Tournament 2011

NCAA-Tourney-Preview: Southwest

Die Southwest-Region wird für die angesetzten Teams eine äußerst große Herausforderung darstellen. Ab dem Sweet Sixteen werden die Spiele in San Antonio, Texas ausgetragen. Neben den Kansas Jayhawks wurden auch noch folgende Mannschaften von dem Selection Committee ausgewählt:

Bracket

Quelle: ESPN Bracket

Macht auch mit und tippt euer Bracket. Tretet gegen die Redaktion und die Fans von Go-to-Guys an und beweist euer Wissen – oder strapaziert euer Glück!

Strength & Seeding

Mit Kansas, Notre Dame, Purdue, Louisville, Vanderbilt und Georgetown ist die Southwest überragend besetzt. Die Jayhawks sind mit einer Bilanz von 29-2 verdient als #1-Seed gesetzt. Auch wenn sich viele an das Upset aus dem vergangenen Jahr gegen Northern Iowa erinnern, werden Bill Self & Co. als Favorit gehandelt. Auch in der zweiten Runde sollte es keine Probleme gegen Illinois oder UNLV geben. Das Match zwischen dem #12 und dem #5-Seed ist immer ein potentielles Upset. Auch hier haben wir mit Richmond eine sehr gefährliche Manschaft, die insbesondere in Justin Harper einen brandgefährlichen Shooter und Rebounder hat. Außerdem blockt der Senior-Forward noch mehr als einen Wurf pro Spiel, was ihn zur Allround-Waffe macht. Trotzdem sehe ich die Commodores aus Vanderbilt in der zweiten Runde. John Jenkins kann mit seinen Fähigkeiten am Perimeter ein Spiel alleine entscheiden. Der Sophomore trifft mehr als 40 Prozent von der Dreierlinie und hatte schon 18 Spiele in dieser Saison mit 20 oder mehr Punkten. In der zweiten Runde werden sie auf den #4-Seed Louisville treffen. Die Cardinals sind dort richtig angesiedelt, die Saison hat aber gezeigt, dass sie durchaus Potential haben, das Elite Eight zu erreichen. Gegen Morehead State werden sie ohne Probleme gewinnen. Georgetown wird auf den Sieger des Duells USC gegen Virginia Commonwealth treffen. Seit der Verletzung von Guard Chris Wright haben die Hoyas kein einziges Spiel gewinnen können, was das Seeding stark beeinflusst hat. Ohne die Verletzung wäre man zumindest vor Vanderbilt angesiedelt worden. Auch wenn Wright vielleicht sogar noch eingreifen kann (die gebrochene Hand ist nicht seine Wurfhand) sehe ich hier eine Überraschung als sehr wahrscheinlich. Ich traue es den Trojans zu, VCU und Georgetown zu schlagen, um in die zweite Runde einzuziehen. Dort werden sie auf Purdue, den #3-Seed treffen. Durch das unglaublich starke Inside-Outside-Duo E’Twaun Moore und JaJuan Johnson sind die Boilermakers einer der Favoriten auf das Elite Eight. St. Peter’s ist erst zum dritten Mal im NCAA Tournament und wird auch dieses Jahr keinen Sieg erringen. Das Duell zwischen Texas A&M und Florida State dürfte eins der spannendsten werden. Star-Forward Chris Singleton setzte nach langer Verletzungspause auch noch das ACC-Turnier aus, um fit für die March Madness zu sein. Mit ihm haben die Seminoles sehr gute Chancen gegen die Aggies. Die Fighting Irish sind (mit North Carolina) der stärkste #2-Seed und können sich berechtigte Hoffnungen auf einen tiefen Run machen. In der unteren Hälfte wird der Platz unter den letzten Acht zwischen Hansbrough & Co. und Purdue ausgemacht. An dieser Stelle setze ich auf Purdue, da Johnson und Moore eine zu große Herausforderung für die Irish darstellen werden. In der oberen Hälfte werden es Kansas und Louisville machen, wobei die Morris-Brüder sicherlich den entscheidenden Vorteil ausmachen werden. Das Seeding ist meiner Meinung nach vollkommen gerechtfertigt, mit einer kleinen Ausnahme. Notre Dame ist der beste #2-Seed im Tournament, was verhindert, dass Purdue den für mich verdienten zweiten Platz in einer Region erhält. Hier könnte man etwas Kritik üben.

Somit werden die Kansas Jayhawks und die Purdue Boilernakers im Elite Eight um den Einzug ins Final Four spielen.

Top Two

Kansas Jayhawks

Dieses Jahr wird Kansas von Zwillingen regiert. Marcus und Markieff Morris sind die wichtigsten Spieler im Kader von Bill Self und haben einen gehörigen Anteil daran, dass sie schon seit Wochen als #1-Seed feststehen. Nach der peinlichen Niederlage in der zweiten Runde der vergangenen March Madness gegen Northern Iowa sind die Erwartungen umso größer. Der Titel ist das klare Ziel.

