College Studs, Draft

College Studs #1

Das etwas andere College-Ranking

Rankings gibt es ohne Ende. Die Berichterstattung rund um den Basketball wäre sicherlich nicht die selbe ohne die guten alten Mock Drafts, Power Rankings und Polls. Doch trotz alledem soll es in dieser neuen Rubrik um ein Ranking gehen. Eine Auflistung von NCAA-Spielern, die es so in dieser Form eigentlich noch nicht gibt. Sie mag sich zwar teilweise nur um Nuancen unterscheiden, in einigen Aspekten gibt es aber dennoch ganz deutliche Differenzen.

Ideen eines neuen Projekts

Eine neue Rubrik kommt immer mit neuen Fragen und deswegen werde ich im Folgenden erst einmal die Grundregeln festlegen:

Während sich all die Draftvorbereitungen immer nur auf das Potential der Spieler für das nächste Level konzentrieren, geht es im Rennen um den Player of the Year-Award nur um die reine Leistung am College. Wieso gibt es eigentlich keine Verknüpfung dazwischen? Hier soll dies geschehen. In dieser Top 10 wird es nur um Akteure gehen, die im kommenden Jahr in irgendeiner Art und Weise relevant für die NBA Draft sind, egal ob sie aufgrund von ihrer Graduation automatisch angemeldet sind oder sich frühzeitig für die NBA entscheiden. Dabei soll der Blick aber nicht auf das NBA Potential gelegt werden. Es geht rein um die Leistung am College.

Ziel ist es, die kommenden Draft Prospects von einer anderen Seite zu beleuchten. Welcher Spieler gibt seinem Team am College die beste Chance zu gewinnen? Wem würde ich mein College Team anvertrauen? Diese Fragen sind neben dem Teamerfolg, Anteil des Spielers am Teamerfolg und den Statistiken (Reihenfolge unbedeutend) Indikatoren für die Zusammenstellung.

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Entgegen der ganzen Mock Drafts zeigt dieses Ranking eben nicht, wie die Möglichkeiten bezogen auf eine erfolgreiche NBA-Karriere sind, sondern was die Akteure am College leisten. Es bezieht sich somit nicht auf Spekulationen, sondern mehr auf das, was sie auf dem Universitätslevel wirklich abliefern.  

Aber ohne groß weiter um den heißen Brei herumzureden, steigen wir doch ein, in den ersten Teil von College Studs!

1. Marcus Smart, Oklahoma State Cowboys, Guard

Statline: 19,7 PPG/ 4,9 RPG/ 3,8 APG/ 2,9 SPG/ 0,6 BPG/ 46,3 FG%/ 34,6 3P%/ 67,1 FT%/ 2,6PF/ 2,9 TO/ 29,9 Min

Nach den ersten Wochen gab es nur zwei mögliche Spieler, die für den ersten Platz in Frage kommen. Marcus Smart bekommt in der ersten Ausgabe den Vorzug. Sowohl offensiv als auch defensiv hat er einen enormen Einfluss auf das Spiel der Oklahoma State Cowboys. Zwar gab es im zweiten Spiel gegen Memphis eine Niederlage, dies war bis zu diesem Zeitpunkt allerdings die einzige. Insbesondere im ersten Aufeinandertreffen gegen die Tigers war Smart der überragende Akteur. Noch im vergangenen Jahr war es ihm nicht möglich gewesen, einen solchen Einfluss zu haben. Niemand ist zu diesem Zeitpunkt so wertvoll für sein Team wie Smart. Der Unterschied zu anderen Spielern ist seine Leaderfunktion. Selbst wenn er Partien mit einem nicht so großen Einflussradius hat, ist sein Dasein für das Team unabdingbar. Deswegen steht er in dieser Woche auf Platz eins.

2. Jabari Parker, Duke Blue Devils, Forward

Statline: 22,1 PPG/ 7,8 RPG/ 1,8 APG/ 1,1 SPG/ 1,6 BPG/ 54,8 FG%/ 46,7 3P%/ 72,5 FT%/ 2,3 PF/ 2,9 TO/ 31,1 Min

Es sind nur Nuancen! Für alle, die mit dieser Entscheidung nicht leben können, kann ich nur sagen: Parker an eins zu haben, wäre mehr als plausibel gewesen! Im Endeffekt entscheidet hier aber auch der Erfolg des Teams über die Platzierung. Duke ist trotz der Leistung von Parker noch nicht an dem Punkt angekommen, wo man sie zu diesem Zeitpunkt erwartet hätte.

