Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors

NBA Finals 2016: Game 4

Rebounding und Lineup-Management

Nachdem die Golden State Warriors in Spiel 3 eine deutliche Niederlage hinnehmen musste, war eine starke Antwort der Warriors zu erwarten. Lange konnten die Cavaliers das Spiel dennoch ausgeglichen gestalten. Nach einem kurzen Run zum Ende des zweiten Viertels konnten sie sogar mit einer Fünf-Punkte-Führung in die Pause gehen. Dennoch setzten sich die Golden State Warriors am Ende durch und haben nun die Chance, die Serie am Montag im Oracle zu beenden. Was haben die Warriors nach der deutlichen Niederlage verändert?

Rebounding

Auffällig war, dass die Cavaliers in der ersten Halbzeit wie schon in Spiel 3 die Bretter dominieren konnten.  Selbst am gegnerischen Brett holten die Cavaliers fast jeden zweiten Appraller. Zehn Offensivrebounds der Cavaliers standen zur Halbzeit 13 Defensivrebounds der Warriors gegenüber. Durch die vielen zweiten Chancen schafften es die Cavaliers, alleine in der ersten Halbzeit, 17 Extrapunkte zu erzielen. Obwohl die Warriors auch in der zweiten Hälfte über weite Strecken weiter klein blieben, schafften sie es nach der Pause die zweiten Chancen der Cavaliers zu minimieren (6 ORebs Cleveland, 16 DRebs Golden State). Stattdessen kamen sie nun sogar selber immer wieder zu zweiten Chancen. Größtenteils war dies, aber auch dem schwachen Boxout-Verhalten der Cavaliers geschuldet.

Rebounding

Oft konnten auch die Guards und Wings wie Curry, Barnes (jeweils 3 ORebs) und Iguodala (2 ORebs) immer wieder ungestört in die Zone laufen und am offensiven Brett Rebounds einsammeln. Wie in dieser Szene, wo kein Spieler der Cavaliers seinen Körper gegen Iguodala stellt und dieser ungehindert zum Rebound hochspringen kann und danach Barnes in der Ecke zum offenen Dreier findet. Hinzu kommt auch noch der Kurzeinsatz von Anderson Varejao, welcher in vier Minuten ebenfalls drei Offensivrebounds einsammeln konnte.

Offensive Adjustments für Thompson und Curry

Wie schon in den ersten drei Spielen, verteidigten die Cavaliers Ballscreens auch in diesem Spiel mit einer Mischung aus zum Teil harten Hedges gegen Curry und Thompson und vielen simplen Switches. Oberste Devise bleibt, den beiden Backcourt-Spielern der Warriors keine offenen Würfe zu geben und lieber die Rollenspieler zu zwingen, als Scorer in Erscheinung treten zu müssen.

Cavs_Hedge_1Oft jedoch hatten die Cavaliers Probleme beim Recovern. Bezeichnend ist diese Situation gleich in der ersten Possession des Spiels. Nachdem Irving und James zunächst Curry gut unter Druck setzen, macht James keine Anstalten zu Bogut zurück zu recovern. Da Smith durch Thompson am Perimeter gebunden ist, müssen Jefferson und Thompson zu zweit drei Spieler verteidigen. Jefferson muss den Closeout zu Barnes laufen, Thompson sieht sich im Falle eines Fehlwurfes gleich zwei Gegenspielern, nämlich Bogut und Green gegenüber. Ohne ein Recovern des hedgenden Spielers ist es nahezu unmöglich diese Situation erfolgreich zu verteidigen.

