Oklahoma City Thunder

Was haben Sie vor, Sam Presti?

Die schwierigen Entscheidungen der Oklahoma City Thunder in der Offseason 2014

Mit dem Aus der Oklahoma City Thunder gegen den späteren Champion aus San Antonio ging eine wahre Achterbahnsaison zu Ende. Das gesamte Jahr war es ein ständiger Wechsel zwischen Verletzungen von Schlüsselspielern und unkonzentriertem Zusammenspiel auf der einen Seite sowie hervorragendem Teamplay und MVP-Performances von Superstar Kevin Durant auf der anderen Seite. Dann letztendlich gegen den dominanten Offensivbasketball der San Antonio Spurs auszuscheiden, kann sicherlich passieren, gerade wenn der Gegner den Heimvorteil auf seiner Seite hat und ein Spieler wie Serge Ibaka die ersten beiden Partien ausfällt. Trotzdem dürfen das keine Ausreden sein. Das Front Office um General Manager Sam Presti muss nun kritisch analyiseren, warum es auch diese Saison nicht zum großen Wurf gereicht hat.

 

Eine Bestandsaufnahme

Wenn darüber spekuliert wird, was den Thunder nun jameshardennoch fehlen würde, ist der Weg zum Thema “James Harden” meist ein sehr kurzer. Interessanterweise spielten die Thunder in der ersten Saison nach James Harden in der Offensive keineswegs unproduktiver als mit “The Beard”. So erzielten das Team 2011/2012 mit James Harden 109.8 Punkten pro 100 Ballbesitze, was 5.2 Punkte besser als der NBA-Durchschnitt entspricht. Jedoch waren sie in der Saison mit Kevin Martin statt Harden sogar 6.5 Punkte besser als der NBA-Durchschnitt. Die Ballhandlingaufgaben von Harden wurden auf die Schultern von Kevin Durant und Russell Westbrook verteilt. Dazu verbesserten sich Serge Ibaka und Reggie Jackson. Und Kevin Martin konnte Hardens effizientes Scoring zufriedenstellend ersetzen. Diese “neuen” Thunder spielten den dominantesten Basketball der NBA (mit Abstand die beste Punktedifferenz 2011/2012). Sie waren das beste Offensiv- und das vierte Defensivteam und zählten mithin zu den größten Favoriten auf dem Gewinn der Meisterschaft. Leider verletzte sich Russell Westbrook in der ersten Runde gegen die Rockets so schwer, dass die Saison nicht nur für den Spieler gelaufen war. Allerdings lässt sich festhalten, dass die Thunder gezeigt haben, dass sie James Hardens Abgang verkraften können. Was unterscheidet nun aber die Thunder von 2012/2013 vom diesjährigen Team?

 

Um die Frage mit wenigen Worten zu beantworten: die Qualität im Kader. Wie oben geschildert konnte Hardens Abgang durch Kevin Martin und mit Hilfe von Spielerentwicklung aufgefangen werden, doch wie wurde vor der Saison Kevin Martin ersetzt, der die Franchise in Richtung Minnesota Timberwolves verließ? Sam Presti beging den Fehler und ging davon aus, dass das Talent im Kader ausreichen würde, um Martin teamintern zu ersetzen. Doch weder überzeugte Jeremy Lamb noch Perry Jones oder Rookie-Verteidigungsspezialist Andre Roberson über einen längeren Zeitraum. Im Frühjahr wurde dann Caron Butler verpflichtet, was durchaus als Eingeständnis dieses Fehlers interpretiert werden kann. Butler versenkte zwar mehrere Dreipunktewürfe, doch war in der Defensive permanent ein Schwachpunkt und in der Offensive gelang ihm außerhalb der Dreier nur wenig (2er: 37% FGs). Hinzu kam, dass Shooting Guard Thabo Sefolosha seine schwächste Saison seit Jahren spielte, was in einige “DNP” in der Postseason resultierte. Mithin war das Team, gerade im Backcourt, viel zu unausgeglichen besetzt, wodurch die Superstars Russell Westbrook und Kevin Durant unmenschlich viel Verantwortung im Spielaufbau und Scoring übernehmen mussten und in den Playoffs verständlicherweise manchmal einen überfordeten Eindruck hinterließen.

