New Orleans Pelicans, Toronto Raptors

Eine neue Richtung?

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Jarrett Jack verabschiedet sich. Er ist Bestandteil des ersten Spielertauschs der Saison 2010/2011, seitdem die NBA ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen hat. Die New Orleans Hornets und die Toronto Raptors haben sich auf einen Trade geeinigt und tauschen insgesamt fünf Spieler. Fünf Rollenspieler. Nichts Spektakuläres, möchte man meinen. Wieso dies trotzdem einen Artikel wert ist? Dieser Trade könnte ein Fingerzeig für die laufende Saison sein, denn einige Indizien deuten darauf hin, dass der Trademarkt sich nicht mehr so verhält wie in den letzten beiden Jahren. Go-to-Guys versucht, mögliche Trends aufzuzeigen.

Wir erinnern uns: Der Trade um Pau Gasol läutete eine Veränderung der NBA-Landschaft ein, weil es ab diesem Zeitpunkt gang und gäbe war, Stars mit längeren Verträgen gegen auslaufende Verträge und gegebenenfalls Talente oder Picks zu tauschen. Die eine Hälfte der Liga rüstete auf, die andere ab. Contendership oder Lottery-Pick schien der Grundtenor zu sein. Der gestern stattgefundene Trade zwischen den Hornets und Raptors könnte erste Tendenzen aufzeigen, dass dies nicht mehr in so extremem Maße praktiziert wird. Betrachten wir aber zunächst den Deal im Detail.

Fünf Spieler wechseln die Teams

Jerryd Bayless (vor der Saison erst aus Portland erworben) und Peja Stojakovic werden in Zukunft die Trikots der Toronto Raptors überstreifen, während Jarrett Jack, David Andersen und Marcus Banks bald in Louisiana beheimatet sein werden. Der Deal ist sportlich im weitesten Sinne als ausgeglichen zu betrachten. Die Hornets bekommen in Jarrett Jack den besseren Spielmacher und Dreierschützen im Vergleich zu Bayless, dafür erhalten die Raptors mit Peja Stojakovic einen erfahrenen, wenn auch verletzungsanfälligen Dreipunkte-Schützen. David Andersen hat seine NBA-Tauglichkeit noch nicht unter Beweis gestellt, Marcus Banks hingegen hat bewiesen, dass er in der NBA keine Nische findet, um produktiv zu sein.

Dabei muss gesondert betrachtet werden, dass dieser Trade eigentlich aus zwei Trades besteht. Das Problem stellte dabei Jerryd Bayless dar, der erst am 23. Dezember 2010 in einem Pakte mit anderen Spielern getradet werden dürfte. Also mussten die Raptors eine Trade Exception nutzen, um Bayless alleine zu erhalten. In einem zweiten Schritt dealte man Jack, Andersen und Banks gegen Stojakovic.

Eigentlich wäre damit schon alles gesagt, wenn man oberflächlich diesen Deal betrachtet. Dennoch werden einige Fragen aufgeworfen. Zunächst einmal rückt dabei in den Fokus des Interesses, warum beide Teams diesen Deal überhaupt anstrebten.

Intentionen der Hornets

Die New Orleans Hornets starteten beeindruckend in die neue Saison und gewannen zehn von elf Partien, darunter auch gegen die Miami Heat. Lediglich den Dallas Mavericks mussten sie sich geschlagen geben. Dabei hatte das Team vor der Saison einiges Personal ausgetauscht. Über Umwege hatten Darius Songaila, Craig Brackins, Darren Collison und Draftpick Cole Aldrich das Team verlassen, neu hinzugekommen waren Trevor Ariza, Jason Smith, Willie Green, Marco Belinelli,  Jerryd Bayless und Morris Peterson. Durch die Free Agency hatte man sich zudem DJ Mbenga und Pops-Mensah-Bonsu gesichert. Der ebenfalls neue Coach Monty Williams musste hieraus eine schlagkräftige Truppe formen, die Superstar Chris Paul zufriedenstellen sollte. Dem Aufbauspieler war in der Offseason nachgesagt worden, dass er einen Trade seinerseits forciert haben soll.

