Miami Heat

LeBron und die Crunchtime

LeQuit, LeChoke, LeFail … so oder auf andere Arten wird zumeist das Crunchtime-Spiel von LeBron James beschrieben. Wir hatten ihn trotzdem in unserer 5-on-5-Rubrik überwiegend als besten Spieler der bisherigen Saison genannt. Dass James der beste Spieler in den ersten 43 Minuten eines Spieles ist, wird kaum jemand bestreiten wollen, aber auf die letzten fünf Minuten würden laut momentanem Stand eher wenige Fans James vertrauen. Wieso James trotzdem der beste Spieler der NBA ist und in den entscheidenden Minuten auf das Feld gehört, soll in diesem Artikel erklärt werden.

Die Überbewertung der Crunchtime

Ein Spiel hat bekanntlich 48 Minuten, sofern man in keine Overtime gehen muss.  Ab Minute 1 geht es darum, sein Team in die bestmögliche Situation zu bringen, um das Spiel erfolgreich zu beenden. So lautet die simple Zielsetzung bei Beginn jedes NBA-Basketballspiels. Der beste Spieler der ersten 43 Minuten verhilft den Miami Heat in eben jenen Minuten dazu, sein Team bestmöglich für das Ende des Spiels zu positionieren. Und dies kann im Optimalfall so gut sein, dass es zu gar keiner Crunchtime kommt.

LeBron James‘ Klasse closed Spiele auch schon nach dem dritten Viertel. Was wie ein maßlos arrogantes Statement eines verblendeten Heat-Kiddies klingen mag, ist letztlich für 5 der bisherigen 12 Spiele Realität. Mit LeBron James auf dem Feld gehen die Heat bei den Dallas Mavericks am Weihnachtsfeiertag mit 33 Punkten Vorsprung ins vierte Viertel,  gegen die Bobcats sind es 28, gegen die Pacers 22, gegen die Nets 14, und die Spurs gehen mit einem Rückstand von 11 Punkten ins letzte Viertel. Alle diese Spiele sind vorentschieden. Auch weil LeBron James sein Team zu diesen Führungen getragen hat. Es kommt also faktisch aufgrund der Klasse James‘ gar nicht zu einer Crunchtime und dies ist bei 41% der Spiele der Fall. Mit Sicherheit ist die Sample Size noch zu klein, aber ein Indiz sollte es sein: Der beste Spieler closed das Spiel. Nicht mit dem letzten Wurf zum Buzzer am Ende des vierten Viertels, sondern mit schierer Dominanz in den Vierteln davor.

Es ist durchaus ein toller Charakterzug, wenn man die mentale Stärke besitzt, in engen Spielen mit den entscheidenden Würfen das Spiel zu entscheiden. Dem ist nicht zu widersprechen. Aber es ist eine Facette im Skillset eines Spielers, eine von erheblich vielen. Dennoch genießt sie bei vielen Fans einen hohen Stellenwert, vielleicht gar einen zu hohen. Dabei ist unklar, ab wann die Crunchtime beginnt, was alles ein Clutchplay ist und wie sich dies genau messen lässt.

Was ist ein Clutchplay?

Ein Clutchplay ist für viele der Wurf in der Offensive. Für einige beginnt die Zeit der Crunchtime erst bei unter einer Minute, bei anderen in den letzten drei Minuten und wieder andere (bspw. 82games.com) sehen den Beginn der Crunchtime bei fünf Minuten vor Ende des Spiels. Wann diese Zeit beginnt, ist also willkürlich gewählt – und einige Punkte werden völlig außer Acht gelassen, die ebenfalls in dieser Zeit stattfinden.

Zunächst einmal wäre da die Defense zu nennen. Es gibt Clutchplays auch in der Verteidigung und dies muss kein spektakulärer Steal oder ein Block in die siebte Zuschauerreihe sein.  Ein Clutchplay kann sein, dass man richtig zur Hilfe rotiert und den Abschluss des Angreifers so stark beeinflusst, dass dieser verwirft. Ein Clutchplay ist ein umkämpfter Defensiv-Rebound, der das eigene Team wieder in Ballbesitz bringt. Dies aber bei der Schnelligkeit des Spiels alles richtig erfassen zu können, ist nahezu unmöglich. Deshalb werden diese Aktionen entweder nicht erkannt oder als unwichtig eingeordnet. Dabei besteht die Hälfte der Crunchtime eben auch aus der Verteidigung. Genau hier kann man ebenso ein Spiel gewinnen, man muss es nicht offensiv tun.