 

Von der Anhängerschaft der Thunder wird bei der Suche nach den Gründen des Ausscheidens gerne mit dem Finger auf Coach Scott Brooks gezeigt. Dabei steht wohl fest, dass Scott Brooks den schlechtesten Thunder-Kader seit drei Jahren betreuen musste und aufgrund der zahlreichen Verletzungen bzw. Blessuren von Schlüsselspielern noch weitere Probleme während der Saison lösen musste. Während Coach Brooks in der Vergangenheit zurecht kritisiert worden ist, wenn er zu lange an Spieler wie Kendrick Perkins festgehalten oder zu statisch Rotationen gebildet hat, versuchte er in den Playoffs alles, was möglich war: Thabo Sefolosha wurde zeitweise als Starter abgesetzt, wodurch sich die Thunder einen entscheidenden Vorteil gegen die Memphis Grizzlies sichern konnten. Die Rolle vom vielversprechenden Rookie-Center Steven Adams wurde ausgebaut und Jeremy Lamb oder Perry Jones bekamen Chancen, als Caron Butler abermals enttäuschte. Somit zeigte Scott Brooks, dass er gewillt ist, Dinge zu verändern, doch mangelnde Qualität lässt sich nur bedingt durch Taktik oder eine andere Rotation ausgleichen. Letztendlich führte Scott Brooks die Thunder wieder in die Conference Finals, obwohl der Weg in den ersten beiden Runden der Playoffs so schwierig wie für keine andere Franchise gewesen ist.

Doch richten wir den Blick mal auf die Zukunft der Thunder. Hierbei ist zunächst ein Blick auf langfristige Beschaffenheit des Rosters zweckmäßig:

 (blau: Teamoption; grau: nicht garantiert)

Diese Tabelle deutet an, dass die äußeren Bedinungen für die Thunder diese Offseason deutlich freundlicher aussehen als letztes Jahr:

 

Keine Luxussteuer

Nach dem aktuellen Stand belaufen sich die Kaderkosten für der kommenden Saison auf 69,9 Millionen Dollar. Wie vor zwei Monaten bekannt wurde, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Luxussteuergrenze deutlich angehoben wird. Letzte Saison waren es nur 71.748 Millionen Dollar. Nun sprechen die Quellen von einer Steigerung von 7.7% auf dann 77 Millionen Dollar. Mithin hätten die Thunder etwa 7 Millionen Dollar zur Verfügung um das Roster zu verstärken. Und diese Rechnung schließt den Vertrag von Hasheem Thabeet ein. Dessen Vertrag ist nicht garantiert, so dass die Thunder Thabeet cutten könnten, um noch etwas mehr Platz unterhalb der Grenze zu schaffen.

In jedem Fall ergeben sich durch die voraussichtliche Erhöhung der Luxussteuergrenze interessante Möglichkeiten:

Nutzen der Midlevel-Exception?

Zum einen wäre die Non-Tax-Player-Midlevel-Exception (MLE) zu nennen. Mit der MLE könnten die Thunder einem Free Agent einen Vertrag mit einem Startgehalt von bis zu 5.3 Millionen Dollar bieten. In der Free Agency finden sich einige interessante Kandidaten, die im Rahmen dieser Summe durchaus verfügbar sein könnten: CJ Miles, Vince Carter, Channing Frye, Paul Pierce, Trevor Ariza, Danny Granger, Marvin Williams. Gerade Shooter CJ Miles wäre keine Überraschung, da Sam Presti ihm vor mehreren Jahren bereits ein Angebot gemacht hatte, sein damaliges Team den Vertrag jedoch “gematcht” hat.

Nutzen der Kevin Martin Trade Exception?

