Draft, Fool's Gold

Fool’s Gold 2016: Bigs

Welche Prospects haben ein zu hohes Bust-Potenzial?

Jahr für Jahr zeigen wir euch mit unserem Draftranking, welche internationalen Talente und CBB-Prospects über die Saison hinweg unser Herz erobert haben. Allen aufgeführten Spielern sagen wir mindestens eine NBA-Karriere als erfolgreicher Rollenspieler voraus. In diesen erlesenen Kreis zu kommen, ist allerdings nicht ganz einfach. Viele auf anderen Draftseiten als Firstrounder gehandelte Talente genügen unseren Ansprüchen nicht ganz. Sie funkeln und glänzen, sind am Ende aber wohl mehr Schein als Sein. In “Fool’s Gold Prospects” erklären wir euch, welche Jungs das in diesem Jahr sind und warum wir sie als Spieler mit zu hohem Bust-Potential einschätzen. Heute die Bigs:

Diamond Stone – Freshman – Maryland Terrapins

Warum Erstrundenhype?

Diamond Stone war vor dieser Saison einer der höchstgerankten Recruits seiner HS-Klasse. Einzig Simmons, Labissiere, Ingram, Brown und Ellenson reihten sich in der ESPN 100 für 2015 vor der #6 aus Wisconsin ein. Warum der Freshman so hoch eingeschätzt wurde, erklärt sich schnell. Auch wenn 6‘10‘‘ Körpergröße für einen Center nicht optimal sind, besitzt der Big Man durch seine Armspannweite von  7‘3‘‘ und vor allem seine 255 lbs. Körpergewicht alle physischen Voraussetzungen, um auch jetzt schon bei Kämpfen unter NBA-Körben seinen Mann stehen zu können. Trotz seiner Jugend stellte der 19-Jährige am College eine nur schwer aufzuhaltende Naturgewalt dar. Bezog er einmal eine Post-Position, war er nur noch schwer wegzubewegen und konnte seine Gegner oftmals überpowern (73,5 FG%@Rim).

Allerdings ist Stone nicht darauf angewiesen, jeden Ball zu dunken, sondern verfügt neben seiner Physis auch bei Hakenwürfen über einen guten Touch rund um den Korb. Seine herausragende Freiwurfquote (76,5 FT%) unterstreicht dieses überdurchschnittliche Wurfgefühl und stellt gerade für einen Big ein wertvolles Asset dar. Wie stark Stone als Big Man-Volume-Scorer durch diese Kombination aus Tools und Skills sein kann, zeigte sich kurz vor dem Jahreswechsel im Big Ten-Play: Der Terrapins-Freshman schenkte Penn State 39 Punkte ein und brauchte dafür nur 15 Wurfversuche aus dem Feld, da er 19-25 Freiwürfe traf. Zur Einordnung der Leistung: Inside-Scoring-Spezialist Jahlil Okafor erzielte am College nie mehr als 30 Punkte.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

In seiner ersten College-Saison zeigte sich Stone als reiner Offensivspieler, dessen Einstellung durchaus hinterfragt werden muss. Es ist bezeichnend, dass sein Coach Mark Turgeon ihn trotz umwerfender Effizienzwerte (118 ORtg bei 26,7 USG%) nur selten in die Starting Five packte und auch insgesamt nur sehr limitierte Minuten gab (23,1 MpG). Zum einen ist der Big bei weitem kein perfekter Offensivspieler. Hat er einmal den Ball, gibt er ihn auch nicht mehr her (4,2 AST%) und verliert ihn auch recht oft (12,9 TOV%). Diese Herangehensweise passt nicht mehr so gut in eine Basketballwelt, die immer mehr Wert auf Passing und Ballmovement legt. Zum anderen wirkt Stone in der Verteidigungsarbeit oft lustlos. Er blockt zwar ab und an ein paar Würfe (7,1 BLK%), bietet aber daneben kaum defensiven Mehrwert. Für Helpdefense fehlt ihm die Übersicht. In der Postverteidigung begeht er öfter einmal Positionierungsfehler. Im Pick’n’Roll kann er durch unterdurchschnittliche Mobilität attackiert werden und sammelt zu gern dumme Foul. Am schwersten wiegt aber, dass Stone nicht sonderlich gut ausboxt und reboundet (14,5 DREB%).

