Draft, Fool's Gold

Fool’s Gold Prospects 2015

Die Bigs

Jahr für Jahr zeigen wir euch mit unserem Draftranking, welche internationalen Talente und CBB-Prospects über die Saison hinweg unser Herz erobert haben. Allen aufgeführten Spielern sagen wir mindestens eine NBA-Karriere als erfolgreicher Rollenspieler voraus. In diesen erlesenen Kreis zu kommen, ist allerdings nicht ganz einfach. Viele auf anderen Draftseiten als Firstrounder gehandelte Talente genügen unseren Ansprüchen nicht ganz. Sie funkeln und glänzen, sind am Ende aber wohl mehr Schein als Sein. In “Fool’s Gold Prospects” erklären wir euch, welche Jungs das in diesem Jahr sind und warum wir sie als Spieler mit zu hohem Bust-Potential einschätzen. Heute die Big Men:

Montrezl Harrell – Junior – Louisville Cardinals

Warum Erstrundenhype?

He doesn’t set screens — opposing guards are unable to escape his gravitational pull and are roped in, crushed, and added to his mass.

Ein schöneres Bild, als dies Grantland mit diesem Satz getan hat, kann zu Junior Montrezl Harrell nicht gezeichnet werden. Kein Spieler, der als “undersized” für seine Position gelten muss, war je so angsteinflößend, wie der Big der Louisville Cardinals. Das 240 Pfund-Muskelpaket verfügt über die meiste Energie und den stärksten inneren Motor aller Prospects. Dabei scheint sein Schaltknüppel immer im höchsten Gang festzustecken. Genau diese Herangehensweise an Basketball lässt sehr schnell Paralellen zu Elite-Hustlern wie Kenneth Faried erkennen.

Ähnlich wie der Denver Nugget damals, ist Harrell in Fastbreak-Situationen immer als Erster auf der anderen Seite des Feldes und hat nach 112 College-Partien mittlerweile wohl kaum noch Gegenspieler auf der Liste, über die er noch nicht gestopft hat. Seine 160+ Dunk stellen mittlerweile einen Schulrekord dar und deuten an, wie gut der Big seine Kraft via Slashing in Punkte umzumünzen weiß (15,7 PpG bei 56 FG%).

Selbstverständlich helfen ihm sein Einsatz und seine Toughness aber auch in der Defense. Gibt es in seiner Nähe Looseballs oder toughe Rebounds „in traffic“ zu holen, ist es zumeist der Cardinals-Big, der nach wenigen Sekunden den Ball in den Händen hält. Zudem bildete er teilweise als Defensivanker das Fundament der gefürchteten Pitino-Match-Up-Zone. Durch seine hervorragende Stärke im Oberkörper und seine 7‘3‘‘ Wingspan konnte ihm kaum ein Gegenspieler ernsthafte Probleme bereiten. Sowohl Bigs als auch Guards ließ er einfach an sich abprallen.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Über Jahre wurde Harrell von seinem College als 6‘8‘‘-Big gelistet. Ein Makel, den man gerade einem Spieler mit seiner Einstellung und exzellenten Armspannweite nachsehen könnte. Leider stellte sich zuletzt heraus, dass der Cardinal sogar mit Schuhen noch nicht einmal 6‘7‘‘ Körpergröße erreicht. Damit ist er kleiner als der durchschnittliche NBA-Small-Forward – ein riesiger Längennachteil, der sich für ihn automatisch ergibt, da eine Umschulung zum Flügelspieler ausgeschlossen scheint. Zwar hat der 21 Jährige zuletzt stark am Wurf gearbeitet und eine minimale Rangeverbesserung gezeigt (9 Dreier in 14/15). Allerdings scheint bei Betrachtung des bisher gezeigten Wurftalents (Career: 11-40 3P, 53 FT%) trotzdem sogar die Entwicklung zu einem verlässlichen Mitteldistanzschützen sehr unwahrscheinlich zu sein. Auch sein mangelhaftes Handling und sein unterdurchschnittlichen Basketball-IQ sprechen gegen Zukunft als Wing. So wird sich Harrell als reiner Hustler einen Platz in der Liga erarbeiten müssen. Keine leichte Aufgabe, da sein Rebounding zwar gut, aber nicht elitär ist (Career: 14,7 TRB%).

Christian Wood – Sophomore – UNLV Runnin’ Rebels

Warum Erstrundenhype?

Nachdem UNLV-Sophomore Christian Wood eigentlich schon seine Rückkehr zu den Runnin‘ Rebels verlauten lassen hatte, ging der junge Big in den letzten Wochen noch einmal in sich und entschied sich doch für die Draft 2015. Dies scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Als Freshman noch völlig unter dem Radar (13 MpG in 13/14), explodierte Wood in dieser Spielzeit förmlich (15,7 PpG, 10,0 RpG und 2,7 BpG in 32,7 MpG). Dies trieb den Draftstock des Bigmans in ungeahnte Höhen.

Der mit 19 Jahren extrem junge Zweitjahresspieler überzeugt in erster Linie mit starken Tools. Als 6‘11‘‘-Mann verfügt er durch seine 7‘3‘‘ Wingspan über eine exzellente Länge. Trotz dieser Größe tritt er als sehr beweglicher und sprunggewaltiger Spieler auf den Plan. Dies lässt ihn besonders im Schnellangriff zu einer gefährlichen Waffe werden:

Doch Wood ist mehr als ein reiner Slasher im Fastbreak. In dem sehr offenen System von UNLV konnte er sich in der vergangenen Saison auch als Post-Up-Option, im Face-Up, als Driver von Perimeter und als effektiver Pick’n’Roll-Partner hervortun. Sogar sein Wurf scheint brauchbar zu sein (74 FT%, 44,4 FG bei 2-Punkt-Sprungwürfen). In der Verteidigung nutzt Wood vor allem seine starke Athletik. Gern vereitelt er als Helpdefender gegnerische Abschlüsse am Ring. Ihm fällt es aber durch seine gute Mobilität genauso leicht, am Perimeter auszuhelfen und so auch Würfe außerhalb der Zone zu beeinflussen. Diese Mischung gibt ihm als potentiellen NBA-Vierer alles Potential der Welt.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Christian Wood ist ein „Boom-or-Bust“-Spieler. Landet er in der idealen Situation, könnte er durch die Decke gehen, da er ungemein viele Bausteine mitbringt, die nur noch richtig zusammengesetzt werden müssen. Doch dies wird auf jeden Fall seine Zeit brauchen. Der Runnin‘ Rebel muss unbedingt an Masse zulegen, um gegen NBA-Frontcourts bestehen zu können. Mit seinem aktuellen 220-Pfund-Frame kann er noch recht leicht überpowert werden.

Zudem wirkt er mental noch nicht bereit für das nächste Level, da er das Spiel nicht verstanden hat. Dies beginnt bei seiner Wurfauswahl. Dumme Dreier früh in der Wurfuhr (28 3P% bei 2,7 3PA) oder lange Face-Up-Jumper trotz enger Verteidigung sind keine Seltenheit. Freie Mitspieler übersieht er gern und versucht lieber waghalsige Aktionen auf eigene Faust, die auch  noch verhältnismäßig oft misslingen (9,2 AST% vs. 14,8 TOV%). Effektive Go-to-Moves besitzt er noch nicht. Trotz guter absoluter Zahlen hat Wood deshalb seinem Team gar nicht so stark geholfen, wie dies zunächst vielleicht vermutet werden könnte (109 ORtg bei 26,6 USG%, UNLV mit talentiertem Kader nur 18-15 in 14/15).

Dies lag nicht zuletzt auch an seiner wackeligen Defense. Am College verließ er sich noch sehr oft allein auf seine Athletik, da ein Gespür für richtige Positionierung und Rotationen noch fehlt. Teilweise ließ er sogar Anstrengungen in der Verteidigung komplett vermissen, um sich für die Offensive zu schonen. Lässt diese Einstellung auch auf seine Workethic schließen, wird er auf ewig ein Projekt bleiben und sich nie zu dem Spieler entwickeln, der er sein könnte.

Cliff Alexander – Freshman – Kansas Jayhawks

Warum Erstrundenhype?

Die Frage nach dem amtierenden Naismith Prep Player of the Year würden aus dem Stegreif wohl 95% aller Basketball-Experte falsch beantworten. Ja, es ist ein körperlich schon sehr weit entwickelter Bigman, der an der High School seine Gegenspieler nach Belieben dominierte. Allerdings heißt dieser weder Karl-Anthony Towns noch Jahlil Okafor. Nein, es war Cliff Alexander, der diesen Titel abräumte und dadurch als Consensus-#2 Prospect teilweise von Recruitingseiten sogar vor den beiden potentiellen Top-Picks geführt wurde. Genau an diese Reputation scheinen sich Scouts nun wieder zu erinnern und führen den Mann aus Chicago nach seiner Entscheidung für den Eintritt in die Draft wieder als First Rounder.

Trotz eines eher mäßigen Jahres in Lawrence liegen die Vorzüge Alexanders noch immer klar auf der Hand. Der sehr bullige Bigman ist mit seinen 250lbs. ein kaum zu verschiebendes Zonenmonster, das unter den Körben aufzuräumen weiß. Mit seinen großen Händen und langen Armen (7‘3‘‘ Wingspan) ist es für ihn leicht in Ringnähe auch gegen viel Kontakt zu punkten. Rund 65 Prozent seiner Würfe nimmt er in der Zone und verwandelt starke 68 Prozent – das spricht eine deutliche Sprache.

Aber auch alle anderen Arbeiten unter den Brettern verrichtet der mobile Alexander mit Bravour. Offensiv wie Defensiv besitzt er ein gutes Gespür für Rebounds (13,3 DRB%, 19,9 DRB%). In der Verteidigung gibt er wegen seines massiven Körpers kaum aussichtsreiche Post-Positionen ab, besitzt aber gleichzeitig auch genug Athletik, um zudem als guter Shotblocker gelten zu können (7,7 BLK%). Nimmt man seine erst 19 Jahre und das damit einhergehende Entwicklungspotential hinzu, scheint Alexander am Ende der Ersten Runde gar zu niedrig gerankt.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Alexander war bisher auf jedem Level ein „man among boys“ und dominierte durch seine Physis nach Belieben. Seine Mobilität und Kraft reichten immer aus, um zu Punkten, Rebounds und Blocks zu kommen. Auf diesem Umstand scheint sich der Freshman ausgeruht zu haben. Skills, wie funktionierende Postmoves oder gar ein Face-Up-Game, fehlen ihm vollkommen. Auch Fundamentals, wie Passing und Handling in der Offense (5,4 AST% vs. 14.4 TOV%) oder Verständnis für Verteidigungssysteme, wurden nur rudimentär ausgebildet. Eventuell fehlt ihm aber auch einfach das Talent in Form von Basketball-IQ dafür.

Dies ließ ihn, der mit seinen 6‘8‘‘ noch nicht einmal auf College-Niveau Idealgröße besitzt, teilweise schon im letzten Jahr heftig stolpern. In vielen Partien setzte Bill Self den Freshman wegen defensiver Mängel auf die Bank (17,6 MpG). Seine Offense war nicht gefährlich genug, um seinem Coach diese Entscheidung zu erschweren (16,2 P/40). Teilweise nahm sich Alexander durch Foultrouble selbst aus dem Spiel (4,6 PF/40).

Eine Besserung ist nicht zu erwarten, da sein Kraftvorteil gegen athletischere und größere Gegenspieler immer weiter schwinden wird. Um doch noch ein ordentlicher Rollenspieler zu werden, müsste er etwas Masse für Explosivität eintauschen, um schnellere Vierer und das Pick’n’Roll besser verteidigen zu können. Dazu müsste er beginnen, echte Offensivskills inklusive eines Wurfs zu entwickeln, um auch im Angriff eine Daseinsberechtigung zu haben. Letzteres ist nicht ganz ausgeschlossen, da der Freiwurf trotz langsamen Releases gut fällt (67 FT%) und er auch ab und an etwas aus der Mitteldistanz zeigte. Dennoch ist sein Weg noch sehr weit.

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