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Kommt die NBA zurück nach Seattle?

Ein NBA-Comeback ist die Hoffnung der vielen Sonics-Fans auf der ganzen Welt, nachdem die Stadt Seattle einen Plan von Christopher Hanson vorlegte, eine neue Arena zu bauen. Ohne diese wird es kein Team in Seattle geben, denn das machte die NBA klar, als sie 2008 die Supersonics nach Oklahoma City schickte und somit 41 Jahre NBA in der Stadt des äußersten Nordwestens der NBA zurückließ.

Dank des Plans von Hanson und seiner Gruppe gibt es nun jedoch wieder Hoffnung für die Basketball Fans in der Stadt des Grunge Rock, denn diese neue Arena würde sowohl bei der NBA als auch der NHL für großes Interesse sorgen, denn Seattle gehört zu den größten Märkten in den Vereinigten Staaten von Amerika und verspricht Einnahmemöglichkeiten, wovon viele Teambesitzer in kleineren Märkten nur träumen können. Um diese Arena jedoch bauen zu können, so der Plan von Hanson, der Stadt Seattle und dem Staat Washington, müssen jedoch einige Dinge zusammen kommen.

Die neue Arena

Die Arena soll knapp 500 Millionen US-Dollar kosten, wovon die Hanson Gruppe 300 Millionen zahlt – und auch schon das notwendige Grundstück südlich des Safeco Fields der Seattle Mariners gekauft hat, was zugesteuert und später der Stadt übergeben wird – und die restlichen 200 Millionen durch Steuern bezahlt werden, die nur dann entstehen, wenn die Arena gebaut und benutzt wird. Heißt also, diese Steuergelder würden durch Steuern auf Tickets, Getränke, Essen oder weitere Einkäufe in Läden, die sich innerhalb der Arena befinden, generiert und daher auch nur dann zur Verfügung stehen, wenn die Arena gebaut wird.
Insgesamt würden die Steuerzahler also nicht zur Kasse gebeten, solange sie nicht zu einem NBA- oder NHL-Spiel gehen würden – und dies ist eine ganz wichtige Sache. Um dem Gebrauch von Steuergeldern für private Arenen einen Riegel vorzuschieben, stimmten im Jahr 2006 die Bürger von Seattle einem Gesetz zu, welches dies so gut wie unmöglich macht und daher ist es wichtig, dies auch einzuhalten, damit die Arena gebaut werden kann.

Wichtig ist zudem noch die Art und Weise, wie dieses Projekt zum Leben erweckt werden soll. Die Stadt Seattle und der Staat Washington haben einige Bestimmungen eingebaut und auch Christopher Hansons Gruppe hat sich diese selbst auferlegt.

Die Bestimmungen sind:

  • Die Hanson-Gruppe wird nur dann ihr Geld investieren, wenn ein NBA- und ein NHL-Team nach Seattle kommen.
  • Die Stadt Seattle und der Staat Washington werden nur dann ihren Teil dazu beitragen, wenn die Hanson-Gruppe ihr Geld einbringt.
  • Die NBA- und NHL-Teams müssen einer Lease von 30 Jahren für die neue Arena zustimmen, welche nur mit hoher finanzieller Strafe gebrochen werden kann.

Möglich wäre es, dass die Hanson-Gruppe auch dann schon die Arena zu bauen beginnt, sollte nur ein NBA-Team zusagen und man bei der NHL noch nicht sicher ist. Das wäre jedoch ein ziemlich großes Risiko, denn um die Kosten decken zu können, wäre es notwendig, zwei Mannschaften in der Arena zu haben.

Die wichtige Frage ist nun also, welche Teams in Frage kommen könnten und wie schnell so etwas möglich ist. Es wird von allen Leuten berichtet, dass Christopher Hanson dieses Angebot für längere Zeit aufrecht erhalten wird und sich bewusst ist, dass es etwas länger dauern könnte, bevor  diese Sache über die Bühne geht.

