Atlanta Hawks, Video

Dennis Schröders Entwicklung

Wie gut ist der Guard der Hawks 14/15?

Interviews bei Grantland, ein Season-High von 22 Punkten, gute Aussichten, im Rookie/Sophomore-Allstar Game aufzulaufen: Für Dennis Schröder scheint sich ein Traum zu erfüllen. Er ist in der NBA angekommen und ein Teil des Zirkus’. Doch wie gut ist Schröder denn in dieser Saison?

Voraussetzungen

Man kann in einem Mannschaftssport nichts in einem Vakuum betrachten; es wird immer ein Kontext benötigt. Ein Spieler ist in besonderen Situationen besser oder schlechter – sein Skillset ist entweder passend für die Situation oder es dupliziert sich im Kader und der Spieler findet seine Nische nicht. Demnach muss man vorab zwei Voraussetzungen betrachten: Die individuelle Leistung im letzten Jahr sowie die Komposition des Teams in dieser Saison. Aus diesen Komponenten entwickelt sich eine Erwartungshaltung.

Schröder hat in der letzten Saison historisch schlecht gespielt. Sein Spiel zeichnete sich durch überhastete Ballverluste, einen schwachen Wurf und generell Unzuverlässigkeiten aus. Seine Geschwindigkeit konnte der Guard der Hawks nicht aufs Parkett bringen. Dies ist eigentlich nicht verwunderlich. Alle Rookies haben Anpassungsprobleme in ihrer ersten NBA-Saison. Schröders Sprung aus der BBL als junger, unerfahrener Spieler in ein neues Land mit anderen Basketballregeln und den 500 besten Spieler der Welt ist nochmals schwieriger. Dennoch muss man sehen, dass Schröder einfach verloren wirkte, wenn er den Ball in den Händen hielt.

Da die Hawks bis zur Verletzung von Al Horford sogar auf Kurs zum Heimrecht in Runde 1 in den Playoffs waren, entschied sich Coach Budenholzer dafür, den erfahreneren Shelvin Mack spielen zu lassen. Die Hawks wollten Erfolg haben und gaben einem Talent dementsprechend nur wenig Entwicklungszeit. Schröder war in seiner ersten Saison so ineffizient wie wenige Rookies. Seit der Saison 99/00 haben gerade mal 9 Spieler die Saison mit einem ORtg von 85 oder schlechter abgeschlossen. Bis auf Jamal Crawford hat keiner den Sprung zu einem soliden Rollenspieler geschafft.

Darüber hinaus spielt Schröder in dieser Spielzeit beim besten Team des Ostens. Seitdem Al Horford wieder zur Verfügung steht, eilen die Hawks von Sieg zu Sieg und haben gerade einmal acht Spiele in dieser Saison verloren; nur die Golden State Warriors sind besser. Das Team wird für seine Flexibilität, seine Selbstlosigkeit und sein Spacing gelobt. Das Spiel erinnert an das der Spurs, was bei Coach Budenholzer nicht verwundern sollte. Die Hawks stellen die siebtbeste Offense 14/15, was vor allem durch die Kombination aus blitzschnellem Ballhandler und der Range von nahezu allen Bigs entsteht. Horford ist tödlich aus der Mitteldistanz, Millsap, Antic und Mike Scott nehmen gar den Dreier. Zusammen mit Korver und Carroll auf dem Flügel ist das nahezu das bestmögliche Spacing, was ein NBA-Team stellen kann.

Schröders Rookie-Saison war also historisch schlecht, demnach waren die Erwartungen an den jungen Deutschen für die zweite Saison ziemlich gedämpft. Dazu kommt in dieser Saison ein absolut klickendes Hawks-Team, das sich gefunden hat und das perfekte Umfeld für Schröder bietet: größtmögliches Spacing, um die Stärke des Guards, seine Schnelligkeit, ausspielen zu können.

Die Leistungen 2014/15

Im Gegensatz zur Rookie-Saison zeigt Schröder sich stark verbessert. Er trifft bessere Entscheidungen, findet den offenen Mann öfter und schließt effizienter ab. Allerdings sollte man sich nochmals vergegenwärtigen, dass die Grundlage dessen die Rookiesaison ist – und diese war schlechter als Austin Rivers’ Rookiesaison, die aber aufgrund des berühmten Vaters viel mehr Medienpräsenz erhielt. Schröders Entscheidungen waren gerade im ersten Viertel der Saison gut, nahezu reif und sein Spiel effizient: Sein ORtg stieg bis auf 112 an, sein PER erhielt eine viel zu große Aufmerksamkeit, aber zeigte zumindest, dass Schröder in seinen Minuten eine große Produktivität an den Tag legen konnte.

Ein Blick auf die Zahlen Ende Januar sind jedoch ernüchternd: weit unterdurchschnittlich im eigenen Abschluss (ORtg von 97), ein Minus auf dem Feld (NetRating von -1), trotz der Verletzung Jeff Teagues keine vermehrten Minuten. Was war passiert?

Schröders Rezession

Die Kurzfassung ist manchmal so simpel wie wahr: Die gegnerischen Teams haben Schröder nach dem guten Saisonstart auf dem Scouting Report und wissen, wie sie ihn verteidigen müssen. Da Schröder weiterhin eklatante Lücken in seinem Spiel hat, werden diese Schwachstellen durch das Scouting offengelegt. Bei angemessenem Scouting erkennt man gleich zwei prägnante Schwächen: Das Fehlen eines konstanten Wurfes und die fehlenden Off-Ball-Skills.

