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“Biggest upset ever!”

Nach ihrem Sieg über die favorisierten Michigan Starte University gab es für die Raiders der Middle Tennessee State kein Halten mehr. Von den Fans wurde der Sieg der #15 gegen die #2 der Midwest-Region des diesjährigen Tournaments als “Biggest upset ever!” gefeiert. Ein Argument gegen diesen Betitelung zu finden, fällt tatsächlich schwer, obwohl es bereits achte Mal war, dass es bei einer solchen Seedkombination zum Upset in der ersten Runde kam. Doch stand die Niederlage der Spartans unter anderen Vorzeichen.

Die Vorzeichen

Von vielen Experten wurde das Team von Tom Izzo im Vorfeld des Tournaments als First Seed gesehen. Doch am Selection Sunday kam es dann anders. Trotz des Erfolgs im Big Ten Tournament wurden die Spartans “nur” als #2 im Mittleren Westen verkündet. Dennoch konnte man in den Spartans eine Art 1b Seed sehen, denn passend dazu, wurden sie von 22,3% der Teilnehmer der ESPN-Bracketchallenge als Finalist gesehen. Diesen Wert überboten nur die Jayhawks aus Kansas (25%). Entsprechend der allgemeinen Meinung über das Team aus East Lansing, scheiterte das Team nur haarscharf an der ersten Seedline.

Und als ob das noch nicht genug war, verfügte MSU mit Denzel Valentine zusätzlich über einen der besten Spielern des Landes und Finalist im Player of the Year-Rennen. Ein weiterer Faktor, der also eher für den Favoriten sprechen würde.

How it went down

Doch ganz so einfach läuft das Tournament eben nicht. Favoriten fallen und vermeintliche Außenseiter sorgen für den großen Knall. Anders als in der NBA, handelt es sich um den Single-Elimination Format. Also gilt: Win or go home!

Erschwert wird das Ganze für den Favoriten zusätzlich durch den Fakt, dass es sich ein solches Duell für das Mid-/Low-Major oft um DAS Spiel des Jahres handelt. Dies liegt nicht nur daran, dass es die einzige Chance für die kleinen Programme ist, sich mit einem Hochkaräter zu messen (Sinnbildlich steht hier der Spielplan der Blue Raiders für viele Low-/Midmajor, die meist nur wenige Möglichkeiten haben überhaupt gegen einen High-Major anzutreten). Zusätzlich ist es auch die medialen Aufmerksamkeit, die den Teams im Tournament zuteil wird. Man bekommt schließlich nicht jeden Tag die Chance den Titeltraum eines Traditionsprogrammes zu zerstören. Oft helfen dabei ältere Spieler, die schon ihre Erfahrungen auf kleiner Bühne sammeln konnten. Das Selbstverständnis heute für den großen Coup zu sorgen und im Optimalfall die vorhandene Erfahrung sind die Grundzutaten eines jeden Upsets. Die reine Hoffnung sich als Giant-Killer zu offenbaren, gewinnt jedoch noch lange keine Spiele. Was war also der Garant für das Upset?

Frühstart? Absolut erwünscht! 

Wichtig ist zunächst der gute Start in die Partie, der zusätzlich auch das Selbstvertrauen pushen kann. Gerade gegen erfahrene Teams, zu denen auch Michigan State zählt, besteht sonst die Gefahr einem uneinholbaren Rückstand hinterher zu laufen. Für den Favoriten wird das Spiel dann zur lästigen Pflichtaufgabe. Zu dieser Routine darf es gar nicht erst kommen, will man eine reele Chance wahren.

Ziel für jeden Giant-Killer ist es, einen Blitzstart hinzulegen. Middle Tennessee gelang dieser Start mit einem eindrucksvollen 15-2 zu Beginn der Partie, bei dem man zusätzlich 6-6 FG traf.

