Draftprofile 2014

Clint Capela

Élan Chalon, LNB Pro A (Frankreich)

Datenblatt

https://www.go-to-guys.de/Wordpress/wp-content/uploads/2011/04/nopicture.pngName: Clint Capela

Position: Big

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

Team: Élan Chalon, LNB Pro A

Pro-Erfahrung: 2 Jahre

capela

Vergleich der Statistiken Clint Capelas mit denen von Dario Saric und Jusuf Nurkic – Nationalligen (LNB Pro A bzw. Adriatic League) und EuroCup (zum Vergößern klicken).

April 2014. Im Anflug auf Portland, in der ersten Klasse sitzend auf Einladung von Nike, muss Clint Capelas Selbstvertrauen die Flughöhe locker überstiegen haben. Als internationaler Headliner sollte der Schweizer auf dem Basketballfestival namens Nike Hoop Summit auftreten. Mit der Chance, sich ähnlich wie Dennis Schröder im letzten Jahr gegen amerikanische High School-Jungs und junge Profis aus aller Welt noch zentraler ins Rampenlicht zu spielen. Keine Woche später reiste Capela mit einem entäuschenden Gefühl wieder nach Chalon in Frankreich, wo er professionell auf Korbjagd geht. Weder die Trainingseinheiten konnte Capela in Portland vor den Augen vieler NBA-Scouts dominieren, noch konnte er das landesweit übertragene Spiel gegen die US-Ausawhl positiv beeinflußen. Früh verbuchte der Schweizer zwei Fouls im Positionskampf gegen US-Talent Jahlil Okafor und auch im zweiten Anlauf von der Bank schickte ihn ein schnelles Foul wieder dorthin zurück. Die Hoop Summit hat als Gradmesser internationalen Talents im Aufeinandertreffen mit den vielversprechendsten High School-Talenten ein gewisses Gewicht im Stühlerücken um die zukünftige Draftposition. Obwohl Capelas enttäuschende Vorstellung Fragen über seine zukünftige Rolle in der NBA aufwirft, sollte seine herausragende und sehr effektive Saison in der französischen Liga sowie dem EuroCup nicht zu Gunsten eines einzigen Spieles in Vergessenheit geraten.

Tools und Skills

Defensive – Der Schweizer macht hauptsächlich aufgrund seines defensiven Potentials von sich reden. In nur 21,4 Minuten pro Spiel blockte Capela durchschnittlich 3,1 Würfe und zeichnete sich für 1,4 Steals in der französischen LNB Pro A verantwortlich. Im europäischen Vergleich aller U-23 Spieler* gehörte Capela zur Spitzengruppe in STL% und BLK%, wurde in beiden Kategorien nur von Kristaps Porzingis übertrumpft, dicht gefolgt von zwei weiteren Draft-Kandidaten in Jusuf Nurkic und Walter Tavares.  Dazu arbeitete Capela an beiden Brettern extrem hart und holte per 30 Minuten 10,1 Rebounds – neben Nurkic der einzige Jungspieler Europas, der bei Hochrechnung des Per-Game-Box Scores auf 30 Minuten ein Double-Double verzeichnen würde.

Capelas außergewöhnliche Athletik und Körperbeherrschung in der Luft ließen ihn schon während seiner Amateurtage als schweizer Nationalspieler den defensiven Statistikbogen in der schwächeren B-Division der europäischen Basketballnationen ausfüllen: Bei der Europameisterschaft 2010 blockte Capela in 35 Minuten pro Spiel 2,9 Würfe und klaute 1,9 mal den Ball, reboundete dazu irrsinnige 16,1 Fehlwürfe. Capela gelang es, diese Stärken in die französische Profiliga sowie den EuroCup zu übertragen. Capela gelingt es auch, diese Zahlen zu generieren, ohne – im Gegensatz z.B. zu Nurkic – besonders physisch oder unkoordiniert zu spielen, was bei ihm Foulanfälligkeit vorbeugt, zumindest in der nationalen Liga.

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Top 5 der U-23-Spieler Europas* in defensiven Box-Score Statistiken.

Man kann jedoch noch nicht eindeutig sagen, dass der 19-jährige bereits ein positiver Faktor in der Defensive ist. Die Athletik und Länge hilft ihm vor allem dabei, von der Weakside her Würfe zu erschweren und Passwege zu blockieren, doch mit 93 Kilo ist er gefundenes Fressen für physische und erfahrenen Bigs, gegen die er im Kampf um Position und im Post-Up meist ratlos aussieht.