Dennoch ist es schwer zu glauben, dass ein solch erfolgreicher Geschäftsmensch sich so weit aus dem Fenster lehnt und an die Öffentlichkeit geht, wenn er nicht Hintergrundkenntnisse hätten, die ihm ein solches Handeln als sinnvoll erscheinen lassen. Wie nun bekannt wurde, ist er schon länger in Kontakt mit der NBA und der NHL. Zudem gibt es Gerüchte, dass er schon im April beim Treffen der NBA und deren Teambesitzer in New York zu Gast sein wird, um an den Gesprächen teil zu nehmen.

Welche Teams kommen in Frage?

Sacramento Kings

Die Kings haben, wie damals die Sonics in Seattle, eine große Tradition in Sacramento und gehörten zu den Franchises, welche immer wieder mit ausverkauftem Haus glänzen konnten, als man Anfang des Jahrtausends eine Top Mannschaft um Chris Webber, Peja Stojakovic und Vlade Divac aufs Parkett schickte. Seit einigen Jahren läuft es jedoch nicht mehr wirklich rund und die Arena macht immer größere Sorgen, weil sie den aktuellen Standards nicht mehr gerecht wird.

Daher wollte man schon vorigen Sommer nach Anaheim umsiedeln, bevor die NBA eingriff und dies den Besitzern verweigerte. Es wurde eine Deadline ausgesprochen, die am 01.03.2012 eintritt und damit großen Druck auf Bürgermeister und Ex-NBA Spieler Kevin Johnson ausübt. Diese versucht man zu erfüllen und am 28.02.2012 wird sich in einer Abstimmung zeigen, ob diese funktioniert oder nicht, denn an diesem Tag entscheiden die Politiker über den Bau einer neuen Arena in Sacramento. Sollte diese nicht funktionieren, dann wären die Maloofs (die Besitzer der Kings) wohl auf dem schnellsten Weg aus der Stadt, wie sie es schon vorigen Sommer vor hatten.

Dieser Weg würde wohl am wahrscheinlichsten nach Anaheim führen, denn die Stadt würde den Maloofs eine ziemlich große Summe zahlen, damit diese ihre Schulden bei der Stadt Sacramento begleichen könnten. Zudem lockt der Ruf des TV-Geldes. Nachdem die Los Angeles Lakers einen neuen Partner für die Übertragungen ihrer Spiele gefunden haben, sucht Fox Sports Los Angeles nämlich einen neuen Partner und da kämen die Kings gerade recht, um diese Lücke zu füllen.

Von daher ist es eher unwahrscheinlich, dass die Kings nach Seattle kommen würden, wenn es nicht in Sacramento klappt. Dennoch muss man abwarten, denn die Maloofs haben riesige finanzielle Probleme und wie man weiß, ist alles in Amerika zum Verkauf, sofern der Preis stimmt.

New Orleans Hornets

Die Hornets sind eine Geschichte für sich. Eigentlich in Charlotte gegründet und absolut etabliert, schaffte es der vorherige Besitzer, George Shinn, durch eigene Fehler, die komplette Stadt gegen sich aufzubringen und ein Klima in Charlotte zu schaffen, welches nicht mehr gut für die Hornets war.

Daher bewegte er die NBA dazu, seinem Wunsch zuzustimmen und die Franchise an einen anderen Ort zu bringen. Nach einiger Suche fand Shinn die Stadt New Orleans, die vorher schon einmal ein NBA Team besaß – die heutigen Utah Jazz – und dieses nach Utah abgeben musste, weil es einfach nicht genügend Zuspruch für Basketball in der Football-verrückten Stadt gab.

Trotz einigen guten Jahren und Playoff-Teilnahmen zeigte sich jedoch, dass in New Orleans nicht wirklich viel Geld zu holen war, auch weil die Fans nicht wirklich in die Arena strömten, wäre Shinn am liebsten so schnell wie möglich in die nächste Stadt gegangen.  Nach dem Hurricane Katrina, welcher die komplette Stadt New Orleans in die Knie zwang, siedelten die Hornets für knapp zwei Spielzeiten nach Oklahoma City über und Shinn hoffte, genau dort auch bleiben zu dürfen. Die Stadt unterstützte die Hornets und hatte durch Clay Bennett – heutiger Besitzer der Oklahoma City Thunder und derjenige, der die Sonics aus Seattle riss – und dessen einflussreicher Familie seitens seiner Frau, die Vision, ein NBA-Team nach Oklahoma City zu holen, koste es, was es wolle.