Offensiv wird hingegen das Decisionmaking und generell alles unterschätzt, was mit dem Set-Up eines guten Wurfes zu tun hat. Das können gute Screens sein, gutes off-the-ball-movement oder ein Extrapass für den besser postierten Mitspieler. Offensive besteht nicht nur daraus, einen Gamewinner zu verwandeln, sondern eben auch daraus, diesen richtig vorzubereiten, Stärken und Schwächen der Gegenspieler richtig einzuschätzen und die richtige Entscheidung zu treffen.

Nimmt man also all diese Faktoren zusammen, wäre man gut darin beraten, wenn man einen Spieler mit dem größten Impact auf das Spiel in seinen Reihen wüsste. Nicht nur jemanden, der die entscheidenden Punkte erzielt, sondern auch das Spiel organisiert, verteidigt, reboundet – man bräuchte den so genannten Two-Way-Player.

Ein Blick auf die vergangene Saison

Den Ruf, dass James kein Closer ist, hat dieser sich zu Teilen natürlich selbst zuzuschreiben – und er beruht eigentlich nur auf sechs Spielen (Playoffs Boston und Finals Dallas). Leider (für den Ruf James‘) waren dies zu großen Teilen die letztjährigen Finals, wo James durch Passivität auffiel, anstatt Highlight- und Clutchplays zu produzieren. Diese Spiele waren scheinbar so prägend, dass er von nun an als Non-Factor auf dem Feld gesehen wird. Vergessen sind nicht nur die Heldentaten gegen die Pistons, wo er die Cavaliers alleine in die Finals trug, sondern vor allem auch anscheinend jede Aktion in der Saison 2010/2011. Alles Prägende sind die Finals 2011, alles Davorliegende schien unwichtig zu sein. Vielleicht sollte man aufgrund einer Sample Size von vier Spielen doch noch weitere Beobachtungen hinzuziehen.

1. Die Clutchstats der Saison 2010/2011

82games.com hat eine frei sortierbare Tabelle online gestellt, mit der man die Leistungen in der Crunchtime einsehen kann. 82games definiert die Crunchtime wie folgt:

„4th quarter or overtime, less than 5 minutes left, neither team ahead by more than 5 points“

Die produzierten Zahlen werden auf 48 Minuten hochgerechnet, um Unterschiede deutlicher zu machen. Als beste Clutchplayer gelten allgemeinhin Dirk Nowitzki und Kobe Bryant, die zur Einordnung der Zahlen James‘ herangezogen werden. Wenn James also ein miserabler Akteur in den letzten fünf Minuten ist, müsste sich dies in dieser Statistik ja bemerkbar machen. Die Sample Size umfasst bei den Akteuren zwischen 38 und 45 Spielen, das ist eine solidere Grundlage als vier Spiele in den Finals.

Wenn es um pure Punkteproduktion geht, ist Kobe Bryant mit fast 50 Punkten (nochmals angemerkt, es werden hier die Stats von 5 auf 48 Minuten hochgerechnet; wir reden hier von ungefähr 5,2 Punkten in den letzten fünf Minuten) Führender in dieser Kategorie. Dirk kommt auf 42 Punkte. LeBron James erreicht … 45,1 Punkte in der Crunchtime. Dass erzielte Punkte nur die halbe Wahrheit sind, wissen wir ja nicht zuletzt von diversen advanced stats, die uns vorrechnen, wer effizient punktet und wer nur effektiv. Fakt ist nämlich auch, dass Bryant mit 40% die niedrigste Quote aus dem Feld hat. Dirk kommt auf starke 46%, James liegt wieder in der Mitte: 43,6% aus dem Feld. Dasselbe Bild ergibt sich bei den Dreiern (Bryant vor James vor Dirk).