Capela ist für einen Spieler seiner Größe sehr mobil und verfügt trotz der fehlenden defensiven Fundamentals über sehr gutes Timing. Dies erlaubt ihm, auch am Perimeter Guards und Forwards zu stellen, ihnen bis zum Korb zu folgen und ihre Layup-Versuche gegen das Brett zu donnern. Bei seinem fragilen Körperbau wird Capela auf jeden Fall Gewicht zulegen müssen, was sich eventuell auf die Fähigkeit, den Perimeter zu verteidigen, auswirken könnte. Trotz einer Reichweite, die Center-Tauglichkeit verspricht, liegt Capelas größstes defensives Potential vielleicht darin, mit Schnelligkeit und Länge Pick-&-Rolls zu zerschießen und Stretch-Vierer zu terrorisieren, dafür innen nicht als Anker, sondern als Help-Verteidiger mit Länge und Athletik auszuhelfen.

* Europäische Spieler, die jünger als 23 sind, sich in der Vergangenheit zu keiner Draft angemeldet haben und in einer Liga spielen, die in den letzten 3 Jahren mindestens einen Teilnehmer für die Euroleague oder den Eurocup stellten.

Shooting & Finishing – Capela verwandelt 66% seiner Feldwürfe, die er fast ausschließlich in der Zone nimmt. Von allen U-23 Spielern Europas* mit einer USG% über 18% hatte Capela die höchste TS%. Für einen hocheffizienten Big, der nicht selten den Abschuß sucht, wird Capela überraschend selten gefoult. Dies zeigt auch, dass er kaum Aktionen für sich vorbereitet, sondern hauptsächlich von Aktionen lebt, bei denen der Gegner gar nicht zum Foulen kommt – wie etwa Alley-Oops, Dunks in Transition, Anspielen direkt am Korb und bei flinken Abschlüßen nach Rebounds. Im EuroCup hievte Capela seine USG% über 20% und agierte dabei sogar noch effizienter (72% 2FG%, 70% TS%).

Während Capelas Spiel auf der defensiven Seite in seinem ersten wahren Profijahr ein ähnlich effektives war wie in seinen Amateurtagen und er das Potential zum defensiven Flügel-Big-Hybriden zeigt, ist Capela offensiv als Profi deutlich eingeschränkter. In der B-Division zog er für die Schweiz deutlich mehr Fouls und war offensiv eine Go-To-Option. DraftExpress kreidet Capela an, dass er sich eher für einen Flügel hält und nicht akzeptieren würde, dass diese Art Spieler nicht seinem Skillset entspricht. Capelas Fähigkeiten als Flügelspieler erscheint tatsächlich so rudimentär, dass eine gezielte Ausweitung auf diesen Bereich vielleicht nicht viel Sinn macht. Doch Capela spielte dieses Jahr die Rolle als Big diszipliniert durch und war trotz gelegentlicher Ausflüge nach Außen nicht “von der Rolle”, spielte innerhalb seiner Möglichkeiten eine konstant starke Saison.

Dennoch ist Capela gut beraten, einige Flügelfähigkeiten zu verfeinern, die er hin und wieder auch dieses Jahr zeigte, wie etwa kurze Ballhandling-Einlagen. Lernt er nicht, offensiv vielseitiger zu werden, könnte seine USG% in der NBA ähnlich fallen wie die vieler anderer defensiven Bigs, die nicht für Spacing sorgen können und keine Post-Moves besitzen. Clint Capela wird oft mit Ibaka vergleichen, der sich schnell als defensiver Spieler etablierte und sein Offensivspiel jährlich verbesserte, augenscheinlich durch den Wurf. Vor der NBA war Ibaka zwar lange nicht der Spieler, der sogar Vertrauen in den eigenen Dreier zeigt, und auch die niedrige Freiwurfrate deutet bei ihm an, dass er damals offensiv wenige Freiheiten hatte. Doch schon in der ACB zeigte zumindest seine FT% an, dass er das Potential für einen soliden Wurf besitzt. Capela hingegen zeigte in seiner bisherigen Karriere für Chalon und die Schweiz kein Potential als Schütze. Er expermentierte kaum mit Dreiern und knackte die 60%-Marke an getroffenen Freiwürfen in keinem Wettbewerb seit 2009. Ob der 19-jährige das Potential hat, hier zu einer Art Stretch-&-D-Spieler zu werden, ist sehr zweifelhaft.

