Draftprofile 2014

Spencer Dinwiddie

University of Colorado Boulder

Datenblatt

nopictureName: Spencer Dinwiddie

Position: Wing

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: University of Colorado Boulder

College-Erfahrung: Junior

Im Jahre 2013 war die Welt für Spencer Dinwiddie noch in Ordnung, als er völlig zurecht zu den größten Talenten der USA zählte. Schließlich hatte er im Sommer für die USA bei der 2013 Summer Universiade in Russland, einer Nachwuchsweltmeisterschaft, einen neuen Assist-Rekord aufgestellt. Und im Dezember schlugen seine Colorado Buffaloes ziemlich überraschend die hochveranlagten Kansas Jayhawks (u.a. mit Andrew Wiggins und Joel Embiid) nach einem Buzzerbeater von Askia Booker. Dinwiddie war dabei mit 15 Punkten und sieben Korbvorlagen der wichtigste Spieler seiner Mannschaft. Daher stellte sich Ende des Jahres eigentlich nur noch die Frage, “wann” und nicht “ob” Spencer Dinwiddie in der ersten Runde gedraftet werden würde. Doch am 12. Januar 2014 änderte sich diese wünschenswerte Ausgangslage dramatisch, als er sich schwer am Knie verletzte. Sein vorderes Kreuzbrand riss und die Saison war gelaufen. Die Buffaloes retteten sich noch irgendwie ins Tournament, konnten aber ohne ihren MVP wenig ausrichten.

Tools und Skills

Spencer Dinwiddies größte Stärke ist seine Vielseitigkeit. Diese Wandlungs- bzw. Anpassungsfähigkeit findet in einigen Bereichen Ausdruck. Das fängt bereits mit der Einteilung seiner Position an, denn Dinwiddie besitzt mit seinen gelisteten 6-6 feet Gardemaß für die Shooting-Guard-Position. Bei den Buffaloes war er jedoch nicht selten erster Ballhandler und konnte auf College-Ebene probemlos auf der 1 eingesetzt werden. Und selbst Einsatzzeiten auf der Small-Forward-Position wären aufgrund seiner Größe denkbar, zumindest falls er körperlich zulegt und Muskelmasse aufbaut, da er bislang noch etwas “skinny” ist.

Ferner zeigt er in der Offensive ein mehrdimensionales Spiel. Seine Scoring-Effizienz sucht auf College-Ebene seinesgleichen (TS% von 0.67). Er attackiert furchtlos den Korb, geht in normierten 40 Minuten durchschnittlich knapp neun Mal an die Freiwurflinie (trifft davon 86%). Und auch der Dreipunktewurf sitzt. In seiner ersten und dritten College-Saison traf er mehr als 40% von Downtown, nur in seiner zweiten Saison hatte er einen Durchhänger mit 34%. Diese Fähigkeit, sowohl den Weg zu Korb zu finden und viele Freiwürfe zu ziehen, als auch die Würfe aus der Weitdistanz zu treffen, findet man selbst in der NBA nur sehr selten und macht ihn schon deswegen für Scouts sehr interessant. Gerne schließt er im P&R und der Isolation ab. Dinwiddie überzeugt bei seinen Angriffsversuchen allerdings weniger durch Kraft, sondern eher durch Finesse und eine gewisse Cleverness. Finten und Tempowechsel sieht man bei ihm recht häufig, was seine Gegenspieler in eine schlechte Position bringt und sie sich als Folge dessen meist nur noch mit Fouls helfen können. Dies wird Dinwiddie insbesondere in der NBA helfen, denn körperlich wird er dort vor erheblich größere Probleme gestellt als am College. Seine Wurfauswahl ist gut, sonst würde er niemals so effizient sein. Nichtsdestoweniger neigt er manchmal dazu, sehr schlechte Würfe zu nehmen, gerade lange Zweier oder gut verteidigte Dreier. Hier gibt es also noch Spielraum für eine Verbesserung der Effizienz und Effektivität.

Zudem fällt auf, dass er nicht nur für sich selbst kreieren kann, sondern er es auf College-Ebene durchaus versteht, seine Mitspieler einzusetzen, gerade “in transition”. Seine Stärken im P&R wurden bereits erwähnt, Drive & Dish funktioniert ebenfalls. Dabei hilft besonders seine Länge die gegnerische Verteidigung zu überblicken. Das klappt jedoch nicht immer. Zwischendurch verliert er gerne mal den Überblick und ist zu sehr auf sein Scoring fixiert, obwohl seine Mitspieler völlig frei an der Dreipunktelinie stehen oder offene Mitteldistanzwürfe nehmen könnten. Ballverluste oder schlechte Würfe sind dann die Folge.  In Sachen Ballsicherheit neigt er dazu, den Ball zu häufig zu verlieren (TOV%: 16%, Russell Westbrook Niveau). Hier würde es sehr helfen, wenn er das Dribbling mit der linken Hand verbessert, das er bislang lieber vermeidet als es als Waffe einzusetzen. Gerade in der NBA würde dies seinem Spiel guttun, denn dort ist der Druck auf den Ballhandler wesentlich größer. Insgesamt überwiegt jedoch das Positive, mit Spielraum für Verbesserungen.

