San Antonio Spurs

Still alive

Es sind derzeit andere Teams und Spieler, die die Schlagzeilen rund um die NBA beherrschen. Doch heimlich, still und leise schwimmt ein „alter Bekannter“ unter dem Radar auf einer Erfolgswelle. Die San Antonio Spurs eilen derzeit von Sieg zu Sieg.

Vor der Saison hatten nicht mehr viele Experten die Spurs auf der Rechnung für eine Topposition im Westen. Viele werteten das sang- und klanglose Ausscheiden als Topseed im Westen, in der ersten Runde gegen die Memphis Grizzlies, als todsicheres Zeichen, dass die alternden Spurs nun endgültig auf dem absteigenden Ast seien und das Team nun den jüngeren und athletischeren Teams im Westen Platz machen würde. Die Wachablösung wurde auch in den Jahren zuvor schon immer wieder herbeigeredet, aber es scheint, als müsse der Abgesang doch noch etwas warten.

Nach einer beeindruckenden Siegesserie von aktuell elf Siegen in zwölf Spielen rangieren die Spurs nach knapp der Hälfte der Regular Season auf Rang 2 im starken Westen. Der aktuelle Erfolg ist um so beeindruckender, weil die Spurs verletzungsbedingt bereits 23 Spiele auf ihren vermeintlich besten Spieler, Manu Ginobili, verzichten mussten.  Doch überraschenderweise können die Spurs den Ausfall Ginobilis bisher als Team ganz gut kompensieren.

Aller Anfang ist schwer

Der Start in die neue Saison war für die Spurs dennoch eher durchwachsen. Am 29. Januar verlor das Team aus San Antonio das Texas-Duell beim amtierenden Champion aus Dallas und war mit einer Bilanz von 12 Siegen und 9 Niederlagen im Mittelfeld der Western Conference zu finden. Auffallend vor allem die chronische Auswärtsschwäche zu Beginn der Saison. 8 der 9 Niederlagen fuhren die Spurs „on the road“ ein. Die Vorzeichen für den alljährlichen „Rodeo-Roadtrip“ (die Spurs spielen 9 Spiele am Stück auswärts, da das heimische AT&T Center wegen einer Rodeo-Show blockiert ist) standen alles andere als gut. Überraschenderweise war das Spiel in Dallas die letzte Niederlage, die das Team aus San Antonio hinnehmen musste. Es folgten 11 Siege in 12 Spielen, davon 8 in fremder Halle. Unter anderem besiegten die Spurs während dieser Siegesserie die Teams aus Oklahoma, Philadelphia, die Clippers aus LA  und die Memphis Grizzlies sogar gleich zweimal in deren Halle – ausgerechnet das Team, das den Spurs in den vergangenen Playoffs noch ein so bitteres Aus beschert hatte.

Die jetzigen erfolgreichen Auftritte sind jedoch nicht an einer einzelnen Person festzumachen, denn der Erfolg hat viele Väter. Zuerst ist natürlich der derzeitige Kopf des Teams zu nennen. Tony Parker spielt eine sehr gute Saison und wurde völlig zurecht von den Coaches ins Allstar-Team berufen. Es sind nicht nur seine 19,5 Punkte pro Spiel, sondern vor allem seine 8 Assists pro Spiel, die zeigen, dass Parker in dieser Saison noch mal einen kleinen Schritt nach vorn gemacht hat und er durchaus in der Lage ist, ein Team zu führen. Derzeit sind die Spurs unbestritten Parkers Team. Jahrelang war es das Team von Tim Duncan, doch die Zeiten sind endgültig vorbei. Duncan ist immer noch in der Lage, solide Zahlen aufzulegen (16 PPG und 11 RPG in den 10 Spielen im Februar), doch seine Rolle im Team hat sich verändert. Er ist nicht mehr die erste Option im Team und nicht mehr der „Go-to-Guy“, wenn es in die Crunchtime geht. Er konzentriert sich auf die Defense, aufs Rebounding und auf die leichten Punkte am Brett. Duncan muß aber nicht mehr die Hauptlast im Spiel der Spurs tragen. Den Schritt ins zweite Glied bekommt er auch in dieser Saison gut hin und erfüllt die Rolle, die er ausfüllen soll, zu 100%.