Spitzenreiter ist James bei den erarbeiteten Freiwürfen, hier kommt er auf 23 Versuche, Nowitzki kommt auf einen Versuch weniger, bei Bryant sind es nur 16,8. Spitzenreiter ist James auch darin, sich den Wurf selbst zu erarbeiteten, nur 23% seiner Würfe wurden vorbereitet. Knapp vor Nowitzki kommt James auch bei den Rebounds ins Ziel, wo er auf 11,2 (Dirk 11,1) kommt. Erstaunlich ist zumindest, dass James die wenigsten Assists der drei spielt. Bei den einzig messbaren Defensiv-Aktionen führt James die Blocks an und landet bei den Steals hinter Bryant.

Das Erstaunlichste vielleicht zum Schluss: James nimmt mehr Würfe als Nowitzki in dieser Zeitspanne. Klar, er trifft sie insgesamt nicht so gut wie der Deutsche, der die ganze Saison ja schon „in the zone“ war, aber James greift öfter zum Dreier und trifft diesen zumindest hochprozentiger als Nowitzki.

Die Zahlen kann man drehen und wenden, wie man will. Ein besonders schlechter Clutchspieler wird James dabei nicht. Auch kein passiver, auch kein Choker. James ist in der Crunchtime da und hilft seinem Team. Nicht nur durch seinen Wurf, auch durch seine Entscheidungen (er hat die niedrigste Turnoverzahl der drei) und sein Allroundpaket. James war mit absoluter Sicherheit ein Top 10 Clutchplayer in der Saison 2010/2011.

2. Die Playoffs bis zu den Finals

Go-to-Guys.de hatte in den Playoffs zur Serie der Heat gegen die Chicago Bulls zwei Beiträge beigesteuert (Link1 und Link 2), die zwar zunächst aus Sicht der Bulls analysierten, wieso diese nicht erfolgreich waren.  Indirekt klang aber auch hier schon durch, was James in dieser Serie leistete.

Da Go-to-Guys aber nicht das Referenzmedium sein sollte, gibt es auch eine Reihe anderer Artikel, die aufzeigten, dass LeBron James zum einen in der Crunchtime ein Faktor ist und zum anderen der beste Spieler dieser Liga. Am 30.05.2011 veröffentlichte der Bleacherreport 5 Gründe, wieso James der beste Spieler der NBA sei. Argument 5:

James can take over a game, shutting down the opposing team’s top scorer on defense and on the other end carrying the team offensively.

When he’s shooting well from outside, James is almost impossible to defend. 

Zwei Wochen später  sind die Dallas Mavericks NBA-Champions. Bleacherreport erkennt an, dass Dirk Nowitzki der beste Clutchperformer dieser Playoffs war. Zweitbester Performer in den Playoffs?

LeBron James delivered in the clutch for his team more than any other player in the NBA not named Dirk Nowitzki.

Wem diese Aussage zu wenig faktisch untermauert erscheint, den bedient John Schuhmann im Hangtime-Blog von nba.com. Schuhmann hat bis zu Spiel 2 der Chicago-Serie die einzelnen Clutchperformances von James analysiert und diese in den Zusammenhang gesetzt, indem er die besten Playoff-Clutch-Performer hinzuzog. James hatte bis zu diesem Zeitpunkt doppelt so viele Clutch field goals erzielt wie Dirk Nowitzki und drei Mal so viele wie Kobe Bryant. Zugestehen muss man natürlich, dass der Deutsche eine überragende Quote aufwies. Aktiver war jedoch James, der übernahm und insgesamt 10 Treffer bei 24 Versuchen erzielte (Dirk 5-9, Kobe 3-12). Ist das so unclutch? 41,6% sind in solchen Situationen eine sehr gute Quote.

Wem die Zahlen zu dröge sind, der kann sich dieses Youtube-Video ansehen, wo die Punkte von James in den Playoffs gezeigt werden, die ab Minute 43 erzielt wurden (Nicht jeder Korb ist davon streng genommen ein Clutch-Bucket, weil dort auch Punkte zu einer 10-Punkte-Führung dabei sind):

Bei all diesen Analysen stand wieder nur der Wurf im Vordergrund, aber wie in der vergangenen Kapiteln verdeutlicht, gehört eben auch nicht Messbares zum Agieren in der Crunchtime.

