Draftprofile 2015

Trey Lyles

University of Kentucky

Datenblatt

Trey_LylesName:Trey Lyles

Position: Big / Wing

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: University of Kentucky

College-Erfahrung: Freshman

 

Wiggins, Stauskas, Ennis, Olynyk, Thompson, Nicholson, Joseph, Bennett – die Liste der kanadischen Talente, die in den letzten paar Jahren den Weg in die NBA fanden, ist lang. Mit Trey Lyles wird im Juni zu diesem schon umfangreichen Verzeichnis ein weiterer Name hinzugefügt werden können, auch wenn sich der Weg des Bigs gar nicht kanadisch liest.  Schon zu Middle-School-Zeiten kamen Lyles und seine Familie in die USA, um die basketballerischen Möglichkeiten des Talents zu maximieren. Im Basketball-Staat Indiana lief er für die Arsenal Tech-HS auf und avancierte schnell zu einem der besten Spieler des Landes. Einladungen zum McDonalds American-Game oder dem Hoop Summit folgten. Der Hype wuchs und wuchs. Nach einer beeindruckenden Senior-Kampagne (24 P / 13 R / 3,5 A) inklusive State-Championship, entschied sich der junge Big, seine mündliche Zusage, die er den Indiana Hoosiers als Freshman gegeben hatte, zu lösen und heuerte in letzter Sekunde bei den Kentucky Wildcats an.  

Zunächst wird Lyles sicher mit etwas Ärger auf diese Entscheidung zurückgeblickt haben. Als #13 Recruit seines Jahrgangs hätte er für nahezu jedes College des Landes (besonders auch für Indiana) den Star-Bigman mit allen Freiheiten geben können. In Kentucky fand er sich, nach der unerwarteten Rückkehr der NBA-Talente Willie-Cauley-Stein und Dakari Johnson, in einer schwierigen Frontcourt-Logjam-Situation wieder. Eine Verletzung im letzten Sommer ließ ihn zudem weite Teile der Saisonvorbereitung verpassen. Vieles deutete auf wenige Minuten auf dem Parkett und viel Handtuchwedeln hin. Doch Lyles schaffte es sich mit seiner Qualität durchzusetzen und ein elementarer Teil des talentiertesten CBB-Teams der vergangenen Saison zu werden – einer kleinen Positionsumstellung sei Dank.

Tools & Skills

Trey Lyles kommt mit 6‘10‘‘ Körpergröße und 7‘3‘‘ Armspannweite mit den Maßen eines prototypischen Power Forwards daher.

sizetreylyes

 

Leider waren die Bigmen-Spots der Wildcats im letzten Jahr schon doppelt und dreifach besetzt. So ließ sich Coach Calipari etwas einfallen, um seinen talentierten Freshman trotzdem mit Spielzeit versorgen zu können. Er ließ seinen Schützling, der beim letztjährigen Hoop Summit noch 250lbs. wog, rund 15 Pfund Masse verlieren und setze den gelernten Zonenspieler als großen Wing ein. Lyles verkraftete diese Umstellung auf der College-Ebene sehr gut, da er für seine Größe extrem flink und flüssig in seinen Bewegungen ist. Zwar durch seine Vergangenheit als eher schwererer postorientierter Big nicht mit überragender Explosivität gesegnet, präsentierte sich Lyles trotzdem in vielen Situationen als besserer Athlet, als sich dies nach einer solchen fundamentalen Veränderung zunächst vermuten ließ. Kentucky lief einige Sets, die mit Lob-Plays für ihn endeten.

Zudem überzeugte Lyles in seiner Rolle als Perimeterspieler, wenn er seine Länge und Agilität nutze, um das offensive Brett zu attackieren (10 ORB%). Diese gezeigte Mobilität bei toller Größe sollte sich auch zu weiten Teilen auf das NBA-Level übertragen lassen.

Der Kanadier gilt in erster Linie wegen seiner Offense als klarer Firstrounder. Lyles bringt auf dem Papier alles mit, was man aktuell in der NBA als moderner Stretch-Four benötigt. Am College präsentierte er sich als extrem vielseitiger Inside-Outside-Spieler, der überall auf dem Parkett ein fieses Missmatch sein kann, wenn der Gegenspieler nur einen Bereich des Feldes kompetent zu verteidigen weiß. Noch immer verfügt der ehemalige Vollzeit-Big über einige effektive Post-Moves sowie eine starke Fußarbeit, die er mittels gutem Touch in Korbnähe in Punkte umzuwandeln weiß (1,06 PPP).