Dass diese Defensivrebound-Schwäche auch mit seinem zweifelhaften Motor zusammenhängen muss, zeigen seine starken Zahlen am offensiven Brett (12,4 OREB%). Stone verfügt unbestritten über ansprechende Tools und eine Menge basketballerisches Talent. Aber einem Spieler mit (auf NBA-Ebene) wenig gefragtem Skillset und Einstellungsproblemen das Maximieren der eigenen Möglichkeiten und eine rosige Zukunft vorherzusagen, fällt schwer.

Brice Johnson – Senior – North Carolina Tar Heels

Warum Erstrundenhype?

Das Senior-Jahr von Brice Johnson hätte kaum besser laufen können. Als bester Spieler des Teams führte der fast 22-Jährige seine Tar Heels in das Finale des NCAA Tournaments, legte über die gesamte Saison Fabel-Statistiken auf und verdiente sich so eine Ehrung als All American First Teamer. Johnson ist ein sprunggewaltiger Big Man, der mit einem sehr hohen Energie-Level spielt. Diese beiden Attribute weiß er vor allem in starkes Rebounding (20,4 TRB%) und effizientes Scoring (17,0 PpG, 130 ORtg) umzuwandeln. Durch seine Mobilität und Beweglichkeit ist er als Fastbreak-Finisher und Pick’n’Roll-Slasher sehr gefährlich. Gute Hände lassen ihn zu einer dankbaren Anspielstation in Korbnähe werden.

Nach Offensivrebounds kann der Senior für viele einfache Punkte durch Putbacks sorgen. Allerdings ist Johnson nach vier Jahren nicht mehr nur ein reiner „Reste-Verwerter“, sondern hat sich mittlerweile sogar einen funktionierenden Mitteldistanzwurf antrainiert, den er sowohl stationär als auch als Turnaround-Jumper treffen kann. Wie hart er an seinem Schuss gearbeitet hat, zeigt der 20 Prozentpunkte-Sprung, den er seit seiner Freshman-Saison in seiner Freiwurfquote zu verzeichnen hat (2013: 58 FT%; 2016: 78 FT%).

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Brice Johnson spielte 2015/16 vor allem auf höchstem Niveau, weil er den meisten Gegenspielern als Senior körperlich überlegen war. Dass er nur wenig Würfe für sich selbst kreieren kann, da er kaum über Handling oder nur wenige ausgefeilte Bewegungen im Post verfügt, fiel nicht auf, weil er noch recht einfach ohne Vorbereitung über Verteidigungsreihen abschließen konnte. In der NBA werden mehr Skills und Basketball IQ gefragt sein. Diese Fähigkeiten konnte der Tar Heel noch nicht als seine Stärken herausstellen.

Sein Wurf hat sich gut entwickelt, hat aber auch nur eine begrenzte Range und reicht noch nicht hinter die Dreierlinie. Insgesamt wirkt der Schritt zum NBA-Dreierschützen auch sehr ambitioniert für einen Spieler, der noch nie einen Wurf von hinter der CBB-Linie gewagt hat. Genau dies wäre aber wichtig für Johnson, um in der NBA als Vierer nicht eindimensional zu werden. Das Bekleiden der Rolle des Fünfers verhindern seine defensiven Schwächen. Der Tar Heel verfügt zwar über genug Mobilität, um das Pick’n’Roll ansprechend verteidigen zu können, liefert mit seinen verhältnismäßig kurzen Armen (7‘0‘‘ Wingspan) und seiner geringen Masse (210 lbs.) nur wenig Ringbeschützer-Potential. Johnson gehört als Energy-Guy in die NBA. Um sich dort aber länger als fester Rotationsspieler zu halten, wird er noch einige Fähigkeiten verbessern müssen.

