Los Angeles Clippers, Milwaukee Bucks, Phoenix Suns

Milwaukee, Los Angeles und Phoenix im Tradefieber

Bewertung des Deals aus Sicht der drei Teams

Nach Bekanntwerden des Blockbuster-Deals zwischen den Brooklyn Nets und den Boston Celtics ließen die NBA-Teams aus Phoenix, Milwaukee und Los Angeles die Basketball-Welt erneut aufhorchen. Der viel umworbene, aufstrebende Combo-Guard Eric Bledsoe und Veteran Caron Butler wechseln in die Wüste Arizonas, Jared Dudley wird im Gegenzug zu den Los Angeles Clippers transferiert. Gleichzeitig leitet diese Transaktion einen Sign & Trade von J.J. Redick von den Milwaukee Bucks ein, die von den Clippers und Suns wiederum jeweils einen second-round pick erhalten. Im Folgenden wird der Trade und seine Folgen aus Sicht der Beteiligten bewertet.

Los Angeles Clippers

jareddudleyDie Los Angeles Clippers angeln sich nach der Vertragsverlängerung von Chris Paul und der Akquisition von Coach Doc Rivers zwei Rollenspieler, die für frischen Wind auf den Flügeln sorgen werden. Jared Dudley dürfte hierbei die Rolle des Starters auf der Drei zugewiesen werden. Dudley, der während seiner Karriere nie als Scorer aufgefallen ist, ist ein höchst effizienter Flügelspieler, der in seiner Karriere eine „true-shooting percentage“ von 58% aufweisen kann. Er stellt hiermit eine Verbesserung zu Caron Butler (52%) und auch Matt Barnes (57%) dar und sollte als sicherer Distanzschütze (40% in seiner Karriere) für genügend Räume sorgen. Dudley machte während seiner Zeit in Phoenix vor allem als „glue-guy“ auf sich aufmerksam. Als Team-Player und lustiger Charakter sollte er sich ohne Probleme in den locker room der Clippers einfügen. Neben einem spielstarken Point Guard weiß der 27-jährige, wie man sich in Szene setzt. So spielte er lange Zeit an der Seite von Steve Nash, konnte aber auch in einer Reservistenrolle für die Suns, vor allem in der glorreichen Spielzeit 2009-2010 glänzen, wo er zusammen mit Channing Frye, Louis Amundson, Leandro Barbosa und Goran Dragic eine fulminante zweite Garde bilden konnte. JYD, so sein Spitzname während seiner Zeit in Phoenix, gilt als überdurchschnittlicher Verteidiger, der trotz seiner mangelnden Athletik intelligent genug ist, um vor seinem Gegenspieler zu bleiben.
Redick und Dudley sind exzellente Werfer, die für Räume für Griffin und Jordan sorgen werden. Dazu passen beide, vor allem Redick, perfekt in das System von Coach Rivers, der die einstigen Spielzüge Ray Allens in Boston nun mit dem 29-Jährigen (39% Dreierquote in Orlando) laufen kann.

Man könnte argumentieren, dass der Verlust von Eric Bledsoe schmerzhaft wiegen wird. Bledsoe konnte in der Zeit, in der er mit Chris Paul auf dem Platz stand, hervorragende Werte erzielen (115.9 points per 100 possesions), weshalb Fragen berechtigt sind, ob man den Shooting Guard der Zukunft nicht bereits im Kader hatte. Der Point Guard konnte allerdings nie vollkommen das Vertrauen des ehemaligen Coaches del Negro gewinnen und auch Doc Rivers arbeitete lediglich mit einem puren Werfer (Ray Allen) auf der Zwei erfolgreich. Somit ist die Trennung von Bledsoe, nach der Verlängerung von Paul, seiner Popularität auf dem Markt und letztendlich dem Fakt, dass er im kommenden Sommer restricted free agent wird, keine große Überraschung. Durch die Vertragsverlängerung mit Defensivspezialist Matt Barnes können die Clippers nun um Chris Paul in bestimmten Situation eine vielseitige Verteidigung auf dem  Flügel aufbieten und den Verlust Caron Butlers problemlos kompensieren.
Mit Darren Collison wurde bereits ein Ersatz für den jungen Bledsoe verpflichtet und der frühere sixth-man of the year Jamal Crawford rundet eine gelunge Flügelrotation ab. Sollten es das Team schaffen, einen weiteren brauchbaren big man zu verpflichten, können die Clippers zu einem gefährlichen Team im dicht besetzten Western werden.

