Draft, NCAA Previews 13/14

NCAA Preview ’13: Big East

Brace yourself, college basketball season is coming! Anfang November starten die über 300 Division I-Colleges in die Spielzeit 2013/14. Grund für die Go-to-Guys, euch etwas Rüstzeug in Form von Previews für die kommende Saison mit auf den Weg zu geben. Nachdem wir in den letzten Jahren dafür einzelne Teams genauer analysiert und in ein fiktives Bracket gesteckt haben, wollen wir das Format  in diesem Jahr etwas abändern, um die Fülle der College-Basketball-Welt noch besser abbilden zu können. In den kommenden Wochen wollen wir euch die wichtigsten Conferences näher bringen, indem wir zunächst unsere kurze Leistungseinschätzung zu den Teams geben und euch zusätzlich mit den spannendsten Geschichten der Liga rund um die interessantesten Teams, aussichtsreichsten Spieler und die Schlagzeilen dazwischen versorgen.

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Einschätzung der Liga

An die “neue” Big East werden sich alle College-Basketball-Fans erst einmal gewöhnen müssen. Über Jahrzehnte bot die Liga als wohl tiefste Basketball-Conference des Landes viele spannende Rivalitäten und vor allem auch Erfolge. 18 Final Fours und 7 Titel konnten die Mannschaften der alten Ligazusammensetzung erringen. Viele dieser Erfolge wechseln nun mit den abwandernden Teams Syracuse, Connecticut, Louisville, Pittsburgh und Notre Dame weg. Bleibt zu hoffen, dass die neu eingeladenen Teams Butler, Creighton und Xavier es schaffen, den Verlust dieser guten Teams auszugleichen und weiterhin für spannende Conference-Spiele zu sorgen. Dennoch wird keiner der Big East-Verantwortlichen verleugnen können, dass man klar an basketballerischer Qualität verloren hat. In dem ersten Jahr des neuen Liga-Zeitalters sind neben Neuankömmling Creighton vor allem die Conference-Dinos Marquette und Georgetown als Favoriten zu sehen. (tb)

Favoriten

Marquette Golden Eagles
Creighton Bluejays
Georgetown Hoyas

Mittelmaß

St. John’s Red Storm
Xavier Musketeers
Villanova Wildcats
Butler Bulldogs

Schlusslichter

Providence Friars
Seton Hall Pirates
DePaul Blue Demons

Schlagzeilen

CREIGHTON – Doug McDermott in der Big East

Creighton war bisher nur ein blasses Mauerblümchen in der großen College-Basketball-Landschaft. Für harte Arbeiter und vor allem auch seine gefährlichen, zumeist weißen Shooter bekannt, sorgte das Basketball-Programm aus dem Mittleren Westen in seiner kleineren Conference, dem Missouri Valley, nie für großes Aufsehen. Einzig 2002/03 mit einer Mannschaft um Kyle Korver und 2006/07 mit einem Team um Nate Funk (ein Jahr BBL in Bremerhaven und Aufnahme in Bill Simmons‘ Reggie Cleveland All-Stars stehen auf seiner Habenseite) konnten die Bluejays sich gleichzeitig über eine Tournament-Teilnahme und das Privileg freuen während der Saison unter den besten 25 Teams des Landes geführt zu werden.

Dieses Image des grauen Mäuschens konnte Creighton nun in den letzten zwei Jahren abschütteln. Sie profitierten immens vom grausigen Conference Realignment und stehen als neues Mitglied einer der prestigeträchtigsten Ligen der NCAA, der Big East, nach zuletzt zwei sehr erfolgreichen Jahren (kombinierter Record aus 2011 und 2012 ist 57-14) vor dem nächsten Schritt. Diesen Aufschwung verdankt das Team aus Nebraska vor allem einem Mann: Doug McDermott. Der Forward war in den vergangenen drei Jahren einer der dominierensten College-Basketballer überhaupt. Nach 2216 erzielten Punkten in 110 Spielen (20,1 PpG) konnte McDermott bereits als Junior den All-Time-Scoring-Rekord seiner Schule einstellen, der übrigens zuvor von Rodney Buford (Finals mit Allen Iverson 2000/01) gehalten wurde. Mit zwei All-American-Auszeichnungen dekoriert, hätte der vielseitige Scorer in der Draft 2013 wahrscheinlich als später Firstrounder in die NBA wechseln können. Aber McDermott hat am College noch eine Rechnung offen. Gemeinsam mit seinem Vater Greg, dem Head Coach der Bluejays, möchte sich Doug in diesem Jahr in der neuen Conference beweisen und endlich einmal einen längeren Tournament-Run in Angriff nehmen.

