Cleveland Cavaliers, NBA

Einer für Alle und…

Kyrie Irvings neue offensive Identität

Der erste Pick der Draft 2011. Rookie des Jahres 2012. All-Star 2013 und 2014 mit einer All-Star-Game-MVP-Trophäe. 3747 Punkte in nur drei Profijahren. Maximalvertrag. Mitglied des US Select Team. Die sehr junge Profikarriere Kyrie Irvings ist von persönlichen Errungenschaften geprägt. Auf Teamebene ließ sich dieser außergewöhnliche Erfolgsdrang bisher nicht annähernd übertragen.  2013 sollten die Cavaliers unter Irvings Führung endlich in die Playoffs stoßen, doch selbst im schwachen Osten enttäuschte das Team und gewann nur 40% seiner Spiele.  Trotz beeindruckender Boxscores und einer atemberaubenden Spielweise blieb ihm unter vielen Beobachtern auch auf individueller Ebene die öffentliche Anerkennung als Top-Spieler verwehrt. Zweifel an Irvings Führungsqualitäten vergrößerten sich darüber hinaus nach Querelen mit Teamkollegen. Irving bestach mit Boxscores und Punkteausbeuten, die einem Starspieler gerecht wurden, doch die Frage, ob er tatsächlich einen großen Einfluss aufs Spiel hatte, wurde nunmehr öfter gestellt. Der Sommer 2014 soll alles ändern. Muss sich auch Irving ändern? 

Kyries Team?

Ob die Verpflichtung, ein Team zu führen, für Kyrie Irving nun Privileg oder letztens doch eher Bürde war – diese Zeiten sind vorerst vorbei. Für die kommende Saison werden ihm keine Komplementärteile zur Seite gestellt, die unter seiner Leitung in limitierten Rollen die Playoffs in Reichweite bringen sollen. Zu ihm stoßen mit LeBron James und Kevin Love zwei Stars, die in ihren Ex-Teams ebenfalls die Rolle der ersten Option ausfüllten und darin auf dem Team-Level bessere Resultate verbuchen konnten.

Die Situation erinnert oberflächlich an die am South Beach im Sommer 2010. Auch die Miami Heat schrieben zu dieser Zeit eine eher ruhmlose Geschichte. Auch wenn diese nicht an die Tragik der jüngste Geschichte der Cavaliers herankommt, war auch der Motor Miamis ins Stocken  geraten. In den vier Jahren nach dem Titelgewinn 2006 hatte Miami eine Spielzeit mit nur 15 Siegen hinter sich, draftete den enttäuschenden Michael Beasley, und wurde in drei Spielzeiten aus der ersten Playoffrunde gefegt, darunter zwei mal per Sweep im Duell der als viert- und fünftgesetzten Mannschaften. Eher unverhofft gesellten sich zu Franchise-Guard Dwyane Wade mit LeBron James und Chris Bosh zwei weitere Superstars, die neben ihm den Flügel und eine große Position bekleideten.

Trotz des prominenten Zugangs blieb die Hierarchie – zumindest vorerst – erhalten. Im Gegensatz zu James und Bosh gewann Wade bereits eine Meisterschaft und bewies sich mit der Auszeichnung  zum wertvollsten Spieler der Finals als Leader. Wade war ein unbestrittener Eckpfeiler, der als Siegertyp galt und seit dem Draftabend ein „Heatle“ war. Die Zweifel an James’ Führungsqualitäten und „Siegermentalität“ waren gerade zu dieser Zeit so hoch wie nie, befeuert durch den Vorwurf, er hätte resigniert, noch ehe die Playoff-Serie gegen die Boston Celtics entschieden war. Die Story zu dieser Dynamik lautete damals: Wade war der Sieger und die anderen kamen, um neben ihm als Teamkapitän Titel zu gewinnen.

Kyrie Irving war bis dato das Gesicht der Cleveland Cavaliers. Die Dynamik zumindest zwischen Irving und James ist eine andere als die zwischen Wade und James. Während Irving mehr Fragen über seine Leistungsfähigkeit aufwarf als beantwortete, übertraf James in den letzten vier Jahren wohl die kühnsten Erwartungen in sein Talent, bestritt vier Finals, gewann zwei. Irvings Team ist das nicht. Die Rolle des „Alpha Dogs“ schlägt nicht nur zu Gunsten LeBrons um, weil er der beste Basketballspieler der Welt ist und bereits mit Erfolg große Schlachten bestritt, sondern auch aufgrund seiner emotionellen Verbindung zur Region. Der Sieger kehrt zurück, um wieder das Gesicht zu werden – nicht nur das der Mannschaft, sondern der gesamten Stadt, der gesamten Region. Irving gibt – erleichtert? – klein bei und akzeptiert den neuen Status Quo. 