Letzten Sommer wurden die Thunder zurecht kritisiert, dass sie Kevin Martin ohne Ersatz wegegeben haben, doch wechselte er zumindest nicht ohne Gegenwert. Denn die Thunder bekamen durch den Trade eine Traded Player Exception (TPE) in Höhe seines Startgehalts, d.h. 6.5 Millionen Dollar. TPEs haben die Funktion die jeweilige Summe (hier 6.5 Millionen) ein volles Jahr lang als Capspace nutzen zu können, obwohl das Team eigentlich über dem Salary Cap ist. Das bedeutet, die Thunder können entweder einen Spieler einer anderen Franchise bis zur Höhe der Summe aufnehmen oder aber einen Free Agent via Sign & Trade verpflichten.

Was passiert mit den Erstrundenpicks der Thunder?

 

Die Thunder besitzen für die diesjährige Draft zwei Erstrundenpicks (#21 und #29). Zwar haben die Thunder in der Vergangenheit ihre Picks gern selbst genutzt, doch könnte es dieses Jahr anders kommen. So waren die Thunder vor der Trading-Deadline kurz davor, Shooting Guard Iman Shumpert von den Knicks für ihren Erstrundenpick zu ertraden. Nun könnte dieser Tausch wieder aktuell werden. Shumpert gilt als guter Defender und könnte Thabo Sefolosha ersetzen, der eine schwache Saison gespielt hat und dessen Vertrag ausläuft. Um Shumpert zu ergattern müssten sie entweder einen Teil der Kevin Martin Trade Exception nutzen oder den Vertrag von Thabeet zu den Knicks schicken, den die Knicks dann entlassen könnten.

 

Was passiert mit Kendrick Perkins?

Kendrick Perkins ist seit geraumer Zeit vielenkendrickperkins Anhängern der Thunder und NBA-Experten ein Dorn im Auge. Seine Qualitäten in der Defensive sind unbestritten, doch ist seine offensive Leistungsfähigkeit so beschränkt, dass unterm Strich ein negativer Impact herauskommt. Dazu wird Perkins fürstlich entlohnt. Seinen Vertrag aus den Büchern zu entfernen, würde die Thunder finanziell dementsprechend noch flexibler aufstellen. Hierbei sind zwei Varianten denkbar:

Zum einen die Anwendung der Amnesty Clause. Dies gilt jedoch als eher unwahrscheinlich, da Sam Presti nachgesagt wird, kein Fan davon zu sein, Spielern viele Millionen dafür zu bezahlen, dass sie gegen Oklahoma City antreten.

Wahrscheinlicher ist, dass Sam Presti versuchen wird, Perkins zu einem Team mit Capspace zu schicken. Das ist nicht nur deswegen interessant, weil man Perkins dann nicht weiterbezahlen müsste, sondern weil dadurch wieder eine hohe TPE entsteht, logischerweise in Höhe seines Gehalts, falls kein Spieler im Gegenzug kommt. Durch einen solchen Trade würden die Thunder also Capspace in Höhe von ca. 9 Millionen Dollar kreieren. Zusammen mit ihren anderen Assets (“Wertgegenständen”) wie den Talenten Perry Jones, Jeremy Lamb oder einen der Erstrundenpicks wäre es so durchaus möglich, sich abermals zu verstärken. Zugegebermaßen ist das ein optimistisches Szenario, da ein passender Tradepartner sowohl für Perkins Vertrag als auch für den Verstärkungs-Tausch in Folge des erstes Trades gefunden werden müsste. Auf dem Schirm hat ein trickreicher General Manager wie Sam Presti diese Varianta aber sicherlich.

Fazit

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Thunder optimistisch in die Zukunft blicken sollten. Sie besitzen einige interessante Möglichkeiten das Team punktuell zu verbessern. Talente wie der 20-Jährige Steven Adams haben eine vielversprechende Rookiesaison gespielt und  Russell Westbrook und Kevin Durant werden auch kommende Saison alles geben, um endlich den Titel nach Oklahoma City zu holen. In jedem Fall steht eine so spannende Offseason bevor wie sie die Anhänger der Thunder schon lange nicht mehr erlebt haben. Und womöglich sehen wir bereits am Draftday die ein oder andere Transaktion, die die Thunder für die kommende Saison besser aufstellt.

 

 

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