Oklahoma City Thunder

Die Odyssee des Russell Westbrook

Vor einem Monat war es so weit: Russell Westbrook verlängerte seinen Vertrag in Oklahoma City vorzeitig um weitere fünf Jahre, was dem jungen Guard der Thunder während der Vertragslaufzeit ca. 80 Millionen US-Dollar einbringen wird. Kurze Zeit nach Bekanntgabe der Vertragsverlängerung kam es bereits zu Diskussionen, ob der General Manager der Thunder, Sam Presti, nicht möglicherweise einen Fehler begangen hat, Westbrook für dermaßen viel Geld langfristig an die Franchise zu binden. Dazu ist zu sagen, dass den Thunder kaum etwas anderes übrig blieb als Westbrooks Vertrag zu den genannten Konditionen zu verlängern. Denn mit der Extension schuf Presti zum einen Planungssicherheit für die Franchise, zum anderen würgte er damit jede Diskussion um den vertraglichen Status von Russell Westbrook im vornhinein  ab, welche im Ausbleiben einer Vertragsverlängerung in den Playoffs für einige Unruhe hätte sorgen können. Außerdem signalisierte das Frontoffice den eigenen Spielern sowie der Basketballwelt, dass die Franchise gewillt ist, für den Erfolg Geld in die Hand nehmen zu wollen.

Westbrooks Vertrag ist also aus nachvollziehbaren Gründen verlängert worden. Nun stellt sich die Frage, welche Qualitäten er den Thunder auf- und abseits des Felds bieten kann.

Hate it or love it

Wenn man eine Umfrage starten würde, welcher Spieler in den letztjährigen Playoffs die meiste Kritik einstecken musste, würde nicht selten der Name Russell Westbrook fallen (LeBron James mal außen vor). Denn der aufstrebende Star der Oklahoma City Thunder gehört schon seit geraumer Zeit zu den polarisierendsten Spielern überhaupt. Warum Russell Westbrook von Seiten der Basketballfans – überspitzt formuliert – entweder geliebt oder  gehasst wird, lässt sich eigentlich leicht erklären.

Zum einen verkörpert Russell Westbrook alles andere als das typische Point Guard-Ideal: Spieler wie Rajon Rondo, Steve Nash, Chris Paul oder Deron Williams zählen zu den sogenannten “Floor-Generals”, was bedeutet, dass sie ihre Stärken darin haben, ein Team zu steuern, das Tempo spielflussgerecht zu dosieren, ihre Mitspieler in sogenannten “Sweet Spots” zu erreichen oder, falls dies nicht möglich ist, andere vielversprechende Lösungen zu finden. Ein wichtiger Grund, warum diese Spielertypen so populär sind, liegt in der Geschichte der NBA. Zuerst war es Bob Cousy, der mit seinen Playmaking-Fähigkeiten das Spiel der Celtics dominierte und sie bereits zur damaligen Zeit spektakulär zum Erfolg führte. Später folgten Magic Johnson oder John Stockton, die die Angriffe ihrer Teams entweder mit einer atemberaubenden Präzision oder mit technischer Finesse lenkten. Russell Westbrook kann dies alles nicht oder besser ausgedrückt: Er kann es nicht so gut wie die bereits genannten Nashs, Pauls, Rondos oder Williams dieser Welt. Und diese geringere Qualität in Bezug auf das Playmaking (gerade auch in kritischen Situationen) im Vergleich zum elitären Kreis der Point Guards mit “klassischen” Qualitäten führte bis heute immer wieder zu Kritik. Die Medienwelt sparte nicht mit Vorwürfen: Russell Westbrook sei zu egoistisch. Kevin Durant bekäme zu selten den Ball. Außerdem sei er zu sehr auf sich selbst fokussiert und blende aus, was das Beste für das Team sei. Die Berichterstattung weitete diese Kritik an der Spielweise von Westbrook dann noch insofern weiter aus, als dass Kevin Durant der Hauptverantwortliche für Siege, Russell Westbrook hingegen häufig als der Hauptverantwortliche für Niederlagen dargestellt wurde.

