New York Knicks

Die Knicks im Umbau

Von Playoffs und Perspektiven

Die Vorzeichen für die New York Knicks standen in dieser Saison denkbar ungünstig: Ein völlig neu zusammengestelltes Team, eine große Anzahl an Spielern mit Defensivallergie im Kader und kein eigener Draftpick versprachen eine erneut schwierige Saison für die Knicks.
Doch nach etwas mehr als der Hälfte der Saison sind die Knicks – entgegen aller Prognosen – noch nicht völlig aus dem Playoffrennen im Osten verschwunden, und das obwohl der Osten sich in diesem Jahr als überraschend stark entpuppte. Zudem hat sich Rookie Kristaps Porzingis als  Glücksgriff erwiesen. Der vierte Pick der letztjährigen Draft, der eigentlich langsam an die NBA herangeführt werden sollte, ist jetzt schon der zweitbeste Scorer seines Teams und nimmt auch in der Defensive und beim Rebounding positiven Einfluss auf das Spiel der Knicks.

Offensiver Flow

Obwohl die Triangle Offense weiterhin das Hauptmerkmal der Offensive bildet, bringen die Knicks in dieser Saison auch deutlich häufiger andere offensive Elemente ein.
Wie in der letzten Saison spielen die Knicks eher eine langsame Pace. Im Vergleich zur letzten Saison fällt jedoch auf, dass sie in dieser Saison deutlich häufiger den Abschluss in der Early Offense suchen. Vor allem Calderon und Anthony initiieren oft ein frühes Pick and Roll, um die Unsortiertheit der gegnerischen Defense auszunutzen. In diesem Auszug aus dem Spiel gegen die Hornets ist dies sogar in aufeinanderfolgenden Possessions zu beobachten.

Ebenfalls kein ungewöhnliches Element in der Knicks-Offense der letzten Jahre ist es, Carmelo Anthony, als einen der besten 1-vs-1-Scorer der Liga, einfach auf einer Seite des Feldes zu isolieren und ihn aus dem Post-up oder der Isolation agieren zu lassen.

Neben seinen schon immer vorhandenen Scoringfähigkeiten, schafft es Anthony in dieser Saison auch deutlich besser seine Mitspielern einzubinden. Zum ersten mal in seiner Karriere verteilt er über 4 Assists pro Spiel und das, obwohl er pro Spiel die wenigsten Minuten seiner Karriere spielt und zusätzlich noch in einem langsam spielenden Team agiert. Im Januar steigerte er seine Assistwerte sogar noch und verteilte durchschnittlich 5.2 Assists. Symbolisch für das gesteigerte Vertrauen von Anthony in seine Mitspieler ist die Schlussphase gegen Utah, wo er in zwei aufeinanderfolgenden Possessions aus der Isolation den offenen Dreierschützen findet.

Auch die Triangle Offense wirkt deutlich flüssiger und lange nicht mehr so statisch wie in der vergangenen Saison. Vor allem Arron Afflalo stellt hier eine Bereicherung dar. Afflalo ist in dieser Saison nicht nur einer der besten Post-up-Wings (1.11PPP/83 Possessions), sondern strahlt zusätzlich auch noch große Gefahr für die Defensive aus, wenn er abseits des Balles um einen oder mehre Blöcke gelaufen kommt.

