Gedanken, New York Knicks, Toronto Raptors

Echte Verstärkung?

Die New York Knicks traden für Andrea Bargnani

Die New York Knicks haben den Beginn der Free Agency gleich mit einem nicht gerade unbedeutenden Trade eingeläutet. Veteran-Center Marcus Camby, Shooter Steve Novak, ein neu verpflichteter Quentin Richardson sowie ein Erstrundenpick (2016) und zwei Zweitrundenpicks (2014 & 2017) gehen an die Toronto Raptors. Im Gegenzug erhalten die Knickerbockers den ersten Draftpick von 2006, Andrea Bargnani.  

Ich muss zugeben, dass meine erste Reaktion als Knicks-Fan doch sehr negativ ausfiel. Auch wenn es mir noch immer schwer fällt, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass der Italiener nun neben Carmelo Anthony aufläuft, muss man den Trade erstmal genauer begutachten. 

Vertragssituation bis 2015

Zuerst einmal fällt die Vertragssituation der Knicks auf. Bargnani hat noch einen Zweijahresvertrag über 22 Millionen. Im Jahr 2015 wird er, genau wie Carmelo Anthony, wenn er seine Player Option in 2014 zieht, Amaré Stoudemire und Tyson Chandler, Free Agent. Dadurch würden satte 72 Millionen an Gehältern wegfallen! Danach wären momentan nur noch Raymond Felton (Player Option 2015), Iman Shumpert (Qualifying Offer 2015) und Tim Hardaway Jr. im Kader.

Der Vertrag von Novak wäre erst nach der Saison 2015/16 ausgelaufen. Camby hingegen wäre mit seinem deutlich zu teuren Vertrag und 39 Jahren auch erst 2015 Free Agent.

Grundsätzlich ist dies wahrscheinlich kein schlechter Ansatz. Die nächsten zwei Jahre wird weiterhin mit dem Kern Anthony, Chandler, Felton und Stoudemire plus Bargnani versucht, einen Run auf die Krone der Eastern Conference zu starten (ob das klappt, ist die nächste Frage) und danach fängt man komplett von Null an. Doch hier kommt nach diesem Trade gleich die erste und wichtigste Fragestellung auf: Wie nutzt man Bargnani am sinnvollsten in einem Frontcourt mit Melo, Stoudemire und Chandler?

Zusammenspiel im Frontcourt

In der vergangenen Saison hat Carmelo Anthony vermehrt auf der Vier im Post agiert. Mit Bargnani in der Starting Five ist das defensiv absolut unmöglich. Somit gibt es die Möglichkeit, dass Carmelo Anthony zurück auf seine ursprüngliche Position des Small Forwards wechselt bzw. wieder vermehrt auf dem Flügel zu finden ist und Bargnani als Stretch Four für Platz unter den Körben sorgt. In diesem Fall kann Anthony auch von der Drei teilweise im Post agieren. Auch die Tatsache, dass Chandler defensiv seine Stärken hat, sollte dem 27-Jährigen helfen, seine Schwächen zu kaschieren. 

Doch seit jeher gehen wir grundsätzlich von der Tatsache aus, dass seine Defense die größte Baustelle ist. Dies ist jedoch eine Annahme, die zumindest nur zur Hälfte richtig ist.  Joseph Casciaro vom The Score-Blog beruft sich in seinem Artikel auf die Statistiken von Synergy Sports zur vergangenen Saison. Dort wird klar, dass Bargnani zu den oberen zwölf Prozent in Post Defense und sogar zu den oberen fünf Prozent in allgemeiner Man-to-man Defense gehört. So überraschend diese Zahlen auch sind, seine Help-Defense ist noch immer mehr als unterdurchschnittlich, was sich in verfehlten Rotationen ausdrückt. Bargnani stopft keine Löcher in der Verteidigung.

Sind die Knicks und Head Coach Mike Woodson überhaupt gewillt, auf die Strategie zu setzen, Anthony wieder auf die Drei zu schieben? Wenn Anthony weiterhin die Vier bekleidet, würden mit Bargnani und Stoudemire gleich zwei mehr als solide, offensiv potente Big Men von der Bank kommen. In diesem Fall muss aber der letzte Platz in der Starting Five besetzt werden. Da momentan nicht sicher ist, ob Pablo Prigioni und/oder J.R. Smith zurückkehren oder ein Ersatz verpflichtet wird, kann diese Frage noch nicht ausreichend beantwortet werden. Auch die Statistiken über den Erfolg, wenn Anthony auf der Drei oder Vier gespielt hat, geben relativ wenig Auskunft, was im nächsten Jahr die bessere Variante ist. 

Fazit

Der Trade verdeutlicht aber, wohin der Weg der Knicks führt. Die nächsten zwei Jahre sollen noch einmal genutzt werden, um oben anzugreifen. Unter dieser Prämisse halte ich den Trade dann doch für sinnvoll, da die Knicks mit deutlich mehr Talent aus dem Tauschgeschäft hervorgehen. Camby und Novak fanden sich zuletzt nur noch am Ende der Bank wieder, während die Frontcourt-Rotation mit dem Ex-Raptor deutlich tiefer und jünger wird.

Schlussendlich ist Andrea Bargnani sicherlich nicht der Typ Spieler, den man sich in diesen Zeiten als Knicks-Fan wünscht. Allerdings ist der Gegenwert, der an die Raptors ging, überschaubar und der Trade verleiht dem Frontcourt deutlich mehr Flexibilität. Offensiv kann und wird Bargnani einiges an Firepower liefern. Nun liegt es an Woodson, seine Schwächen so gut es geht zu kaschieren und die Rotation aus den vier Big Men effektiv zu nutzen.

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1 comment

  1. Hassan Mohamed

    Da es ja bereits am ersten Tag von Masai Urijis hieß, dass er Andrea Bargnani um jeden Preis loswerden will, stellt sich nur die Frage, ob man aus Sicht der Knicks mit etwas Hartnäckigkeit auf die Picks hätte verzichten können.


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