Houston Rockets

Pay High, Sell Low

Die Tücken eines möglichen Asik-Trades

Vergleicht man seine Leistungen als Backup von Dwight Howard mit der Starter-Rolle der letzten Saison, können die Meldungen kaum überraschen: Die Houston Rockets wollen bis zum 19. Dezember einen Tradepartner für Omer Asik gefunden haben. Neben diesem etwas willkürlich wirkenden Termin – damit wäre es möglich, erhaltene Spieler zur Trade-Deadline wieder abzugeben – ist allerdings auch die Vertragsgestaltung von Asik für einen Trade von erheblicher Bedeutung.

Management à la Morey

Sprung zurück: Nach Ende der Saison 2012 wirkten die Rockets wie ein auf Mittelmäßigkeit gebuchtes Team. Zum dritten Mal in Folge verpassten sie knapp die Playoffs, zum dritten Mal hätte die zweifelhafte Belohnung im 14. Pick des Drafts bestanden. Von dem Team um Luis Scola, Kevin Martin und Goran Dragic war allerdings wenig mehr zu erwarten oder auch nur zu erhoffen – wobei die Hoffnungen sich in Houston nach dem Rücktritt Yao Mings aufgrund seiner chronischen Verletzungsprobleme ohnehin stark in Grenzen hielten. Diese mangelnde Entwicklung innerhalb des Teams hatte Gerüchten zufolge den Stuhl von Rockets-GM Daryl Morey erheblich ins Wackeln gebracht, so dass der in der Folge eingeleitete Schnell-Rebuild durchaus als letzte Chance gelten konnte.

AsikWährend in anderen Fällen letzte Chancen geradewegs ins Desaster führten – der Blick geht etwa nach Toronto, konkret auf Bryan Colangelo und Rudy Gays Quoten – lässt sich für Houston und damit auch Morey die folgende Entwicklung nur als Erfolg beschreiben. Im praktisch komplett erneuerten Team heißen die zentralen Stützen jetzt nicht mehr Scola und Martin, sondern James Harden und Dwight Howard. Den vergleichsweise extrem günstigen Star-Akquisitionen gingen jedoch zwei Verpflichtungen voraus, die den Mechanismen des Salary Cap erstaunlich viel Beachtung in der Mainstream-Berichterstattung verschafft hatten: Durch die Besonderheiten der sogenannten Gilbert Arenas-Provision konnte Morey die Restricted Free Agents Ömer Asik und Jeremy Lin aus Chicago beziehungsweise New York loseisen.

Money Makes The World Go Round

Damit verkehrte er eine Regel ins Gegenteil, die ursprünglich zum Schutz des bisherigen Teams gedacht war. Spieler, die aus ihrem Rookie-Vertrag kommen, sollen durch die Bestimmungen der Restricted Free Agency leichter gehalten werden können. Was dank der Bird Rights bei vierjährigen Verträgen für Erstrundenpicks unabhängig vom Salary Cap kein Problem ist, wäre bei Zweitrundenpicks (Asik) oder ungedrafteten Spielern (Lin) unter Umständen nicht möglich. In diesen Fällen können die Verträge völlig frei gestaltet werden, so dass der Spieler seinen ersten Vertrag nur über ein oder zwei Jahre unterschreibt. In diesem Fall könnten Teams über dem Salary Cap nur die Non- oder Early-Bird-Exception verwenden, was das Höchstgehalt im ersten Vertragsjahr auf etwa 5 Millionen Dollar begrenzt. Vor Einführung der Sonderregel hätte ein Angebot über 6 Millionen Dollar pro Jahr also zwingend bedeutet, dass das bisherige Team den Vertrag nicht matchen konnte.

Um diese Möglichkeit auszuschalten, entstand die Gilbert Arenas-Provision. Seit dem Collective Bargaining Agreement (CBA) von 2005 können Spieler mit der oben genannten Bedingung (Rookie-Vertrag von zwei Jahren oder weniger) in ihrem zweiten Vertrag nur noch an Early-Bird beziehungsweise Mid-Level-Exception angepasst bezahlt werden. Zumindest durch Verwendung der MLE bestünde damit also zumindest für jedes Team die Chance, seine Rookies weiter zu halten [allerdings seit dem aktuellen CBA bei einjährigen Rookie-Verträgen nur noch für Nicht-Tax-Teams, da die volle MLE benötigt wird]. So weit, so gut für Chicago und New York – wiese diese ohnehin sehr spezielle Regel nicht noch eine weitere Besonderheit auf: Während normale MLE- und Early-Bird-Verträge nur die üblichen jährlichen Steigerungsraten von 4,5 bzw. 7,5 % erlauben, kann mit der Arenas-Provision im dritten Vertragsjahr ein Sprung auf das mögliche Maximalgehalt erfolgen.

Die Folge für Teams tief in der Luxury Tax wie Knicks und Bulls: Das dritte Jahr wird praktisch unbezahlbar, da durch die progressive Steuer zusätzlich ein Vielfaches zu den eigentlichen Vertragskosten in Rechnung gestellt wird. Die Knicks hätten wohl über 3 Dollar für jeden Dollar von Lins Gehalt gezahlt, auch für die etwas sparsameren Bulls wäre die Rechnung kaum geringer ausgefallen. Dass die beiden Spieler nach Houston wechseln dürften, wurde damit nicht erst nach Carmelo Anthonys wenig euphorischer Einschätzung („ridiculous contract“) wahrscheinlich.

Der Optimalfall für Houston?