Dazu zahlt sich die Konstanz im Roster und in der Rotation aus. Durch die vielen Trades, sowie Verletzungen von wichtigen Offensivspielern wie Calderon und Anthony, konnten sich die Knicks in der letzten Saison nicht an das Offensivsystem gewöhnen. In dieser Saison gab es bis auf kleinere Knöchelbeschwerden von Anthony und den etwas verspäteten Saisonbeginn von Arron Afflalo während der Saison kaum größere Veränderungen in der Rotation.
Sowohl systembedingt, als auch aufgrund der Stärken vieler offensiver Leistungsträger nehmen die Knicks sehr viele Würfe aus der Mitteldistanz. Lediglich die Memphis Grizzlies schließen aus der vermeintlich ineffizientesten Zone noch häufiger ab. Mit Anthony, Afflalo und Porzingis sind es die drei vermeintlich besten Offensivspieler, welche zusammen mehr als die Hälfte aller Mitteldistanzwürfe nehmen. Doch während Anthony (44.1%) und Afflalo (48.2%) diese zumindest noch einigermaßen hochprozentig treffen, sind es vor allem Derrick Williams (37%) und Jerian Grant (35%), welche die Anzahl ihrer Abschlüsse aus der Mitteldistanz deutlich zurückschrauben sollten.
Was der Offensive der Knicks noch fehlt, ist ein Ballhandler, der durch den Zug in die Zone immer wieder Löcher in die Defensive reißen kann. Eventuell kann Jerian Grant diese Rolle in einigermaßen naher Zukunft ausfüllen. Calderon ist dagegen eher ein ruhiger Aufbau, der als Point Guard in einer Triangle Offense, welche überwiegend auf Spieler- und Ballbewegung beruht, sehr gut passt. Dennoch sind lediglich 15.4 Drives pro Spiel (30. in der NBA) als Team deutlich zu wenig. Die geringe Zahl an Drives hat auch zur Folge, dass die Knicks extrem selten in der Restricted Area abschließen (Rang 29).  Auch würden die Knicks noch mehr von ihrer guten Freiwurfquote (81.4%/1.) profitieren, wenn sie beim Zug zum Korb noch das ein oder andere Foul ziehen würden.

Präsenz unter dem Korb

In der Defensive haben die Knicks gerade auf den kleineren Positionen größere Probleme. Jose Calderon konnte schon in seinen jüngeren Jahren kaum einen NBA Point Guard vor sich halten, Carmelo Anthony ist auf der Small Forward Position ebenfalls deutlich zu langsam. Arron Afflalo lässt immer mal wieder die eine oder andere gute defensive Leistung aufblitzen, agiert oft aber auch defensiv viel zu unkonzentriert.
Der Grund, warum die Knicks es schaffen, eine beinahe durchschnittliche Defensive zu stellen (DRTG 104.2/18.), sind die beiden Big Men Robin Lopez und Kristaps Porzingis. Aufgrund der schwachen Perimeter-Defense lassen die Knicks die fünftmeisten Abschlüsse in der Restricted Area zu, dennoch verteidigt kaum eine Mannschaft besser in der Zone als die Knicks. Nur 56.5 Prozent der gegnerischen Abschlüsse führen letztendlich auch zum Korberfolg, nur drei Teams können eine bessere Quote aufweisen. Bei den verteidigten Abschlüssen am Ring liegen die Knicks mit einer Quote von 47.8 Prozent sogar auf dem ersten Rang.
Dies zeigt sich auch in der Art, wie die Knicks das gegnerische Pick and Roll verteidigen. Sowohl Lopez als auch Porzingis sinken in der Regel extrem tief ab. Dies führt dazu, dass die gegnerischen Ballhandler oft dazu verleitet werden, zum schwierigen Wurf aus dem Dribbling hochzugehen.

Selbst wenn der gegnerische Ballhandler in die Zone zieht, sind Porzingis bzw. Lopez dann noch in guter Position, um den Abschluss gut zu verteidigen. Der primäre Fokus besteht darin, keinen einfachen Abschluss am Korb zuzulassen, deshalb sind die Knicks auch oft etwas anfälliger, wenn wurfstarke Big Men in das Pick&Roll involviert werden.
Was in den vier Spielszenen des Videos ebenfalls auffällt, ist, dass die Verteidiger, welche nicht in das Pick&Roll involviert sind, so gut wie gar nicht aushelfen. Die einzige Ausnahme bildet hier die Spielszene gegen die 76ers, als Arron Afflalo von JaKarr Sampson (19.4% 3P-FG) aushilft. Da die Verteidiger abseits des Balles sich nur sehr wenig von ihren Gegenspielern weg bewegen, erlauben die Knicks vergleichsweise wenig offene Dreier. Die gegnerische Dreierquote beträgt durchschnittlich gerade einmal 32.9 Prozent (Rang 5).