Bei nur zwei Niederlagen gab es kaum einen Tiefpunkt in der regulären Saison. Wenn man aber einen ausfindig machen müsste, wäre es sicherlich die Klatsche gegen die Rivalen der Kansas State University, nachdem man gerade zur Nummer eins des Landes auserkoren wurde. Das 63-74 gegen Texas bedeutete das Ende der Serie von 69 aufeinanderfolgenden Heimsiegen. Von diesen beiden Partien abgesehen, legten die Jayhawks eine makellose Saison hin, welche mit dem Big 12-Titel gekrönt wurde.

Forward Thomas Tobinson erlebte wohl die Tragödie des Jahres: Nachdem er seine Großmutter bereits Ende letzten Jahres verloren hatte, starben auch noch sein Großvater und seine Mutter in kurzen Abständen. Doch trotz alledem spielte der Sophomore gegen Texas und zeigte seine unglaubliche Stärke. Nicht viele Menschen hätten es geschafft, nach diesen einschneidenden Ereignissen aufs Parktt zu gehen und Basketball zu spielen.

Head Coach Bill Self vertraut weitesgehend auf die beiden Morris-Twins und überlässt ihnen alle Freiheiten. Beide haben einen guten Wurf sowohl vom High Post, als auch vom Perimeter. Auch im Post können sie mit mehreren Varianten zur Baseline ziehen oder mit dem Hook Shot über die Schulter abschließen, wobei sie zu den effizientesten Post-Spielern im College Basketball gehören. Durch die Vielseitigkeit ist es für den Verteidiger fast unmöglich, sie zu stoppen. Die Zahlen beweisen aber, dass Marcus (17.3 PPG) deutlich mehr Gefahr ausstrahlt als sein Bruder (13.6 PPG). Jedoch trifft Markieff den Distanzwurf mit 40.7 Prozent häufiger. Aufgrund dieser Fähigkeiten beginnt fast jeder Angriff damit, dass einer der beiden im Post gesucht und auch gefunden wird. Bei dem anschließenden Doppeln der Defense suchen die Brüder entweder den schnellen Abschluss oder einen der gefährlichen Shooter am Perimeter. Hier sind mit Tyrel Reed, Tyshawn Taylor, Josh Selby, Brady Morningstar, Mario Little, Travis Releford und Elijah Johnson sieben Spieler, die mehr als 36 Prozent von behind the arc werfen. Taylor verteilt mit 4.5 Vorlagen pro Spiel die meisten im Team. Mit seinen Drives zieht er die Verteidiger immer wieder in der Zone und findet den freien Mann unter dem Korb oder an der Dreierlinie.

In der Defensive vertraut Self auf die Mann-gegen-Mann Verteidigung. Die Morris-Brüder sind physisch stark genug, um die Big Men der Gegner verteidigen zu können. Auf den Guard-Positionen hat man ebenfalls talentierte On-Ball-Defender. Außerdem entstehen kaum Mismatches, da beim Wechsel keine Switches ausgeführt werden, sondern jeder Mann bei seinem Gegenspieler bleibt. Dadurch entsteht mehr Laufarbeit, aber wohin so ein Wechsel führen kann, haben wir im Big East Finale zwischen UConn und Pittsburgh gesehen. Gary McGhee kann ein Lied davon singen.

Ein Erfolgsrezept, um gegen die Jayhawks zu gewinnen, ist schwierig zu ermitteln. Gegen KSU hat man gesehen, dass, wenn man sie unter Kontrolle hat, schnell die Sicherungen durchbrennen und sich Frustration breit macht. Diesen Zustand zu erreichen, wird die Aufgabe sein. Gerade in einem Final Four-Duell gegen Ohio State könnte dies passieren, da Jared Sullinger in der Lage ist, die Morris-Brüder zu beschäftigen. Aber auch in einem Aufeinandertreffen mit Purdue könnte es zu Problemen kommen, da E’Twaun Moore, ähnlich wie Pullen, heiß laufen und Punkte am Fließband produzieren kann. Auch wenn ein Go-to-Guy im Backcourt fehlt, zählen die Jayhawks zu den vielseitigsten Programmen im Land und sind einer der Top-Favoriten auf die NCAA-Krone.

