Draftprofile 2013

Gorgui Dieng

University of Louisville

Datenblatt

Name: Gorgui Dieng

Position: Big

[xrr rating=1/4] (Rollenspieler)

College: University of Louisville

College-Erfahrung: Junior

“Gorgui” bedeutet „der Alte“ in der senegalesischen Amtssprache Wolof. Dieser Vorname passt deswegen in zweierlei Hinsicht sehr gut zum Cardinals Center Dieng. Zum einen wurde er schon im Januar 23 Jahre alt und wird damit einer der ältesten Spieler in der diesjährigen Draft sein. Zum anderen hat der Afrikaner in seiner Basketballerkarriere schon einiges erlebt, obwohl er wie viele andere Basketballer von seinem Kontinent erst recht spät zur Sportart stieß. Der talentierte Dieng erlernte das Spiel an der Sports for Education and Economic Development Acadamy in Senegal und  begann seine Entwicklung nach einigen Sommern auf dem Freiplatz doch recht schnell in einer professionellen Umgebung. Schon 2009 trug diese Ausbildungsarbeit erste Früchte. Als einer der besten 60 Basketballer Afrikas wurde er zur „Basketball without Borders clinic“ nach Südafrika eingeladen und zum MVP des dort stattfindenden Camps gewählt. Diese Leistung begeisterte Beobachter auf der gesamten Welt. Schließlich wurde der an die Huntington Prep (diese Schule besuchte auch der potentielle #1 Pick von 2014 Andrew Wiggins) in die USA eingeladen und absolvierte dort ein grandioses Jahr als High School-Senior (15P./13R./7Bl. im Schnitt). Schon 6 Monate nach dem Erlernen der englischen Sprache bestand er seinen SAT-Test und ebnete den Weg zu seiner erfolgreichen Collegekarriere. Rekrutiert von Coachinglegende Rick Pitino, entwickelte sich Dieng prächtig und erreichte mit seinen Cardinals zwei Final Fours inklusive des Titelgewinns in diesem Jahr.

Skills

Gorgui Dieng ist ein 2,09 großer Center mit einer furchteinflößenden Armspannweite von fast 2,3m. Diese Länge und seine für einen Bigman hervorragende Agilität machten ihn auf College-Level zu einem dominierenden Verteidiger. In der berüchtigten Match-Up-Zone von Trainerfuchs Pitino war es seine Aufgabe den Raum unter dem Korb zu patrouillieren und unwillkommene Eindringlinge nach Hause zu schicken. Am liebsten tat Dieng dies via Block. In Sachen Rejections feierte er als Sophomore sein bestes Jahr. Seine starken 3,2 Blocks pro Spiel reichten national zu einem starken dritten Platz hinter den Blockmonstern Jeff Withey und Anthony Davis. Aber auch im Verteidigen des Post-Ups ist Dieng hervorragend, hat er doch seit seinem High School Jahr rund 30 Kilogramm an Masse zugelegt. Was ihn allerdings von anderen Bigs unterscheidet und im vergangenen Jahr auch zum besten Defender seiner Conference werden ließ: Er ist sehr flink auf den Beinen und kann deswegen auch das Pick’n’Roll gegen die meisten Gegenspieler herausragend verteidigen. Hier machten sich unzählige Trainingsstunden gegen die schnellen Teamkollegen Russ Smith und Peyton Siva bezahlt. Nur selten nimmt sich Dieng hierbei durch dumme Fouls selbst aus dem Spiel. Seine 2,6 Fouls pro Spiel zeigen, dass er vor allem auch mit dem Kopf verteidigt. Außerdem ist der Senegalese ein exzellenter Rebounder. Sowohl unter dem eigenen Korb als auch am offensiven Brett gibt er immer alles und pflückte so in der letzten Saison starke 17,5 % aller verfügbaren Rebounds aus der Luft. Auch wenn die Offensive sicherlich nicht zu den stärken des Afrikaners zählt, so ist auch hier eine steile Lernkurve zu erkennen. Erste Hakenwurfbewegungen beginnen sich in seinem Spiel zu verankern und eine Alternative zu reinen Hustle- und Powerplays in Korbnähe darzustellen. Die für NBA Scouts interessanteste Waffe hat sich Dieng in seiner Junior-Season angeeignet. Seit dem vergangenen Jahr trifft er Mitteldistanzwürfe von der Baseline oder Freiwurflinienhöhe recht hochprozentig, auch wenn sein Release ziemlich langsam ist. Außerdem erstaunt der Bigman Bobachter immer wieder mit seinem überdurchschnittlichen Passspiel. Besonders aus dem High-Post heraus weiß Dieng die freien Schützen oder cuttende Teamkollegen zu finden. Zuletzt bewies er dies im Championship-Game als er mit 6 Assists bester Passgeber aller Akteure war und sogar die Aufbauspieler Siva und Burke hinter sich ließ.