Stephen Zimmerman – Freshman – UNLV Runnin’ Rebels

Warum Erstrundenhype?

Normalerweise landen talentierte 7‘0‘‘ Center mit 7‘3‘‘ Wingspan und McDonalds All American Status immer bei College-Blue Bloods. Doch der Concensus Top 10-Recruit Stephen Zimmerman überraschte viele Beobachter des CBBs, als er vor der vergangenen Saison Angebote von UCLA, Kentucky, Kansas und Arizona ausschlug und sich lieber dafür entschied, das College in seiner Heimatstadt Las Vegas zu besuchen. Seinem Spiel schadete dies nicht. Auch in der Wüste Nevadas konnte der Freshman zeigen, dass er über großes basketballerisches Können verfügt.  Auffällig ist zunächst seine Mobilität. Für einen Sevenfooter bewegt sich Zimmerman sehr geschmeidig. Ihm fällt es leicht Fastbreaks mitzulaufen und abzuschließen (1,18 PPP). Im Halbfeld ist er in erster Linie ein Inside-Scorer und kann in der Zone mit dem ein oder anderen Postmove aufwarten. Aber auch sein Wurf ist schon solide entwickelt.

Aus dem Pick’n’Pop stellt er deswegen eine potente Abschlussoption dar (1,15 PPP) und traf auf College-Ebene teilweise sogar schon Dreier (5-17 3P). Auch als Passer konnte er in manchen Momenten schon überzeugen (6,4 AST%). Dazu präsentierte er sich als starker Defensivrebounder (26,5 DRB%) und solider Shotblocker (7,5 BLK%).

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Zimmerman scheint oberflächlich betrachtet, ein Spieler mit schon sehr rundem Skillset zu sein. Auf den zweiten Blicken fällt allerdings auf, dass der 19-Jährige nur wenige Facetten des Spiels auf wirklich hohem Niveau beherrscht. Offensiv ist er furchtbar ineffizient (98 ORtg bei 21,9 USG%). Postet er auf, ist er sehr ausrechenbar, da er kaum seine Off-Hand benutzt. Dies könnte daran liegen, dass er an diesem rechten Arm schon einmal eine schwerere Ellenbogenverletzung erlitt, die bis heute das Durchstreckvermögen des Gelenks behindert. Beim Abschluss am Ring scheint es trotz soliden 235 Pfund Körpergewichts oft an Robustheit zu fehlen (59 FG%@Rim).

Diese Probleme erklären, warum sich Zimmerman etwas zu sehr auf sein Faceup-Game verlässt, ohne einen elitären Wurf zu besitzen. 43 Prozent seiner Abschlüsse erfolgen aus der Mitteldistanz, obwohl er nur rund 38 Prozent seiner Zweipunkte-Sprungwürfe verwandelt – zu viel für einen Big M01an mit seinen physischen Voraussetzungen. Defensiv zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier fehlt dem Center oft die Toughness, um ein ernstzunehmender Verteidiger zu sein. Oft agiert er nur halbherzig und zeigt, dass es ihm an Verständnis für kluge Defensivarbeit zu fehlen scheint. Er steht sehr oft falsch und begeht dadurch viele vermeidbare Foul, die ihn ultimativ Spielzeit kosten.

Wenn Zimmerman schon in der schwächeren Mountain West Conference an Grenzen gestoßen ist, stellt sich die Frage, wie er sich in einer noch athletischeren Liga schlagen wird. Der talentierte Big wird beginnen müssen, klare Stärken zu entwickeln, die Coaches einen Grund geben, ihn in Lineups einzubauen. Bis diese Skills herausgebildet sind, wird aber noch etwas Zeit vergehen.

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