Wirklich gefährlich ist er aber, weil er diese Zonenskills mit einem, in mehreren Facetten funktionierenden Face-Up-Game kombinieren kann. Bekommt er den Ball mit Gesicht zum Korb, nimmt er gern den Wurf. Dabei trifft er überzeugend, wenn der Ball nach ein, zwei Dribblings als Pull-Up (45 FG%) seine Hand verlässt, während er an reinen Spot-Ups noch arbeiten muss.  

offense lyles

Zwar war seine Sample-Size recht geringer Spielzeit noch klein, doch seine 73 FT% können als positiver Indikator hinzugezogen werden, um ihm gutes Wurftalent aus der Mitteldistanz zusätzlich zu allen anderen Stärken zu bescheinigen. Sein Dreier funktionierte in der vergangenen Saison leider gar nicht (14 3P% bei 2,2 3PA /100 P), obwohl er laut Gerüchten genau wie Karl Towns auch schon seit High-School-Zeiten an diesem Wurf arbeiten soll. Range bis hinter die Dreierlinie braucht er aber auch nicht unbedingt, um in der NBA funktionieren zu können.

Andererseits stellt im Face-Up aber auch Lyles’ Drive eine ernstzunehmende Gefahr dar. Im letzten Jahr hat der 6‘10‘‘-Big gezeigt, dass er trotz seiner Größe langsamere Verteidiger oder übermütige Close-Outs sehr gut attackieren kann. Diesen Zug zum Korb kann er sowohl aus dem Highpost als auch teilweise von der Dreierlinie aus anbringen. In diesen Situationen zeigt sich, dass Lyles in seiner Beweglichkeit enorm von der Gewichtsreduktion profitiert hat und zusätzlich für einen Spieler seiner Größe über ein überdurchschnittliches Handling verfügt.

Der Ex-Wildcats weiß durch diese Skills in nahezu jeder Position etwas mit dem Ball anzufangen. Gleichzeitig agiert er zumeist recht klug und vermeidet, Individual-Aktionen zu erzwingen. Er produziert verhältnismäßig wenige Turnover (12,4 TOV) und kann von Zeit zu Zeit sogar mit seinem Passing glänzen, wenn er bspw. nach eigenen Drives den freien Mitspieler findet(9,2 AST%).

Bei allem offensivem Skills weist das Lyles-Portfolio leider aber noch ein großes Minus auf. Zu diesem Zeitpunkt ist noch unklar, welche Position der Kanadier auf NBA-Level verteidigen wird. Für Kentucky agierte er oft in der hinteren Reihe einer 2-3-Zone oder wurde bei Mann-Mann-Verteidigung gern gegen den schwächsten Frontcourtspieler des Gegners gestellt, während sich vor allem WCS um Lyles nominelle Perimeter-Aufgaben kümmerte. Dies kam dem jungen Kanadier sehr entgegen. Er konnte rein durch seine Armspannweite gegen schwächere Gegner bei Spot-Ups und Isolations sehr passabel aussehen, während er in Bewegung trotz seiner guten Mobilität Probleme hatte:

defense lyles

In der NBA wird es nicht einfach, ihn in eine Teamdefense einzubauen. Um vor echten Wings zu bleiben, fehlt es ihm klar an Athletik im Sinne von Explosivität und Geschwindigkeit. Aber auch im Post sehen seine Voraussetzungen nicht viel besser aus. Der 19 Jährige gibt wegen fehlender Stärke in der Körpermitte sehr oft gute Positionen gegen seine Zonen-Assignments ab und besitzt nahezu keine Rimprotector-Fähigkeiten (2,1 BLK%). Er wird zunächst nur über seine gute Länge verteidigen. Dies schränkt ihn schon stark ein. Hier seine vielleicht beste Ringbeschützer-Aktion:

Indikator für möglicherweise fehlendes Feuer für diese Seite des Balles und damit große Red Flag, sollte dies gesehen werden: Seit 2000 wurde kein Spieler mit 7‘3‘‘ Armspannweite in der Ersten Runde gezogen, der über 40 Minuten unter einen Block und unter einen Steal ablieferte – Lyles schaffte dieses Kunststück. Auch seine eher mittelmäßige Reboundrate auf dieser Seite des Feldes (16 DRB%) gilt es zu hinterfragen, wenn man im Hinterkopf hat, dass in der NBA nicht mehr zwei Top-Bigs (Towns und WCS) gemeinsam mit ihm ausblocken werden, falls wirklich einen Großteil seiner Minuten als Vierer sieht.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Draft2015StatsBigs