In der Verteidigung hat er aufgrund seiner Größe sehr viel Potenzial, agiert auf der Seite des Feldes jedoch zu häufig zu unkonzentriert, zu wenig motiviert und mit zu wenig Einsatz. Möchte er sich in der NBA als guter Rollenspieler durchsetzen, muss das notwendigerweise besser werden.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft 2014_Stats_Wings

Spielervergleich

Ein Spielervergleich gestaltet sich schwierig, weil es in der NBA wenig Spieler gibt, die die oben beschriebenen Qualitäten verkörpern. Dinwiddies Körper und seine positionsbezogene Flexiblität erinnern ein wenig an Shaun Livingston, vielleicht mit etwas mehr Muskelmasse. In Sachen Spielstil gibt es gewisse Parallelen zu Kevin Martin, der ebenfalls wie kaum ein zweiter Freiwürfe mit Dreiern kombiniert und in der Verteidigung zu wenig Motivation und Konzentration zeigt. Beim Volumenscoring schneidet er im Vergleich zu Martin zwar schlechter ab, dafür kann Dinwiddie mehr Verantwortung beim Playmaking/Ballhandling übernehmen. Insofern ließe sich wohl sagen, dass er eine Art Shaun Livingston mit besseren Scoring-Game (insb. Wurf) werden könnte. Wenn er sein Potenzial voll ausschöpft, könnte er sich sogar zu einem Starter oder einem der besseren 6th Man der Liga entwickeln. Eine Zukunft als zuverlässiger Rollenspieler bei einem guten Team ist aber allemal drin.

Draftaussichten

Spencer Dinwiddie ist 21 Jahre alt und war drei Jahre am College. Damit gehört er zwar zu den etwas Älteren seines Draftjahrgangs, doch sind 21 Jahre kein Alter, in welchem Spieler sich nicht noch stark weiter entwickeln könnten. Es ist aber nicht auszuschließen, dass der ein oder andere General Manager lieber einen ein bis zwei Jahre jüngeren Spieler auf seiner Position vorziehen wird (bspw. Zach LaVine, Jordan Adams).

Dinwiddies Draftaussichten stehen und fallen vor allem mit der Begutachtung seiner medizinischen Fortschritte und dem Heilungsverlauf des verletztens Knies. Wäre er zu hundert Prozent fit, wäre er wahrscheinlich schon gegen Mitte der ersten Runde gedraftet, spätestens jedoch am Ende der ersten Runde. Viele andere Mockdrafts listen Dinwiddie aus verständlichen Gründen erst um Pick Nummer 40, schließlich ist ein Kreuzbandriss weiterhin eine sehr abschreckende Verletzung für ein Management einer NBA-Franchise. Doch lässt sich nicht abstreiten, dass aufgrund der medizinischen Fortschritte in diesem Bereich der Schrecken im Vergleich zu früher, als selbst ein Karriereende nicht unwahrscheinlich gewesen ist, wesentlich kleiner geworden ist. Insofern ist für Dinwiddie zwischen Ende erster Runde und zweite Hälfte der zweiten Runde alles möglich.

Er selbst geht mit seinen Draftaussichten sehr offensiv und selbstbewusst um. So sagte er nach der Verkündung, dass er sich zum NBA-Draft anmelden wird:

“I’ve got first-round talent. If an NBA team has the confidence to give me the keys to the car, they won’t regret it.”

Falls eine Franchise am Ende der ersten Runde der Meinung ist, dass die Heilung gut voranschreitet, sollte sie in der Tat zugreifen. Dinwiddie verkörpert mit seinem facettenreichen Spiel Qualitäten, die man selbst in der NBA nur selten zu Gesicht kommt. Trotzdem müsste sich eine solche Franchise darauf einstellen, dass er etwas Zeit benötigt. Nicht nur wegen der Verletzung, sondern auch, um körperlich zuzulegen, an seinem manchmal etwas fragwürdigen Decisionmaking arbeiten und die Disziplin in der Verteidigung zu verbessern. Daher wäre er gerade für Contender, die ihm diese Zeit garantieren können und die konsequent auf die Jugend setzen (bspw. Spurs und Thunder) durchaus interessant. Interessant könnte er für die Indiana Pacers sein, da der Verbleib von Shooting Guard Lance Stephenson nicht gesichert ist und sie darüber hinaus nicht zu 100 Prozent zufrieden mit der Leistung von Evan Turner gewesen sind. Insgesamt gibt es wenig Zweifel daran, dass er ein Rollenspieler in der NBA werden wird, falls ihn die schwere Verletzung nicht langfristig behindert.

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