Cavs_Hedge_2

Trotz einiger Kommunikationsprobleme auf Seiten der Cavaliers war die Defensivtaktik in den ersten drei Spielen, vorallem in Spiel 3 durchaus aufgegangen. Curry und Thompson performten deutlich unter ihren Möglichkeiten und verursachten aufgrund des Druckes viele Turnover. Curry verursachte über die ersten drei Spiele im Schnitt fünf Turnover und hatte große Probleme mit dem Druck der Cavaliers umzugehen. Doch mittlerweile haben die Warriors bessere Wege gefunden, um dem Druck zu entweichen und die Defensivtaktik der Cavaliers zu umgehen.
In dieser beispielhaften Situation entweicht Curry dem Druck des Hedges, in dem er nicht über den Screen geht, sondern sich dazu entscheidet, vom Screen wegzudribbeln. Shumpert befindet sich in schlechter Position um den möglichen Drive zu verteidigen und versucht überhastet zurück ins Play, also vor Curry, zu kommen. Dadurch verliert er etwas seine Balance und Curry kann den Stepback-Dreier nehmen und treffen.Druck

Ebenfalls vermehrt zu sehen waren Pick&Rolls mit Klay Thompson als Blocksteller. Diese hatten den Vorteil, dass es für die Cavaliers deutlich schwieriger wurde zu doppeln. Versuchten sie es dennoch, so ergab sich wie in dieser Szene oft ein weit offener Wurf für Klay Thompson.

Curry-Klay

Ohne eine wirkliche Idee, wie auf das Curry-Thompson-Pick&Roll reagiert werden sollte, kam es dann dabei auch häufig zu Verständigungsproblemen in Clevelands Defensive. In dieser Sequenz will Irving switchen, Smith bleibt aber ebenfalls an Thompson dran, wodurch die Cavaliers einen weiteren offenen Dreier für einen der Splash Brothers, diesmal für Curry zulassen.Curry_Klay

Lineup-Management

Das Lineup-Management von Steve Kerr ist weiterhin darauf ausgelegt, in der Defensive so beweglich und flexibel wie möglich zu bleiben. Mo Speights ist komplett aus der Rotation gefallen, Festus Ezeli stand ebenfalls nur eine Minute auf dem Feld. Andrew Bogut startet zwar noch, hat in Spiel 4 aber auch nur 10 Minuten auf dem Feld gestanden. Stattdessen sehen Spieler wie McAdoo und Varejao, welche beweglich sind und auch mal kleinere Gegenspieler vor sich halten können, Rotationsminuten. Zusätzlich spielten die Warriors in Spiel 4 auch sehr viel klein. Die als Death-Lineup gefürchtete Lineup aus Curry, Thompson, Iguodala, Barnes und Green stand mit 17 Minuten länger gemeinsam auf dem Feld, als in den drei Spielen davor zusammen (12 min). Hinzu kamen weitere fünf Minuten derselben Lineup mit Livingston statt Curry auf dem Feld.

Zeit für Adjustments

Bis auf die Maßnahme, Richard Jefferson in der Starting Five zu behalten und dadurch etwas mehr defensive Flexibilität als mit Love zu haben, hat der Coaching Staff von Tyronn Lue bisher kaum nennenswerte Veränderungen im Laufe der Serie durchgeführt. Die Warriors haben sich mittlerweile auf die Verteidigung der Cavaliers eingestellt und wissen, wie sie dem Druck entweichen können. Wollen die Cavaliers noch einmal einen Umschwung schaffen, dann müssen radikalere Veränderungen im Gameplan her. Die Warriors sind agil, schnell und sehr beweglich und können auch bei gegnerischen kleinen Lineups mit gutem Spacing noch viel und schnell aushelfen. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, wieder mehr auf den Bigball des vergangenen Jahres zu setzen: Mozgov wieder vermehrt zu bringen und versuchen die Bretter zu dominieren. Auch Kevin Love könnte, vor allem wenn die Warriors klein gehen, mehr Touches im Post bekommen und dort Barnes noch stärker unter Druck setzen. Die Thunder haben gegen die Warriors gezeigt, dass diese durchaus Probleme mit Länge haben können. Viel zu verlieren haben die Cavaliers jetzt ohnehin nicht mehr.

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