Die Hornets fanden gut zusammen, die Mischung schien zu stimmen und Chris Paul war vorerst besänftigt. Die Starting Five, bestehend aus Paul, Belinelli, Ariza, West und Okafor, bot eine exzellente Rollenverteilung an, wo vom Spielmacher über den Dreipunkteschützen, den Slasher, dem Spiel aus der Midrange und der Lowpost-Option offensiv alles zu finden war. Defensiv profitierte das Team von der Präsenz Okafors und der individuellen Klasse Arizas auf dem Flügel. Dazu kamen von der Bank eine Menge Spieler mit Feuer, sodass man sich auf Bayless, Green, Stojakovic und Jason Smith verlassen konnte. Wenn ein Team augenscheinlich funktioniert und überzeugt, warum sollte man es verändern?

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Eigentlich sprachen ab dem ersten Spieltag zwei Gründe dafür: zum einen hatte man mit Peja Stojakovic einen großen auslaufenden Vertrag in seinen Reihen, von dem man profitieren könnte. Zum anderen war die Rotation auf den großen Positionen nicht playofftauglich. West und Okafor sind als Starter über jeden Zweifel erhaben, aber dahinter gab es ein großes Loch. Jason Smith überraschte in den ersten Partien und erkämpfte sich den Löwenanteil der Minuten, letztlich sollten und wollten die Hornets aber nicht darauf vertrauen. Ein weiterer Rotationsspieler wäre im Hinblick auf die nächsten Monate ein wichtiger Baustein für den Erfolg.

Was außerdem nicht zu unterschätzen ist, ist der Zeitpunkt des Deals. Dass man diesen schon im November abwickelt, ist sicherlich als großer Pluspunkt aufzuführen. Das Team hat nun noch 70 Spiele, um sich wieder zu finden. Das ist im Gegensatz zu einem Trade im Februar ein signifikanter Vorteil, zumal man zwei Rotationsspieler abgibt und zwei neue einbauen muss, die nicht dieselben Positionen spielen. Die Hornets müssen also nicht einfach nur beide Akteure ersetzen, sondern zumindest die Minuten von Stojakovic auf dem Flügel anders verteilen. Das heißt, dass hier ein größerer Eingriff in die Rotation nötig wird – und dieser kostet Zeit, um wieder Automatismen auszubilden. Von daher ist der Tradezeitpunkt als richtig zu erachten.

Die frei gewordenen Minuten wird Coach Williams wahrscheinlich mit einer Drei-Guard-Line Up lösen (müssen). Marcus Thornton, der in seiner Rookie-Kampagne neben Darren Collison so überzeugte, wird wohl die Chance erhalten, sich abermals zu beweisen, nachdem die Hornets in dieser Saison vornehmlich auf Thornton verzichteten und auf dem Flügel mit Belinelli, Bayless, Green, Ariza und Stojakvic aufliefen. Stojakovic und Bayless verlassen nun die Rotation. Jarrett Jack kann die Rolle von Jerryd Bayless problemlos ersetzen.

Probleme wird es für die Rotation mit dem Abgang von Stojakovic geben. Es gibt keinen etatmäßigen Small Forward, der als Backup für Stojakovic einfach aufrutschen könnte. Deshalb wird diese Zeit wohl von einem kleineren Spieler ausgefüllt werden müssen. Offensiv gibt es keine Probleme, alle Spieler auf dem Flügel können die Rolle von Stojakovic ausfüllen, da sie (wenn Ariza nicht auf dem Feld steht) über einen guten Dreier verfügen. Defensiv muss aber zumindest ein Spieler den Small Forward des Gegners verteidigen. Hier müssen ebenfalls Adjustments gemacht werden. Ebenso verhält es sich auf den großen Positionen. Man bekommt hier mit Andersen einen Spieler hinzu, der durchaus die Rotation knacken könnte und es somit Spielzeitverschiebung auf den großen Positionen gibt.

Beachtenswert ist ebenfalls, dass die Hornets für dieses Jahr Verträge im Wert von 16,5 Millionen Dollar abgeben, aber nur knapp 12 Millionen aufnehmen. Bedingt durch die Trade Exception für Bayless konnten die Hornets somit für diese Saison 4,5 Millionen Dollar einsparen und befinden sich dadurch unter der Luxury Tax. Man erzielte also zudem beachtliche Einsparungen.

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Von daher ist der Deal aus Sicht der Hornets schon zu verstehen. Man gab keinen großen Spieler ab und sicherte sich mit David Andersen eine weitere Option in der Nähe des Korbs, der das Pick und Pop mit Chris Paul sehr gut spielen kann.