In diesem Sommer tat der 21-jährige Forward alles, um sich und seine Mannschaft optimal auf diese Mission vorzubereiten. Gemeinsam mit Top-College-Spielern, wie Luka Hancock (Louisville / MOP des Final Fours 2013), Yogi Ferrel, Will Sheehey (Indiana) und Adreian Payne (Michigan State) nahm er an den World-University-Games teil. Zwar erreichte die US-Auswahl trotz nur zweier Niederlagen lediglich den neunten Platz, dennoch sollte das Training gegen die extrem gute Konkurrenz geholfen haben. Gleiches gilt für seine Zeit mit der regulären Nationalmannschaft der Amerikaner. Neben Aufbauspieler Marcus Smart wurde ihm als einzigem College-Spieler die Ehre zuteil, sich in diesem Sommer unter Top-Bedingungen mit NBA-Stars messen zu können. McDermott konnte also trotz dem Ausschlagen der Draft auf höchstem Level an seinem Spiel arbeiten. Zusätzlich verzichtet er zur kommenden Saison auf sein Stipendium und investiert somit rund 40.000 Dollar, um seinem Point Guard Grant Gibbs die Möglichkeit zu bieten, im Team zu bleiben. Dem kürzlich von der NCAA noch einmal für Basketball zugelassene 6th-Year-Senior wäre wohl ohne diese Geste ein Verbleib bei den Bluejays nicht möglich gewesen. In seinem vierten College-Jahr wird McDermott, wie in den vergangenen beiden Spielzeiten, wieder einer der Favoriten auf den Titel des Spieler des Jahres sein. Wie weit er in seinem letzten Jahr sein Team tragen kann, bleibt abzuwarten. (tb)

GEORGETOWN – Rivalität mit Syracuse bleibt erhalten

Die College Basketball Landschaft verändert sich von Jahr zu Jahr. Programme verlassen die Conference, neue kommen dazu und Rivalitäten lösen sich auf. Die Geschichte des Sports rückt mehr und mehr in den Hintergrund, denn traditionelle Duelle werden immer seltener.

Im College Football wäre es nicht vorstellbar, auf Duelle wie Ohio State gegen Michigan verzichten zu müssen. Auch im Basketball können sich nur wenig Beteiligte und Fans eine Saison ohne Duke gegen North Carolina, Kentucky gegen Florida oder Syracuse gegen Georgetown vorstellen. Doch gerade letzteres Duell stand in den vergangenen Monaten auf ganz wackligen Füßen.

In der ehemaligen Zusammensetzung der Big East stellte sich die Frage überhaupt nicht, ob das Spiel stattfinden würde, da man im Zuge der Conference-Spiele in jedem Fall aufeinander traf. Da die Orange nun aber in der ACC spielen, fällt die automatische Ansetzung dieser geschichtsträchtigen, jährlichen Begegnung der zwei Rivalen weg.

Doch jetzt scheint es berechtigte Hoffnungen für alle Fans zu geben. Beide Universitäten sind bereit, einen Zehn-Jahres-Vertrag zu unterschreiben, welcher ein jährliches Aufeinandertreffen garantiert. Dies ist eine sensationelle Meldung für den College Basketball im Gesamten. Es zeigt, dass die Thematik des Conference Realignment nicht alles komplett verändert. Fälle wie diese machen besonders den Traditionalisten unter den Anhängern Hoffnung.

Sportlich steht für beide Unis ein schweres Jahr an. Nach dem Abgang von Otto Porter Jr. bleibt ein großes Loch auf dem Flügel der Hoyas. Das Team von John Thompson III. darf allerdings nie unterschätzt werden. Es gehört mittlerweile schon fast zur Routine, dass sich Georgetown ganz leise und unauffällig über die Saison einen Favoritenstatus erspielt.

Syracuse wird mit einem Freshman als Point Guard starten, was eine extreme Unsicherheit mit sich bringt. Niemand weiß so recht, wo die Orange vor der Saison eigentlich stehen.

Doch darauf kommt es in diesem Fall auch nicht an. Beide Programme werden Jahr für Jahr Mittel und Wege finden, relevant zu sein. Doch dass die Fans beider Colleges die Chance haben, dieses Duell auch noch in Zukunft bestaunen zu dürfen, ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung. Ein Schritt, der Respekt vor der Geschichte und Tradition des Sports zeigt. (jb)

BUTLER – Wie entwickeln sich die Bulldogs nach dem Abgang von Erfolgscoach Brad Stevens?