Purdue Boilermakers

38 Punkte, 13 von 18 aus dem Feld und 7 von 10 von Downtown. Der Sieg über die Ohio State Buckeyes wäre ohne die sensationelle Performance von E’Twaun Moore nicht möglich gewesen. Obwohl Big Man Johnson nicht seinen besten Tag hatte, konnte das beste Programm des Landes geschlagen werden. Das zeigt, warum mit dieser Uni zu rechnen ist. Zwar bilden Moore und Johnson eines der, wenn nicht das beste Guard-Forward-Duo der gesamten Division-I, aber es reicht einer der beiden, um ein Spiel gegen Ohio State zu gewinnen. Ein anderes Beispiel: In der Partie gegen die Wisconsin Badgers überzeugten sowohl Moore mit 19 Punkten, als auch Johnson mit 20 Punkten, 10 Rebounds und starken 4 Blocks. Ein Abend wie jeder andere für die Boilermakers und genau das sollte den Teams der Southwest-Region Angstzustände bereiten.

Die reguläre Saison war äußerst zufriedenstellend für Matt Painter und seine Jungs. Sie mussten keinen wirklichen „bad loss“ einstecken, auch wenn die Niederlagen gegen Richmond und West Virginia hätten verhindert werden können. Jedoch blieben die Boilermakers im Big Ten Tournament deutlich hinter den Erwartungen zurück und schieden schon früh gegen Tomm Izzo’s Michigan State Spartans aus. JaJuan Johnson, der in das erste All-American Team der Saison gewählt wurde, und seine Teamkollegen wollen dieses peinliche Erlebnis vergessen machen und im NCAA Turnier zeigen, was wirklich in ihnen steckt.

Painter tut gut daran, seinen beiden Stars alle Freiheiten zu lassen. Dies passiert auch zumeist. Oftmals versuchen sie auch in Zusammenarbeit über das Pick & Roll zum Erfolg zu kommen. Dies klappt meist sehr gut, da der Verteidiger es sich bei den Qualitäten von Moore (18.2 PPG) nicht leisten kann, unter dem Block durchzugehen. Somit kreiert Moore für Johnson mehr Raum. Geht der Verteidiger das Risiko doch ein, wird Moore dies von außerhalb bestrafen. Dadurch, dass der 22-Jährige auch sehr schnell und agil ist, haben die Gegner Probleme damit, ihn direkt am Perimeter zu verteidigen. Dies ist durch seine Vielseitigkeit aber unabdingbar. Teamkamerad Johnson (20.5 PPG) kann das Spiel ebenfalls entzerren, da auch er den Sprungwurf zu seinen Stärken zählen kann. Jedoch bezieht sich das eher auf die Mitteldistanz, da seine Quote von jenseits der Dreipunktezone nur 29.8 Prozent beträgt. Er bekommt den Ball zumeist mit dem Rücken zum Korb und bringt dann mit Vorliebe seinen Turnaround-Jumper an, allerdings verhilft ihm seine Athletik, auch in Korbnähe hochprozentig abschließen zu können. Trotz der Größe von 2.08 Meter ist der Power Forward sehr agil und beweglich, womit er sich in der Offensive, aber auch in der Defensive in eine bessere Position bringen kann. Des Weiteren ist der Senior mit Abstand bester Rebounder (8.2 RPG) der Boilermakers. Seine defensiven Qualitäten spiegeln sich insbesondere in seinen 2.3 Blocks pro Spiel wider. Das erlaubt den Guards am Perimeter noch agressiver am Ball zu verteidigen.

In der Defense vertraut Purdue auf die Mann-gegen-Mann Variante, was sich über die Saison bewährt hat. Im Supporting Cast sticht vor allem Guard Lewis Jackson mit 7.8 Punkten, 3.2 Rebounds und 3.9 Assists in 25.7 Minuten Spielzeit heraus.

Gerade im Vergleich zu Teams wie den Connecticut Huskies oder den Brigham Young Cougars fällt auf, welche Vorteile bei zwei hervorragenden Spielern entstehen. Während der March Madness werden die beiden Seniors gefordert sein, mit ihrer Erfahrung zu punkten. Mit ein wenig Glück und ansprechender Leistung ist im Elite Eight sogar ein Überraschungssieg drin, dennoch sollte diese Stufe vorerst das Ziel sein.

NBA-Prospects

Chris Singleton, Florida State Seminoles

Chris Singleton werden gute Chancen geschrieben, bald in der NBA zu spielen. Seine breiten Schultern in Kombination mit einer guten Portion an Muskelmasse verteilt auf knapp 2.05 Meter stechen heraus. Sein Team, die Florida State Seminoles, profitieren enorm von den Fähigkeiten ihres Forwards. Am College gehört der Junior eher zur Riege der Power Forwards, in der NBA wird er aber die Drei bekleiden. Zwar ist der Athlet offensiv kein ausgemachter Scorer, was 13.8 Punkte in dieser Saison untermauern, aber dennoch verhelfen ihm seine vielseitigen Qualitäten zu einer Auswahl an Skills. Neben seiner ausgereiften Athletik, die ihn über Ringniveau spielen lässt, schließt er mit Vorliebe per Sprungwurf ab. Dieser ist zwar nicht sehr rund, jedoch trifft er 37.5 Prozent seiner Distanzwürfe. Es ist ihm zuzutrauen, dass der 21-Jährige diesen auch auf das NBA-Niveau übertragen kann. Auch in Transition spielt er seine Stärken gut aus und kann den Fastbreak nutzen. Das Ballhandling wird ihm den Schritt zum NBA-Small Forward erschweren. Es fällt ihm noch schwer, konstant seinen eigenen Wurf zu kreieren.