Phoenix Suns

Die Richtung, die die Franchise aus Arizona in Zukunft einschlagen wird, wurde vom neuen General Manager Ryan McDonough bereits in seiner ersten Pressekonferenz vorgegeben. Zu dieser Richtung gehören das Setzen auf die Draft und das Sammeln von brauchbaren assets, die dem Team in Zukunft helfen können, sei es sportlich oder als Teil späterer Trades.  Phoenix behielt sich durch das vorhandene Cap Space viele Optionen offen und macht nun Nutzen von den verfügbaren Resourcen, indem sie den auslaufenden Vertrag von Caron Butler aufnehmen und somit den Weg für Eric Bledsoe schaffen.
ericbledsoeMit Bledsoe bekommen sie die bitter benötigte Injektion von jungem Talent, das dem Team in der Vergangenheit so sehr gefehlt hat. Doch wie passt der 23-jährige Athlet in das Schema? Die Position des Points Guards ist in Arizona ausreichend besetzt. Neben dem vermeintlichen Gesicht der Franchise Goran Dragic tummeln sich hier noch der frühere lotterypick Kendall Marshall und Neuankömmling Archie Goodwin, den McDonough selbst als Point Guard bezeichnete. Es stellt sich die Frage, ob Bledsoe als Shooting Guard neben Goran Dragic funktionieren kann. Defensiv erübrigt sich diese Frage. Sowohl Dragic als auch Bledsoe gelten als aggressive Verteidiger, die den Vorstellungen von Coach Jeff Hornacek entsprechen dürfen.
Können sich beide Spieler jedoch auch offensiv ergänzen? Da beide Spieler zum jetzigen Zeitpunkt dafür geschaffen sind, um permanent off-the-ball zu agieren, wird sich zeigen, ob für beide Spieler genügend Möglichkeiten geschaffen werden können. Dragic hat bereits Erfahrung im Spiel neben balldominanten Guards. So spielte er z. B. erfolgreich an der Seite von Steve Nash, Leandro Barbosa oder Kyle Lowry. Wie bereits vorher erwähnt, bringt auch Bledsoe diese Erfahrung mit. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich beide Spieler ergänzen werden. Ein Problem, welches sich bei dieser Verpflichtung stellt, ist der aktuelle Vertragsstatus des Guards. Bledsoe geht in das vierte Jahr in der Liga und wird somit im kommenden Sommer ein restricted free agent. Wieviel Geld wird es McDonough wert sein ihn, möglicherweise schon vor der Saison, zu verlängern? Wie groß ist das Risiko, dass er ein großes Angebot von einem anderen Verein bekommt? Viele Fragen tummeln sich um die Personalie Bledsoe, die erst in Zukunft geklärt werden.

Der Abgang von Jared Dudley war abzusehen, so fand sich sein Name immer wieder in Tradegerüchten wieder. Doch wie groß wird das Loch sein, dass der Veteran hinterlässt? Hierbei ist noch nicht einmal von seinen Leistungen auf dem Platz die Rede, es muss eher der Einfluss Dudleys auf die Community und den locker room beachtet werden.  Trotzdem ist in der aktuellen Situation der Suns ist ein solcher Trade, der einen Veteran gegen ein junges Talent tauscht, unausweichlich und dringend notwendig.