College-Basketball-Fans hassen den Sommer. Es reicht nicht aus, dass in dieser Zeit keine Spiele stattfinden. Nein, es ist auch die Zeit der schweren Abschiede. Jahr um Jahr verlassen junge Männer ihre Mannschaften in Richtung NBA, sofern ihre Leistungen gut genug waren. Oft haben sie während ihres kurzen Aufenthalts die Basketballlandschaft an ihrer jeweiligen Universität nachhaltig geprägt, mit ihren Leistungen die Mannschaft über mehrere Jahre auf ein neues Level gehievt und Siege sowie Titel gesammelt. Nach ihrem Abgang zu den Profis bleibt an ihrer vormaligen Wirkungsstätte oft nur eine gewisse Leere zurück. Einzig die Beobachtung des ehemaligen Lieblings im neuen Job und die Frage, ob sich seine Fähigkeiten auch auf das neue Niveau übertragen lassen, verbleiben den Fans. Ein solcher Abschied wiegt für ein College immer schwer, egal ob man einen talentierten Freshman verliert oder von einem zum Führungsspieler herangereiften Senior verlassen wird. Ungewöhnlich ist es aber, wenn der beschriebene junge Mann der eigene Erfolgstrainer ist.

In diesem Sommer wechselte mit dem 36-jährigen Brad Stevens einer der gefeiertsten Übungsleiter der gesamten College-Welt zu den Boston Celtics in die NBA und kehrte damit seinen Butler Bulldogs trotz eines Vertrags bis 2022 den Rücken zu. Ein wahrer Paukenschlag, hätte Stevens doch schon seit mehreren Jahren Top-Jobs wie die Headcoaching-Stelle bei UCLA haben können, lehnte diese Angebote aber stets für seine große Liebe in Indiana ab. Sein Abgang wird eine große Lücke hinterlassen, größer noch als die des verstorbenen Maskottchens Blue II. Wie kaum ein anderer, hatte er die Geschicke des eigenen Teams beeinflusst. In sechs Jahren mit ihm als Head Coach gewann Butler unter Stevens herausragende 77% seiner Partien und kann als damals noch eher kleines Mid-Major-Team auf Back-to-Back NCAA-Championship-Games inklusive des größten Atemstock-Moments der letzten Jahre zurückblicken.

Spannend wird, wie sich die Bulldogs nun ohne ihren großen Anführer schlagen werden. Seine Nachfolge tritt Brandon Miller an. Dieser war im April von Stevens als Assistent verpflichtet worden und darf sich nun nach nur vier Monaten über seine Beförderung freuen. Ähnlich wie sein Vorgänger ist auch Miller in Indiana stark verwurzelt. Während Stevens bereits im Alter 23 Jahren bei den Bulldogs erste Coaching-Erfahrungen unter dem heutigen Trainer der Ohio State Buckeyes Thad Matta sammelte, lief Miller zur selben Zeit für die beiden als Aufbauspieler auf und erzielte in nur drei Jahren über 1000 Punkte für Butler. Auch er sollte deswegen den oft zitierten „butler-way of basketball“ gelernt haben, der sich durch harte Verteidigung und kluges Scouting als Basis für effektive Offensive auszeichnet. Um an die tiefen Tournamentritte seines Vorgängers anknüpfen zu können, fehlen Miller Talente wie Matt Howard, Gordon Hayward oder Shelvin Mack, die durch jahrelange Arbeit mit Stevens zu NBA-Spielern ausgebildet wurden. Dennoch erwarten die Fans in der Bulldogs in ihrem ersten Big East-Jahr eines der besseren Teams der Conference zu sein. Sie wollen das NCAA-Tournament zu erreichen und ab und an den ganz Großen durch die eigene disziplinierte Spielweise ein Bein stellen. Das sie dies durch den “butler-way” immer können, bewiesen sie zuletzt im vergangenen Jahr, als sie ohne große Star-Power Marquette, North Carolina, Indiana und Gonzaga besiegen konnten. Dennoch, es wird ein sehr schwieriges Jahr Eins nach dem Abgang Stevens´. (tb)

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3 comments

  1. Hassan Mohamed

    Vielleicht gibt Brad Stevens schnell wieder sein Comeback. Kommt ja nicht selten vor: Rick Pitino, Billy Donovan, etc.

  2. Tobias Berger

    |Author

    Schöne Story, dass Stevens seinen ersten Profi-Sieg gegen seinen extrem gut aufgelegten Schüler Gordon Hayward holt.

    Die Geschichte seit 1993-94 spricht nicht für Stevens, du hast recht:

    The collective record and winning percentage [for colleges coaches in the NBA]: 559-900 (.383) with a 3-12 playoff record over 22 seasons. (Kruger, Pitino, Calipari, Floyd, Montgomory, Carlesimo, Theus, Hamilton)

    Kann mir eine Rückkehr Stevens in die NCAA eigentlich nur zu einer Top-Adresse wie Duke, UCLA, Syracuse oder Indiana vorstellen.


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