Paul wurde zumindest noch von den Lakers umworben, wie der schließlich annullierte Trade zeigte.

Cavs und Wolves: Der Kerntrade

kevinloveZurück in die Gegenwart: Falls Andrew Wiggins zumindest halbwegs den Hype für die aktuelle Draftclass rechtfertigt, sollte er den besten individuellen Gegenwert all dieser Szenarien darstellen. Das hängt direkt mit der Situation der beiden Teams zusammen: Die Cavs standen unter relativ großem Druck, LeBron James sofort einen kompetenten Supporting Cast zur Seite zu stellen. Der qualitative Unterschied zwischen den verschiedenen Assets bedeutete zudem, dass sich praktisch nur zwei Szenarien ergeben konnten: Mit Wiggins kann jede Seite die Chancen des Deals in den Vordergrund rücken, ohne Wiggins wäre jedes Love-Paket ein klarer Steal gewesen, aber schlecht für die Wolves. Die Cavs hätten sich also ein anderes Ziel suchen müssen – ohne, dass vergleichbare Spieler verfügbar gewesen wären: LaMarcus Aldridge und Marc Gasol werden zwar auch nächsten Sommer Free Agents, ihre Teams machen sich aber berechtigte Hoffnungen auf einen Verbleib. Für diese beiden Allstars wäre der Preis ohnehin ähnlich hoch gewesen. Spieler der zweiten Reihe wie etwa Paul Millsap hätten vermutlich nicht das nötige Upgrade bedeutet. Wie bei den übrigen Star-Trades der letzten Jahre bleibt also aus Sicht der Cavs, dass der Preis schmerzhaft war, sich aber lohnen sollte, wenn Love wie angekündigt über kommende Saison hinaus beim Team bleibt.

Die Wolves, deren Situation noch vor einigen Monaten Richtung miserabel tendierte, erhielten dank mehrerer Interessenten schließlich ein nahezu optimales Paket. Selbst wenn die Warriors nie wirklich bereit waren, Klay Thompson abzugeben, blieb so eine Drohkulisse erhalten: GM David Griffin konnte in Cleveland nicht einfach abwarten, bis die Wolves einem schlechteren Paket zustimmen würden, denn vielleicht wäre das schlechtere Paket das eines anderen Teams gewesen. In Minnesota ist mit dem Trade also ein Blitzstart in den Rebuild gelungen, in erster Linie natürlich dank Wiggins. Aber auch mit Bennett sind die Wolves in einer relativ komfortablen Situation: Wenn er sich nicht verbessern sollte, wird das allenfalls den Cavs zum Vorwurf gemacht. Im aktuellen Trade war er nur ein Buy-Low-Filler, der bei guter Entwicklung noch attraktiv werden könnte.

Philadelphia 76ers: Die lachenden Dritten?

Die Beteiligung der Sixers wird nicht der Teil des Trades sein, über den noch jahrelang diskutiert wird und war zumindest für GM Sam Hinkie wohl eine der einfachsten Entscheidungen seiner Karriere. Dass Young abgegeben werden sollte, war spätestens nach den Trades von Spencer Hawes und Evan Turner offensichtlich. Damals war der Gegenwert mit einigen Secondroundern eher enttäuschend, so dass das aktuelle Paket ein klares Upgrade darstellt. Die Heat werden wohl diese Saison nicht um die vordersten Tabellenplätze spielen, Pick 20 dürfte eine realistische Prognose darstellen. Aber auch die beiden Spieler im Trade sind nicht komplett uninteressant: Shved konnte in seiner Rookie-Saison andeuten, dass er in die NBA gehört. Bei einem Rumpfteam wie den 76ers der kommenden Saison erhält er nochmal Gelegenheit dazu, und selbst im schlechtesten Fall ist er nur ein auslaufender Vertrag. Mbah a Moute kommt ebenfalls in sein letztes Vertragsjahr und wird als eine Art Mentor seines Landsmanns Joel Embiid gehandelt. Falls dieser seine Freizeit während der Verletzung nicht nur auf Twitter verbringen möchte, also ebenfalls eine potentiell lohnende Verpflichtung. Nimmt man noch hinzu, dass Young keine größere Begeisterung für einen Verbleib in Philadelphia zeigte, ist die 76ers-Seite des Trades praktisch ein risikoloser Gewinn.

