Draft

Draft Sleeper 2016

Nachdem wir in unserer Reihe “Fool’s Gold Prospects” überbewertete Drafttalente besprochen haben, soll es an dieser Stelle um noch unterbewertete Spieler gehen. Die aufgeführten Draftees sind nur knapp an unserem Draftranking vorbeigeschliddert, könnten mittelfristig aber durchaus zu Steals werden, wenn sie beim richtigen Team landen und diese ihre Entwicklung optimal fördern.

Robert Carter Jr. – Junior – Maryland Terrapins

Warum Sleeperpotential?

Spielern, die über ein ähnliches physisches Profil wie Paul Millsap verfügen, sollten immer Beachtung finden. Wie der Hawk ist auch Robert Carter für einen Bigman etwas zu klein geraten (6‘8‘‘), gleicht dies aber mit langen Armen (7‘3‘‘ Wingspan), einem sehr robusten Körper (250 lbs.) und einer für seine Masse sehr beachtlichen Mobilität wieder aus. Der Terrapin passt genau in das Anforderungsprofil eines modernen Bigmans. Er kann seine Pfunde bei Positionierungs- und Postup-Kämpfen gewinnbringend einbringen, kommt aber auch nach Pick’n’Rolls oder als Cutter zum Korb, um dort extrem hochprozentig abzuschließen (76 FG%@Rim). Nach drei Jahren harter Arbeit ist zudem sein Wurf eine ernstzunehmende Waffe geworden (33 3P% &, 75 FT%).

Besonders aus der Mitteldistanz war Carter 2015/16 teilweise tödlich (53 FG% 2P Jumper), da er bspw. aus dem Highpost heraus nicht nur als Werfer sondern auch als unterbewerteter Playmaker überzeugen konnte (15 AST%). Abgerundet werden diese Skills durch sehr ansprechende Rebounding-Fähigkeiten (21 DREB%).

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Robert Carter könnte ein extrem spannender Stretch- Bigman werden. Allerdings sind dafür noch kleinere Verbesserungen nötig. Sein Distanzwurf war in diesem Jahr zum ersten Mal auf einem anzunehmenden Niveau (Career: 30 3P%) und muss jetzt mit der neuen Dreierentfernung nochmal eine kleine Umstellung verkraften. Auch wenn an der Freiwurfquote belegt werden kann, wie stark Carter sich über die Jahre als Werfer verbessert hat (14 Prozentpunktesteigerung in drei Jahren), kann diese Akklimatisierung in der NBA durchaus schwerer fallen, als man denkt. Zudem ist der Junior stark davon abhängig, wie gut seine Defense am Perimeter noch wird. Er ist kein ausgewiesener Ringbeschützer (Career: 4,6 BLK%) und wird in der NBA deswegen eher gegen Vierer verteidigen. Es fehlt in vielen Situationen noch an mehr Verständnis.

Seine Defense gegen Pick’n’Rolls bei Switches auf kleinere Gegenspieler ist bisher aber erst auf einem leicht unterdurchschnittlichen Level angekommen, nachdem er innerhalb von zwei Jahren rund 30 Pfund abnahm, um die nötige Beweglichkeit hinzuzugewinnen. Diese nötigen Verbesserungen als schon 22-Jähriger auf dem nächsten Level herbeizuführen, ist sicherlich möglich, aber auch keine einfache Aufgabe.

Chinanu Onuaku – Sophomore – Louisville Cardinals

Warum Sleeperpotential?

Die Frage nach dem körperlich stärksten Spieler der Draft, könnte sehr gut mit dem Namen Chinanu Onuaku beantwortet werden. Der 245 Pfund-Bigman schob durch hervorragende Ober- und Unterkörperstärke am College jeden Gegenspieler umher. Kombiniert mit soliden 6‘10‘‘ Körpergröße, tollen 7‘3‘‘ Wingspan und einer großen Portion Beweglichkeit stellte der massige Fünfer einen kaum umschiffbaren Defensivbrocken dar, der eine der besten Verteidigungsreihen des Landes ankerte. Durch seine Physis ist er im Postup oder als Hindernis in Rebounding-Situationen (19,8 TRB%) nur schwer zu überwinden. Mit seiner Mobilität fällt es ihm leicht, mit klugen Rotationen als Helpdefender in Erscheinung zu treten, Pick’n’Rolls zu verteidigen und sogar beeindruckende Closeouts zu laufen. Defensives Verständnis und seine Länge lassen ihn immer wieder zu einem Playmaker am auf dieser Seite des Parketts werden (Career: 2,2 STL%, 8,6 BLK%).