Doch warum steht Parker hier überhaupt? Bis zu diesem Zeitpunkt hat er den größten Impact der „Super-Freshmen“. Der 18-Jährige bringt genau das aufs Parkett, was den Blue Devils in dem Moment fehlt. Kaum jemand ist so flexibel wie er. Während er gegen Alabama keinen Dreipunktewurf nimmt und aufgrund der fehlenden Präsenz auf den großen Positionen viel im Post agiert, trifft Parker in seinen ersten drei Spielen elf von 16 Würfen von Downtown. Sein Spiel ist schon jetzt unheimlich komplett, was ihn zu der ultimativen Waffe für Coach K macht.

3. Keith Appling, Michigan State Spartans, Guard

Statline: 16,4 PPG/ 3,1 RPG/ 5,3 APG/ 1,0 SPG/ 0,3 BPG/ 54,1 FG%/ 48,3 3P%/ 71,4 FT%/ 2,3 PF/ 1,6 TO/ 31,0 Min

Ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass Keith Appling überhaupt jemals in diesem Ranking auftauchen würde. Doch der beste Spieler im besten Team des Landes  (Nein, ich habe Arizona nicht vergessen) kann nicht viel tiefer angesiedelt werden. Man braucht nur die Ausbeute in Kombination mit diesen Quoten anschauen. Appling hat endlich einen Weg gefunden, der Anführer für die Spartans zu sein. Er leitet das Spiel, scort kontinuierlich und verteilt die Bälle. Dass er dabei nur 1,6 Turnover in 31 Minuten Spielzeit begeht, ist überragend. Tom Izzo hat viele starke Spieler in seinem Team. Auch Gary Harris und Adreian Payne werden in die NBA kommen. Doch ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass kein Spieler so wichtig für sein Team ist wie Keith Appling. Und wenn man dann noch so eine Leistung abliefert, kommt ein solches Resultat dabei heraus.

4. Doug McDermott, Creighton Bluejays, Forward

Statline: 24,4 PPG/ 6,8 RPG/ 0,9 APG/ 0,3 SPG/ 0,0 BPG/ 50 FG%/ 44,2 3P%/ 85,7 FT%/ 1,9 PF/ 2 TO/ 30,6 Min

Ein Top-Kandidat auf den Player of the Year-Award startet an vier. Die beiden Niederlagen gegen San Diego State und George Washington haben die Probleme für die Bluejays und ihren Superstar aufgezeigt und dementsprechend kommt der Senior trotz den sensationellen 24,4 Punkten pro Spiel nicht annähernd in die Regionen von Smart, Parker und Appling. McDermott wird uns noch sehr viele tolle Spiele zeigen, wo er vor allem durch seine vielseitigen Möglichkeiten zu scoren, überzeugen wird. Doch auch wenn ich ihn vor kurzer Zeit noch höher angesetzt hätte, lässt dies der sieben-Punkte-Auftritt gegen George Washington nicht zu.

5. Kyle Anderson (oder „Mr.  Vielseitig“), UCLA Bruins, Guard/Forward

Statline: 13,9 PPG/ 8,9 RPG/ 7,1 APG/ 1,7 SPG/ 1,0 BPG/ 50,0 FG%/ 53,8 3P%/ 72,3 FT%/ 1,4 PF/ 2,9 TO/ 32,2 Min

Stellt euch einen  Point Guard vor, der in einem sehr erfolgreichen Team spielt, 6’9 groß ist und fast ein Triple Double im Schnitt auflegt. Magic Johnson? Nein, in diesem Fall spreche ich von Kyle Anderson. Sicherlich fehlt dem Sophomore Guard/Forward noch eine Menge, um nur annähernd in eine Liga von Magic zu gehören, doch für Steve Alford und die Bruins ist der Spielmacher enorm wertvoll.