Restliche Offense – Capela ist hauptsächlich als schneller, athletischer Rollman in Pick’n’Rolls sowie in Transition in Chalons Offensive involviert. Sieht er eine Lücke, streut er hin und wieder Dribblings ein,  die er dank seiner Athletik kurz halten kann, um schnell den Abschluß per Dunk zu suchen. Wie das DraftExpress Scouting Video zeigt, ist er aufgrund des fehlenden Touches als Passgeber selbst aus dem Stand stark begrenzt, auch wenn sich die 1,7 Assists pro Spiel dieses Jahr gut lesen.

Spielervergleich

Es überrascht nicht, dass ein Vergleich der Statistiken Statistiken mit Collegeabgängern der letzten Jahre Spieler zeigt, die für ihre defensiven Fähigkeiten bekannt sind. Dazu ein Vergleich zu Serge Ibaka und Bismack Biyombo, die mit ähnlichem Ruf den Sprung über den Atlantik gewagt haben:

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Vergleich Capelas Statistiken mit Serge Ibaka, Bismack Biyombo sowie einigen NCAA-Spielern. Serge Ibakas Geburtsjahr ist 1989. (Zum Vergrößern klicken).

Cole Aldrichs Statistiken in seiner letzten Collegesaison sind Capelas am ähnlichsten. Auch der Vergleich mit Nerlens Noel ist interessant. Capela ist aufgrund des Alters und Noels historischen Steal- und Blocknummern nicht auf dem gleichen Talentlevel des Lotterypick der 76ers, doch er verfügt über einen ähnlichen, noch sehr leichten Körperbau und das Potential, mit Länge und Mobilität große Flächen in der Verteidigung abzudecken, während die Offensive noch sehr roh ist. Mit seinem defensiven Timing und der Fähigkeit, an Guards dranzubleiben, erinnert er dazu an Larry Sanders. Die sehr hohe offensive Effizienz ist zwar hauptsächlich auf Abstauber, Oops und Abrollen zum Korb beschränkt,  doch Capela ist zumindest in Frankreich ein reger Scorer. Dabei erinnert er an Spieler wie Tyson Chandler, DeAndre Jordan, Chris Andersen oder Robin Lopez, die hauptsächlich aufgrund ihrer Verteidigung auf dem Feld stehen und sich offensiv passabel einschalten können.

Draftaussichten

Betrachtet man die Anzahl an gespielten Minuten und die Effektivität in der bekleideten Rolle, ist Clint Capela vielleicht der europäische Jugendspieler des Jahres, nicht zuletzt dank seiner Leistung im internationalen Wettbewerb, die Nurkic und Saric (bei kleiner Stichprobengröße) in den Schatten stellt. Die Produktion des Schweizers in Verbindung mit seinen körperlichen Eigenschaften, der NBA-Atlhletik und einer potentielle defensive Vielseitigkeit sollten ihn spät in der Lottery interessant machen, auch wenn er sein Spiel keine Basketball-Ästheten begeistern wird. Aufgrund der fehlender Physikalität und Fundamentals ist Capela auf beiden Seiten noch eher ein Langzeitprojekt. Selbst wenn er limitiert bleibt, bescheinigt seine beeindruckende Effizienz bei guter Usage in jungen Profijahren, dass er auch in der NBA ein wertvoller Rotationsspieler werden kann. Selbst wenn er nicht lernt, Würfe für sich selbst zu kreiieren, muss er offensiv kein Totalausfall sein.

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2 comments

  1. Poohdini

    Ganz großes Kino, wie immer. Unheimlich unterhaltender und abwechselnder Schreibstil. Dadurch wird das Lesen, auch von so vielen Zahlen und theoretischen Wiederholungen kein Problem.

  2. Artur Kowis

    |Author

    Hey Poohdini,
    danke für das Kompliment! Gerade das es bei einem Spieler kommt, der recht schwer zu beurteilen und “bschreiben” ist, freut mich sehr. 😀

    Dass ich die Leserschaft manchmal vielleicht mit etwas zu viel Datensalat überfordern könnte vergesse ich manchmal. Die relevanten Daten mit Beobachtungen und Geschriebenem zu kontextualisieren/beschreiben ist wohl ein ewiger Lernprozess ;)!

    Cheers

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