In der Offensive besticht der Sophomore vor allem durch effektives Finishen in Korbnähe (73 FG%@Rim) nach Postups oder Screen’n’Roll-Actions. 2015/16 tat er sich zudem als sehr solider Passer hervor (9,6 AST%). Bedenkt man abschließend, dass Onuaku als Sophomore trotzdem jünger als die Freshmen-Kollegen Simmons, Labissiere, Diallo oder Brown ist, muss dem Cardinal sogar noch jede Menge Entwicklungspotential attestiert werden.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Zu Beginn seiner Karriere wird Onuaku zu den schlechtesten Offensivspielern der NBA gehören. Abseits von Putbacks, Durchsteckern und einfachen Pick’n’Roll-Abschlüssen ist er kaum zu gebrauchen. Bisher wirken alle Bewegungen, die er an diesem Ende des Feldes hat noch hölzern. Oft scheint es an Feingefühl für den eigenen Körper, für korrekte Fußarbeit und vor allem für die eigenen Hände zu fehlen.

Onuaku ist nicht der sicherste Passempfänger (20,8 TOV%) und stellt trotz einer mit seiner Freiwurfumstellung auf die Underhand-Technik einhergehenden Verbesserung um zwölf Prozentpunkte einen potentiellen Hack-a-X-Kandidaten dar (58 FT%). Große Schübe in seinen Offensiv-Skills sind nicht absehbar. So lastet großer Druck auf seinen Verteidigungsqualitäten, da er wohl gezwungen ist, seinen spielerischen Wert für eine NBA-Franchise allein darüber zu definieren. Onuaku könnte dabei ein Verteidiger sein, der den Unterschied macht. Dafür wird aber mindestens eine kleinere Akklimatisierungsphase nötig sein, da er schon am College foulanfällig war (4,8 PFp40). Aber der Sophomore wird sich auf einem schmalen Grat bewegen. Ist er nur ein Durchschnittsverteidiger, sinkt sein Floor als Prospect sehr schnell. Zusätzlicher Negativpunkt: Der Cardinal musste während des Draftprozesses am Herzen operiert werden. Berichten zufolge ein kleiner, unbedeutender Eingriff, dennoch aber ein Risiko, dass NBA-Franchises mit Blick in die Krankenakte erst für sich bewerten müssen.

Gary Payton II – Senior – Oregon State Beavers

Warum Sleeperpotential?

Gary Payton II gleicht seinem legendären Vater in vielerlei Hinsicht. Der 23-Jährige verfügt über nahezu identische Maße (6‘3‘‘, 6‘8‘‘ Wingspan, 180 lbs) und hat zusätzlich die großartigen athletischen Fähigkeiten seines Hall of Famer-Daddys geerbt. Eine explosive Mischung aus Geschwindigkeit, Sprungkraft und körperlicher Stärke erlaubten ihm beeindruckende Allround Stats aufzulegen (16 P / 7,8 R / 5 A / 2,5 S). Auch wenn der Starfaktor für das NBA-Level etwas zu fehlen scheint, hat Gary Payton II die Chance, ein starker Spieler zu werden. Offensiv überzeugt der College-Senior als solider Playmaker (33 AST%) und als Slasher (65 FG%@Rim), indem er entweder im Fastbreak (1,12 PPP) oder als Cutter (1,4 PPP) hochprozentig am Korb abschließt.

Hinzu kommt Defense auf einem hohen Niveau. Payton nutzt seine Länge und laterale Geschwindigkeit sehr gut, um vor Gegenspieler zu bleiben und diese eng zu verteidigen. Seine überdurchschnittliche Wingspan erlaubt es ihm immer wieder in Passwegen zu stören, für Deflections zu sorgen (Career: 4,9 STL%) und für einen Guard verhältnismäßig viele Würfe zu blocken (Career: 3,2 BLK%). Er könnte der perfekte, athletische Kettenhund-Guard sein, den jeder Coach gern mal in ein Spiel gibt, um die gegnerischen Ballhandler zu nerven.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Payton besitzt durch seine Schwächen in der Offense ein recht niedriges Ceiling. Das Playmaking des Beavers ist solide, wird aber nicht höchsten Ansprüchen gerecht. Sein Wurfgefühl ist leider beschränkt. Nicht nur, dass er weder seine Dreier (31,4 3P) noch seine Freiwürfe (64,2 FT%) auf einem für einen Guard ansprechenden Niveau trifft. Er hat in der Mitteldistanz keine funktionierende Waffe. Der Pullup Jumper aus dem Dribbling ist wacklig (0,62 PPP) und auch der Floater ist keine gute Option (27 FG%).