Symptomatisch für den negativen Umgang selbst mit positiven Leistungen von Russell Westbrook sind beispielsweise die Aussagen von ESPN-Mann Skip Bayless über Westbrooks beeindruckende Performance im Overtime-Sieg gegen die Denver Nuggets vom letzten Sonntag (40 Punkte, 16/29 FGs, 9 Assists, 2 Ballverluste) an der Seite von Kevin Durant (51 Punkte, 19/28 FGs, 8 Rebounds, 3 Assists, 4 Steals). Dort sagte Bayless, dass es nicht sein könne, dass Westbrook in einem Spiel, in welchem Durant dermaßen heiß war, einen Wurf mehr nimmt als der Franchiseplayer der Thunder. Bayless begeht hier den Fehler, dass die Wurfanzahl nicht zweifelsfrei auflösen kann, ob jemand den Abschluss mehr forciert als ein anderer Spieler. Schließlich kann ein eigener Abschluss auch durch gezogene Freiwürfe oder begangene Turnover herbeigeführt werden. Wenn man die Abschlüsse der Spieler normiert und mit der Anzahl der Ballbesitze des Teams ins Verhältnis setzt, stellt man nämlich fest, dass Kevin Durant im Spiel gegen die Nuggets 36.2% der Ballbesitze abschloss, Westbrook jedoch “nur” 33.4% trotz des einen mehr genommenen Wurfes. Damit stimmt die Aussage von Bayless bereits inhaltlich nicht. Aber selbst wenn es anders wäre: Außer Durant und Westbrook gelang am Sonntag keinem Spieler irgendetwas trotz einiger gut herausgespielten Wurfpositionen. Somit waren die Thunder auf  den offensiven Output beider Stars angewiesen. Die Nuggets fanden dagegen kein Mittel. Wo soll also das Problem sein?

Zum anderen ist der Punkt der, dass Vorbehalte bezüglich seines Spielstils regelmäßig mit Kritik an seiner Persönlichkeit vermischt werden. So werden immer wieder Probleme oder Streitigkeiten zwischen Kevin Durant und Russell Westbrook vermutet. Die Protagonisten selbst wollen davon nichts wissen und streiten jeglichen Zwist kategorisch ab. An sich erübrigt sich jede weitere Diskussion über das Thema, wenn man beide auf dem Spielfeld beobachtet. Sie treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen und loben sich in Interviews. Kevin Durant sagte nach der gewonnenen Partie gegen die Nuggets beispielsweise, dass es Westbrook gewesen sei, der das Team in der Overtime getragen hat. Als Serge Ibaka kurz vor Schluss seinen elften Wurf geblockt hatte, wies dagegen Westbrook Ibaka mit einer wilden Geste an, den Ball schnell zu Kevin Durant zu passen, damit dieser das Spiel an der Freiwurflinie closen und sein erstes Spiel mit 50 Punkten einfahren kann. Würde Russell in dieser Form reagieren, wenn Missgunst und Streit zwischen beiden Spielern herrschen würde?

Unbestreitbar bleibt, dass Russell Westbrook ein sehr emotionaler Spieler ist. Für Russell selbst und seinen Mitspielern ist dieser Umstand Segen und Fluch zugleich. Ist Westbrook gut drauf, elektrisiert er durch seine explosive Spielweise und sein selbstbewusstes Auftreten sich selbst und seine Mitspieler. Auf der anderen Seite lässt sich Westbrook von misslungenen Aktionen zu sehr beeinflussen. Plötzlich sieht man dann einen Spieler, der den Frust offen zur Schau stellt, etwa den Kopf hängen lässt, nicht mehr motiviert in die Defensive zurückgeht oder in der Offensive das (Un-)Glück erzwingen möchte. Negativ zu beurteilen ist sicherlich ebenso der Hang von Westbrook, aus dem Duell “Team vs. Gegner” ein Duell “Westbrook vs. gegnerischer Point Guard” zu machen. Denn nicht selten ist Westbrook dermaßen motiviert, seinen direkten Gegenspieler dominieren zu wollen, dass für einen Außenstehenden der Eindruck entsteht, dass Westbrook das persönliche Matchup mit dem Gegenspieler wichtiger sei als der Erfolg des Teams. Diese Interpretation schlägt jedoch deswegen fehl, weil Westbrook nichts wichtiger ist als der Erfolg des Teams. Um das zu erkennen, braucht man ihn nur bei Niederlagen beobachten. Vielmehr ist das Problem, dass Westbrook denkt, dass es die Erfolgschancen seines Teams erhöht, wenn er seinen Gegenspieler klar beherrscht und ausspielt. Aufgrund seines außergewöhnlichen Talents stimmt das nicht selten auch, jedoch eben nicht immer und somit muss er lernen, dies besser einzuschätzen.