Fazit

Ist LeBron James der beste Clutchplayer in den letzten zehn Jahren? Wahrscheinlich nicht. Ist er unclutch? Mitnichten. James trug seine Teams, wenn er es musste. Nicht immer, aber sehr oft. Nicht nur in der Regular Season, sondern auch in den Playoffs. Nicht nur früher, sondern auch in der letzten Saison.

Dabei sei noch eben angemerkt: Kann man den Status des Clutchplayers, so man ihn einmal innehatte, denn auch wieder verlieren? Steht man dann bei jedem Wurf wieder auf der Probe? Wenn dies so ist, dann ist niemand ein Clutchplayer, auch James natürlich nicht. Wenn James also nachweislich sein Team auch in den entscheidenden Phasen trägt (mit mehr Punkten als Dirk und einer besseren Quote als Kobe), dann bekommt er entweder das Label, dass er ein Clutch-Player ist oder niemand hat es inne.

Hat James enttäuschende Finals gespielt, wo er Wade den Vortritt ließ und sich passiv verhielt? Ja. Hat James schlechte Playoffs gespielt? Mit Sicherheit nicht. Er war vor den Finals der mit Abstand beste Heat. Dass er dies in den Finals nicht zeigen konnte, mag ein Makel an seinem Spiel sein, aber es bedeutet nicht, dass James für alle Zeit unclutch ist. James performt in der Crunchtime so gut wie jeder andere Superstar der Liga auch. Auf ihn ist genauso Verlass wie auf Bryant oder Nowitzki, wie auf Anthony oder Wade, wie auf Fisher oder Billups. Ob dies unbedingt erzielte Punkte sind, womit James dem Team hilft, sei dahingestellt (obwohl dies in der letzten Saison zweifelsohne so war), aber durch seine Vielseitigkeit hat James in jedem Spiel bis zur letzten Sekunde auf dem Feld zu stehen. So wie es sich für den momentan besten NBA-Spieler gehört.

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9 comments

  1. Smido83

    Nix hinzuzufügen… außer vieleicht, dass er sich auch diese Saison öfter in den wichtigen Phasen nicht so zeigt wie früher! Warum? Ich weiß es nicht! Aber nen kleinen Knaks hat er nach der Finals Schelte anscheinend weg!

    Trozdem spricht nix gegen James als MVP oder wichtigen Clutch Player! Mit seiner Defence und seinem Basketball-IQ gehörtz er IMMEr aufs Feld! Trozdem kommt es mir so vor, als ob mit den schwindenden Minuten auch das Selbstvertrauen von James in engen Spielen sinkt! Er wirkt halt so auf mich… ohne dass ich Statistiken hätte die dies untermauern!

    Sowas sah man früher halt nie bei ihm! Da wars ihm sch…egal wie der Spielstand gewesen ist! Da wurde geworfen, zum Korb gezogen, attakiert ohne Ende!

  2. Sanka Coffie

    Guter Artikel!
    Diese ganze “Lebron ist nicht clutch” – kacke ging mir schon ziemlich aufn Keks! (auch wenn manche Lebron – Jokes schon ziemlich witzig waren^^)
    Genau die richtigen Dinge aufgezeigt die ihn sehr wohl zu einem guten Spieler in den letzten Minuten machen!

  3. Matthias Drecoll

    Mit LeBron James auf dem Feld gehen die Heat bei den Dallas Mavericks am Weihnachtsfeiertag mit 33 Punkten Vorsprung ins vierte Viertel, gegen die Bobcats sind es 28, gegen die Pacers 22, gegen die Nets 14…

    Gegen die Bobcats oder Nets in der Regular Season mit einer Führung ins 4. Viertel zu gehen mag ja gut und schön sein, macht James in meinen Augen jetzt aber nicht zum besten Spieler oder zeigt das er doch nicht so unclutch ist…

    Es kommt also faktisch aufgrund der Klasse James‘ gar nicht zu einer Crunchtime und dies ist bei 41% der Spiele der Fall.