Einen größeren Impact kann der in Canton, Georgia geborene Singleton defensiv haben. Seine Größe, Länge und Athletik machen ihn zu einem potentiellen Lockdown-Defender. Durch die Physis und Schnelligkeit kann er mehrere Positionen effektiv verteidigen. Außerdem zeigen 1.6 Blocks und 2.1 Steals pro Spiel weitere Aspekte seines Spiels.

Trotz der teilweise noch rohen Spielweise im Angriff kann sich Singleton Hoffnungen auf die Lottery machen. Ich sehe ihn nicht ganz so weit vorne, allerdings ist eine Position um Platz 20 realistisch. Verglichen wird er mit Luc Richard Mbah a Moute von den Milwaukee Bucks, wobei der Seminole physisch noch etwas stärker ist.

Kenneth Faried, Morehead State Eagles

Vielen wird dieser Name kaum etwas gesagt haben. Kein Wunder, der Big Man spielt für die Morehead State Eagles und hatte nur ein einziges Angebot für ein College-Stipendium. Warum bekommt der 21-Jährige dann hier einen ganzen Abschnitt? Er ist der beste Rebounder in der Geschichte des College Basketballs.

Seitdem der Senior diesen Rekord gebrochen hat, wird er in den Medien mit Ehrungen und Lobgesängen überhäuft. Experten von ESPN trauen ihm sogar eine Entwicklung zum nächsten Dennis Rodman zu!

Bester Rebounder der NCAA, bringt eine unglaubliche Energie auf das Parkett und ist sich nicht zu schade, die Drecksarbeit zu machen. Eigenschaften, die die General Manager der NBA lieben werden. Trotz der Größe von 2.03 Meter ist er unglaublich beweglich und sprunggewaltig. Neben seinem favorisiertem Abschluss, dem Dunk, hat Faried auch den Hook Shot in sein Repertoire aufgenommen, jedoch sind seine Post Moves noch sehr roh. Die Aktivität macht ihn zu einem ständigen Unruheherd auf dem Spielfeld. Mit 2.4 Blocks und 2 Steals im Schnitt beweist er seine defensiven Fähigkeiten auch in Zahlen.

In der NBA wird Faried Probleme aufgrund seiner Größe bekommen, aufgrund seiner Energie wird er das aber ausgleichen können. In der Ohio Valley Conference spielen nicht gerade die Top-Teams der Liga. Somit muss Faried erst einmal zeigen, ob er sein Spiel auch auf das Level der Profiliga übertragen kann. An dieser Stelle bin ich aber optimistisch.

Kenneth Faried ist für mich ein sicherer Erstrundenpick und mit seinen Qualitäten dürfte er jedem NBA-Team sofort helfen. Es ist sicherlich nicht einfach, den bisherigen Rekord von keinem geringeren als Tim „The Fundamental“ Duncan zu brechen. Mit diesem jungen Akteur werden wir noch viel Spaß haben und vielleicht ist er ja wirklich der nächste Rodman. Wer kann das schon wissen?

Games to watch

Wie auch in der East-Region werden wir in der ersten Runde auf knappe beziehungsweise spannende Spiele hoffen. Allenfalls die Partie zwischen Texas A&M und Florida State verspricht, interessant zu werden. Upset-Gefahr herrscht hier bei Vanderbilt, die mit Richmond einen vermeintlich starken #12-Seed bekommen haben.

Die richtig guten Spiele werden wir dann aber in der zweiten Runde erleben. Das Duell Vanderbilt (wenn sie es auch schaffen) gegen Louisville verspricht tollen und schnellen Basketball. Auch ein potentielles Aufeinandertreffen von Purdue und Georgetown klingt von den Namen her sehr interessant. Richtig rund geht es dann ab dem Sweet Sixteen, wenn die wirklichen Kracher-Partien kommen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

1 comment

  1. Hassan Mohamed

    Die Jayhawks haben auch einen interessanten Weg ins Final Four (falls sie es schaffen):

    #16 in der ersten Runde, #9 in der zweiten Runde, heute Nacht gibt es eine #12 (Richmond) und im Elite Eight würde entweder eine #10 oder #11 warten. Man kann es wohl auch schwerer haben. 😉

Schreibe einen Kommentar