Draftprofile 2015

Myles Turner

University of Texas

Datenblatt

Name: Myles Turner

Position: Big

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: University of Texas

College-Erfahrung: Freshman

 

Im Sommer des Jahres 2015 befinden wir uns in einer Phase, in der Draftscouts nur noch über Jahlil Okafor und Karl Towns als beste Bigmen dieses Draftjahrgangs reden. Vor 12 Monaten sah dies allerdings noch ganz anders aus. Im Kampf um den Titel stärkster Center der HS-Class ‘14 stand #5 -Prospect Myles Turner auf einer Stufe mit den beiden Star-Freshmen der Final Four-Teams Duke bzw. Kentucky. Longhorns-Fans feierten den jungen Mann aus Bedford, TX als besten Recruit seit Kevin Durant. Leider fand Turner in Austin im Vergleich zu Okafor/Towns eine weniger vorteilhafte Situation vor. Ein ungelöster Logjam im Frontcourt, eine langwierige Verletzung des besten Ballhandlers sowie ein Coach, der trotz Top 10-Roster fast das Tournament verpasste und deswegen am Ende der Spielzeit seinen Job verlor – dies waren die Storylines, die eine eigentlich starke Freshman-Saison des Bigman die Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, die sie eigentlich verdient gehabt hätte. Aber dafür sind wir ja da!

Tools & Skills

Myles Turner verfügt mit der Kombination aus 6‘10‘‘ Körpergröße und 7‘4‘‘ Wingspan über sehr gute körperliche Voraussetzungen für einen Bigman. Zur Einordnung: Anthony Davis besitzt ungefähr die gleichen Ausmaße. Im Gegensatz zur Rookie-Version des Pelicans-Bigs (210 lbs) kommt Turner allerdings schon mit 240lbs Körpergewicht und einem dadurch etwas besser ausgefülltem Frame daher. Diese Länge sollte es dem ehemaligen Longhorn erlauben, in der NBA gegen einen Großteil der Spieler seiner Position gut aufspielen zu können. Allerdings wird Turner auf Profi-Level wohl nur noch als durchschnittlicher Athlet gelten können. Zwar ist er für seine Größe durchaus recht beweglich und in der Lage lange Wege auf dem Parkett zurückzulegen, verfügt aber weder über herausragende Explosivität, großartige Agilität oder elitärere Sprungkraft.

Diese Beobachtung wird sehr deutlich, wenn man sich sein Offensive-Game näher anschaut. Ein etwas unrund aussehender Laufstil und fehlende Endgeschwindigkeit stechen in Fastbreak-Situationen sehr oft hervor. Diese fehlende Athletik ließen ihn am College nahezu einem Non-Factor im Schnellangriff werden. Nur fünf Abschlüsse bei dreizehn Versuchen schaffte der Big „in transition“ in 14/15. Turner scheint sich dieser Limitationen bewusst zu sein und hat sich deswegen schon recht früh zu einem Skills/Finesse-Player entwickelt, der mehr oder minder ohne die Hilfe von körperlicher Überlegenheit auskommt.

Primäre Waffe seiner Offense ist sein starker Wurf. Turner verfügt über einen sehr guten Touch gepaart mit hohem und verhältnismäßig schnellem Release. Seine Range könnte dabei mit nur wenigen ausgiebigen Sommer-Sessions schon in naher Zukunft bis hinter die NBA-Dreierlinie reichen. Schon am College wies Turner mit 42,7 FG% aus der Mitteldistanz einen ordentlichen Wert für Midrangewürfe auf. Er ist tödlich, wenn er an der Freiwurflinie steht (83,9 FT%). Zudem bildet eine Dreierquote von 27,4 3P% schon ein ordentliches Fundament für einen 19jährigen Freshman. Für ihn gelaufene Out-Of-Bounce-Plays, die zumeist in Dreierchancen für ihn endeten, geben einen Hinweis darauf, dass er im Training in Sachen Distanzwurf eventuell gar schon mehr zeigen konnte, als sich bisher auf das Parkett übertragen ließ. Ihn nicht als interessanten Floor-Stretcher und spannende Pick’n’Pop-Option zu sehen, fällt wirklich schwer:

Allerdings erweist sich seine große Stärke Wurf andererseits auch oft als hinderlich für sein restliches Game. Als 6‘10‘‘-Big sollte ein Spieler seiner Klasse viel öfter in Korbnähe zu finden sein und dort abschließen. Turner offenbarte in seinem Jahr für Texas (auch systembedingt) die Tendenz, eher am Perimeter herumschweben zu wollen, als im Post für eine gute Position zu ackern. Das Label „Soft“ kann ihm dadurch recht leicht angehangen werden: Off-ball-Bewegungen führt er nur für Mitteldistanzversuche durch. Klare Pick’n’Roll-Situationen werden für ein „Pop“ inklusive Jumper einfach abgebrochen. Post-Ups enden wegen noch fehlender, körperlicher Lowpost-Moves zu oft in solchen schwierigen Fade-Aways/Turnarounds:

