And One, NBA

Welches Team wird sich im Gegensatz zur ersten Saisonhälfte am meisten verbessern?

And One Ausgabe #7

Die NBA macht so langsam ernst. Nachdem die Trade Deadline verstrichen ist, geht es im Schlussspurt nochmals um die beste Positionierung für die Playoffs oder die Draft. Torben Adelhardt und unsere Redakteure haben sich hierzu Gedanken zu der Frage gemacht:

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Torben Adelhardt (Sidelinewatch & Crossover-Online)Von meiner Warte aus gibt es zwei Mannschaften von denen wir in der zweiten Saisonhälfte eine signifikante Progression in ihrem Spiel erwarten können, die sich schlussendlich auch in einer tabellarischen Verbesserung widerspiegeln wird. Dies wären zum einen die Cleveland Cavaliers, und zum anderen die Oklahoma City Thunder. Wenn ich mich an dieser Stelle aber für eine  Franchise entscheiden muss, dann fällt meine Wahl auf die Franchise aus dem Bundesstaat Ohio. Die Problemfelder der Cavaliers waren in der ersten Saisonhälfte so augenscheinlich wie vielfältig. Eine schwache Verteidigung, die unproduktivste Bank der gesamten NBA, eine unklare Rollenverteilung, ein problematisches Minutenmanagement von Headcoach Blatt sowie immer wiederkehrende Verletzungssorgen – die ersten Saisonmonate gaben den Anhänger der Cavaliers nur spärlich Grund zur Freude.

In der Verteidigung mangelte es dem Team von Rookie-Headcoach David Blatt an Rim-Protection, lediglich drei Mannschaften gestatteten dem Gegner eine höhere Trefferquote in unmittelbarer Ringnähe als es die Cavaliers taten (61,6%; Prä-All-Star-Break). In diesem Bereich dürften die Additionen von Timofey Mozgov und Kendrick Perkins schon bald Wirkung zeigen, da beide Spieler ihre Stärken am defensiven Ende des Feldes haben. Auch wenn Mozgov wohl auf alle Ewigkeiten mit dem Namen Blake Griffin und dem Begriff „Posterized“ assoziiert wird, so gehört der russische Seven-Footer zu den effektivsten Ringbeschützer der NBA. Im Dienste der Cavaliers hält Mozgov seine Gegenspieler unter dem Korb bislang bei einer Trefferquote von 50,4 Prozent und somit ganze acht Prozentpunkte niedriger als seine Kontrahenten durchschnittlich treffen. Nicht umsonst adelte LeBron James kürzlich in einem Interview Mozgov als besten Seven-Footer mit dem er seit den Tagen von Zydrunas Ilgasukas zusammenspielen durfte. Die dünne Frountcourt-Rotation der Cavaliers wurde von General Manager David Griffin mit den Pivoten Mozgov und Perkins definitiv sinnvoll verstärkt, wodurch auch zugleich die Achillesferse der diesjährigen Cavs-Mannschaft, sprich: Defense, das so dringend benötigte Upgrade erfuhr.

Neben einer wenig berauschenden Verteidigungsarbeit, gaben vor allem die Bankspieler der Cavaliers Anlass zur Sorge. Mickrige 23,3 Punkten brachten die Reservisten durchschnittlich pro Partie auf das Scoreboard (Platz 30), trafen 30,6 Prozent ihrer Dreipunktwürfe (Platz 26) und verteilten 4,6 Assists pro Partie (Platz 30). Der designierte „Starspieler“ von der Bank, Dion Waiters, hatte kein gesteigertes Interesse daran vermehrt off-ball zu spielen, weshalb seine Kompatibilität mit dem Ballhandler James verschwinded gering war. Dass die Cavaliers für Dion Waiters, Lou Amundson, Alex Kirk und einem 2019er Zweitrundenpick im Gegenzug J.R. Smith und Iman Shumpert aus New York erhalten haben, muss den Verantwortlichen in Ohio wie ein Geschenk des Himmels vorkommen. Smith sorgt als off-Guard für Spacing, und Shumpert gibt den Cavaliers einen guten Wing-Defender und Dreierschützen (40,7%), der die Rolle des Bankspielers einnimmt und sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stellt. Ein positiver Effekt des Mozgov-Deals: Blatt kann Tristan Thompson wieder von der Bank bringen, und so der „Second-Unit“ einen weiteren Schub Rebounding und Low-Post-Scoring geben.

Ein Star-Trio, bei dem der Big-Man zu Beginn Probleme hat seine neue Rolle effektiv auszufüllen? Nur eine ausgeglichene Bilanz, und das obwohl schon über ein Drittel der regulären Saison gespielt wurde? Ein Übungsleiter, der kritisiert wird, und dessen Trainerstuhl bedenklich wackelt?

Nicht nur LeBron James wird in der aktuellen Saison ein Deja-Vu erlebt haben und sich unweigerlich an die NBA-Saison der Miami Heat in 2010/11 erinnert. Und wer würde bei dem aktuellen Sieges-Run (17-3 in den letzten 20 Spielen) der Cavs und der Schwächephase der anderen Ost-Teams wie Toronto und Washington eine Finals-Teilnahme der Cavaliers kategorisch ausschließen? Das Front-Office hat mit den jüngsten Tauschgeschäften die vorhandenen Kader-Schwachstellen nachgebessert, und auch die Mannschaft ist momentan dabei im Begriff sich zu finden.