Anzumerken ist hier, dass sich trotz dieser negativen Phasen positive Charakterzüge ableiten lassen. Sich Verstecken ist Westbrook mehr oder weniger komplett fremd und somit könnte man sagen, dass er Verantwortung nicht scheut. Außerdem ließe sich aus seiner manchmal zur Schau gestellten Frustration über vermeidbare Fehler leicht einen unstillbaren Hunger auf Erfolge ableiten.

Nun stellt sich die Frage, worin sich Westbrook mental verbessern muss. Offensichtlich muss er fehlenden Erfolg mit mehr Lockerheit begegnen. Insoweit könnte hier Kevin Durant ein Vorbild sein. Dieser bestätigte vor kurzem, dass für ihn diese Saison der wichtigste Schritt gewesen sei, mit misslungenen Aktionen relaxter umzugehen und das Selbstverständnis zu entwickeln, dass sich manche Dinge eben nicht erzwingen lassen. Des Weiteren muss er ein besseres Gefühl dafür entwickeln, wann es sinnvoller ist, extremen Druck auf seinen Gegenspieler auszuüben und wann es zweckmäßiger ist, einen Gang zurückzuschalten. Dies ist eine Problematik, die nur von gewachsener Erfahrung bereinigt werden kann. Diesbezüglich sollte man sich vielleicht auch klar machen, dass Russell Westbrook erst 23 Jahre alt ist. Das geringe Alter Westbrooks und der sonstigen Schlüsselspieler der Thunder vergisst man nämlich leicht, wenn man sich die Erfolge der letzten Saison und die aktuelle Tabellensituation anschaut.

Hin und wieder zurück

Wie bereits beschrieben wird Russell Westbrook immer wieder vorgeworfen, die Point Guard-Position nicht vernünftig spielen zu können. In Wirklichkeit interpretiert Westbrook diese Position nur anders. Westbrook ist kein genialer Floor-General und wird niemals einer sein. Er wird vordergründig immer ein Scoring-Guard bleiben und in Sachen Spielauffassung eher ein Dwyane Wade oder Kobe Bryant sein als ein Chris Paul, Rajon Rondo oder Steve Nash. Dwyane Wade und Kobe Bryant haben jedoch den Vorteil, dass sie offiziell auf der Position des Shooting-Guards auflaufen, Westbrook jedoch in den Aufstellungen als Point gelistet wird. Mit diesem Ettikett ist jedoch auf Anhieb eine gänzlich andere Erwartungshaltung in Sachen Spielstil verbunden, sehr zum Nachteil von Russell Westbrook. Denn in Wahrheit laufen die Thunder spätestens seit dieser Saison de facto mit keinem “Point Guard” im eigentlichen Sinne auf, dazu später mehr.

Als Westbrook im Draft 2008 ziemlich überraschend bereits an Position 4 gewählt wurde, hatte Sam Presti die Überzeugung, dass Westbrook mit seiner unmenschlichen Athletik und seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung die Zukunft der Thunder auf der 1 darstellt. Bereits damals galt dieser Plan als riskant. Schließlich spielte Westbrook im Basketballprogramm der renommierten University of California in Los Angeles vor allem Shooting Guard neben dem heutigen Starting-PG der Indiana Pacers, Darren Collison. Westbrooks Aufgabe war es, seinen Gegenspielern Handschellen anzulegen und mit seinen explosiven Drives zu scoren, falls dies möglich war. Als Sophomore legte er 13 Punkte, 4 Assissts und 4 Rebounds auf. Zudem wurde er als Pac-10 Defensivspieler des Jahres ausgezeichnet, was seine Rolle im Team zusätzlich unterstreicht.