    Gilt diese Statistik für die Regular Season oder die Playoffs oder beides? Hast du eine Statistik parat, die sich nur auf die Playoffs bezieht (die Regluar Season ist doch nur langweiliges Vorgeplänkel…alles was zählt sind die Playoffs, quasi die Crunchtime der Saison).

    Dabei ist unklar, ab wann die Crunchtime beginnt, was alles ein Clutchplay ist und wie sich dies genau messen lässt.

    Du hast Recht, die Crunchtime und Clutchplay’s bestehen zum großen Teil aus nicht messbaren Aktionen. Trotzdem versuchst du verzweifelt im 3. Abschnitt mit vielen wilden Statistiken zu belegen, dass James doch kein so schlechter Clutch-Player ist.

    zum Beispiel:

    den bedient John Schuhmann im Hangtime-Blog von nba.com. Schuhmann hat bis zu Spiel 2 der Chicago-Serie die einzelnen Clutchperformances von James analysiert und diese in den Zusammenhang gesetzt, indem er die besten Playoff-Clutch-Performer hinzuzog.

    Warum nur bis zu Spiel 2 und nicht alle Spiele? Welchen Spiele der Vergleichsspieler wurden berücksichtigt, aus der Saison oder in ihrer Karriere? Ganz egal, welche, der Vegleich ist bei so wenigen Spielen einfach nicht aussagekräftig.

    Meine Meinung: James mag der beste Spieler während der Regular Season sein und von mir aus auch immer in den ersten 3 Vierteln einer Partie. Aber wie du auch richtig gesagt hast, zählen alle Facetten des Spiels. Und eine davon, dazu die wichtigste in dieser Sportart, ist nun mal das Gewinnen! Genau diese Facette fehlt James (noch). Deshalb halte ich ihn auch nicht für den besten Spieler. Er legt zwar die besten Stats hin, aber das reicht eben nicht aus. Wenns wirklich drauf ankommt ist er einfach nicht mehr so dominant wie in unwichtigen Situationen und das lässt sich nicht abstreiten.

  4. Matthias Drecoll schrieb:
    Gilt diese Statistik für die Regular Season oder die Playoffs oder beides? Hast du eine Statistik parat, die sich nur auf die Playoffs bezieht (die Regluar Season ist doch nur langweiliges Vorgeplänkel…alles was zählt sind die Playoffs, quasi die Crunchtime der Saison).

    Das sind einfach 5 aus 12 aus dieser Regular Season. Ein Spieler, der einem 41% der Playoff-Siege garantieren würde, ist natürlich unvorstellbar. Diese Zahle wird wohl auch noch absinken, keine Frage. Das ist einfach die Momentaufnahme von heute. Ganz lapidar ausgedrückt: Laut Stand heute haben die Heat 41% ihrer Spiele schon im dritten Viertel im Sack gehabt. Und LeBron ist der mit weitem Abstand beste Spieler dieses Teams (nur in dieser RS bisher).

    Matthias Drecoll schrieb:
    Du hast Recht, die Crunchtime und Clutchplay’s bestehen zum großen Teil aus nicht messbaren Aktionen. Trotzdem versuchst du verzweifelt im 3. Abschnitt mit vielen wilden Statistiken zu belegen, dass James doch kein so schlechter Clutch-Player ist.

    Warum nur bis zu Spiel 2 und nicht alle Spiele? Welchen Spiele der Vergleichsspieler wurden berücksichtigt, aus der Saison oder in ihrer Karriere? Ganz egal, welche, der Vegleich ist bei so wenigen Spielen einfach nicht aussagekräftig.

    Diese Statistiken sind nicht wild, weil sie nicht advanced sind. Bei advanced stats kann man kritisieren, mit welchem Faktor ein Attribut bewertet werden soll.
    Bei 82games sind das einfache Messergebnisse, hochgerechnet auf 48 Minuten. Kürze sie meinetwegen auf die 5 Minuten herunter, damit du mit den Zahlen etwas anfangen kannst, sie verändern sich prozentual einfach nicht.