Ein Upgrade auf der 1 und zu Teilen auf der 2 durch Jack, ein weiterer Rotationsspieler mit Andersen, finanzielle Einsparungen. Der Deal könnte durchaus sinnvoll für die Hornets verlaufen sein, wenn man nicht die letzten zwei Jahre vor Augen gehabt hätte. Stojakovics großer auslaufender Vertrag brachte nicht den erträumten Gegenwert ein.

Erklärungsversuche für die Raptors

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Nach dem Abgang Chris Boshs suchen die Toronto Raptors einen Weg aus der Bedeutungslosigkeit. Warum die Raptors diesen Deal gemacht haben, ist allerdings nicht so einfach zu erklären. Sportlich geben sie den besten Spieler mit Jarrett Jack ab, ersetzen ihn aber durch den fünf Jahre jüngeren Jerryd Bayless. Ebenso wird man mit Marcus Banks einen wertlosen Spieler los und bekommt mit Peja Stojakovic einen weiteren Europäer ins Tam. Den Verlust des Australiers Andersen wird auch kaum jemand beklagen. Allerdings sollte man sich fragen, in welche Richtung diese Franchise eigentlich will. Vom Potential des Kaders müsste eigentlich ein Rebuild vollzogen werden.

Was machen hingegen die Raptors? Sie traden zwei auslaufende Verträge (David Andersens Vertrag kann nach der Saison gewaived werden und kostet dann nur noch 180.000 Dollar) und Jarrett Jack, dessen Vertrag sehr moderat ausfällt. Die Großverdiener Calderon, Bargnani und Barbosa bleiben unangetastet. Natürlich nehmen die Raptors mit Stojakovic einen großen auslaufenden Vertrag auf, jedoch zu welchem Preis? Sie bezahlen im ersten Jahr 4,5 Millionen Dollar mehr, erst 2011 rentiert sich der Deal, sofern Stojakovic nicht doch verlängert wird.

Wahrscheinlich wollten die Hornets entweder Andrea Bargnani nicht aufnehmen oder die Raptors ihr neues Gesicht der Franchise nicht so einfach verschenken. Wenn man jedoch Bargnani behält und Calderon behalten muss, wie sinnvoll ist es, mit Jack den besten Spieler des Trades abzugeben? Hätte man nicht zumindest mit Quincy Pondexter ein weiteres Talent verlangen sollen? Ein Rebuild läuft eigentlich in den meisten Fällen so ab, dass das rebuildende Team längere, überbezahlte Verträge abgibt und auslaufende Verträge aufnimmt. Die Raptors erfüllen nur den zweiten Teil.

Überhaupt wird der Deal in ein anderes Bild für die Raptors gerückt, wenn man bedenkt, dass man für Chris Bosh eine enorme Trade Exception erhielt, aber schon jetzt in den Rebuild gehen will. Wird man also auf die Trade Exception verzichten und hat damit Chris Bosh gegenstandslos verloren? Betrachtet man zudem die langjährigen Signings von Linas Kleiza und Amir Johnson, darf zudem angezweifelt werden, dass das Team in den nächsten drei Jahren in einen Rebuild gehen kann. Warum tradet man dann mit den Hornets, nimmt mehr Geld auf als man abgibt und erhält mit Jerryd Bayless das einzige Talent auf einer Position, wo es seit Jahren zwischen Jose Calderon und Jarrett Jack zu Streitigkeiten um Spielzeit kam? Zudem wird Calderon diese Position auch mittelfristig blockieren. Man sucht vergebens nach Erklärungen. Sportlich hilft der Deal nicht, finanziell hängt dies sehr von der Nutzung der Trade Exception ab.

Hoffen wir, dass die Raptors die Trade Exception noch einsetzen. Das bedeutet aber fast unweigerlich, dass man die Luxus-Steuer zahlen müsste. Für ein Team, das maximal 25 Siege einfährt. Ebenfalls eine Horrorvorstellung.  Der auslaufende Vertrag von Stojakovic würde die Raptors dann zur Saison 2011/12 wieder finanziell entlasten. Zusätzliche Einsparungen könnten erzielt werden, wenn man sich mit Stojakovic auf einen Buyout einigen könnte.