Bei den Thunder spielte er sich 2008/2009 schnell ins Rampenlicht, wurde zwei mal Rookie des Monats der Western Conference und ins All-Rookie-1st-Team gewählt. Im zweiten Jahr verbesserte er sich insbesondere in Sachen Spielaufbau von fünf Korbvorlagen pro Begegnung auf über acht. Somit könnte man sagen, dass er sich zu einem soliden Aufbau entwickelt hat. Das lässt sich jedoch auch darauf zurückführen, dass Sam Presti und Coach Brooks alles dafür getan haben, ihm Spieler an die Seite zu stellen, die perfekt zu ihm passen. Nenad Krstic und Jeff Green bildeten einen Frontcourt, der neben Kevin Durant auf dem Flügel Würfe aus der Mittel- oder Weitdistanz verwandeln konnte, wodurch Westbrook der Spielaufbau relativ leicht gemacht worden ist. Diese perfekten Voraussetzungen existieren heute nicht mehr. Seit der letzten Trading-Deadline bilden Serge Ibaka und Kendrick Perkins den Frontcourt. Beide Spieler (Perkins mehr, Ibaka weniger) haben Schwierigkeiten zu finishen. Perkins wegen fehlender offensiver Fundamentals (insbesondere Wurf, Fußarbeit), Ibaka wegen Schwierigkeiten, gute Anspiele zu fangen.
Insgesamt sind die Thunder stärker geworden, jedoch auf Kosten von passenden Mitspielern zu Russell Westbrook, welches sich insbesondere in der verlorenen Playoffserie gegen die Dallas Mavericks negativ ausgewirkt hat, als er mit dem (alleinigen) Spielaufbau gegen die starke Zonen-Defense der Mavericks überfordert war. James Harden feierte zwar seine Coming-out-Party, jedoch waren die Thunder zu unerfahren und zu wenig eingespielt, um aus teilweise guten Phasen nachhaltig Profit schlagen zu können und enge Spiele zu closen.

Scott Brooks hat das Problem erkannt und insoweit reagiert, als dass er die Offensive der Thunder  im Vergleich zu letzten Saison umgestaltet hat. Vor einem Jahr übernahm nahezu in jeder Possession Russell Westbrook den Spielaufbau der Thunder. Heute bekommen James Harden und Kevin Durant sehr viel häufiger den Ball on top off the key, um die Offensive zu gestalten. Zwar dominiert Westbrook weiterhin den Ball im Spiel der Thunder, jedoch ist das Spiel durch die Hinzunahme von Kevin Durant und James Harden weniger ausrechenbar geworden. Illustrieren lässt sich diese Entwicklung an den prozentualen Aufteilung der Assistszahlen in den Ballbesitzen der Thunder:

Die Gesamtzahl der Assists der Big 3 der Thunder ist zwar leicht rückläufig, jedoch ist das Team als Ganzes nun nicht mehr ganz so abhängig vom Output eines Russell Westbrooks wie noch im letzten Jahr und mithin weniger ausrechenbar. Westbrook kann sich dagegen nun mehr auf seine Aufgaben als zweite (manchmal auch erste) Option konzentrieren, welches ihm immer besser gelingt. Seine Wurfquote beträgt mittlerweile starke 47.4%. Sein Wert beim eFG%, welches die Wurfauswahl abseits gezogener Freiwürfe bewertet, beträgt 49.4%, eine Steigerung von 4%. Grund dafür ist insbesondere sein verbesserter Wurf aus der Mitteldistanz. Letztes Jahr traf er aus einer Entfernung von 16-23 feet nur 36% seiner Versuche. Dieses Jahr sind es 43%. Ebenfalls konnte er sich aus der Nahdistanz verbessern, denn letztes Jahr fanden nur 26.6% der Würfe aus einer Entfernung von 3-9 feet ihr Ziel, heute sind es 40%.

Beeindruckend sind auch seine Zahlen im laufenden Monat: Im Februar legte er bislang 27 Punkte, fünf Rebounds und fünf Korbvorlagen auf. Bei einer starken Feldwurfquote von 49% inklusive 36% von Downtown. Daraus resultiert ein starkes TS-Rating von 0.57%. Zum Vergleich: Kobe Bryant hat einen Wert von 0.53. Negativ sind sicherlich die Ballverluste, durchschnittlich 4.7 an der Zahl. In Verbindung mit seiner sonstigen effektiven Spielweise ist dies jedoch zu verschmerzen. Dennoch sollte Russell Westbrook diesbezüglich weiter an sich arbeiten und die Ballverluste minimieren, die daraus entstehen, dass er in traffic den Kopf verliert.