    Generell: Ich habe den Artikel damit begonnen, dass die Crunchtime überschätzt wird, weil man ein Spiel vorher auch entscheiden kann. Dass James also nicht mal ein starker Closer sein müsste, um trotzdem mehr Impact auf ein Spiel zu haben als andere Stars, ist Behauptung 1.
    Behauptung 2 ist jedoch, dass James ein genau so guter Closer ist wie jeder andere NBA-Star auch. Er fällt dort einfach nicht ab. Das zeigen die Zahlen.

    @Schuhmann: Weil Schuhmann eben zu diesem Zeitpunkt die Statistik erhoben hat. Zu diesem Zeitpunkt war James geteilter 1. in Clutch-Bucket in den Playoffs.

    Matthias Drecoll schrieb:

    Meine Meinung: James mag der beste Spieler während der Regular Season sein und von mir aus auch immer in den ersten 3 Vierteln einer Partie. Aber wie du auch richtig gesagt hast, zählen alle Facetten des Spiels. Und eine davon, dazu die wichtigste in dieser Sportart, ist nun mal das Gewinnen! Genau diese Facette fehlt James (noch). Deshalb halte ich ihn auch nicht für den besten Spieler. Er legt zwar die besten Stats hin, aber das reicht eben nicht aus. Wenns wirklich drauf ankommt ist er einfach nicht mehr so dominant wie in unwichtigen Situationen und das lässt sich nicht abstreiten.

    Punkt 1: Die Facette “Gewinnen” gibt es nicht. Gewinnen ist, wenn überhaupt, das Endprodukt und die Summe aus allen Facetten.

    Punkt 2: Das ist lediglich deine Meinung und du kannst sie nicht untermauern. Genau deshalb gibt es ja diesen Artikel hier. Das menschliche Hirn verbindet Erinnerungen mit Emotionen oder kann gar nicht die Flut von Informationen verarbeiten, die ein Basketballspiel bietet (kann jemand 10 Spieler gleichzeitig beobachten?).
    Es wurde behauptet: LeBron ist nicht clutch, weil er im 4. Viertel untertaucht. Stimmt. Aber nur für vier Spiele in den Playoffs. Vorher schießt er 10 Field Goals in der Crunchtime. Schau dir das Youtube-Video an, schau auf die Statistiken, die Schuhmann zusammengetragen hat. Dein Hirn speichert aber vor allem ab, dass er gegen die Mavs gechokt hat. Und das tat er ja, das sage ich auch deutlich. Ich spreche ihn ja nicht heilig. Aber es wird momentan alles auf diese eine Woche im Leben von James reduziert. Und das ist schlichtweg falsch und blödsinnig.

    Punkt 3: Schau dir bitte die Finalsperformance von Kobe Bryant gegen die Celtics 2010 an. Kobe chuckt 40% FG, Pau Gasol rettet ihm den Arsch, Kobe geht in Spiel 7 für 6-24, aber die Lakers gewinnen und alles ist gut. Keiner redet davon, dass Bryant schlechte Finals gespielt hat, dass er schuldig gewesen wäre. Das ändert aber nichts an der Leistung Bryants; und Statistiken (um den Bogen wieder zu schlagen) interessieren sich nicht für Emotionen. Statistiken sagen: Wurf getroffen oder Wurf verfehlt. Und dort braucht sich James vor keinem anderen Spieler zu verstecken.

  5. Schlangaeh

    Interessanter Artikel, der etwas aufarbeitet, wozu ich bisher immer nur die unbelegten Anmerkungen und Kritiken zu LeBrons Spiel gehört habe, aber noch nie solch eine ausführliche Auseinandersetzung darüber gelesen habe!