Großartige Verbesserungen als Schütze können von einem 23-Jährigen auch nicht mehr erwartet werden. Dies stellt für die NBA ein großes Problem dar. Auch wenn er nicht in der Lage sein muss, sich seinen eigenen Wurf zu kreieren, sollte er sich wenigstens einen Ecken-Dreier antrainieren. Dazu muss seine Defense wirklich zu jedem Zeitpunkt „on point“ sein, um echte Rotationsminuten rechtfertigen zu können. Das könnte auch noch etwas Eingewöhnungszeit in Anspruch nehmen, da Payton am College auch viel Zonenverteidigung spielte und sich teilweise umstellen müssen wird. Allerdings hat er das Potential ein Patrick Beverly-type Spieler zu werden, der mit seiner Defense seinem Ballhandling-Star lästige Verteidigungsaufgaben vom Hals hält und offensiv mit seiner Athletik wichtige Impulse gibt.

DeAndre’ Bembry – Junior – Saint Joseph’s Hawks

Warum Sleeperpotential?

Deandre‘ Bembry verfügt über eines der spannendsten Profile aller Wing-Prospects für die Draft ‘16. Er bringt Gardemaße für einen Flügelspieler mit (6‘6‘‘, 6‘9‘‘ Wingspan, 210 lbs.). Durch diese Länge und seine gelungene Kombination aus Geschwindigkeit, Robustheit und Sprungkraft (38 Inch Vertical beim Combine) wird er in der NBA sowohl auf der Zwei als auch auf der Drei einsetzbar sein. Statistisch gesehen, war er im vergangenen Jahr Mitglied eines sehr elitären Clubs. Bembry lieferte mit seiner Statline 17,4 P/ 7,8 R / 4,5 A starke Allrounder-Zahlen, die neben ihm nur Ben Simmons und Denzel Valentine auflegten. Dass der A10-Player of the Year nicht mehr Beachtung findet, kann eigentlich nur damit erklärt werden, dass er nicht in einer der Major Conferences spielte.

Wie seine Kollegen Valentine und Simmons kann der fast 22-Jährige Bembry als Playmaking-Wing bezeichnet werden. Als toller Athlet geht er besonders als Initiator in Fastbreak-Situationen auf. Aber auch im Halbfeld sticht der Junior als kreativer Spieler mit Courtvision, ausgeprägten Pass-Fähigkeiten und der Möglichkeit, als Ballhandler über Defenses schauen zu können, hervor. So kann er über Pick’n’Roll oder Drive’n’Kick auch in der verlangsamten Halfcourt-Offense ein guter Shot Creator sein. Als Scorer verfügt Bembry ebenfalls über ein breitgefächertes Repertoire an Skills. Er attackiert nach Screens, als Cutter oder nach Isolations gern den Korb und schließt am Ring sehr effizient ab (69 FG%@Rim). Als Werfer ist er nach Curls (1,03 PPP) oder als Spotup-Schütze (1,1 PPP) ebenfalls eine potente Option. Dazu deutete er als massigerer Wing auch ein Postup-Game an. In der Verteidigung besitzt Bembry durch seine Explosivität bei einer sehr austrainierter Statur enormes Potential. Der Junior bewies auch auf dieser Seite des Parketts schon einige Playmaking-Skills (Career: 2,4 STL%, 2,4 BLK%), die anzeigen, wie athletisch überlegen er den Spielern in seiner Conference war.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