Eine weitere Besonderheit der Arenas-Provision bedeutete einen weiteren Vorteil für die Rockets: Für das anbietende Team mit Spielraum unter dem Salary Cap wurden die Verträge gleichmäßig verteilt, das heißt, Asik und Lin stehen für jedes Jahr ihrer jeweils dreijährigen Verträge mit je etwa 8,3 Millionen Dollar in den Büchern. Damit konnte Daryl Morey sicherstellen, dass die Rockets nicht in ähnliche Probleme mit der Luxussteuer geraten, wie es für Bulls und Knicks der Fall gewesen wäre.

Bleibt damit ein in jeder Hinsicht gelungener Coup des Rockets-GM festzuhalten? Nein, denn eine weitere – und diesmal letzte – Skurrilität weist das Regelwerk für die Arenas-Verträge noch auf; und diese dürfte von erheblichem Interesse für aktuelle Trade-Gespräche sein. Die Spieler erhalten, unabhängig von der für den Salary Cap relevanten Summe von gleichmäßig 8,3 Millionen, die Gehälter nach dem ursprünglichen Zahlungsplan überwiesen. (die genauen Summen sind hier nachzulesen.) Betriebswirtschaftlich ist dieser Modus für die Franchises an sich positiv, bliebe der Spieler die ganze Zeit über bei einem Team.

Aber: Für Asiks mögliches neues Team besteht in der einen, letzten Saison ein enormes Missverhältnis zwischen dem doch recht eindimensionalen Center und seinem Gehalt auf Spitzenniveau. Der tatsächliche Gehaltsscheck für Asik entspricht genau dem, den etwa Roy Hibbert erhält, Marc Gasol verdient nur eine Million Dollar mehr, Joakim Noah und Al Horford sind sogar klar günstiger. Mittelt man das verbliebene günstige halbe Jahr dem darauffolgenden, entspricht das Gehalt von hochgerechnet 11,6 Millionen Dollar im Jahr immer noch etwa dem von Horford und übertrifft klar das Salär der diskutierten Tradeziele wie etwa Ryan Anderson oder Paul Millsap.

Der schlechteste Zeitpunkt?

Die ersten Tradeideen für Asik waren schon aufgekommen, als Howards Unterschrift bei den Rockets noch nicht trocken war – und wurden vom Team recht schnell heruntergespielt: Asik und Howard sollten zusammen auf dem Court stehen, so dass beide eine angemessene Minutenzahl erhalten. Schon die Probleme im Zusammenspiel von Howard mit dem deutlich flexibleren Pau Gasol in der letzten Saison ließen allerdings wenig Gutes für das Tandem Howard/Asik erwarten. Die bisherigen Saisonspiele bestätigten diese Vermutung weitgehend, was zu einer Reduktion von Asiks Minuten undHowardGasol damit auch einem Verlust seiner Konstanz führte. In Zahlen: Letzte Saison verbuchte Asik 33 Double-Doubles – diese Saison erreichte er erst zwei Mal mehr als 10 Rebounds sowie einmal 10 Punkte. Im vergangenen Monat häuften sich dann noch DNPs und Spiele mit geringer Minutenzahl.

Damit bleibt festzuhalten: Asiks Tradewert sinkt seit der vergangenen Saison praktisch konstant. Zum einen verstärkt sich wie oben skizziert die Wirkung des 15-Millionen-Jahres, zum anderen fehlt Asik immer mehr die Spielpraxis. Spätestens mit dem Zielsetzung 19. Dezember ergibt sich zudem ein weiteres Problem: Die Rockets sind das Team unter Druck, die mit einem Trade ihre Chancen auf die Meisterschaft erhöhen wollen, während die meisten anderen Teams weniger konkrete Zeitplanungen verfolgen dürften. Tatsächlich könnte sich das selbst gesetzte Fenster auf 4 Tage verkürzen, da erst am 15. Dezember die ersten Verträge der letzten Offseason für Trades zur Verfügung stehen.

Weiteren Schaden könnte Asik zudem selbst verursacht haben: Wie etwa der Fall seines direkten Konkurrenten Howard zeigt, schaden offensive Trade-Forderungen in der Regel dem Ruf eines Spielers – kaum ein Team legt Wert auf einen möglichen internen Unruheherd. Die Tradeforderungen selbst wurden zwar nicht bestätigt, direkt aus Asiks Lager stammt aber die Bestätigung von Asiks Unzufriedenheit. Auch die obskuren DNPs lassen sich zwar möglicherweise als Vorsichtsmaßnahme angesichts des wohl bevorstehenden Trades verbuchen, es kursieren allerdings auch Gerüchte, die Asik selbst dafür verantwortlich machen. Mancher GM mag auch Positives sehen in Asiks Willen, unbedingt zu starten – ein negativer Beigeschmack dürfte jedoch haften bleiben.

Was bleibt?

Das Vorgehen der Rockets mit ihrem wohl attraktivsten verfügbaren Trade-Asset wirkt schon seit der Offseason eher unverständlich: Wieso überhaupt abwarten, wozu die jetzt kursierende Termine, und warum die Option des Weitertradens? Oder sind die diversen Aussagen, sowohl zur vorgesehenen Kombination mit Howard als auch die möglicherweise absichtlich unter der Hand verbreitete Terminplanung nur Nebelkerzen, und ein Trade, etwa gegen Millsap, ist schon seit dem Sommer beschlossene Sache? Andernfalls haben die letzten Monate nur die Verhandlungsbasis von Teams wie den Pelicans und Hawks gestärkt, bei denen Anderson und Millsap mit guten Leistungen überzeugen – und 2014/15 keine 15 Millionen Dollar verdienen.

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