    Trotzdem muss ich mich Matthias mit der “Gewinner-Facette” anschließen, auch wenn dies vllt. etwas unglücklich formuliert ist.
    Ich habe jedenfalls auch den zugegebener Maßen subjektiven Eindruck aus den von mir gesehenen wichtigen Spielen Lebrons, dass er gerade in den gaaanz großen Spielen in der Crunchtime unkontrolliert rumballert oder aber garnicht in Erscheinung tritt. Dies beziehe ich auch hauptsächlich auf die letzte Minute, wo mir das verstärkt aufgefallen ist. Und wenn es um einen last-second-game-winning-shot geht, würde ich den Ball in jedem Falle in die Hände von Wade geben, wie in dieser Saison, von den Spielen an die ich mich erinnere, ja schon mind. 2-mal geschehen.
    Abschließend würde ich sagen, dass der Artikel sicherlich deutlich belegt hat, dass James ein außergewöhnlich guter Crunchtime-Spieler ist, aber wenn es darum geht, ein wichtiges Spiel zu schließen, bisher äußerst unglücklich agiert hat…

  6. Matthias Drecoll

    Punkt 1: Die Facette “Gewinnen” gibt es nicht. Gewinnen ist, wenn überhaupt, das Endprodukt und die Summe aus allen Facetten.

    Ob man es nun Facette oder Endprodukt nennen möchte, ist für mich Erbsenzählerei. Tatsache ist, das Gewinnen gehört zum Basketball nun mal dazu. Punkt. Es ist gar das, worum sich alles dreht. Für Basketballer und wohl auch den größten Teil der Fans ist die wichtigste Statistik eines NBA-Spielers nunmal, wie viele Ringe er hat. Fakt ist, das James in dieser Statistik noch keine Zähler sammeln konnte.

    Dein Hirn speichert aber vor allem ab, dass er gegen die Mavs gechokt hat. Und das tat er ja, das sage ich auch deutlich. Ich spreche ihn ja nicht heilig. Aber es wird momentan alles auf diese eine Woche im Leben von James reduziert. Und das ist schlichtweg falsch und blödsinnig.

    Und was ist mit den Spielen gegen die Pistons 2006, gegen die Spurs 2007, gegen die Celtics (2008, 2010) oder die Magic 2009?
    Da er in diesen Momenten versagt hat, ist er in meinen Augen einfach nicht Clutch, er ist nicht in der Lage sein Team, wenn es am wichtigsten ist, zum Sieg zu führen. Somit kann er in meinen Augen auch nicht als bester Spieler gesehen werden.

    Generell: Ich habe den Artikel damit begonnen, dass die Crunchtime überschätzt wird, weil man ein Spiel vorher auch entscheiden kann. Dass James also nicht mal ein starker Closer sein müsste, um trotzdem mehr Impact auf ein Spiel zu haben als andere Stars, ist Behauptung 1.

    Ich sehe das anders, die Crunchtime wird im Hinblick auf das “Endprodukt” nicht überschätzt. Sicher hast du Recht, dass man ein Spiel auch schon nach 3 Vierteln entscheiden kann. Allerdings ist dies in den Playoffs/Finals oft nicht der Fall. In der entscheidenen Phase der Saison werden die Spiele in der Regel knapper und somit die Crunchtime wichtig.

    Und das LeBron im Osten spielt, wo die Leistungsdichte deutlich geringer ist, sollte auch mal erwähnt sein. Schließlich spielt er aufgrund seiner Conference Zugehörigkeit und dem damit verbundenen Spielplan deutlicher öfter gegen die Vielzahl an erbärmlichen Teams (ist nicht böse gemeint) des Osten (Bobcats, Cavs, Raptors etc.) als Kobe oder Dirk. Somit bietet sich logischerweise öfter die Möglichkeit zu dominieren und Spiele vorzeitig zu entscheiden, als im dichtbesetzten Westen.

    “Behauptung 2 ist jedoch, dass James ein genau so guter Closer ist wie jeder andere NBA-Star auch. Er fällt dort einfach nicht ab. Das zeigen die Zahlen.

    Das kann möglich sein, das er dort nicht abfällt. Nur hätte ich dann mal ein wirklich aussagekräftige Statstik dazu gesehen und nicht eine, die nur ein paar mickrige 1. und 2. Rundenspiele einschließt. Davonabgesehen, sagtest du selbst, das die Crunchtimeleistung gar nicht über Zahlen ausgedrückt werden kann.
    Und selbst wenn er nicht im Vergleich zur Konkurrenz abfällt, so muss man allerdings anmerken, dass er seine Dominanz der ersten 3 Viertel nicht auf die entscheidene Phase übertragen kann.

