Gedanken, Los Angeles Clippers, Playoffs2012, San Antonio Spurs

Vorschau: Spurs-Clippers

Rund eine Woche lang mussten die San Antonio Spurs warten, bis klar war, dass es in der zweiten Runde der Playoffs nicht zum erneuten Aufeinandertreffen mit den Memphis Grizzlies kommen würde, sondern dass es nun vielmehr gegen die Los Angeles Clippers geht. Während die Spurs ohne Probleme ihren Erstrundengegner aus Utah mit 4-0 überrollten, musste das Team aus Los Angeles gegen Memphis bis zum Ende von Spiel 7 zittern. Mögen die Wege in die zweite Runde auch unterschiedlich gewesen sein, so beginnt (drei Euro ins Phrasenschwein) die Serie natürlich wieder bei Null, und beide Klubs können sich durchaus berechtigte Hoffnungen machen, am Ende als Sieger daraus hervorzugehen.

Hier nun einige Gedanken zum Western-Conference-Semifinale zwischen den Spurs und den Clippers:

Kann eine Ruhepause auch schlecht sein?

Auf der einen Seite war es für die Texaner zweifelsohne angenehm, nach der Serie gegen die Jazz einige Tage zur Regeneration und für die eine oder andere Trainingseinheit zu haben. Andererseits jedoch besteht die Gefahr, dass die Spurs etwas eingerostet ins erste Spiel gehen könnten. Und ob es für eine Mannschaft, die in den letzten Monaten einen unglaublichen Lauf hingelegt hat und derzeit auf eine (in die reguläre Saison zurückreichende) Siegesserie von 14 Spielen zurückblicken kann, wirklich gut ist, so aus dem Rhythmus gerissen zu werden, ist zumindest fraglich.

Die Clippers wiederum fahren zwar mit dem guten Gefühl nach San Antonio, Spiel 7 auswärts für sich entschieden und überhaupt erst zum dritten Mal in der Geschichte der Franchise eine Playoffserie gewonnen zu haben – auf der anderen Seite jedoch ist die Regenerations- und Vorbereitungszeit reichlich kurz. In diesem Zusammenhang darf man auch nicht vergessen, dass mit Chris Paul, Blake Griffin und Caron Butler drei der wichtigsten Spieler der Kalifornier angeschlagen sind.

Welcher Point Guard mit “P” setzt sich durch?

Als NBA-Fan darf man sich auf das Duell zwischen Chris Paul und Tony Parker freuen. Beide gehören auf ihrer Position zu den besten Spielern der Liga, was auch ein Blick auf die erst kürzlich veröffentlichen Ergebnisse der MVP-Wahl zeigt: Paul wurde Dritter mit 385 Punkten, Parker belegte mit 331 Punkten den fünften Platz.

Welcher dieser beiden spektakulären und herausragenden Spieler kann das direkte Duell für sich entscheiden? Beide werden defensiv ihre liebe Mühe haben, den jeweils anderen zu verteidigen, und “nebenher” sollen sie ja auch noch das Offensivspiel ihrer Teams lenken. Wird es vielleicht auch so kommen, dass einer der beiden sich zu sehr darauf konzentriert, den anderen zu übertrumpfen, und darüber ein wenig vergisst, dass es letztlich darum geht, welche Mannschaft am Ende gewinnt? Zumindest Tony Parker schien in der Vergangenheit das Duell gegen den besten PG der Liga manchmal allzu persönlich zu nehmen und dann mental zu verkrampfen.

Wer hat die bessere Bank?

Die Bank der Spurs gilt als die wohl tiefste der Liga. Spieler wie Green (wenn man Ginobili als den “wahren” Starter betrachtet), Neal, Splitter und Bonner sorgen auf verschiedene Weise für Entlastung, und mit Stephen Jackson und Boris Diaw hat man die Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte noch einmal signifikant verstärkt. Dennoch bleibt die Frage, ob junge bzw. wenig erfahrene Spieler wie Green, Leonard und Neal auch in schwierigen Auswärtsspielen oder in einem möglichen siebten Spiel ihre Leistung bringen können. Und kann Matt Bonner endlich auch einmal in den Playoffs konstant seine Dreier treffen?

Die Clippers auf der anderen Seite konnten sich in Spiel 7 gegen Memphis am Ende bei ihrer Bank bedanken, denn die sorgte nicht nur für dringend benötigte Punkte (41 insgesamt im ganzen Spiel), sondern in Gestalt von Kenyon Martin und Reggie Evans auch für Defensive und Rebounding. Können die Ersatz- und Ergänzungsspieler von Los Angeles (also neben den bereits erwähnten Leute wie Mo Williams, Eric Bledsoe und Nick Young) auch gegen die Spurs konstant etwas beisteuern?