Auch wenn Turner mit seiner Wurf-Qualität diese artistischen Schüsse wie kaum ein anderer CBB-Spieler trifft – die Folge dieser eher passiven Spielweise ist aus Effizienz-Sicht beängstigend: Er nimmt als Bigman nur 23,8 Prozent seiner Würfe am Ring, obwohl er dort keine Probleme im Abschluss hat (71,7 FG@rim). Zudem kommt er als herausragender Freiwurfschütze nur auf 9,4 FTA per 100 Possessions. Manchmal wird man das Gefühl nicht los, dass Turner das Spiel in dieser Hinsicht noch nicht verstanden hat. Zu oft agiert er sehr überhastet und trifft mit dem eigenen Sprungwurf zu schnell eine Entscheidung, die meistens falsch ist. Etwas mehr Geduld und „feel for the game“ durch Arbeit im Training oder Filmraum, würden ihm sehr gut tun und ihn von seinem Ruf als Schwarzes Loch ohne Courtvision wegkommen lassen (1,7 A/100 Possessions). Verbessert er seinen Basketball-IQ nach und nach, könnte er auch auf NBA-Level ein interessanter Offensivspieler werden, da sein Skillset durch die Säule Wurf großes Potential birgt.

Defensiv bringt Turner trotz mittelmäßiger Athletik erstaunliche Fähigkeiten mit. Ohne ein beeindruckendes Vertical schafft er es durch gutes Timing, Positioning und eine gute Schnelligkeit im Absprung ein sehr guter Rebounder zu sein, wenn sein Team verteidigt (24,9 DRB%). Zudem zeigte er sich auf Collegeebene über große Strecken als exzellenter Ringbeschützer, durch ein gutes Gefühl für das richtige Stellungsspiel. Sowohl als On-ball-Post-Verteidiger als auch als Helper kann er es dem Gegner stark erschweren, in der Zone zu Punkten. Dabei muss er zusätzlich als einer der besten Shotblocker der Draftklasse gelten (12,5 BLK%):

oder

Um aber auch in der NBA als starker Verteidiger gelten zu können, wird er noch hart an seiner lateralen Geschwindigkeit arbeiten müssen. Seiner P’n’R-Defense kann nicht immer vertraut werden. Oft liest er die Situation nicht richtig und es gelingt ihm nicht, den Ballhandler vor sich zu halten. Auch seine Closeouts als Teil der Perimeterdefense wirken teilweise halbherzig:

Dies zwingt ihn als dann hinterherlaufenden Verteidiger gern in Fouls. Zudem fällt er recht häufig noch auf Shotfakes herein. Knapp 4,3 PF/40 beging Turner 14/15 und beschnitt so in vielen Partien durch Foultrouble seine eigene Spielzeit. Dies wird ihm wohl in den ersten Profijahren sicherlich zu schaffen machen. Dennoch bringt er auch auf dieser Seite des Parketts viele wertvolle Komponenten mit, die GMs gefallen sollten.

Für die NBA-Manager wird es ultimativ auf die Einschätzung des Floors und des Ceillings des jungen Bigs ankommen. Dies ist leider keine einfache Angelegenheit. Turner hat sich während der Longhorns-Saison leider als inkonstanter Spieler mit mehreren Gesichtern präsentiert – einen Tag Allstar-Kandidat, im nächsten Spiel dann Borderline-Rollenspieler. Besonders seine Offense unterlag teilweise extrem großen Schwankungen. Ganz leicht lässt sich dies mit der Qualität der Gegner erklären:

osplits turner

dplits turner

Hier ist schön zu sehen, dass Turner dazu tendiert, schwächere Colleges, gegen die seine Athletik überdurchschnittlich ist, zu dominieren. Gegen stärkere Gegner mit körperlich gleichwertigen oder gar überlegenen Spielern offenbart er Probleme. Dies muss mit diesen Zahlen als klar gegeben hingenommen werden und ist mit dieser Sachlage auch nur logisch. Allerdings ist die Frage, wie sehr die Teamsituation auch mit in diese Statistiken hineingespielt hat. Viele der stärkeren Gegner spielte Texas im erst späteren Saisonverlauf, als das Erreichen des Tournaments in der Schwebe stand und Coach Barnes seinen Schützling Turner durch Rotationsexperimente oft weniger als 20 MpG gab. Dies könnte ihn aus dem Rhythmus gebracht und den Abstand zwischen seinen in den Zahlen dargestellten Höhen und Tiefen vergrößert haben.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Turner verfügt über keine sonderlich gute Athletik, was seinen Wert in einer Liga voller physischer Phänomene vergleichsweise etwas senkt. Dennoch ist seine Kombination aus Jugend, Shooting und Shotblocking potentiell ein Puzzlestück, das in jedes NBA-Roster passt.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft2015StatsBigs