Der Erfolg hat viele Väter

Neben der individuellen Klasse eines Tony Parker ist die eigentliche Stärke der Spurs derzeit aber das Team. Eigentlich eine Floskel im Basketball, aber es ist die Kombination aus Teambasketball und Ausgeglichenheit des Teams, die die Siegesserie am besten erklärt.
Zum einen die Art des Basketballs. Wie auch schon in den letzten Jahren haben sich die Spurs vom knallharten Defensebasketball verabschiedet und überzeugen vor allem in der Offense. Das Team aus San Antonio scored derzeit am fünftbesten in der gesamten Liga (98,9 PPG) und liegt auch im Offensive Rating auf Rang fünf (107,0). Die Defensive, jahrelang der Grundstein des Erfolges und verantwortlich für vier Meisterschaften seit 1999, ist mittlerweile eher Ligadurchschnitt (Rang 14 in Punkte des Gegners pro Spiel und Defensive Rating). Doch Coach Gregg Popovich hat es auch in dieser Saison wieder geschafft, ein Spielsystem spielen zu lassen, das perfekt zum vorhandenen Spielermaterial passt. Die Spurs definieren sich über ein sehr gutes Ballmovement, was es ihnen immer wieder ermöglicht, hochprozentige Schüsse zu nehmen. So treffen sie derzeit über 46% aus dem Feld und über 39% von „Downtown“. Vor allem die gute Dreierquote schafft viele Räume, weil die Spurs jeden Fehler in der Verteidigung eiskalt bestrafen. Mit Gary Neal, Matt Bonner und Richard Jefferson haben die Spurs gleich drei Spieler im Team, die bereits mehr als 100 Dreierversuche genommen haben und mehr als 40% davon im gegnerischen Korb versenkt haben. Hinzu kommen noch die guten Dreierquoten von Manu Ginobili (44,1%) und von Danny Green (37,6%).

Auf das altbewährte Pick’n’Roll zwischen Duncan und Parker kann man sich zudem immer noch verlassen. Man hat es über die Jahre schon so viele Male gesehen, doch es ist für jeden Gegner immer noch sehr schwer zu verteidigen.

Neben der Art des Basketballs, ist es aber auch der ausgeglichene Kader, der die Erfolgswelle der Spurs derzeit ausmacht. Auf den ersten Blick reibt man sich vielleicht verwundert die Augen und kann kaum verstehen, wie dieses Team von Sieg zu Sieg eilen kann. Ginobili verletzt, Jefferson mit seiner von den Stats her gesehen schlechtesten Saison seiner Karriere, Duncan versetzt in die zweite Reihe und auch DeJuan Blair konnte den nächsten Schritt bisher nicht machen.

Es ist das Kollektiv, das San Antonio so unberechenbar macht. Jede Nacht vermag es ein anderer Spieler in die Bresche zu springen und ein großartiges Spiel hinzulegen oder die ganz wichtigen Würfe zu treffen. So ist es mal Gary Neal, wie zuletzt im Spiel gegen die Clippers, oder Richard Jefferson, wie gegen Utah, Matt Bonner, der mit seiner Dreierstärke auch in dieser Saison manchen Gegner zur Verzweiflung getrieben hat, mal Tiago Splitter, der in dieser Saison mehrmals angedeutet hat, warum die Spurs ihn unbedingt in Texas haben wollten – oder auch die Überraschungen aus dem Nichts, wie  Danny Green oder Rookie Kawhi Leonard, die gerade in dieser angespannten personellen Lage immer wieder für Entlastung von der Bank sorgen können. Es reicht für den Gegner nicht, wenn man nur Tony Parker ausschaltet – man muss die Spurs als Team bezwingen.

Das Ende der Fahnenstange?

Doch wohin kann die Reise für dieses Team in dieser Saison noch gehen? Dass Regular Season und Playoff-Erfolg zwei Paar Schuhe sind, mussten die Spurs in der vergangenen Saison am eigenen Leibe erfahren. Und so gut man derzeit auch Manu Ginobili ersetzen kann – ihn brauchen die Spurs für einen tiefen Run in den Playoffs. Mag sein, dass sich die Spurs derzeit leichter tun, einen Ausfall Ginobilis zu verkraften – aber auf seinen Spielwitz, seine Clutchness und seine Qualitäten als Leader werden  die Spurs dauerhaft nicht verzichten können.

Zum anderen bleibt der Grund für das Ausscheiden der letzten Saison – und das ist die Schwäche auf den Positionen unterm Korb. Gegen Memphis war man in den Playoffs im Frontcourt einfach chancenlos – und das Loch unterm Korb ist auch in dieser Saison nicht kleiner geworden. Ob diese Schwäche so groß ist, dass sie einen tiefen Playoffrun unmöglich macht, wird sich zeigen. Die Flexibilität, die die Spurs jahrelang ausgezeichnet hat – dass man immer die Möglichkeit hatte, dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen und flexibel auf jede Aufstellung des Gegners reagieren zu können – hat man in diesem Jahr allerdings nicht mehr.

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1 comment

  1. Michael Stuhldreier

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    Aufgrund der gestrigen Niederlage in Portland leider nicht mehr ganz aktuell 🙂

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