Trotz seiner Größe übernimmt Anderson den Spielaufbau und agiert als Ballverteiler. Zwar geht ihm etwas die Athletik ab, doch Scoring ist eh nicht seine Priorität. UCLA war vor dem Saisonstart ein überaus großes Fragezeichen, doch mittlerweile stehen sie mehr als gut da. Gegen Missouri gab es zwar die erste Niederlage der Saison, allerdings waren die Bruins auch eines der wenigen noch ungeschlagenen Teams.  

Vor allem was dieses Ranking angeht, hat Anderson großes Potential. Er selbst spielt überragenden Basketball und macht die Leute um sich herum besser. Eine Eigenschaft, die hier sehr hoch angesehen wird. Ein Spieler, den man für die kommenden Ausgaben im Auge behalten sollte.

6. Shabazz Napier, Connecticut Huskies, Guard

Statline: 15,3 PPG/ 7,0 RPG/ 5,9 APG/ 2,1 SPG/ 0,4 BPG/ 50,0 FG%/ 57,1 3P%/ 78,0 FT%/ 1,8 PF/ 2,8  TO/ 32,9 Min

Der Kemba-Nachfolger, der eigentlich so gar nicht ist wie Kemba. Shabazz Napier ist die Lebensversicherung für die UConn Huskies. Das hat er mit seinem Game-Winner gegen Florida bewiesen. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Seine Rolle neben Ryan Boatright ist nicht unbedingt immer die des Ballvortrags. Er hat über das Spiel gesehen auch recht wenig den Ball in der Hand, doch wenn er ihn hat, passiert zumeist etwas Gutes. Napier lässt das Spiel auf sich zukommen, trifft gute Entscheidungen und agiert effektiv. Er ist als Spot-up Shooter mehr als brauchbar, übernimmt am Ende aber auch gerne im One-on-One die Verantwortung. Im Endeffekt ist der Senior-Guard die Art Spieler, die sich ein jeder Coach wünscht.

Über die Saison gesehen erhoffe ich mir eine weiterhin konstante Leistung von ihm, wobei ich es mir auch nicht vorstellen kann, dass er viel tiefer, als an diesem Platz zu finden sein wird.

7. Julius Randle, Kentucky Wildcats, Forward

Statline: 17,9 PPG/ 12,1 RPG/ 2,3 APG/ 0,1 SPG/ 0,7 BPG/ 52,6 FG%/ 0,0 3P%/ 73,5 FT%/ 2,2 PF/ 3,4 TO/ 31 Min

Wie bitte?! Julius Randle erst an Nummer sieben? Der so gehypte Star der Kentucky Wildcats reiht sich mit seinen Fabelstatistiken erst in der zweiten Hälfte des Rankings ein. Doch wieso erst so spät? Zu Beginn, dies ist alles Meckern auf sehr hohem Niveau und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es nicht schon bald bergauf gehen wird. Doch momentan haben all die Spieler vor ihm einige Vorteile, die auch auf das Team zurückzuführen sind. Das Freshmen-lastige Team von John Calipari hat in den ersten Wochen noch viele jugendliche Fehler begangen. Dies ist aber in keinem Fall schlimm, da es zum Lernprozess gehört.

Randle war dabei natürlich eine Ausnahmeerscheinung und konnte Spiel um Spiel überzeugen. Doch zwischendurch gab es auch mal Vorstellungen mit vielen Ballverlusten und unterdurchschnittlichen Wurfquoten. Ich will damit nur sagen, dass ich momentan eher den Akteuren vor ihm vertrauen würde. Dies liegt aber selbstredend nicht am Talent oder der Einstellung, sondern einfach an der wenigen Erfahrung.

8. Russ Smith, Louisville Cardinals, Guard

Statline: 17,6 PPG/ 3,2 RPG/ 4,3 APG/ 2,0 SPG/ 0,1 BPG/ 46,7 FG%/ 31,6 3P%/ 82,4 FT%/ 2,6 PF/ 2,2 TO/ 25,6 Min

Auch bei Platz acht und neun war die Entscheidung sehr knapp. Veteran und NCAA Champion Russ Smith bekam dann aber doch den Vorzug. Ohne Peyton Siva übernimmt er den Großteil der Verantwortung. Zwar macht Chris Jones einen guten Job als Point Guard, im Endeffekt steht und fällt aber doch alles mit der Leistung des Seniors. Seine Statistiken sind sicherlich nicht überragend, doch Smith hat bereits mehrmals zeigen können, was passieren kann, wenn er den Gang mal höher schaltet. Mit dem Team von Rick Pitino sollte alleine aufgrund ihres Star-Guards zu rechnen sein.