Und so banal es auch klingen mag, gerade an dieser ersten Prüfung scheitern bereits viele möglich Upsets. Es ist schließlich deutlich einfacher von Beginn an mitzuhalten, bzw. phasenweise voranzugehen, als sich im späteren Verlauf mühevoll herankämpfen zu müssen. Denn zu solchen Situationen lassen es die Favoriten, haben sie einmal eine deutliche Führung inne, meist gar nicht mehr kommen. 

Make your shots! 

Ein weiterer Punkt, der ebenfalls einleuchten sollte, ist es die eigenen Würfe zu treffen. Was MTSU mit einem Lauf zu Beginn der Partie sehr gut begann, zog sich schließlich nach dadurch getanktem Selbstvertrauen durch das gesamte Spiel. Blue Raiders versenkten Wurf nach Wurf. Insgesamt trafen sie 55,9% seiner Feldwürfe und sogar 57,9% von hinter der Dreipunktlinie.

Einmal in den Rhythmus gekommen, kann ein Zwerg sogar einem Riesen ordentlich zusetzen, der sonst sehr viel weniger zulässt. Über die komplette Saison erlaubten die Spartans 38,2% aus dem Feld (Rang 2 in der kompletten NCAA Div.1) bzw. 31 % von hinter der Dreierlinie.

Es ist also alles andere als eine Selbstverständlichkeit, in diese Maße gegen das Team von Tom Izzo zu treffen. Um genau zu sein handelt es sich sogar um das einzige Team, welches in dieser Saison in beiden Kategorien über 50% ihrer Würfe gegen die Spartans traf. Ansonsten gelang es nur Nebraska und Purdue überhaupt an einer der beiden 50% Hürden zu kratzen. Die Trefferquote entpuppte sich also als echter Schlüssel zum Erfolg.

Make them pay!

Ebenfalls wichtig ist es die Favoriten für jeden Fehler zu bestrafen. Beispielhaft dafür kann die folgende Szene betrachtet werden:

Nach dem Ballverlust will Michigan State pressen, sichern allerdings den eigenen Korb nicht ab. Dadurch kommt es zu einfachen Punkten. Zu allem Überfluss kommt Bigman Colby Wollenmann zu viel spät und verursacht den And-One. Genau von solchen Fehler zehrt der Aussenseiter. Um das Upset am Leben zu halten, ist es eben wichtig genau solche Szenen in Verwertbares umzumünzen.

Optional

Zusätzlich zu den genannten Punkten gibt es optimale Möglichkeiten, die zu einen Upset beitragen können. Dazu gehören vor allem Faktoren, die ins Clutch-Game fallen.

So kann es ein wichtiger Faktor sein, dass die Verteidigung zu Spielende noch einmal anzieht. Als Beispiel für eine solche Clutch-Defense kann Gonzaga dienen. Die Bulldogs haben als Außenseiter in den letzten 6:53 Minuten ihrer Ersrundenpartie nur 4 Punkte zugelassen und schließlich ihr Upset mit bissiger Verteidigung erzwungen. Zugegebenermaßen ist es allerdings nicht immer notwendig gegen Ende noch einmal defensiv zuzulegen. Situationsbedingt kann es jedoch durchaus ein Gamechanger sein.

Gleiches gilt auch für Hero-Aktionen, die uns gerade auch gegen Ende der Partie in Erinnerung bleiben. Als Beispiel hier wieder eine Szene aus einer anderen Begegnung vom Wochenende.

Der Hero-Shot von Josh Hagins (Arkansas-Little Rock) sorgte für die Overtime gegen Purdue. Aber auch solche Aktionen sind bestenfalls optionale Faktoren für ein Upset.

Fazit

Für ein Upset braucht es also mehr als nur den reinen Willen. Neben diesem sind es vor allem ein guter Start, die Fähigkeit den Gegner für jeden Fehler zu bestrafen und die eigene Offensive die Grundlage für jedes Upset.

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