Offensive Anteile und Wurftendenzen

Ein Blick in die SportVU-Datenbank auf NBA.com kann helfen, die offensive Balance des neuen Kerns um James zu bewerten. Dadurch soll sich letztendlich ein Richtungshinweis ergeben, der andeutet, wie weit Irving sein Spiel umstellen muss. Einige von James’ wichtigsten ehemaligen Teamkollegen in Miami werden in die Betrachtung mit eingenommen, um zu sehen, wie diese sich an James anpassten und welche Spieler der Cavs ähnliche Rollen ausfüllen könnten.

Ein erster Blick soll klären, wie balldominant diese Spieler, vor allem die neue „Big 3“ der Cavaliers, sind. Dafür werden alle Spieler zunächst in ballführende Guards, Flügel und Bigs eingeteilt. Dazu werden ihre „Touches“  auf 36 Minuten hochgerechnet und berechnet, wie lange ein Spieler den Ball pro „Touch“ in den Händen hielt:

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Was fällt auf?

  • Was Ballbesitze angeht, ist der Spielstil von LeBron James mit seiner Größe, Masse und gelisteten Position eine krasse Ausnahme. Sie enstpricht eher der eines Guards. Würde man seine Werte auf die Guard-Grafik übertragen, wäre er in Summe sowie Dauer der Touches nur leicht unterdurchschnittlich. Auch Kevin Love hatte deutlich öfter und länger den Ball in der Hand als der durchschnittliche Big. Er nutzte die Anziehungskraft, die er auf Verteidiger hatte, um seine Mitspieler einzusetzen. Seine AST% und Assists pro 100 Possessions verdoppelten sich fast in Adelmans passlastigen Offensive.
  • Einzig Irving ist als Teil der neuen „Big 3“ zumindest anhand der Touches entgegen der weitläufigen Meinung in seiner Position bzw. Rolle – der des Starter-Lead Guards – nicht außerordentlich balldominant.
  • Bei den Miami Heat kam neben James kein Spieler merklich über den Durchschnitt an Touches und Haltedauer ihrer jeweiligen Position, auch Bosh und Wade nicht. Bosh kam in etwa auf das Durchschnittsvolumen an Touches pro 36 Minuten für Bigs, lag jedoch etwas unter der Durchschnittsdauer, in der er den Ball in der Hand hielt. Dies deutet auf eine weitere Verschärfung der Rolle als Spot-Up Shooter hin. Mehr als 33% seiner Abschlüße kamen aus dem Spot-Up, während er die Spielmacherfunktion merklich einfuhr – seine AST% und gespielte Assists pro 100 Possessions waren auf einem Karrieretiefstwert, in etwa so hoch wie in seinem Rookiejahr.
  • Touches der weiteren Cavs-Guards, Dion Waiters und Matthew Dellavedova, hielten sich in Grenzen. Dellavedova wurde ebenfalls hauptsächlich als Shooter genutzt und schloss 33% seiner Würfe im Spot-Up ab.

Als erste Optionen ihrer Mannschaften waren die neuen „Großen Drei“ der Cavaliers also nicht nur als Scorer, sondern auch als Spielmacher gefragt. Wie üblich wurde auch bei dieser Formierung dreier offensiver Starspieler gefragt, wer Touches opfert und seine Rolle einschränkt, ähnlich wie es Chris Bosh tat. Diese Frage ist gerade aufgrund der Balldominanz von Kevin Love und LeBron James eine legitime. An LeBrons Rolle sollte sich aufgrund seiner Qualität als fast unaufhaltsamer Ballhandler und wandelndes Mismatch kaum etwas ändern. Kyrie Irvings Werte mögen andeuten, dass er nicht so balldominant wie etwa ein John Wall oder Isaiah Thomas ist, die Teams mit ähnlicher Pace führten und auf weitaus höhere Werte kamen. Ihn als Spieler zu beschreiben, der von vornherein off-the-ball spielen kann, wäre jedoch unangemessen, da diese Rolle noch ungewohnt für ihn ist. Mehr als 50% seiner Possessions schloss Irving als Ballhandler im Pick und Roll oder in Isolations ab.