Spielervergleich

Tweener – auch wenn die Offense Combo-Forward schreit, lässt sich das Wort an dieser Stelle wieder nicht vermeiden. Genau dieser Spielertyp verspricht in der NBA immer einen ziemlich schweren Stand. Leider verfügt Lyles trotz aller Skills nicht über das Scoringtalent eines Antawn Jamison oder Antonie Walker. So scheint eher eine Karriere ala Jeff Green/Markieff Morris bevorzustehen, wenn er sich gut entwickeln und dadurch als 30+ MpG-Spieler empfehlen kann. Schafft er dies nicht, sollte der Kanadier trotzdem ein wertvoller, weil Spacing gebender Rollenspieler wie ein Patrick Patterson werden. Dass es trotz allen Talents als Tweener schwierig ist, in der NBA Fuß zu fassen, zeigt Landsmann Anthony Bennett.

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6 comments

  1. Tobias Berger

    |Author

    Danke. :)

    Lyles zu bewerten ist so schwer, weil er letztes Jahr immer out of position gespielt hat.

    Habe es trotzdem versucht. Lyles wirkt intelligent und vor allem skilled. Das draftet Utah ja gern. Denkst du, dass er auch spielerisch passen könnte?

  2. willis

    Ich glaube er wird sehr gut in das System von Snyder passen.
    Snyder wird sein Auge für den Mitspieler zu nutzen wissen!
    Ich bin gespannt ob er bereits in seiner Rookiesaison den ein oder anderen Pick&Roll als Ballhandler initiieren wird. Dribble-Hand-Offs aber mit Sicherheit.
    Natürlich wurde er von seinen Gegenspielern stehen gelassen (da sie kleiner und schneller sind), aber die Jazzverantwortlichen haben positiv angemerkt, dass Lyles oft einer der ersten war der in die Verteidigung zurückgelaufen ist. Blocks/Steals wie von Kirilenko werden wir nicht erwarten können, aber wenn er solide ist und im Angriff den Wurf trifft (erweiterte Mitteldistanz oder Eckdreier) ist uns schon sehr geholfen.
    Ich kann mir vorstellen, dass er ab und an den Playmaker aus dem Highpost geben wird.

  3. Avatar

    Bluejazz

    ich stimme willis zu. Wobei ich auch anmerken darf, dass die Jazz ihn auch gedraftet haben, weil er auch ein guter PnR Spieler ist. Das wurde bei den Workouts sehr hervorgehoben und er hatte damals sein Workout bei den Jazz mit Hanlan, den Utah an 42 genommen hat. Beide Kanadier sollen sehr gut miteinander harmoniert haben. Ich finde Lyles Defense auf Collegeniveau ist schwer zu bewerten, gerade weil er oft SF gespielt hat. Aber er gehört zu den agilster und mobilsten Forwards in diesem Draft und mit seinem BB-Verständnis wird er sich zu helfen wissen. :tup:

  4. Tobias Berger

    |Author

    Find ihn gar nicht so flink auf den Füßen. Ja, er bewegt sich gut, aber mMn nicht sonderlich schnell. In der HS war er ein ziemlicher Brocken und deswegen ein klarer Postspieler. Für sein Abenteuer auf dem UK-Flügel nahm er letzten Sommer gehörig ab. Sein “wahres Ich” ist sein aktuelles Gewicht aber (noch) nicht. Überzeugte am Perimeter für meinen Geschmack rein durch die Skills, was für seine Fähigkeiten spricht. Sehe ihn aber eher als unterdurchschnittlichen Athleten, was sich eben besonders in der Defense niederschlug. Eventuell hilft die Rückkehr zur angestammten Big-Posi auch in der Hinsicht.

  5. Avatar

    Bluejazz

    Mit Sicherheit, er wurde ja auch dafür gedraftet, um wieder PF zu spielen. Ich finde jetzt nicht das er unterdurschnittlichen ist, was seine Athletik betrifft. Klar er ist kein Josh Smith und ihm fehlt die Explosivität, aber er kann rennen, springen auch Lobs. Daher durchschnitt, nicht mehr nicht weniger. Aber ihm soll noch Muskelmasse fehlen, um sich im Post und bei Rebounds beweisen zu können. Ich bin gespannt. Ehrlich gesagt, ich glaube Lyles passt zu den Jazz, wie die Faust aufs Auge. Einige hätten lieber Oubre oder Turner gehabt, ich bin mit Lyles sehr glücklich. :D Ich denke er wird etwas unterschätzt, weil er in diesem Starensemble von Kentucky, auch nicht die Hammerstats gebracht hat. Aber er hat such umgestellt nachdem Poythress sich verletzt hat und sich in Bereichen der Spielführung verbessert. Das spricht für ihn.


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