Spielervergleich

Schafft es Turner sowohl seine Offense als auch seine Defense zu übertragen und weiterzuentwickeln, stünden wir vor einem etwas weniger athletischen Serge Ibaka oder Rasheed Wallace. Realistischer erscheinen aber (kleinere) körperliche Probleme auf dem nächsten Level, die eine Karriere auf Allstar/Top-Starter-Level verhindern. In einer Rolle als wertvoller Bankspieler könnte er sich dann eher in die Richtung eines Spencer Hawes oder Raef LaFrentz entwickeln. Insgesamt ist es recht schwierig einen guten Vergleich für ihn zu finden, da seine Skillkombination Rimprotection/Shooting selten ist.

Draftaussichten

Myles Turner wird in Draftinterviews zu überzeugen wissen. Als #5 Recruit seiner HS-Klasse fand er sich in einer recht chaotischen Teamsituation oft auf der Bank wieder und wurde trotz seines Talents eher wie ein Rollenspieler als ein Star behandelt. Ihn schien dies keineswegs zu stören. Gern wedelte er auch für seine Teamkollegen mit seinem Handtuch und spielte hart und motiviert, wenn er wieder auf das Feld durfte. In seinem Fall wird es spannend zu beobachten, ob er am Combine teilnimmt. Die Athletik-Veranstaltung könnte ihn je nach gezeigten Leistungen in die Top 10 katapultieren oder aber in Richtung zweites Drittel der Ersten Runde abrutschen lassen. Bisher muss Turner als Kandidat für das Ende der Lottery gelten.

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5 comments

  1. Avatar

    Shqiptar

    Sehr sehr interessanter Spieler wie ich finde. Könnte als später Lotterypick zu einem richtigen Steal werden. Seine Anlagen sind gut, und ist im Grunde in Zukunft ein “Two-Way-Player” auch wenn ich ihm eine bessere Karriere als Spencer Hawes sehr wohl zu traue. Könnte eine art “worst Case Szenario” werden, wobei das ja eigentlich immer das frühe verlassen der NBA ist. Was hat man nicht alles von einem Thabeet oder Veseli erwartet…

  2. Tobias Berger

    |Author

    Turner ist spannend, ohne Frage. :)

    Dazu auch nochmal ganz klar: Ich traue Turner durchaus eine bessere Karriere als Hawes zu. Eben aber auch eine schlechtere. Bin selbst mit dem Spielervergleich nicht sonderlich zufrieden, die Kombination Shotblocking/Wurf gibt einem aber auch nicht den größten Spielerpool zur Auswahl.

    Hawes war mal McDonalds All American und am College als Offensivspieler viel besser/weiter als Turner. Hawes wurde nicht ohne Hintergrund ein #10 Pick. Er machte jetzt aber auch als nur durchschnittlicher Athlet zu wenig aus seinem Talent. Zwar mal Saisons mit 1+ 3PM/ 1+ BpG, aber eben maximal ein Roleguy. Turner kommt nicht mit viel, viel besseren Voraussetzungen daher. Da kann es durchaus passieren, dass der Longhorn eben kein Star wird.

  3. Coach K

    Sehr guter Bericht vom Turner.

    Ich habe mich mitte der Saison mit ihm beschäftigt und bin der Meinung das er einer der Spieler ist die mit das größte Bustpotential haben.
    Warum das so ist liegt an seinem BBIQ. Er trifft sehr oft die falschen Entscheidungen. Wie richtig beschrieben nutzt er seine Fähigkeiten nicht so wie er könnte.
    Gerade bei seiner FT-Stärke sollte er viel öfters näher am Korb agieren und die Gegner hier doppelt bestrafen.

    Wenn er in das richtige Umfeld kommt denke ich könnte aus ihm ein Spieler werden mit Starter Garantie.

  4. Tobias Berger

    |Author

    Danke für das Lob.

    Irgendwo zwischen Bust und Starter – dann dürftest du mit unserem Ranking von Turner doch recht zufrieden sein, was?

  5. Coach K

    Ja bin hier auch recht zufrieden mit euer Einschätzung.
    Hier habt ihr einen guten Job geliefert.


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