Wie nutzen diese Spiele ihre Touches? Die nächste Grafik zeigt das Drivevolumen und die Driveeffektivität. Das Drivevolumen beschreibt die Anzahl der Drives durch Touches, sprich: wie oft ein Spieler nach Ballbesitz in den Drive ging. Driveeffektivität beschreibt Teampunkte, die man durch Drives vorbereitet oder selber erzielt.

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Was fällt auf?

  • LeBron James ist unter großen Flügelspielern wieder eine von wenigen Ausnahmen, die in etwa so oft wie der Durchschnitts-Guard in den Drive gingen und dabei wie am Fließband Punkte produzierten. Ray Allen gilt zwar als Guard, übernimmt jedoch zumindest anhand der Touches und im Pick und Roll nicht mehr so oft die Aufgaben eines wirklichen Ballhandlers, weswegen er unter den Flügelspielern gelistet ist. Trotz seines Alters zeigt sich sein Guard-Skillset, indem er bei limitierten Touches recht häufig noch in den Drive geht und effektiv für Punkte sorgt.
  • James ehemalige Kollegen Dwyane Wade und Mario Chalmers gingen neben ihm überdurchschnittlich häufig in den Drive und waren sehr effektiv. Kyrie Irving sorgte durch Drives für viele Punkte. Matthew Dellavedova hatte als Rookie Probleme und Dion Waiters’ Touches endeten sehr häufig in Drives, wobei er nicht besonders effektiv war.

Irving und Waiters sind neben LeBron James ein interessantes Duo. Auch Waiters’ Offensive ist vom Ballhandling geprägt und wie Irving schließt er in etwa 50% seiner Abschlüsse im Pick und Roll oder Isolations ab. Jedoch war er im Ausfüllen dieser Rolle nicht effizient und erzielte in beiden Kategorien jeweils unter 0,80 Punkte pro Possession. Irving erzielte in Isolations 0,89 und als Ballhandler in Pick und Rolls 0,91 Punkte. Mit diesem Wert belegte er den 22. Platz in der Liga. LeBron James belegte im PnR-Ballhandling den vierten. Eine Verkleinerung der Ballhandler-Rolle ist bei Waiters fast garantiert, selbst wenn er als Anführer der Bank auftritt. Waiters hat jedoch den „Drive“ und das Ballhandling, um als erweiterter Spielmacher mit Zug zum Korb inmitten von besserem Spacing seine Ausbeute deutlich steigern zu können, ähnlich wie es Mario Chalmers gelang.

Das Wurfvolumen der Cavaliers und LeBrons altem Kader ist ebenfalls einen Blick wert. Die nächste Grafik zeigt Touches und Spot-Up-Dreier-Würfe hochgerechnet auf 36 Minuten.

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Was fällt auf?

  • Chris Bosh entwickelte sich stärker zum Dreierschützen. Während seine Touches für einen Big leicht unterdurchschnittlich waren, nahm er deutlich mehr Spot-Up-Dreier als die meisten Bigs. Kevin Love war unter den Bigs nicht nur ein Spieler mit den meisten Touches, sondern nahm auch mit die meisten assistierten Dreierversuche.
  • Als eigentlicher Ballhandler auf der Flügelposition gelistet, nahm LeBron deutlich weniger Spot-Up Dreier wie Kollegen, die typischerweise hauptsächlich für Dreipunktewürfe verantwortlich sind. Die Werte der alten und neuen Kollegen James’ sind nicht verwunderlich, da sie mit Ausnahme von Shawn Marion als Dreierspezialisten gelten.
  • Als Lead Guard hielten sich auch Irvings Spot-Up Dreier in Grenzen, was bei der eher mageren Ausbeute von 33% 3FG% vielleicht besser war.  Dellavedova und Waiters nahmen bei eher wenigen Touches überdurchschnittlich viele Spot-Up Dreier, was vor allem bei Waiters interessant ist. 