Langfristige Hoffnung

Die langfristigen Hoffnungen liegen natürlich hauptsächlich bei Kristaps Porzingis. Viel wurde vor der Saison über Porzingis geredet, doch so richtig wusste niemand, was von dem 19-jährigen Letten zu erwarten war. Allgemein wurde er jedoch als langfristiges Projekt angesehen und nicht als Spieler, welcher direkt einen positiven Impact auf das Spiel der Knicks haben könnte.
Eine von Porzingis größten offensiven Stärken ist sein Sprungwurf. Dass Porzingis sich zu einem guten Schützen entwickeln könnte, hatten die meisten Experten erwartet. Allerdings war es nicht zu erwarten, dass Porzingis sich bereits in seiner Rookiesaison so schnell an die NBA-Dreierlinie gewöhnen kann und bereits jetzt schon ordentliche 34 Prozent von hinter der Dreierlinie trifft. Sein guter Shooting Touch und sein hoher und schneller Release machen es extrem schwierig, seine Würfe gut zu contesten.

Aus dem Pick&Roll oder aus Downscreens kann Porzingis sich oft genügend Platz generieren, um abzuschließen. Mit 1.13 Points per Possession ist er einer der effizientesten Roll-Man der Liga. Auch aus Offball-Screens schließt er recht effizient ab (0.98 PPP). Doch Porzingis ist nicht nur ein guter Shooter. Trotz seiner Größe verfügt er über gute Ballhandlingskills und kann gegnerische Big Men auch aus dem Dribbling attackieren.

Äußerst überraschend ist die Tatsache, dass Porzingis bereits in der Defensive und an den Brettern extrem gut agiert. Aufgrund seiner vergleichsweise geringen Masse und seinem dünnen Oberkörper, war es zu erwarten, dass er Probleme mit dem physischen Spiel in der NBA bekommt. Doch Porzingis ist bereits jetzt ein solider Rebounder, schafft es am defensiven Brett seinen Mann vom Rebound fern zu halten und kann in der Offensive des Öfteren fehlende Boxouts durch Putback-Dunks bestrafen.
In der Defensive spielt er wie oben bereits angesprochen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Knicks und hat sich bereits als Rim-Protector (Opp FG von 46.2%) etabliert. Auch nach Switches macht er für einen 2.20m-Spieler eine gute Figur, auch wenn es ihm noch häufiger passiert, dass er auf Pump Fakes hereinfällt und sein Gegner dadurch Freiwürfe ziehen kann.

Realistische Playoffchancen und Perspektive

Aufgrund der Tatsache, dass die Knicks in dieser Saison ihren Pick nicht besitzen, muss das Ziel eigentlich Playoffs heißen. Dennoch scheint sowohl der Kader aktuell noch zu schwach, als auch die Konkurrenz zu stark, um wirklich eine Chance zu haben, in die Playoffs einzuziehen. Der bisherige Spielplan war laut Strength of Schedule bisher leicht unterdurchschnittlich schwer. Dagegen hatten Playoffkonkurrenten wie Washington (2.) und Charlotte (3.) mit die schwierigsten Schedules der NBA. Hinzu kommt die Tatsache, dass die beiden Mannschaften im bisherigen Saisonverlauf deutlich mehr Verletzungsprobleme (Jefferson/Kidd-Gilchrist/Beal) verkraften mussten und sich eventuell noch steigern werden. Auch mit einem Einbruch von Detroit, Miami, Indiana oder Boston ist unter normalen Umständen nicht zu rechnen.
Im kommenden Sommer werden die Knicks bei einem prognostizierten Salary Cap von 89 Millionen wieder 20 Millionen Dollar Platz zum Arbeiten haben. Der einzige auslaufende Vertrag eines wichtigen Rotationssspieler ist der von Langston Galloway, solange Arron Afflalo nicht seine Spieleroption zieht und aus seinem Vertrag aussteigt.
Keine überteuerten langfristigen Verträge, nach der nächsten Draft alle Erstrundenpicks in eigener Hand und einen der talentiertesten jungen Spieler der Liga im Kader: Die Knicks haben zum ersten mal seit langer Zeit wieder Flexibilität und eine Perspektive.

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