Die NBA sah dies jedoch anders, denn eine Flucht aus New Orleans, nach dieser Katastrophe, hätte ein großes Unverständnis in den Vereinigten Staaten ausgelöst und daher holte man das Team zurück, um sich dieser Medienschelte nicht stellen zu müssen.

Um Shinn, den die Liga schon länger nicht mehr als Besitzer haben wollte, jedoch nicht mehr als Teambesitzer zu haben, entschied sich die Liga vor einiger Zeit, die Hornets zu kaufen und erst einmal selbst zu leiten. Zudem scheint sich David Stern fest vorgenommen zu haben, dieses Team unbedingt in New Orleans zu halten, denn er wird nicht müde zu betonen, dass man alles unternehmen wird, das Team in der Stadt zu halten, und auch nur schaut, wer bereit ist es zu kaufen, um es in New Orleans zu belassen.

Wenn man den Gerüchten Glauben schenken kann, dann dürfte dies auch gelungen sein und während des All-Star Breaks soll auch anscheinend ein neuer Käufer verkündet werden.

Team X

Genau das dürfte wohl die wahrscheinlichste Variante sein. Wie Hall of Famer Lenny Wilkens, der die Supersonics zu ihrem einzigen NBA Titel 1979 als Head Coach führte, und nun mit daran arbeitet, eine NBA-Franchise zurück nach Seattle zu holen, schon anklingen ließ, gibt es viele Mannschaften, die im Stillen verfügbar seien. Welche dies genau sind, kann natürlich nur spekuliert werden, aber es gibt sie und genau das wird wohl auch Christopher Hanson weiter im Auge haben, wenn er mit der NBA spricht.

Die Schattenseite der Medaille

Genau das ist das Problem, das ein wenig einen bitteren Beigeschmack bringt: Der einzige Weg für Seattle an ein neues NBA Team zu kommen, wird derjenige sein, den es selbst vor knapp vier Jahren erleben musste. Man wird in eine andere Stadt gehen, Fans wehtun und deren Team wegnehmen müssen, damit man wieder die Supersonics in Seattle auferstehen lassen kann.

Genau das ist nun einmal der Weg, den David Stern und die NBA eingeschlagen haben, als sie anfingen, Städte gegeneinander zu stellen und Druck auszuüben, damit die Vorstellungen der Liga und Teambesitzer, was die Arenen und deren Ausstattung betrifft, umgesetzt werden.

Fazit

Die Möglichkeit auf eine Rückkehr der Sonics in Seattle ist nun unheimlich gestiegen. Es gibt nun endlich einen Plan, der keine aktuellen Steuergelder beinhaltet und eine Arena bauen würde, die den Vorstellungen der NBA gerecht werden würde.

Sicher ist jedoch nichts, denn jetzt schon versuchen wieder einige Gegner in Seattle diesen Plan madig zu machen, indem darauf verwiesen wird, dass die 200 Millionen Dollar – welche die Stadt natürlich erst vorschießen müsste und dann aus den generierten Steuergeldern durch Verkäufe rund um und in der Arena und von den Zahlungen für die Nutzung der Arena durch die Teams zurück gezahlt würde – vielleicht doch nicht zurückgezahlt werden könnten. Zudem braucht es erst eine Zusage von der NBA und NHL, dass auch jeweils ein Team nach Seattle kommen wird, bevor diese Arena gebaut wird.

Alles in allem ist es also erst der erste Schritt, um die Seattle Supersonics wieder auferstehen zu lassen und es kann noch nicht gesagt werden, ob und wann dieser Traum der Sonics-Fans Realität werden wird.

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3 comments

  1. Sven

    Finde es gut, dass es noch Leute gibt die darauf achten, dass die Reichen die Armen nicht über solche Projekte melken. Die Franchisbesitzer sind oft Milliardäre. Wenn sie wollten, könnten die das ganze selber stemmen. Aber nein, das Risiko soll der Steuerzahler tragen, währen die Reichen immer nur absahnen.

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