Generell sollte trotzdem die Frage aufgeworfen werden, welcher tiefere Sinn hinter dem Trade für die Raptors zu finden sein soll. Man bekam ein billiges Talent und einen auslaufenden Vertrag für einen besseren Spieler und zwei auslaufende Verträge. Man nahm höhere Verträge auf  als man abgab. Das ist keine Rebuild-Strategie.

Mögliche Tendenzen für den Trademarkt 2010/2011

Beide Teams haben keinen Blockbuster-Deal abgeschlossen, das war von vornhinein klar. Was ins Auge sticht, ist, dass Stojakovics großer auslaufender Vertrag schon jetzt genutzt wurde. Dies war zwar für die Hornets als Team sinnvoll, weil man mehr Zeit erhält, sich einzuspielen. In den letzten zwei Jahren konnte man mit diesen großen Verträgen aber wertvolle Spieler erhalten, die zumindest Starterpotenzial hatten. Die Cavaliers erhielten Antawn Jamison für einen auslaufenden Vertrag, die Mavericks gar Butler und Haywood, die Spurs Richard Jefferson, die Magic Vince Carter. New Orleans bekommt Jarrett Jack. Schlechtes Management? Wahrscheinlich nicht. Zum einen sind die Hornets der kleinste Markt und konnten keine langjährigen, überbezahlten Verträge aufnehmen. Zum anderen könnte dieser Trade auch der erste Schritt zu einem sportlich gesünderen Tradeverhalten der Franchises sein. Sportlich ausgewogenere Trades könnten das Bild wieder bestimmen.

Warum? Vor uns steht womöglich ein Lockout in der Saison 2011/12 (Go-to-Guys berichtete). Das heißt für die Teambesitzer, dass sie so solange keine Spieler bezahlen müssen, bis wieder ein neues CBA ausgehandelt worden ist. Dies könnte dafür sorgen, dass nun nicht mehr panisch gespart werden muss – vorerst muss ja nichts bezahlt werden. Verlaufen dazu die Verhandlungen günstig für die Eigentümer, könnten sie auch gar nicht mehr in die Situation kommen, Trades einzufädeln, die massive Ersparnisse mit sich bringen, weil die NBA durch das neue CBA dann eventuell auf finanziell stabilen Beinen stehen sollte. Betrachtet man aus dieser Perspektive den Deal, sollte es auch nicht mehr verwundern, dass die Hornets nicht mehr für Peja Stojakovics Vertrag erhielten.

Wenn dies wirklich die Tendenz ist, die sich abzeichnet, werden einige Franchises ihre Hoffnungen begraben müssen, zur Trading Deadline alleine mit riesigen, auslaufenden Verträgen ohne spielerischen Wert einen All-Star ertraden zu können. Es werden hoffentlich – im Sinne der vielen NBA-Fans, die davon zu Teilen gebeutelt wurden – wieder sportliche Aspekte im Vordergrund stehen.

Fazit

Dieser Tausch von Rollenspielern hat den New Orleans Hornets weit mehr geholfen als den Toronto Raptors. Die Hornets erhalten einen Seven-Footer für ihre Rotation, einen besseren Backup für Chris Paul, der auch legitim neben Paul agieren kann, und sparen zudem noch so viel Gehalt, dass sie keine Luxury Tax zahlen müssen. Sie verlieren mit Bayless ein Talent, das im Win-Now keinen rechten Platz gefunden hätte, und mit Stojakovic einen Shooter, dessen Zeit so langsam ablief.

Die Raptors lösen endlich ihr Problem auf der Point Guard-Position, indem sie einen der beiden Anwärter tradeten. Zudem erhält man ein Talent zurück, das sich in Toronto wahrscheinlich besser als in New Orleans entwickeln kann. Für die unmittelbare Zukunft bleibt die Entscheidung trotzdem fraglich, so viel mehr Gehalt aufgenommen zu haben. Mittelfristig hat man das Team auch nicht neu ausgerichtet. Es steht noch viel Arbeit in Toronto an.

Zukunftsweisend könnte der Trade vor allem für die Liga sein. Wenn sich die Tendenz bestätigt, dass auslaufende Verträge nicht mehr für sportlichen Erfolg eingetauscht werden können, würde dies der Ausgewogenheit der Liga wieder zu Gute kommen und die Small Market-Teams zumindest zu kleineren Teilen wieder konkurrenzfähiger machen. Mitentscheidend für den weiteren Fortgang sind die Verhandlungen zwischen der Spielergewerkschaft und der Liga.

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