    @Schuhmann: Weil Schuhmann eben zu diesem Zeitpunkt die Statistik erhoben hat. Zu diesem Zeitpunkt war James geteilter 1. in Clutch-Bucket in den Playoffs.

    Ist mir schon klar, das er sie zu diesem Zeitpunkt erhoben hat, wenn sie allerdings wenig Aussagekraft bietet, sollte man sie nicht für seinen Artikel nutzen. Aber da sie deine Aussage stützt, war ja klar das sie hier einfließt.

    Keiner redet davon, dass Bryant schlechte Finals gespielt hat…

    Hat er das denn?

    Naja mir ist die Diskussion jetzt auch zu müssig, die meisten lassen sich eh von James zweifellos überragenden Stats blenden und halten ihn für den besten, bestimmt wird er deswegen auch wieder zum MVp gewählt. Aber soll mir nur Recht sein, ich finde den Finals-MVP (ja auch in dieser Statistik hat James 0!) eh wichtiger…

    nuff said.

  7. davesday

    “Clutch” ist der falsche Ausdruck. Es geht darum das Ego zu haben das Spiel alleine entscheiden zu wollen, mit der reinen Willenskraft. Und das konnte ein Michael Jordan. Und wie er vor kurzem selbst sagte ist der einzige aktive Basketballspieler, der mit ihm verglichen werden kann Kobe. LeBron ist ein Athlet zweifelsohne. Er hat tolle Stats und entscheidet viele Spiele komplett alleine. Aber er ist nicht Badass genug um jedwede Kritik abzuschmettern. Ein Kobe Bryant kann 3 Spiele hintereinander den Buzzerbeater danebensetzen. Er wird ihn im 4. Spiel wieder nehmen, wenn er meint er muss (gottseidank kann er den Ball auch leuten wie Fisher geben…). LeBron jedoch nimmt sich gerade wegen der Diskussionen und Kritiken über sein Spiel im 4. Viertel zurück. Und genau das ist der springende Punkt. Er hat sicherlich mittelfristig keine schlechtere Trefferquote als die meisten andern Stars in der “Crunchtime”, aber er muss die Würfe auch nehmen um sie zu treffen. Sobald es nicht läuft merkt man ihm an, dass er verunsichert ist. Genau das unterscheidet ihn von den wirklichen Legenden. Für ihn persönlich hoffe ich, dass er dieses Jahr einen Ring gewinnt, denn sonst werden die Geister die er selbst rief ihn auffressen. Bildlich gesprochen 😉

  8. bartek

    ich würde mich mal fragen, wenn lebron in einer serie 0-4 verliert(zerschmettert). sprich ein 0-4 sweep und das gegen dallas (gegenspieler:d.stevenson&marion&kidd)! ohne groß aufzuspielen. was wäre dann mit seinem ruf? naja von kobe spricht da keiner derzeit. da sieht man mal wieder, wie sehr die leute sich (gerne) von den massenmedien blenden lassen und die meinungen dort als ihre transportieren.

    wenn ich vor einem gegenspieler in einer serie angst hätte, weil er unser/mein team kalt machen könnte. dann wäre das lebron. wer sich diese frage selber stellt, der wird wenn er ehrlich ist lebron wählen.(wenn man kein frontcourt oder eine funktionierende teamdefense hat, evtl. howard)

    auch finde ich die finals 2011 nicht so schlimm von lebron, wie sie alle reden. klar hat er das ruder an wade gegeben. aber wenn man die finals gewinnen will und dallas wade nicht stoppen kann, dann lege ich doch gern auf wade ab. der hat das ja schon mal geschafft 😉 hätte miami die serie gewonnen, hätte keiner lebron schlecht geredet, sondern von seiner starken allround leistung gesprochen. wenn er dann als die zweite geige (pippen) bezeichnet werden würde, wäre er wohl die beste in der geschichte. :* (p.s. ich war für dallas in finals und sah einen sehr starken lebron. speziell bis zur mitte des serie, hatte man das gefühl das lebron die mavs überrennt. wer weiß was gewesen wäre, wenn lebron wade nicht das ruder überlassen hätte?? -> sehen wir in den finals 2012 😉 )

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