Die zwei Gesichter der Minnesota Timberwolves

Dieser Nebenschauplatz ist also allenfalls von Seiten der Wolves in Frage zu stellen. Warum gibt ein Team ohne realistische Chancen auf die Playoffs einen Pick für ein Jahr Thaddeus Young ab? Wie bereits geschildert ist auch keiner der abgegebenen Spieler eine langfristige Belastung, die Interims-Mann-für-alles Flip Saunders unbedingt hätte loswerden müssen. Dieser Teil des Trades – Pick, Shved und Mbah a Moute für Young – ist also tendenziell rätselhaft. Die Wolves erhalten damit eine relativ erfahrene Starting Five aus Ricky Rubio, Kevin Martin, Corey Brewer, Young und Nikola Pekovic. Daraus ergeben sich zwangsläufig zu viele Siege für einen hohen Pick. Schlimmstenfalls könnte sogar der eigene Pick an die Suns abgegeben werden, falls das Team irgendwie nicht unter den schlechtesten 12 Teams landet.

Vor allem Pekovic, Martin und Brewer sowie zusätzlich Chase Budinger, JJ Barea und Mo Williams sind klassische Win-Now-Spieler, besonders die diversen Spieleroptionen machen die Verträge zusätzlich unangenehm. Auf der anderen Seite stehen mit den ertradeten Wiggins und Bennett sowie den jüngsten Draftpicks Gorgui Dieng, Shabazz Muhammad und Zach LaVine vielversprechende Spieler im Roster, die möglichst viel Spielzeit benötigen. Rubio und Young lassen sich mit etwas gutem Willen beiden Kategorien zuordnen, kommen aber in ihr letztes Vertragsjahr, bei Young wiederum optional. Restricted Free Agent Rubio hat schon Ambitionen auf einen Maximum-Vertrag anklingen lassen, so dass hier ein neues Problem ansteht.

Nach klassischem Rebuild-Verfahren hätten die Wolves also eher versuchen sollen, ältere Spieler wie Martin und Pekovic im Trade zusätzlich abzugeben, statt einen Pick in Young zu investieren. Das solide Fundament durch Wiggins und eventuell Rubio und/oder Dieng hätten einen relativ schnellen Aufschwung möglich gemacht. Allerdings ist die Franchise seit 2004 ohne Playoffteilnahme, sodass die Angst vor zu vielen Niederlagen auf eine gewisse Weise verständlich ist. Die derzeitige Stärke der Western Conference lässt aber befürchten, dass die Durststrecke durch das ziellose Handeln eher noch verlängert wird.

Fazit

Der Young-Transfer ist also für eine Seite mehr oder weniger risikolos, für die andere fällt es dagegen schwer, überhaupt Chancen zu sehen. Immerhin sollte Wiggins die Wolves dafür entschädigen: Dieser Teil des Trades, nur mit Cavs und Wolves, sollte an sich keinen offensichtlichen Verlierer hervorrufen – es besteht höchstens die Gefahr, dass beide Teams in einigen Jahren einen nostalgischen Blick zurück werfen. Das hängt klar an Wiggins:  Enttäuscht er, haben die Wolves kaum Gegenwert aufzuweisen. Ist er der erhoffte Superstar, haben die Cavs möglicherweise eine grandiose Chance weggeworfen. Entscheidend für die Fans in Cleveland dürfte aber doch sein, ob endlich die lang ersehnte Meisterschaft aus dem James-Love-Tandem herausspringt.

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