Milwaukee Bucks

jjredickFür das Team aus Wisconsin stellt dieser Trade das Ende einer langen Kette von Transaktionen, die man lediglich negativ kritisieren kann, dar. Man tauschte bei der letztjährigen trading deadline den jungen und talentierten Tobias Harris gegen Redick ein und erhoffte sich somit Verstärkung für die anstehenden Playoffs, in denen sich die Bucks mit 0-4 dem späteren Champion Miami Heat erlegen sahen. Redick wollte nicht mehr zum Team zurückkehren, bekam Interesse von diversen Teams wie den Minnesota Timberwolves oder auch eben den Los Angeles Clippers.
Betrachtet man den Fakt, dass Bucks General Manager John Hammond letztendlich noch zwei Zweitrundenpicks für den wechselwilligen Shooting Guard bekommt, lässt sich dieser Trade positiv einschätzen. Die vorhergegangenen Entscheidungen, die zu diesem Wechsel geführt haben, sind allerdings recht fragwürdig.

Fazit

Den Trade kann man aus Sicht jedes Teams als einen Erfolg ansehen. Los Angeles verstärkt seine Flügelrotation mit zwei gestandenen Veteranen, die dazu noch Playoff-Erfahrung aufweisen und den Distanzwurf sicher beherrschen. Phoenix hingegen geht die von Ryan McDonough angekündigte Richtung weiter, verjüngert den Kader durch ein viel umworbenes Talent und einen großen auslaufenden Vertrag, der sich im Verlauf der Saison und weiterer Tradediskussion noch als nützlich erweisen könnte. Milwaukee hingegen greift noch zwei second round picks für einen Spieler ab, den sie ansonsten ohne einen noch so geringen Gegenwert verloren hätten.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

3 comments

  1. MaDo

    Guter Trade der Clippers. Was m.M.n. häufig unterschätzt wird ist das Ballhandling von Reddick. Neben seinem Shooting wird besonders diese Fähigkeit wird dem Team helfen. Zusammen mit ein paar Allen-Plays aus Docs Schatulle ist LA der optimal Nährboden für J.J.

  2. Hassan Mohamed

    Wieviel Geld wird es McDonough wert sein ihn, möglicherweise schon vor der Saison, zu verlängern?

    Das ist wirklich eine interessante Frage. Der “Hype” um Eric Bledsoe war ja in der näheren Vergangenheit zumindest bei den Fans und den Medien (hinsichtlich der NBA-Verantwortlichen kann man es nicht wirklich sagen) ziemlich groß. Die Frage, die sich stellt: Zurecht?

    Ein Spieler, den sicherlich jedes Team als Energizer gerne auf der Bank hätte und auch durchaus talentiert, aber ob ihm eine große Karriere bevorsteht? Gerade bei der Horde an jungen PGs, die derzeit in der NBA herumlaufen, weiß ich nicht, wie er herausstechen kann. Ich bin noch skeptisch.

    Was wäre ein angemessener Preis für eine vorzeitige Verlängerung (vor dem Opener)?

  3. Jonathan Walker

    Ich sehe eigentlich gar keine Notwendigkeit, Bledsoe vorzeitig zu verlängern. Ich wüsste auch überhaupt nicht, welcher Preis angemessen wäre. Auch ich sehe Bledsoe und den Hype um ihn noch kritisch, warum habe ich hier im Trade Forum ja schon einmal ausführlicher dargelegt. Er wird eine größere Rolle spielen als je zuvor und keiner weiß, ob er dem überhaupt gewachsen ist. Schlägt er ein, kann man ihn immer noch in der nächsten Offseason verlängern oder zur Not eben ein etwaiges Angebot matchen. Den finanziellen Spielraum hat man. Verlängert man ihn jetzt, ist die Gefahr ihn überzubezahlen meiner Meinung nach größer, als dass man ein Schnäppchen macht. Also lieber abwarten und Tee trinken.


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben