5-on-5

5-on-5: Saisonstart 2012

NBA-Saison 2012/2013: Worauf seid ihr besonders gespannt?

Pierre Magazin: Die erste und vielleicht auch sicherste Wahl bei dieser Frage wäre wohl das Zusammenspiel der Los Angeles Lakers gepaart mit der Rivalität zu den Oklahoma City Thunder. Selbst die Miami Heat oder die Boston Celtics sind in aller Munde. Ich bin aber ganz besonders auf den Auftritt der Denver Nuggets gespannt.
Das Team um General Manager Masai Ujiri und Trainer George Karl hat es geschafft, nach dem Trade ihres Superstars die Rebuilding-Phase zu überspringen und ein Team zusammenzustellen, dessen verschiedene Spieler perfekt in das angestrebte System passen. Leistungsträger wie JaVale McGee wurden gehalten, Ty Lawson strebt in seinem Vertragsjahr nach noch besserer Leistung. Die Rollenspieler der vergangenen Saison, vorrangig Kenneth Faried und Danilo Gallinari, besitzen immer noch Potential, Wilson Chandler konnte das erste Trainingslager unter Coach Karl genießen. Veteran Andre Miller komplettiert dieses junge Team. Doch der wahre Grund und die große Hoffnung, warum Denver dieses Jahr den großen Schritt machen könnte, liegt bei Andre Iguodala, seines Zeichens All-Star und der vielleicht beste Perimeter-Verteidiger der Liga, der sich mit seinen Fastbreak-Fähigkeiten in das schnelle System der Nuggets einfinden dürfte. Er wird nicht mehr die Hauptattraktion der Offensive sein, eine Rolle, die ihm in Philadelphia immer angehängt wurde, er aber während seiner kompletten Zeit dort nie ausfüllen konnte. Er wird der Stopper dieses Teams sein, ein Spieler, der die starken Perimeterspieler der Liga größtenteils ausschalten kann. Iguodala muss und wird das Niveau der Defensive auf eine höhere Stufe bringen. Die Frage, die sich bei diesem Team stellt und auf deren Antwort ich am meisten gespannt bin: Kann dieses Team auch ohne wirklichen Superstar um den Titel mitspielen?

Jan Karon: Für mich zweifellos die New Orleans Hornets. Die Wahl hat dafür aber gar nicht so sehr subjektive Gründe, sondern ich glaube in der Tat, dass wir ein Hornets-Team sehen werden, welches zurecht mit Interesse und Neugier begutachtet wird. Wie Ich schon in aller Ausführlichkeit schrieb: Der Sommer der Hornissen war furios. Nachdem personelle Veränderungen getroffen worden sind, wird man nun sehen, inwiefern Head Coach Monty Williams aus den vielen Neuzugängen eine Einheit formen kann. Bleibt Eric Gordon fit? Schafft es Austin Rivers, sein Spiel auf NBA-Level anzupassen? Wie wird sich der neue Franchise Spieler Anthony Davis schlagen? Schafft man es, Ryan Anderson in die Offensivsysteme zu integrieren? Diese und viele weite Fragen sind der Grund, weshalb ich es kaum noch erwarten kann, bis die Hornissen am 31. Oktober ihre Saison gegen die San Antonio Spurs eröffnen.

Malte Arndt: Gespannt bin ich auf die Golden State Warriors (und ob sie gesund bleiben). Nachdem das Team in den letzten Jahren für erfolglosen Run-and-Gun-Stil verschrien war, hat man sich seit dem Trade von Monta Ellis zu den Bucks grundlegend geändert. Wenn Bogut wieder fit ist, hat das Team zum ersten Mal einen defensiven Anker, dazu mit Stephen Curry, Klay Thompson und Harrison Barnes aufregende Spieler auf den Flügeln. David Lee passt von seinem Skillset her hervorragend zu Bogut, ebenso war das Signing von Jarrett Jack wahrscheinlich eines der am wenigsten beachteten der Offseason, aber – gerade in Anbetracht der Verletzungsanfälligkeit Currys – auch eines der cleversten. Die Warriors haben somit innerhalb eines Jahres ihren Kader generalüberholt und können, wenn sie fit sind, im Westen die Playoffplätze angreifen.

Danial Haschem:  Wenn eine Franchise im selben Sommer (!)  einen dreimaligen DOPY und einen zweimaligen MVP verpflichtet und eben jene Franchise bereits Kobe Bryant und Pau Gasol in ihren Reihen weiß, dann darf durchaus von einer massiven Verschiebung der Machtverhältnisse in der NBA die Rede sein. Diesbezüglich wird es daher äußerst interessant sein zu sehen, inwiefern sich diese klangvollen Namen ergänzen können. Denn eins ist sicher: Sollten Steve Nash, Kobe Bryant, Pau Gasol und Dwight Howard auch nur ansatzweise ihr Potential in dieser neuen Konstellation abrufen können, dann kann sich der Rest der Liga warm anziehen. Natürlich sind Zweifel über die Leistungsfähigkeit der Bankspieler und der erfolgreichen Umsetzung der Princeton Offense“ unter Trainer Mike Brown berechtigt, aber ein gewisses Interesse an dem Zusammenspiel dieses Starensembles kann wohl kein Fan der NBA verneinen.

Außerdem wird sicher die Entwicklung zweier anderer am Tradekonstrukt um Dwight Howard beteiligten Teams mit Spannung verfolgt werden. Sowohl die Denver Nuggets als auch die Philadelphia 76ers beheimaten einen überaus talentierten Kern an Spielern, der in der Lage sein wird, den ein oder anderen Favoriten zu ärgern und für eine Überraschung zu sorgen. Beide Teams haben mit besagtem Trade in Andre Iguodala bzw. Andrew Bynum wichtige Puzzleteile erlangt und sind auf dem Weg aus lediglich ambitionierten wirklich ernsthaft konkurrenzfähige Mannschaften zu werden. Ob sich vor allem diese beiden Spieler wie erhofft anpassen können, wird zum großen Teil das Schicksal und Potential dieser Teams bestimmen.

Jonathan Walker: Auf den Post-Championship LeBron James. Die letzten Jahre sah sich LeBron James konstant (teilweise selbst verursachtem) extrem hohem Druck von allen Seiten ausgesetzt, endlich eine Championship zu gewinnen. Nach jahrelangem Anpassen seiner Herangehensweise an das Spiel, scheint er 2012 den für ihn funktionierenden Weg, sein Gleichgewicht gefunden zu haben und sein Potential immer weiter auszuschöpfen. Ich bin gespannt zu sehen, ob James noch befreiter aufspielen wird und inwiefern es sich auf sein Spiel auswirkt, seine Kritiker verstummen lassen zu haben und gewissermaßen wieder Everybody’s Darling zu sein.

Welchem Spieler wird kommende Saison der Durchbruch gelingen?

Jonathan Walker: Traditionell sind die meisten Spieler im dritten Jahr Kandidaten, also Spieler, die 2010 gedraftet wurden, weswegen ich mich zur Beantwortung dieser Frage auf jene Spieler konzentrieren werde. Dazu zählen John Wall, Evan Turner, Derrick Favors, DeMarcus Cousins, Greg Monroe, Gordon Hayward und Paul George. Keiner dieser Spieler hat es bisher ins All-Star Team geschafft, doch alle besitzen (im Gegensatz zum Rest der Draftklasse) weiterhin das Potential dazu. Andererseits änderte befinden sich alle Spieler prinzipiell weiterhin in ihrer Rolle der Vorsaison. Mein heißester Kandidat wäre John Wall gewesen, der endlich die passenden Mitspieler im Team hat und für den es höchste Eisenbahn ist zu rechtfertigen, damals als erster Pick verpflichtet (und unter anderem mit Derrick Rose verglichen) worden zu sein. Leider fällt Wall die ersten Wochen auf Grund einer Knieverletzung aus. Es bleibt abzuwarten, ob er das Verpassen der Vorbereitung, was als Aufbauspieler mit vielen neuen Mitspielern besonders problematisch ist, aufholen können wird. Mein Kandidat ist daher ein Spieler, der bereits in der vergangenen Saison nur knapp am All-Star Game vorbei geschlittert ist: Greg Monroe. Rookie Andre Drummond wird vor allem zu Beginn keine Konkurrenz auf Spielanteile werden, allgemein sollte Monroes Verantwortung im Team der Pistons steigen, was Monroe endgültig in die Riege der Elite Big Men der NBA befördern sollte. Stimmt bei Cousins die Einstellung, traue ich ihm eine ähnliche Entwicklung zu.

Pierre Magazin: Meine Wahl fällt hierbei auf Evan Turner. Der junge Flügelspieler der Philadelphia 76ers hat nun in seiner dritten Saison alle Möglichkeiten, endlich seinen Draftslot zu rechtfertigen. Der ehemalige zweite Pick aus dem Jahr 2010 wird primär vom Abgang Andre Iguodalas profitieren, da so für ihn deutlich mehr Möglichkeiten im Spielaufbau, aber auch im Leiten eines Fastbreaks entstehen werden. Hierbei liegen die Stärken Turners und nicht, als “off-the-ball” Guard, den er häufig miemen musste, wenn er zusammen mit Iguodala (und Jrue Holiday) auf dem Feld stand. Die genannten Fähigkeiten machen Turner zu seinem sehr vielseitigen Spieler, der somit als Point Guard auflaufen kann, aber auch die Größe besitzt, gegen Small Forwards seinen Mann zu stehen. Somit wird genügend Spielzeit für ihn, trotz der tiefen Flügelposition der 76ers, zu finden sein. Sollte Turner seinen Wurf verbessern und Verantwortung übernehmen, sehe ich überhaupt keinen Grund, warum er in der kommenden Saison nicht den Durchbruch schaffen sollte.

Jan Karon: Seine Coming Out-Party schmeißen wird Kenneth Faried. Nachdem das “Manimal” bereits in vergangener Spielzeit seine Klasse aufblitzen ließ, wird er sich in diesem Jahr nochmal steigern können. Al Harrington ist abgewandert und auf der Power Forward-Position hat er lediglich Anthony Randolph als Konkurrenten. Ich rechne folgerichtig mit erhöhter Spielzeit, mehr Erfahrung im zweiten Profijahr und einem Faried, der exzellent ins schnelle Spiel der Nuggets passen wird. Als Energiebündel und Energizer wird Faried verteidigen, rebounden, Offensivfouls aufnehmen, den Fastbreak laufen und auch ausreichend scoren können. Wenn er Foulprobleme vermeidet und regelmäßig mehr als 30 Minuten pro Partie spielt, sehe ich 15/10 als durchaus realistische Durchschnittswerte für ihn.

Malte Arndt: Rein von der Situation her sind hier sicherlich Evan Turner und Louis Williams zu nennen. Turner wird als einer von zwei Ballhandlern im Team eine wichtige Rolle spielen, dazu gilt es, den Abgang von Iguodala auszumerzen.  In den letzten beiden Saisonmonaten 2012 fiel sein Mitteldistanzwurf immerhin schon etwas verlässlicher (ca. 43%) – sollte er das konservieren können, hilft es seinem Spiel enorm weiter. Louis Williams ist der einzige potente Scorer im Backcourt der Hawks und wird allein deswegen viele Minuten sehen. Da es zudem etwas Spacings bedarf, um die designierten Go-to-Guys Al Horford und Josh Smith in Szene zu setzen, steigen Williams’ Chancen auf massenweise Spielzeit zusätzlich.
Geht es um eine tatsächliche Verbesserung des eigenen Spiels, erwarte ich von Tristan Thompson einiges. Der Frontcourt der Cavaliers ist hinter Varejao und ihm ein einziges, großes Loch, wodurch er schonmal wenig Konkurrenz zu erwarten hat. Zudem soll er den Sommer über intensiv an seinem Midrange-Game gearbeitet haben, was letztes Jahr noch mehr als roh erschien. Sollte dem tatsächlich so sein, hat man einen begnadeten Offensiv-Rebounder mit etwas Range, der auch defensiv eher früher als später einen Unterschied machen kann und wird.

Danial Haschem: DeMarcus Cousins! Ja, seine Trainer haben es nicht immer leicht mit ihm. Ja, der Ruf als „Headcase“ eilt ihm bereits seit der High School voraus. ABER: Ein solches Talent kommt nicht alle Tage in die NBA. Ein Big Man, der neben ausgereiftem Post Play einen soliden Wurf aus der Mitteldistanz besitzt, seine Mitspieler mit Übersicht und technisch überdurchschnittlichem Passing in Szene setzen und den Ball für seine Größe erstaunlich gut kontrollieren kann, zudem ein hervorragender Rebounder (vor allem offensiv ) ist – klingt gut, oder?
Um sein volles Potential ausschöpfen zu können, benötigt es jedoch noch reichlich mehr. Er muss seine Wurfauswahl verbessern, um einen wirklich positiven Einfluss auf die Offense seiner Mannschaft zu haben. Der größte Kritikpunkt an seiner Spielweise aber ist die Verteidigung. Zu behäbig, zu unkonzentriert und oft auch zu ungeschickt. Dies resultiert in einer erhöhten Foulrate, die in den ersten beiden Jahren seiner noch jungen Karriere nicht mehr als eine durchschnittliche Spielzeit von 29,4 Minuten pro Spiel zuließen.
Sein momentaner Trainer Keith Smart hält große Stücke auf den jungen Big Man und sein Vertrauen wurde im Gegenzug durch einen deutlich fitteren und ehrgeizigeren Cousins bestätigt. Ob dieser Aufwärtstrend anhält, bleibt abzuwarten, zu wünschen wäre es der zuletzt erfolglosen Kings Franchise allemal.

Im hohen Maße enttäuschen wird allerdings …

Pierre Magazin: Schwierige Frage, bei der man sich überhaupt erst einmal vor Augen halten muss, in wen große Erwartungen gesetzt werden, die dieser Spieler höchstwahrscheinlich nicht erfüllen kann. Ich entscheide mich für Jeremy Lin. Lin wurde nach einem fantastischen Lauf mit den New York Knicks von Houstons General Manager Daryl Morey mit einem saftigen Vertrag ausgestattet (25/3), um als Leader eines neuen, jungen Teams der Rockets zu fungieren. Doch wie hoch stehen die Chancen, dass Lin seine Leistungen auch nach Texas übertragen kann? In meinen Augen sehr gering. Betrachtet man noch, welche Probleme der nicht übermäßig athletische Lin in der Verteidigung bekommen wird, und dass er nach eigener Aussage immer noch nicht seine Verletzung aus der Vorsaison vollkommen auskuriert hat, so stellt sich die Frage, ob Houston nicht einen Fehler begangen hat, als man Kyle Lowry und Goran Dragic ziehen ließ, um hohe Erwartungen in Lin zu stecken, die dieser womöglich nicht erfüllen kann. Auch wenn die Preseason als Indikator immer mit Vorsicht genossen werden muss, so sorgen Lins Zahlen (6ppg, 6apg, .250 FG%, 25 min) doch für ein Ausrufezeichen.

Jan Karon: Die Portland Trail Blazers. Es ist schon bemerkenswert, welchen Abstieg die Franchise aus Oregon vorzuweisen hat. Einst als talentiertestes Team der Liga angesehen (damals hatte man mit Greg Oden, LaMarcus Aldridge und Brandon Roy ein Dreigestirn, das sich nicht vor dem der Thunder hätte verstecken müssen), sind die Trail Blazers heute ein Schatten ihrer selbst. Die diesjährige Saison wird dabei der vorläufige Tiefpunkt werden. Die Blazers gehen mit einer Rotation aus Damien Lillard – Wesley Matthews – Nicolas Batum – LaMarcus Aldridge – JJ Hickson – Jarred Jeffries – Meyers Leonard in die Saison, im Backcourt besitzt man nicht ansatzweise Tiefe. Ergänzt wird der Kader von Scrubs und/oder Rookies. In jedem Fall ist das Team viel zu dünn besetzt und wird an den eigenen Ansprüchen scheitern. Verletzt sich einer (oder gar mehrere) der Leistungsträger, sehe ich persönlich schwarz für die sympathische Franchise aus dem Nordwesten.

Malte Arndt: Sicherlich alles eine Frage der Erwartungen, aber grundsätzlich sehe ich bei Darren Collison Bust-Potential. Er verfügt nicht über den Distanzwurf, um den Mavericks bitter benötigtes Spacing zu geben. Zudem mag Kidd defensiv äußerst anfällig und offensiv nur noch eine Passstation mit Set-Dreier gewesen sein, aber er verstand es, seinen Teamkollegen den Ball an ihren Sweetspots zu servieren. Collison hat hier in der Preseason bereits enorme Probleme gezeigt, dazu wurde ihm eine ähnlich wichtige Rolle in Indiana zuletzt nicht mehr zugetraut – wie etliche Set-Plays und die Degradierung zum Bankspieler in den Playoffs zeigen.

Jonathan Walker: Jeremy Lin. Er wurde bereits nach dem unglaublichen, natürlich in gewissem Maße auch nachvollziehbaren, Hype im Frühjahr gnadenlos überschätzt. Das ist keinesfalls sein Fehler, doch die Mehrheit der NBA Fans und vor allem die Fans Houstons  erwarten vermutlich viel mehr von ihm, als er selbst ohne seine Knieverletzung zu leisten im Stande wäre. Kürzlich wurde bekannt, dass das Management weniger an einer Verpflichtung Lins interessiert war als vielmehr die Eigentümerschaft der Rockets. Dies lässt sich wohlmöglich auf die Marketingmöglichkeiten in Asien durch Lin zurückführen, mit denen die Rockets durch die Jahre mit Yao Ming bereits bestens vertraut sind. Lins Image als Heilsbringer beruhte, neben seinen individuellen Leistungen, auch darauf, dass die Knicks unerwartet viele Spiele unter seiner Regie gewannen. Doch die Rockets sind so tief im Rebuild, dass sie heißer Anwärter auf die rote Laterne im Westen sind. Alles andere als gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison von „Linsanity“.

Danial Haschem: Derrick Favors! Zumindest wird das auf diejenigen zutreffen, die in dem 21-Jährigen so etwas wie „the next big thing“ sehen. Im Gegensatz zu seinem Draftkollegen Cousins ist er in der Defensive zwar auf dem besten Weg zur Ligaspitze zu gehören, aber schon die wenigen Eindrücke in der Preseason verdeutlichen seine immerwährenden Defizite in der Offensive. Nach nun dem 3. Sommer in der NBA wird man eine gewisse Entwicklung erwarten dürfen, aber die scheint es bei ihm diesbezüglich gar nicht bzw. kaum zu geben. Schade eigentlich, denn seine athletischen Voraussetzungen sind herausragend und würden ihn in Verbindung mit fortgeschrittenem taktischem Bewusstsein (u.a. im Pick and Roll) durchaus zu einer ernstzunehmenden Option im Angriff machen.
Eben angesprochene Mängel werden ihn vermutlich auch in dieser Saison einen Platz in der Startaufstellung kosten. Generell ist die Situation im Frontcourt der Utah Jazz etwas prekär. Hinter den gesetzten Al Jefferson und Paul Millsap müssen Derrick Favors und der ebenfalls hochveranlagte Enes Kanter auf der Bank Platz nehmen. Das Talent Letzterer wird jedoch erst dann vollends zur Geltung kommen, wenn zumindest einer des gesetzten Tandems Jefferson/Millsap abgegeben wird. Doch auch hier darf diesbezüglich die Frage erlaubt sein, ob nicht viel eher Enes Kanter davon profitieren würde, der sich rein körperlich in der Form seines Lebens befindet und vor allem in der Offensive ein deutlich reiferer Spieler ist als Favors. Man darf gespannt sein, was die Jazz hier vorhaben und auf wen sie setzen. Sie  werden sich vor allem fragen müssen, ob Derrick Favors jemals den nächsten Sprung macht, aufgrund seiner bisherigen Trainingscamp-Resultate darf dies aber angezweifelt werden.

Welche Franchise wird für die größte Überraschung sorgen?

Jonathan Walker: Über das größte Potential zu überraschen verfügen zweifellos die Golden State Warriors. Sollten sie gesund sein, was angesichts der Verletzungshistorie der Säulen des Teams, Bogut und Curry, leider sehr fraglich ist, könnten die Warriors ein ernstes Wörtchen in den Playoffs mitreden. In der Mitte Bogut als Anker, daneben mit Lee ein 20/10-Mann, geführt von einem dynamischen Curry, der zusammen mit Thompson, Jefferson und Rush von außen die Lichter ausschießt. Rookie Barnes passt auf der drei ebenfalls gut ins Bild. Die Bank wird von Landry, Jack und Biedrins abgerundet. Offense, Defense, Tiefe vorhanden. Ein durchaus homogener Kader, der um Heimrecht in den Playoffs mitspielen könnte… wenn alle Leistungsträger fit bleiben. Wenn nicht, folgt ein weiteres Jahr im Mittelmaß.

Pierre Magazin: Komplett unter dem Radar fliegen meiner Meinung nach die Milwaukee Bucks. Heimlich, still und leise haben diese nämlich ihre Schwächen der Vorsaison ausgebügelt und viele brauchbare Spieler in ihrem Front-Court angehäuft. Im Mittelpunkt steht hierbei sicherlich die Verpflichtung von Center Samuel Dalembert, der dem Team die benötigte “weak-side defense” bringen kann. Er ist dazu in der Lage, den Korb zu beschützen und die nötigen Rebounds einzusammeln. Diese Elemente fehlten dem Team in der vergangenen Spielzeit, in der vor allem Drew Gooden auf der Fünf spielen musste. Zu Dalembert gesellen sich im Frontcourt unter anderem Ersan Ilyasova, der Rookie John Henson, aber auch solide Rollenspieler wie Ekpe Udoh und Larry Sanders. Paart man diese Kombination noch mit Allround-Verteidiger Luc Richard Mbah A Moute, so kann man hierbei durchaus von einer, in seiner Tiefe überdurschnittlichen Rotation sprechen. Mit Monta Ellis und Brandon Jennings kommen nun allerdings zwei Faktoren ins Spiel, die dieses Team so gefährlich machen können. Beide sind gestandenen Scorer in der Liga und habe beide die Fähigkeit für 30 Punkte an einem Abend zu sorgen. Dazu kommt, dass sich beide Spieler in einem Vertragsjahr befinden, welches traditionell für mehr Motivation sorgt. Mit Beno Udrih und dem grundsoliden Mike Dunleavy wird dieser Teil des Teams perfekt abgerundet. Das Team, welches also von nationalen Medien sehr wenig Beachtung findet, wird in meinen Augen überraschen und sicher in die Playoffs einziehen.

Jan Karon: Ich würde wirklich auf die Golden State-Warriors tippen, wenngleich mit dem Zusatz, dass jeglicher Erfolg der Warriors von der Gesundheit ihrer Leistungsträger abhängen wird. Bleiben Curry, Bogut und Co. fit, haben die Warriors eine verdammt schlagfertige Truppe, die vorallem tief ist. Neben den angesprochenen Curry und Bogut, sind ebenfalls der vor dem Durchbruch stehende Klay Thompson, David Lee, Jarret Jack, Richard Jefferson, Carl Landry, Harrison Barnes und Brandon Rush im Kader und bieten den Warriors viele Varianten, sich auf Match-Ups einzustellen. Wenn – wie gesagt, wenn – der Kader fit bleibt und sich einspielen kann, hat man einen unangenehmen Playoff-Gegner vor sich.

Malte Arndt: Den schon vorher angesprochenen Golden State Warriors traue ich zu, eine besonders starke Saison zu spielen – unter der Prämisse der Verletzungsfreiheit von Curry und Bogut. Ansonsten habe ich noch die Atlanta Hawks auf der Rechnung – heimlich, still und leise hat man sich den eigentlich untradebaren Vertrag von Joe Johnson vom Hals geschafft, das Team ganz klar in die Hände von Josh Smith und Al Horford (einer der effektivsten Akteure der Liga) gelegt und um sie herum einige gute Spieler angesammelt. Jeff Teague sollte nun als Aufbau starten, sorgt zusammen mit Lou Williams und Kyle Korver aber auch für das benötigte Spacing, um Smith und Horford den Raum zu geben, den sie offensiv unterm Korb brauchen. In dem Zusammenhang sind sicherlich auch noch Anthony Morrow oder DeShawn Stevenson zu nennen. Rookie John Jenkins ebenfalls, wenn er die Rotation knacken sollte. Devin Harris ist ein grundsolider Point Guard und hat schon bei den Nets (damals aber unter anderen Vorzeichen) den Osten komplett aufgemischt. Zaza Pachulia ist ein guter Backup auf den großen Positionen, dazu hat man dort mit Ivan Johnson noch einen defensiv orientierten Center in der Hinterhand. Alles in allem ein tiefes und intelligent zusammengestelltes Team, das bei optimalem Verlauf bis auf den ca. fünften Rang im Osten nach vorne kommen könnte.

Danial Haschem: Die selbe Franchise, der in der vergangenen Saison wohl der größte Transfer-Coup gelungen ist: Der schießwütige Monta Ellis, der zudem nicht im Geringsten an der Seite des zukünftigen Leistungsträgers und Franchise-Säule Stephen Curry passt wurde für den dringend benötigten defensivstarken Big Man Andrew Bogut abgegeben. Somit wären die wichtigsten Planstellen eines jeden Teams, die Position des Point Guards und die des Centers, auf Jahre hin hervorragend besetzt. Zieht man dann noch den im Draft erworbenen Harrison Barnes und den in der Vorsaison auf sich aufmerksam machenden Klay Thompson hinzu, wird einem bewusst wie viel Potential in dieser Mannschaft steckt.  Doch auch hier gibt es einige Fragezeichen, angefangen bei der Gesundheit ihrer wichtigsten Spieler. Andrew Bogut und Stephen Curry absolvierten in der letzten Saison zusammen gerade einmal 38 Spiele und bei Stephen Curry scheint es ein chronisches Problem mit seinem Knöchel zu geben, dass ihn im schlimmsten Fall daran hindern könnte an seinem immensen Potential zu kratzen.
Sollten sich die Verletzungssorgen jedoch in Wohlgefallen auflösen, dann wird definitiv mit den Warriors zu rechnen sein. Die emotionalen Fans dürften an dem Gesamtprodukt dann auch ihre Freude haben.

In der 67. Ausgabe der NBA Finals werden sich 2013 folgende zwei Teams gegenüberstehen:

Jonathan Walker: Bis zum Trade für Dwight Howard sah ich eine Wiederholung der Finals 2012 als gesetzt. Die Celtics können die Heat im Osten nicht entthronen, doch Howard sowie Nash im Verbund mit Bryant, Gasol und auch World Peace (ja, wirklich) könnte den Thunder mehr als nur gefährlich werden. Die alten Lakers hatten den Thunder im Endeffekt nicht mehr viel entgegenzusetzen – und diese Entwicklung hätte sich in den kommenden Playoffs nur noch fortgesetzt. Howard ist immer noch eine andere Hausnummer als Bynum, vom Unterschied zwischen Nash und Sessions einmal ganz zu schweigen. Auch wenn sie mit Sicherheit Startschwierigkeit haben werden: Offensiv wie Defensiv könnten diese Lakers auf einem ganz anderen Level agieren – einem höherem als die Thunder – weswegen ich sie letztendlich als heißesten Kandidat auf die Krone im Westen sehe.

Pierre Magazin: Selten war es wohl so schwierig diese Frage zu beantworten wie in dieser Saison. Man kann bedenkenlos das Starensemble aus Los Angeles hier nennen, selbst den San Antonio Spurs würde ich diesen Erfolg zutrauen. Der Champion der Western Conference wird aber in meinen Augen Oklahoma City Thunder heißen. Die verheerende Finalsniederlge aus der Vorsaison wird die Spieler noch mehr antreiben und die gewonnene Erfahrung ist unbezahlbar. Das Team ist jung, athletisch und tief genug um es in einer Playoffserie mit den Los Angeles Lakers aufzunehmen, die zwar vier All-Stars im Team verbünden konnten, allerdings vor vielen Fragezeichen stehen (Teamchemie, Alter, Verletzungsanfälligkeit, Tiefe). Das Alter ist der Grund, warum ich bei den Lakers ähnliche Probleme wie bei San Antonio aus der verganenen Saison sehe, die Oklahoma zwar zuerst auch dominieren konnten, am Ende aber keine Energie mehr hatten, um sie in sieben Spielen zu besiegen. Für San Antonio sehe ich einzig und allein eine Chance, wenn es Los Angeles schaffen würde, Oklahoma City aus den Playoffs zu werfen.
Im Osten scheint es zumindest im Zusammenhang mit den Auswahlmöglichkeiten einfacher zu sein, eine Entscheidung zu treffen. Chancen attestiere ich lediglich den Miami Heat und den Boston Celtics. Die Celtics haben ihren Kader nach dem Abgang von Ray Allen unglaublich gut verstärkt, sowohl auf dem Flügel und in der Zone deutlich nachgerüstet und damit das Problem der mangelnden Tiefe aus der Vorsaison behoben. Mit Courtney Lee kommt endlich ein Flügelverteidiger (für D. Wade) ins Team, der dazu noch einen guten Wurf besitzt, während Avery Bradley bis zu den Playoffs ebenfalls wieder auf dem Platz stehen sollte. Jason Terry wird Allen mehr als nur ersetzen und Leandro Barbosa wird für “instant offense” von der Bank sorgen können, Jeff Green bringt Athletik. Sollte man auf Bynum in den Playoffs treffen, stehen Jason Collins und Darko Milicic bereit. Das Herz und die Seele des Teams Kevin Garnett bleibt erhalten. Betrachtet man nun, dass es Boston in der jüngeren Vergangenheit geschafft hat mit Miami (und LeBron James) mitzuhalten, die wichtigen Stützen des Teams gehalten wurden und man sich klug in der Tiefe verstärkt hat (und im Terry-Allen Vergleich sogar verbessert), so tippe ich auf die dritte Finals-Teilnahme der Celtics seit dem Garnett Trade.

Jan Karon: Die Miami Heat und Los Angeles Lakers, die zwei derzeit besten Teams in der Liga. Wobei die Lakers deutlich größere Schwierigkeiten haben werden, sich gegen die Thunder durchzusetzen als die Heat gegen den Rest des Ostens.

Malte Arndt: Am wahrscheinlichsten ist sicherlich eine Neuauflage der Finals 2012. Ich persönlich tippe aber mal mit Fanbrille darauf, dass der Osten von den Celtics vertreten wird. Das Team ist deutlich tiefer als zuletzt, wo man lediglich 12 Minuten von den Finals entfernt war. Man kann jetzt unterschiedlichere Lineups laufen, um Miami als vermeintlichem Hauptkonkurrenten das Leben so schwer wie möglich zu machen und Mismatches auf verschiedenen Positionen zu erzeugen. Sicherlich ist Boston eher Außenseiter, aber ich sehe durchaus Chancen. Im Westen begrüße ich alles, solange es nicht die Lakers sind.

Danial Haschem: Im Osten führt meiner Ansicht nach kein Weg an den Heat vorbei. Der amtierende Meister, der vom besten Spieler der Liga angeführt wird, hat sich im Sommer die Dienste von Ray Allen und Rashard Lewis gesichert. Mit diesen Verpflichtungen baut man in Miami auf die in den vergangenen Playoffs gewonnene Erkenntnis, dass man keinen traditionellen Center braucht um Erfolg zu haben. Die Finals haben bewiesen, dass Lebron James als Postpräsenz in der Lage ist, das Spiel aufzuziehen und seine Mitspieler zu bedienen. Seine Vielseitigkeit ist ein Grund dafür, dass Trainer Erik Spoelstra inzwischen das Ideal vom “position-less” Basketball als Zielvorgabe für die Spielweise seines Teams nennt. Bleiben die wichtigen Spieler von Verletzungen verschont, sehe ich keine Mannschaft in der Eastern Confrence, die den Heat gefährlich werden kann.
Im Westen werden die Thunder und die Lakers das Rennen unter sich ausmachen. Zu viel Talent, zu viel Ehrgeiz ist hier vorhanden. In Bezug auf den Hauptkonkurrenten im Osten lässt sich übrigens eine interessante Dreierkonstellation gestalten. Während die Thunder in den Finals Probleme mit der dynamischen Spielweise der Heat hatten und potentielle Vorteile aufgrund einer fehlenden Postpräsenz nicht auszunutzen wussten, stellen die Lakers um Dwight Howard und Pau Gasol diesbezüglich ein schwierigeres Hindernis für das Team aus Miami dar. Die Lakers müssten ihrerseits aber erstmal die Thunder überwinden, die mit Russell Westbrook und Kevin Durant noch immer Spieler in ihren Reihen haben, die ihnen Probleme bereiten können.
Wenn ich mich jetzt aber für eine Finalpaarung entscheiden müsste, würde ich wohl auf Miami Heat – Los Angeles Lakers tippen….und was wären das bitte für spektakuläre Finals?

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