9. Chaz Williams, Massachusetts Minutemen, Guard

Statline: 17,5 PPG/ 3,0 RPG/ 7,6 APG/ 1,3 SPG/ 0,1 BPG/ 42,6 FG%/ 43,6 3P%/ 79,6 FT%/ 3,1 PF/ 2,9 TO/ 33,6 Min

Wenn der kleine Guard der UMass Minutemen weiterhin eine solch starke Leistung bei einer ungeschlagenen Bilanz bringen kann, wird er Russ Smith schon bald überholt haben. Gegen die starken BYU Cougars legte der Aufbau überragende 32 Punkte und 15 Vorlangen bei nur einem Turnover auf! Es ist praktisch unmöglich den Senior unter Kontrolle zu bringen. Er ist zwar nur 5’9, doch das hindert ihn nicht daran, gegnerische Defensivreihen konstant bloßzustellen. UMass ist eines der wenigen Teams ohne Niederlage und das geht insbesondere auf sein Konto. Am 21. Dezember geht es gegen die Florida State Seminoles. In diesem nächsten wichtigen Spiel kann Williams erneut auf einer größeren Bühne agieren und zeigen, warum er sich den neunten Platz redlich verdient hat.

10, Ron Baker, Wichita State Shockers, Guard

Statline: 15,3 PPG, 4,6 RPG, 3,6 APG, 1,8 SPG, 1,1 BPG, 51,2 FG%, 40,0 3P%, 87,2 FT%, 1,8 PF, 1,2 TO, 30,2 Min

Der nächste Akteur aus einem Mid-Major Programm. Auch die Wichita State Shockers sind noch ungeschlagen, was insbesondere an Sophomore Guard Ron Baker liegt. Nach einer Serie von vier 20 Punkte-Spielen in Folge ist er in aller Munde und kann sich hier vor Spielern wie C. J. Fair und Jahii Carson einreihen. Sicherlich hat der Teamerfolg einen großen Anteil daran, was aber auch auf ihn zurückzuführen ist.

Die Statline ist sehr breit gefächert, wobei er auch nur sehr wenig in Foul- und Turnover-Probleme gerät. Eine Eigenschaft, die ihn zu einem so konstanten Führungsspieler macht. Baker hat es von Beginn an geschafft, auf sich aufmerksam zu machen und das wird hier belohnt. Zugegeben, es wird sehr schwer, diesen Platz zu halten, doch zu diesem Zeitpunkt führt kein Weg an ihm vorbei. 

Das Schlusswort zu…

Andrew Wiggins und Aaron Gordon. Man könnte noch über einige der ausgelassenen Akteure sprechen, doch die meisten Leser werden sich wundern, warum die beiden Top-Talente nicht in dem Ranking zu finden sind.

Die Kansas Jayhawks haben einen sehr durchwachsenen Start hingelegt und haben noch einiges zu tun. Dem hat sich auch Andrew Wiggins angeschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat es der athletische Kanadier noch nicht geschafft, den Unterschied auszumachen, wie es viele andere Akteure schaffen. Ich würde nicht einmal sagen, dass er der Spieler mit dem größten Impact im eigenen Team war. Dazu spielen Leute wie Joel Embiid, Perry Ellis und Wayne Selden zu gut. Wie erwartet, braucht Wiggins etwas länger, um sich an das Niveau auf dem College zu gewöhnen.

Gordon agiert bis zu diesem Zeitpunkt sehr solide, hat in Arizona aber ein sehr ausgeglichenes Team. Der tolle Start der Wildcats hat gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist. Doch wenn man Gordon isoliert betrachtet, war er noch nicht überzeugend genug, um den Sprung in diese Top 10 zu schaffen. Das Potential dafür ist aber selbstverständlich vorhanden. 

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