Fazit

Es ist also festzuhalten, dass die Thunder Westbrook nicht mehr in eine Rolle drängen, in denen er Schwierigkeiten hat, mit offensivlimitierten Mitspielern und gegnerischen Verteidigunsstrategien besser umzugehen. Ziel ist es, den Spielaufbau auf mehrere Schultern zu verlagern und ansonsten auf recht viele Isolationen zurückzugreifen. Westbrooks Rolle im Playmaking ist von den Dreien zwar weiterhin die größte, jedoch nicht mehr dermaßen zentral wie vorher. Dadurch wird er in der Spielgestaltung entlastet und bietet ihm die Möglichkeit, in seiner Scorer-Rolle voll aufzugehen. Insofern spielt Russell Westbrook taktisch eher die Rolle eines (balldominierenden) Shooting-Guards, obgleich er “offiziell” als Point Guard aufläuft.

Dennoch läuft bei den Thunder mit dieser Spielanlage nicht alles rund. Immer wieder schleichen sich Phasen ein, in denen es Westbrook mit Einzelaktionen übertreibt oder Durant wenig Anstrengungen übernimmt, sich selbst Platz zu schaffen. Gerade auch in engen Partien sollte der Ball dann eher in den Händen von James Harden sein, der in Crunchtime-Situationen dieses Jahr erstaunlich wenig Touches bekommt, obwohl er zurecht als der beste Facilitator der Thunder gilt. Bislang sieht der Gameplan der Thunder in engen Partien im vierten Viertel nämlich so aus, dass die Matchupvorteile, die durch Westbrook und Durant entstehen, gemolken werden sollen (Durant: 53 ppg per 48 Min; Westbrook: 45 ppg per 48 Min; zum Vergleich Harden: 4 ppg per 48 Min). Da laut 82games.com  die Thunder über 70% der engen Spiele für sich entscheiden, spricht der Erfolg für Scott Brooks und sein System. Das Spiel gegen die Nuggets unterstreicht dies ausdrücklich.

Dennoch sind leise Zweifel erlaubt, wenn man den Blick auf die Postseason richtet. Denn der Basketball in den Playoffs ist noch ein Stück weit langsamer als in der regulären Saison. Umso entscheidender für nachhaltigen Erfolg ist eine gute Halfcourtoffense. Die Verantwortung des Spielaufbaus ausgeglichender zu gestalten, war insoweit der richtige Schritt. Doch diese Entwicklung steht erst am Anfang und muss weiter verfeinert werden und hier sind in erster Linie Coach Brooks und Russell Westbrook gefragt. Letzterer muss gelassener werden, sich selbst und seine Rolle klarer sehen, um konstanter als bisher gute Leistungen zu vollbringen. Denn eigentlich kann sich Russell Westbrook nur selbst im Weg stehen.

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9 comments

  1. bartek

    Super Artikel 🙂 Man liest nicht mal raus, dass das ein “Anhänger” geschrieben hat. Teile sämtliche Meinungen. Hätte einen anderen Artikel erwartet, der Westbrick in Schutz nimmt. Aber du hast es gut zusammengefasst.

    Wenn E.T. Kopf in der Offseason das Pick´n´roll mit Durant und Co. noch draufpackt, wird er kaum zu halten sein. Hierbei fällt mir nämlich auf, dass er dies nicht gut lesen kann.

    kleiner Fehler im Fazit: Harden 4Ppg auf 48min? ^^ Da stimmt doch was nicht.
    H.d.l. :* und weiter so.
    Wünsche mir eine James Harden und Ibaka Analyse jetzt 🙂
    btw.:welcher Idiot hat nur mit einem Spalding bewertet? :/

  2. Fabian Thewes

    |Author

    @Bartek:

    Danke für das Feedback.

    Die 4 Punkte per 48 Minuten beziehen sich auf Crunchtime-Situationen. Dort ist es in der Tat so, dass das meiste über Kevin Durant und Russell Westbrook läuft. Generell hat Coach Brooks bisher noch Schwierigkeiten alle drei Stars der Thunder unter einem Hut zu bekommen, wenn sie zeitgleich auf dem Feld sind. Gegen Ende von Partien fällt dies besonders auf.