Dion Waiters wirft über LeBron James. Bildrechte: Erik Drost – Lizenz: CC BY 2.0

Dion Waiters war 2013-14 kein effizienter Scorer, ist als Off-Guard aber interessant, da er neben dem Drive auch als Schütze Gefahr ausstrahlt, ähnlich wie Mario Chalmers. Im Gegensatz zu Chalmers würde er neben James jedoch nicht die zweite Playmakerrolle ausfüllen, sondern würde hier in der Hierarchie neben Kyrie Irving zumindest eine Ebene weiter unten stehen. Bis auf Mike Miller, dessen Einsatzzeit fraglich ist, befinden sich auf dem Flügel keine wahren Spot-Up Optionen in Cleveland, sofern man Ray Allen nicht bekommt. Love als wahrer Stretch-Vierer macht jedoch einen großen Unterschied und Waiters könnte eine Rollenverschiebung im Stile Ray Allens durchmachen, der neben dem Spot-Up nur einige Spielmacheraufgaben übernimmt. Nur 13% von Waiters’ Abschlüssen kamen aus dem Spot-Up. Dabei war er ein sehr guter Dreierschütze, dessen Dreierfeldwurfquote durch schlechte Ergebnisse in Pull-Up-Versuchen auf 37% gedämpft wurde. Betrachtet man hingegen nur Dreier aus Spot-Ups, aus Screens kommend und in Transition, die meist auch Spot-Up Versuche sind, traf Waiters bei 178 Versuchen 42,6% dieser Würfe. Waiters mag noch kein Offball-Spieler sein, doch das Potential für einen Spieler, der auf Würfe wartet, diese sehr hochprozentig trifft und den ein oder anderen Drive einstreut, ist da.

Kyrie Irving hingegen wurde im Zuge von LeBron James’ Rückkehr für sein Spot-Up Shooting kritisiert und es wurde angezweifelt, ob Irving als Guard neben einem balldominanten James funktioniert. Irvings assistiertes Shooting war tatsächlich miserabel. Nur 28% seiner 110 Dreipunktewürfe im Spot-Up und aus Screens kommend fanden den Weg durchs Netz. Man kann diesen Umstand für die kommende Saison im Hinterkopf behalten, jedoch sollten die Bedenken sich in Grenzen halten und bei der Abwägung von Stärken und Schwächen der Cavaliers-Offensive kaum der Rede wert sein. Irving schien sich 2013-14 einen Ausreißer nach unten geleistet zu haben. Irving operierte zwar auch in den vergangenen beiden Jahren nicht sehr häufig aus dem Spot-Up heraus, erzielte in diesen kleinen Stichprobengrößen jedoch sehr gute Ergebnisse. 2012-13 traf er 47% von 70 versuchten Spot-Up-Dreiern. Insgesamt traf er 40% der 209 Spot-Up Versuche, die er in seiner Karriere bisher nahm. 

Irving kann also werfen und niemand wird ihn außen frei stehen lassen. Trotz der jähen Schwäche im Spot-Up traf Irving seine Dreier dank seiner vielen Pull-Ups insgesamt etwa auf durchschnittlichem Liganiveau. In ISOs, Pick und Rolls und in Transition nahm Irving 173 Dreier aus dem Dribbling heraus, die er zu 39,8% traf. Besonders in Transition war Irving gefährlich. Stellte sich ihm kein Verteidiger auf Höhe der Dreierlinie in den Weg, stieg Irving automatisch hoch, wie in den folgenden Bildern zu sehen ist. Auch ist zu sehen, dass seine Wurfauswahl dabei nicht selten problematisch war, was den Unmut des ein oder anderen Mitspielers verständlich macht. Dabei ignorierte er gerne…

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… besser postierte Mitspieler (vor allem wenn sie Dion Waiters hießen).

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 …mitgelaufene Bigs, die auf dem Weg zu einem Mismatch unter dem Korb waren.

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…offene „Driving Lanes“.

Fast 40% seiner Transitionsituationen endeten in Dreiern. Und trotz der etwas fraglichen Wurfauswahl, die Mitspieler öfter mal ignorierten, half Irving seinem Team mit diesen Würfen aus dem Dribbling. In Transition traf er insgesamt 42% seiner Dreier. Der Pull-Up Dreier als spezielle Waffe in Irvings Arsenal zeigt sich auch im Vergleich mit Guards und Flügeln in der Liga:

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Irving gehörte zum oberen Drittel der häufigsten Pull-Up-Dreierschützen. Von allen Spielern, die mindestens einen halben Pull-Up Dreier pro Spiel versuchten, hatte Irving die achtbeste Feldwurfquote. In Volumen und Effizienz waren diese Werte identisch mit denen von Kevin Durant. Irvings Geballere von Außen aus dem Dribbling heraus sieht auch über die junge Karriere stark aus: Irving nahm in drei Jahren 485 Dreier aus ISOs, aus PnR-Situationen als Ballhandler und in Transition und traf 39,8% dieser Versuche. Betrachtet man nur ISOs und PnRs, da Fastbreaks Spot-Ups enthalten können, kommt man gar auf 40% getroffene Dreier bei 352 Versuchen, die definitiv aus dem Dribbling genommen wurden.