Martin Sobczyk: Es wird zwar den geringsten Einfluss auf die Entscheidung im Kampf um die NBA Krone haben, aber die Timberwolves werden sich am meisten verbessern und dies liegt nur am Rande an KG. Dieser bringt zwar die Fans, Energie und auch Effizienz zurück, aber man sollte nicht erwarten, dass sich der alte Mann für jeden Win bedingungslos aufopfert, denn dies macht in dieser Saison keinen Sinn mehr, sofern er weitere Jahre (in Minnesota) anhängen möchte. Viel größeren Einfluss werden die anderen Rückkehrer haben – in erster Linie Ricky Rubio.

Mit einem fitten Rubio steht man in der Saison bei .500, wobei die Sample Size mit zwölf Spielen natürlich gering ist, aber mit den Siegen gegen Memphis und Washington konnten die Twolves andeuten, wozu sie in der Lage sind. Sowohl Pekovic und Martin als auch Wiggins sollten bis zum Saisonende deutlich von Rubio profitieren und in diesen Verbund passt Garnett wunderbar hinein, wobei er sicherlich nicht viel mehr als 20 Minuten pro Spiel sehen wird.

Umso mehr Spielzeit bleibt theoretisch für den ehemaligen First Pick Anthony Bennett übrig, der jedoch in Minnesota auch nicht zu überzeugen weiß, um es vorsichtig zu formulieren. Doch die Twolves scheinen dies erkannt zu haben, denn im Schatten des KG Deals akquirierte man auch den 15. Pick des 2014er Drafts Adreian Payne von den Hawks. Dieser durfte sich bei den Hawks nicht beweisen und passt als Stretch Four theoretisch sehr gut als Rollenspieler zum Rest des Kerns und könnte Platz für Pekovic unterm Korb schaffen.

Die Twolves als potentielles Tank-Team bei einem harten Restschedule (16 von 26 Spiele gegen >.500 Teams) die größte Verbesserung zuzutrauen, mag überraschen, jedoch sehe ich die Timberwolves nicht im Tankmodus für den Rest der Saison, sondern vielmehr hat man nun eine gute Möglichkeit, um den Kern Rubio-Martin-Wiggins-Pekovic auf seine Tauglichkeit zu testen. Sollte sich zeigen, dass man in Bestbesetzung nicht mit den Playoffteams mithält, kann man davon ausgehen, dass ein Trade von Martin und/oder Pekovic im Sommer ansteht und die Franchise abermals einen neuen Weg einschlagen muss. Diese Entwicklung erwarte ich allerdings nicht, stattdessen werden die Twolves ihre Playoff-Tauglichkeit beweisen und andeuten, dass mit ihnen schon in der kommenden Saison im Rennen um die Playoff-Plätze zu rechnen ist.

Sebastian Hansen:  Wenn es um die Frage nach der größten Verbesserung in der zweiten Saisonhälfte geht, kann es eigentlich nur eine Antwort geben: die Oklahoma City Thunder. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens war kaum ein Team seit Oktober mehr von Verletzungen gebeutelt wie das der Thunder. Beide Topstars, um die diese Mannschaft maßgeblich aufgebaut ist, fielen wochenlang und im Fall von Durant sogar mehrfach aus. Dazu sind mit Roberson und Adams zwei weitere Starter sowie mit Morrow ein wichtiger Rollenspieler verletzt gewesen bzw. immer noch verletzt. Durant und Adams werden jedoch in Kürze wieder das Parkett betreten, auf dem Russell Westbrook schon seit Wochen MVP-würdige Leistungen auflegt. Im Februar kommt der Guard auf 30,4 Punkte, 10,2 Assists und 8,7 Rebounds bei einer USG% von 36,5 % und einem 122er ORtg. Westbrook hat fast im Alleingang dafür gesorgt, dass die Thunder zum ersten Mal in dieser Saison auf einem Playoffplatz stehen und wird das auch weiterhin tun. 

Die zweite Ursache dafür, dass mit OKC zu rechnen ist, liegt in dem Trade, den Sam Presti zur Deadline tätigte. Zwar ist es für eine endgültige Bewertung noch zu früh und alle vier neuen Spieler müssen ihre Tauglichkeit erst noch nachhaltig beweisen. Allerdings sah man in den wenigen Spielen durchaus schon, welchen Wert Singler, Augustin und Kanter für das Team haben können. Vor allem die offensiven Fähigkeiten der drei werden sich noch als unschätzbarer Vorteil erweisen, gerade das Shooting von Singler und Augustin und die Zonenpräsenz von Kanter. Die Neuzugänge geben dem Team die dringend benötigte Tiefe und verringern die Abhängigkeit von den Stars. Zudem wurde man, sozusagen als praktischen Nebeneffekt, auch noch den Unruheherd Reggie Jackson los. 

Natürlich sind die Thunder insgesamt eher eine einfache Wahl. Das Team hat das Kaliber eines Championship-Contenders. Dass die Leistungen so durchwachsen waren, liegt eher an Starting-Lineups, die die Namen Telfair, Jones und Lance Thomas, der insgesamt 13 (!!!) Spiele startete, enthalten. Ja, diese Zeiten gab es einmal im mittleren Westen. Doch mit dem Frühling kommen bessere Zeiten und gegen die Thunder will keiner der weit vorn platzierten Contender im Westen spielen müssen – aus gutem Grund. 

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