  3. Guwan

    Tach Fabian,

    großes Kompliment zu deinem Artikel. Eine sehr gute Analyse meines Lieblingsspielers 😉

    In so gut wie allen Punkten stimme ich mit dir überein. Hoffe du bringst in Zukunft mehr über meine Thunder. Wie der Bartek schon sagte, würde ich auch sehr gern mehr zu Serge Ibaka erfahren, möglicherweise der neue Mutombo 🙂 Und James Harden erst! Der geilste Bart der NBA-Geschichte 😀

    Eigentlich würde ich zu allen Thunder-Spieler mehr erfahren. Würde mich jedenfalls sehr freuen.

    P.S. Dieser Skip Bayless ist ja mal ein richtiger Vollpfosten. Muss Russell denn erst 100 Punkte machen, damit man ihn zur Abwechslung auch mal halbwegs lobt -.-

    Wie gesagt, TOP Artikel. Weiter so!

    Salve, Guwan.

  4. Fabian Thewes

    |Author

    @Guwan:

    Danke für das Kompliment. 🙂

    Etwas über SERGE oder THE BEARD zu schreiben, wäre in der Tat reizvoll. Nick Collison wäre vielleicht ebenfalls zu nennen, weil er meiner Ansicht nach zu den am häufigsten unterschätzten (Rollen)Spielern überhaupt gehört. In der nächsten Zeit überlege ich mir mal, welche Aspekte ich gerne untersuchen würde und wer meine Aufmerksamkeit bekommt.

    Thunder up 😉

  5. plissken

    Schöner Artikel. Ich verstehe die Rolle von Westbrook im Thunder Team nun besser.

    So wie ich es verstehe, ist Westbrook nicht mehr so häufig für den Spielaufbau verantwortlich, hat also den Ball seltener in der Hand. Dies würde auch seine sinkenden Assistzahlen erklären, vom letzten Jahr mit knapp 8 Assists pro Spiel auf 5,5 in diesem Jahr.
    Westbrook hat aber seine TO von 3,8 auf 4,1 gesteigert (und da kommt ihm sein letztes Spiel noch zugute ;-)) und das ist eigentlich ein Unding. Das ist auch das einzige, was ich an deinem Artikel kritisieren würde, die TO-Zahlen werden etwas zu leicht weggewischt. Wenn Westbrook den Ball wirklich seltener in den Händen hält, dann dürfen seine TO-Zahlen nicht steigen.

  6. Fabian Thewes

    |Author

    @plissken:

    Danke für den Kommentar. 🙂

    Zu deiner Kritik:

    Zunächst möchte ich anmerken, dass im Artikel davon die Rede ist, dass Westbrook weniger den Spielaufbau leitet. Das bedeutet jedoch nicht zwangsweise, dass er weniger den Ball dominiert oder anders ausgedrückt: er sucht dafür ja häufiger den eigenen Abschluss und dies sollte berücksichtigt werden.

    Die gepostete “Turnover pro Spiel”-Statistik gibt leider nur ein unzureichendes Bild darüber, wie anfällig ein Spieler für Ballverluste ist. Das Problem an der Statistk ist nämlich, dass sie die genutzten Ballbesitze nicht ins Verhältnis zu den Turnover setzt. Bei einem Spieler, der häufiger einen Korbversuch unternimmt (wie Westbrook), also sich z.B. einen Wurf kreieren möchte, indem er zum Korb zieht o.ä., geht logischerweise die Gefahr einher, dass er bei diesem Versuch den Ball verliert. Daraus folgt: um besser bewerten zu können, wie turnoveranfällig ein Spieler ist, sollte man sich eine Statistik suchen, die die Turnover mit Hilfe der genutzten Ballbesitze (possessions) normiert. Bei basketball-reference.com bietet sich dafür die TO% Statistik an.

    Ich liste mal Russells TO% seit seiner Rookie-Saison auf:

    08/09: 17.6
    09/10: 16.6
    10/11: 15.9
    11/12: 15.7

    Je höher der Wert, desto größer ist der Anteil der Turnover von der Menge der genutzten Ballbesitze.