Optionen

Was können uns all diese Daten sagen? Blicken wir noch einmal auf Kyries Rolle, die sich angeblich ändern soll und ihm vermutlich Probleme bereiten wird. Vielleicht sind die Konsequenzen auf sein Spiel gar nicht so umfangreich, wie in der Berichterstattung der letzten Monaten suggerieren. Spieler sollten entsprechend ihrer Stärken eingesetzt werden. Natürlich entsteht neben einem Spieler wie LeBron James ein „Trickle-Down“-Effekt, der Spielern mit ähnlichen, aber schlechter ausgebildeten Stärken Rollenlimitierungen und -verschiebungen aufzwingen. Irving besitzt offensiv jedoch einige elitäre Stärken und die Cavaliers scheinen offensiv auch in der Tiefe gut genug ausbalanciert zu sein, um diese Stärken brauchbar zu machen.

LeBron James brauchte zwar die meisten ISO-Situationen in der abgelaufenen Spielzeit, dafür war Kevin Love als erste Option in Minnesota vor allem so effizient, weil er sich durch eine kluge und uneigennützige Wurfauswahl beschränkte. 66% seiner Körbe waren assistiert – 16 Prozentpunkte mehr als bei Chris Bosh, bevor er Teil der Big 3 in Miami wurde. Übernimmt Kyrie weiterhin stark den Spielaufbau, könnte auch LeBron James entlasten, zu Gunsten seiner Regeneration.

Selbst wenn Irving im Spot-Up weiterhin schwächelt, verfügen die Cavaliers vor allem Dank Loves (und James’) Shooting auf einer großen Position, Spielern wie Waiters, Dellavedova, Miller, aber auch Varejaos Passpiel über sehr gutes Spacing. Dank Irvings Fähigkeit, als Ballhandler effizient Dreier zu treffen, sollten Pick und Rolls/Pick und Pops aus allen Lagen mit LeBron James und Kevin Love Verteidigern Kopfzerbrechen bereiten. In Transition sollte Kyries schneller Pull-Up Trigger noch effektiver sein, eingeleitet durch LeBron James’ Explosivität und Kevin Loves Outletpässe. Mit James, Love, Varejao, Shawn Marion und Tristan Thompson rennt Irving Fastbreaks fast ausschließlich mit mobilen Flügel-Bigs/Bigs, die überdurchschnittlich gut rebounden.

Shawn Marion wurde als Gewinn für die Defensive verkauft, passt offensiv jedoch genauso gut in dieses Gefüge. Im Spot-Up trifft Marion seine Dreier gerade so über Ligadurchschnitt und agiert ansonsten fast ausschließlich abseits vom Ball, in ähnlicher Manier als Cutter, offensiver Rebounder, als Rollman im Pick und Roll und in Transition.

Fazit

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes ist die große Story in Ohio, doch die meisten Augen werden auf Kyrie Irving gerichtet sein, der beweisen muss, dass er sich neben multiplen Superstars eingliedern und sich als Siegertyp etablieren kann, ähnlich wie James vor seiner Aufgabe in Miami. Irving wird sein Spiel in wenigen Bereichen umstellen müssen, doch der derzeitige Cavs-Kader scheint weniger ein Hindernis zu sein, welches seine Schwächen stärker in den Vordergrund stellen wird. Vielmehr könnten seine besonderen offensiven Stärken neben diesen neuen, richtigen Spielern, gezielter genutzt werden. Mit der Mischung aus Pace und Space, einem Star in Love, der es in letzter Zeit auf sehr viele Touches brachte, aber gewohnt ist, den Großteil seiner Würfe vorbereitet zu bekommen, und einer Reihe defensiv eingestellter Rollenspieler, die off the ball spielen, sollte es möglich sein, zwischen LeBron James, Kyrie Irving und Dion Waiters die richtige Dosierung an Ballhandling zu finden, um auch die vermeintlichen Streithähne der letzten Jahre, Irving und Waiters, bei Laune zu halten.


Bildrechte: Erik Drost (Lizenz: CC BY 2.0)

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