Wer kontrolliert das Tempo?

Die Spurs bevorzugen im Gegensatz zu früheren Jahren aktuell ein höheres Spieltempo (in der regulären Saison war es das siebtschnellste), hoffen auf Transition-Punkte und darauf, dass Guards wie Ginobili und v.a. Parker ihre Schnelligkeit ausspielen können. Die Clippers dagegen lieben eindeutig eine langsamere Art von Basketball (in der regulären Saison lagen sie in Sachen Spieltempo auf Platz 18). Etwas überspitzt kann man hier von zwei unterschiedlichen Spielphilosophien sprechen, und wer es am Ende schaffen wird, dem anderen seine Philosophie aufzudrücken, der hat einen wichtigen Vorteil in der Serie errungen (zu diesem Aspekt ließen sich vielleicht auch einige interessante Querverbindungen zur Philosophiegeschichte finden, aber das gehört nicht hierher).

Wer verteidigt den Dreier besser (oder weniger schlecht)?

Die Perimeter-Defense und speziell das Verteidigen von Distanzwürfen gehört nicht gerade zu den Paradedisziplinen beider Mannschaften. In der regulären Saison ließen die Clippers eine gegnerische Dreierquote von 36,5% zu (ligaweit Platz 27), und die Spurs waren mit 35,3% (Platz 19) auch nicht wesentlich besser. Beide hatten es in der ersten Runde der Playoffs allerdings mit Gegnern zu tun, die grausam schlecht sind, was den Wurf von Downtown angeht.

Nun mag diese Statistik auf den ersten Blick eher für San Antonio sprechen, denn die waren in der Saison mit 39,3% Trefferquote das beste Team der Liga von jenseits der Dreierlinie. In der Serie gegen Utah trafen sie sogar 40,7% ihrer Dreier. Aber auch die Clippers haben mit Spielern wie Williams, Paul, Butler oder Randy Foye durchaus Akteure in ihren Reihen, die jederzeit von draußen heißlaufen können (was beispielsweise Nick Young im vierten Viertel von Spiel 7 gegen Memphis bewies).

 And the winner will be …

Wer aber wird die Serie am Ende nun gewinnen? Ein möglicherweise wichtiger Vorteil für San Antonio wurde bislang nicht genannt, nämlich der Faktor Erfahrung. Dieser spricht eindeutig für die Spurs, gerade auch was die beiden Trainer angeht. Mein Tipp (da ist freilich durchaus Wunschdenken mit dabei) lautet jedenfalls: Die Spurs gewinnen die Serie gegen die Clippers in fünf, maximal sechs Spielen.

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2 comments

  1. Alexander Aust

    Hey Leute, was haltet ihr bis jetzt von der Serie?
    Glaubt ihr die Clippers können nochmal zurück schlagen? Paul scheint nicht der selbe zu sein wie in der Bären-Serie. Seine Verletzung macht ihm wohl mehr zu schaffen als er behauptet. Das Spiel der Schiffchen fällt und steht ja mit ihm. Sieht also ziemlich düster aus für LAC.
    Ihr habt ja auf maximal 6 Spiele getippt. Fühlt ihr euch bis jetzt bestätigt oder wird es aus jetziger Sicht eventuell sogar ein Sweep?

  2. twinpeaks

    |Author

    Hey Leute, was haltet ihr bis jetzt von der Serie?
    Glaubt ihr die Clippers können nochmal zurück schlagen? Paul scheint nicht der selbe zu sein wie in der Bären-Serie. Seine Verletzung macht ihm wohl mehr zu schaffen als er behauptet. Das Spiel der Schiffchen fällt und steht ja mit ihm. Sieht also ziemlich düster aus für LAC.
    Ihr habt ja auf maximal 6 Spiele getippt. Fühlt ihr euch bis jetzt bestätigt oder wird es aus jetziger Sicht eventuell sogar ein Sweep?

    Im Normalfall ist Chris Paul ja gut genug, um sein Team zu einem oder zwei Siegen gegen so ziemlich jeden Gegner zu führen (siehe Playoffs letztes Jahr). Aber er ist wohl diesmal einfach nicht fit genug. Gut möglich, dass das nächste Spiel über Sweep oder 2-2 entscheidet.


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