    Hier siehst du also, dass sich Westbrook in Sachen Ballverluste nicht verschlechtert hat. Vielmehr würde ich genau das Gegenteil behaupten: er hat sich diesbezüglich von Saison zu Saison stetig verbessert. 😉

  7. plissken

    Hallo Fabian,
    zum ersten Absatz: Ich sehe, dass Westbrook seine Usage% um aktuell 1,3% gegenüber dem Vorjahr gesteigert hat. Da er viel weniger Assists spielt, stimmt deine Aussage wohl: Westbrook kümmert sich weniger um den Aufbau, aber hat sogar häufiger den Ball in Händen als letzte Saison.
    D.h. er sucht häufiger den Abschluss. Das spiegelt sich auch in den erhöhten FGA und 3PA wieder.

    Liege ich dann richtig mit der Schlussfolgerung, da die Usage% von Westbrook sich gesteigert hat, steigen seine TO-Zahlen? Dies stimmt dann mit deinen Ausführungen im 2. Absatz überein. Ok.

    Dass Westbrook sich verbessert hat, stimmt wohl. Es sind aber sicher noch keine Zahlen, auf die er stolz sein muss, oder? In dieser Statistik liegt er derzeit unter allen NBA Spielern auf Platz 301. Und zum Vergleich hatte ein Iverson zu seiner Glanzzeit einen Wert um 11%. Auch wenn Westbrook im Moment sicher kein Iverson zu dessen Glanzzeit ist und sein muss. 😉

  8. Fabian Thewes

    |Author

    Zu deiner ersten Frage:

    Es ist in der Tat so, dass die absoluten Turnoverzahlen bei Westbrook steigen, weil er selbst mehr den individuellen Abschluss sucht und die Art WIE er zu Punkten kommt (selbst kreieren, Zuf zum Korb) eben gefährlich in Bezug auf Ballverluste ist. Nehmen wir zum Vergleich einfach mal Dwyane Wade. Dieser plagte sich in seinen ersten fünf Profi-Jahren auch mit einigen Saison rum, in denen er in Sachen TO% schlecht war (3x über 16.0). Mittlerweile hat die Problematik ziemlich in den Griff bekommen. Nun ist Westbrook als Finisher nicht so gut wie Wade, von der Spielweise zumindst im Ansatz aber ein wenig vergleichbar. Daher glaube ich schon, dass Westbrook mit der Zeit noch sicherer mit dem Ball sein wird. Zur Ligaspitze wird er diesbezüglich jedoch nie gehören, was ich aber nicht weiter schlimm finde.

    Zu deinem Iverson-Vergleich:
    Iverson hat aufgrund der niedrigen TO% offensichtlich ads bessere Ballhandling als Westbrook. Westbrook ist jedoch der besseer Finisher. Wenn du dir anschaust, wie effizient Westbrook mittlerweile spielt (z.B. das TS% von 0.54 im letzten und diesem Jahr), wird dir auffalen, dass Iverson Erst im Alter von 30 Jahren (!) auf einen besseren Wert gekommen ist. Schön sieht man das auch am eFG%, welches die Wurfauswahl der Spieler bewertet oder anders ausgedrückt: die modifziert die nromale Feldwurfquote insoweit, dass Dreipunkt-Versuche einbezogen werden (Freiwürfe jedoch nicht). Damit lässt sich also die reine Wurfleistung begutachten. Hier hat Westbrook mittlerweile einen (klaren) Vorteil gegenüber Iverson. Westbrooks eFG% liegt dieses Jahr bei 0.49. Iverson schaffte dies allenfalls im zweiten Jahr, dann (deutlich!) nie wieder, was nahe legt, dass dieses Jahr von Iverson nur ein “fluke”-Jahr gewesen ist. Aber auch hier gilt: Westbrook muss diese Verbesserung in den nächsten Jahren bestätigen. Es kann genauso gut sein, dass diese Saison eine Ausnahme darstellt.

    Dass Westbrook allgemein zu den turnoveranfälligen Spielern zählt, steht natürlich außer Frage. 🙂 Natürlich hat er noch einige Luft nach oben. Man darf gespannt sein, wie es mit ihm weiter geht.

    Übrigens: In den vier Spielen des März sammelte Westbrook bisher nur 8 Turnover, d.h. 2 pro Spiel.

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