Dennoch, Dieng wird in der NBA zu keiner ernstzunehmenden Offensivoption werden, zu wenig ausgeprägt sind seine Scoringinstinkte, zu schlecht ausgebildet sind die Abschlussbewegungen. Beispielhaft kann man hierfür das diesjährige Final Four-Spiel gegen Wichita State anführen. Dieng hätte auf dem Feld gegen die eher mittelmäßige Frontline der Shockers der dominierende Bigman sein müssen. Er nahm in 30 Minuten Spielzeit nur einen Wurf, erarbeitete sich keine Freiwürfe und beendete das Spiel gegen schwächere Gegenspieler ohne erzielte Punkte. Offensiv will er Begegnungen einfach nicht an sich reißen. Seine Freiwurfquote ist mit 65% zwar nicht grundsätzlich verkehrt, aber noch stark ausbaufähig. Außerdem steht er vor einem kleinen Dilema. Dieng kann mit seiner Länge und Athletik in der NBA beide großen Positionen bekleiden. Allerdings wird er hier mit seinen rund 110 Kilogramm Körpergewicht für bestimmte Spielertypen ein negatives Missmatch darstellen. Es gilt für ihn noch an seinem Idealgewicht zu schrauben. Er muss noch stärker werden, ohne gleichzeitig seine tolle Mobilität einzubüßen. Keine leichte Aufgabe. Mehr Stellschrauben gibt sein Spiel nicht her. Mit seinen 23 Jahren wird er zur Draft genauso alt sein, wie es beispielsweise die NBA Kollegen Greg Monroe, Serge Ibaka und DeMarcus Cousins sind.

Spielervergleich

Viele afrikanische Center wurden im letzten Jahrzehnt gedraftet und verließen als Bust genauso schnell die NBA, wie ihre Namen plötzlich aufgetaucht waren. Wer erinnert sich noch an Mouhamed Sene, Ruben Boumtje-Boumtje, Hamady N’Diaye oder Solomon Alabi? Dieng sollte nach seiner Ausbildung an einem College-Basketball-Powerhouse alle genannten ziemlich sicher ausstechen können und auch glücklicher agieren als der ehemalige Huskies-Center aus Tanzania, Hasheem Thabeet. Große Vorbilder sollten für ihn Serge Ibaka und Larry Sanders sein, da diese seinem Spielstil sehr nahe kommen. Ihr Niveau wird er wohl nicht erreichen, aber sich als ein guter Rollenspieler in dieser Liga einfinden und damit wahrscheinlich besser sein als die ehemaligen Lotterypicks Ekbe Udoh oder der bisherige Bismack Biyombo.

Draftaussichten

Dieng hat sich durch durch die Bestätigung seiner Leistungen aus dem Sophomore-Year und dem Titelgewinn im April draftstocktechnisch sehr geholfen. Galt er im letzten Jahr noch als jemand für die Zweite Runde, sollte er nun in sicherer Firstrounder sein. Ob eventuell sogar ein Team in Richtung Lottery zugreift, hängt davon ab, ob Scouts ihm trotz seines Alter wegen seines späten Karrierebeginns doch noch etwas Upside zuschreiben oder nicht.

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