2015/16 war das erste Jahr, in dem Bembry mit seinem Spielstil wirklich effizient agierte (113 ORtg bei 24,4 USG%). Sowohl als Freshman als auch als Sophomore kam er nicht über ein 102er Offensiv-Rating hinaus. Warum dies so war, lässt sich auch jetzt noch teilweise beobachten. Der Hawk verfügt nicht über das beste Decisionmaking. Oft forciert er wilde, unkontrollierte Drives, bei denen er dann den Ball in Traffic durch Handlingprobleme verliert (Career: 14,2 TOV%). In anderen Situationen verweigert Bembry den Zug zum Korb und schließt lieber via Pullup inkonstant aus der Mitteldistanz ab (34,5 FG% 2P Jumper). Keine gute Entscheidung für einen übermächtigen Athleten mit einem wackligen Wurf (Career: 31,2 3P%, 62,8 FT%). Für Bembry wird die Umstellung auf die NBA nicht einfach. Natürlich wird sich sein Shooting entwickeln müssen, wenn er irgendwann mal ein wichtiger Spieler für eine Franchise sein möchte. Non-Spacing-Wings sterben aus. Aber auch abseits davon, wird seine Rollenveränderung gravierend ausfallen. Am College konnte er sich als Star seines Teams in der Defense oft zurücknehmen. In der NBA wird er sich zunächst mit Verteidigung und Overall-Athletik Minuten erarbeiten müssen, bis er als „Jack of all trades“ ganz klare Stärken für das nächste Level herausgebildet hat.

Ante Zizic – Jahrgang ’97 – Cibona Zagreb

Warum Sleeperpotential?

Spieler aus der Adriatic League scheinen gerade im Trend zu liegen. Jusuf Nurkic, Nikola Jokic, Dario Saric – all diese Draftees wurden von Franchises gezogen, als sie noch in der europäischen ABA aktiv waren. In diesem Jahr werden weitere Talente aus dieser Liga ihren Weg in die NBA finden. Frontrunner ist Timothe Luwawu, dessen Spiel wir schon analysierten. Dicht dahinter könnte aber schon ein junger Bigman einzuordnen sein – Ante Zizic. Das Talent von Cibona Zagreb ist mit seinen 6‘10‘‘ Körpergröße für einen Fünfer nicht die größte Erscheinung, überzeugt dafür aber mit 7‘3‘‘ Armspannweite und einer für sein Alter schon sehr austrainierten Statur. Auf dem Parkett verfügt er er vor allem über Toughness, Energie und Mobilität als herausrangende Attribute. Im Fastbreak ist Zizic durch Schnelligkeit und Beweglichkeit eine starke Waffe (1,6 PPP). Im Halbfeld überzeugt er als Pick’n’Roll-Finisher und teilweise als Postup-Spieler, der gute Positionen unter dem Korb bezieht und sich dann zum Ring regelrecht durchwühlt. Dabei zeigt Zizic keine Furcht vor Gegenspielern. Vielmehr scheint er sogar gern Kontakt zu forcieren, um sich And1-Chancen zu erarbeiten (14 And1s in 26 Spielen).

Sein unbändiger Einsatz und Wille schlägt sich sowohl in defensiver Präsenz als auch in starkem Rebounding nieder (19,6 TRB%). Mit seinen 7,8 RpG sorgte er für den zweithöchsten Wert eines ABA-U20-Spielers aller Zeiten. Insgesamt kann die Produktivität des 19-Jährigen in einer der besten Ligen des Kontinents nicht hoch genug gelobt werden (14,5 PpG, 121 Ort bei 22,6 USG%).

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Zizic bietet bisher abseits seines Willens, seiner Toughness und sehr körperlichem Inside-Spiel kaum zusätzliche Facetten in seinem Game. Finesse fehlt seinem Spiel aktuell fast vollkommen. Daran wird er arbeiten müssen, da er für ein lediglich auf Energie und Überpowern ausgelegten Stil physisch nicht imposant genug ist und damit in der NBA an Grenzen stoßen würde. Die Frage wird sein, inwiefern noch andere filigranere Basketballfähigkeiten in dem Kroaten schlummern und wie schnell diese hervorgebracht werden können. Ein gefühlsloser Klotz ist es nicht (73 FT%), wirkt in Bezug auf Vision (5,2 AST%) und Gefühl für die Geometrie auf dem Parkett oft eher limitiert (18,2 TOV%). Zusätzlich ist er defensiv ein Tweener. Er ist weder als Verteidiger von Vierern mit Aufgaben am Perimeter noch als Ringbeschützer auf NBA-Niveau eine sichere Wette als überdurchschnittlicher Defender.

Das reduziert die Anzahl der möglichen Lineups mit ihn schon erheblich, da er offensiv kein Spacing liefert. Alles in allem besitzt Zizic dadurch bei allem Talent ohne größeren Sprung in seiner Entwicklung ein recht niedriges Ceilung und könnte zu einer Rolle als reiner Energy-Guy verdammt sein, der um seinen Platz in der Liga kämpfen muss.

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