Problem 1: Schröders Wurf

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Die Shot Chart Schröders benötigt einiger Interpretation. Denn obwohl Schröder frontal im nahen Mitteldistanzbereich eine überdurchschnittliche Wurfquote vorweist, ist hier vor allem auf die sample size zu achten. Schröder hat bisher 14 Würfe von dort genommen – in 42 Spielen! Acht Treffer bedeuten, dass er in jedem fünften Spiel von dort einen Wurf versenkt. Schröder sucht diese Würfe nicht; sie sind eher ein Produkt eines verunglückten Drives, den Schröder selbst abzuschließen versucht. Dies ist sicherlich keine Stärke Schröders.

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Generell ist die Entwicklung Schröders aber erfreulich, denn Schröder weiß genau, dass er über keinen nennenswerten Wurf verfügt und versucht unnachahmlich zum Korb zu ziehen und dann entweder selbst abzuschließen oder durch ein Pick’n’Roll den freien Mitspieler zu finden. Dies ist grundsätzlich gut und so sollte das Spiel Schröders auch aussehen, so lange er über keinen sicheren Distanzwurf verfügt. Problematisch ist nur, dass Schröder auch am Ring unter Ligaschnitt finisht. Er trifft dort über 56%, was wie ein guter Wert wirkt; tatsächlich trifft der durchschnittliche NBA-Spieler direkt unterm Korb aber 60,2%. Auch hier ist wieder eine Entwicklung Schröders zu sehen, der gerade mit seinen High Angle Layups gegen größere Gegner abschließen kann.

Dennoch beeinträchtigt die fehlende Range Schröder weiterhin in seinem gesamten Spiel. Er trifft noch sehr oft zu spät Entscheidungen und stoppt den Flow der Offense, weil seinen Gegenspieler absinken oder generell unter dem Screen in Pick ‘n’ Rolls verteidigen. Dadurch braucht der Guard der Hawks noch zu lange, um sein weiteres Vorgehen zu planen. zu oft dribbelt Schröder nur auf der Stelle und muss sich mit schlechten Würfen begnügen.

Problem 2: Fouls ziehen

Dazu fällt noch auf, dass Schröder kaum gefoult wird, obwohl er so oft zum Korb zieht. Schröder wird in 18 Minuten nur ein Mal pro Spiel gefoult, um an die Linie zu gehen. Dies ist bei 6,6 Drives pro Spiel zu wenig. Schröder hat noch immer nicht gelernt, den Kontakt zu suchen, um größere Gegenspieler in Foulprobleme zu bringen.

Gerade hier offenbaren sich – leider negative – Parallelen mit Rajon Rondo, der ebenfalls als drivelastiger Ballhandler nicht oft genug an die Linie geht. Schröders Freiwurfquote von 75% ist nicht gerade berühmt für einen Guard, aber wäre ein sehr gutes Mittel, um sein Spiel weitaus effizienter zu gestalten.

Dass Schröder kaum gefoult wird, ist umso unverständlicher, weil dieser durch sein unermüdliches Ziehen zum Korb ja prädestiniert dafür scheint, dass Gegenspieler einen Schritt zu spät kommen und sich nur mit Fouls helfen können. Stattdessen gelingt es den Gegnern zumeist, Schröders zu einem Lay Up zu zwingen, der eben nicht so effizient abgeschlossen wird wie zwei Freiwürfe des Hawks. Schröder muss hier eindeutig mehr aus seiner Schnelligkeit machen und den Kontakt suchen.

Problem 3: Catch-and-Shoot

Dennis Schröder hat bisher immer in seiner Karriere den Ball in den Händen gehabt, was als primärer Ballhandler seiner Teams auch seien Aufgabe war. Von daher überrascht es nicht, dass er off-ball Probleme hat. Warum dies vor allem für ihn wichtig ist? Zum einen ist das System in Atlanta relativ passlastig, sodass er nicht immer den Ball in der Hand hat; zum anderen muss Schröder, um an mehr Minuten kommen zu können, neben Jeff Teague spielen können. Da Teague weiterhin der bessere Ballhandler ist, müsste Schröder sich den Platz neben Teague dahingehend verdienen, dass er auch ohne Ball Gefahr ausstrahlt. Bisher vermeidet es Coach Budenholzer, beide nebeneinander zu stellen (insgesamt war dies nur in 12 Spielen für 4 Minuten pro Spiel der Fall); natürlich hat dies auch defensive Gründe, sodass Budenholzer eher auf die Kombination aus Schröder und Shelvin Mack zurückgreift.

Wenn Schröder dann mal – gezwungenerweise – off-ball agieren muss, schadet er dem Team. Dies kommt zum Glück nur sehr selten vor und wäre eigentlich zu vernachlässigen. Nach Catch-and-Shoots trifft Schröder nur 24% seiner Dreier – nimmt allerdings auch nur einen pro Spiel. Ansonsten sind alle seine Würfe nah am Korb oder selbst kreiert. Für die mittelfristige Zukunft, die die Hawks sicherlich auch weiterhin mit Jeff Teague planen, der noch bis 2017 unter Vertrag steht, muss Schröder allerdings ein off-ball-Spiel entwickeln, um sich weitere Minuten verdienen zu können. Sonst bleiben ihm weiterhin nur die rund 15-17 Minuten, die Teague hinter sich übrig lässt.

Schröders Entscheidungen sind aber insofern gut, als dass er vermeidet, in Situationen zu kommen, in denen er sich unwohl fühlt. Allerdings gibt es auf dem Feld auch nicht gerade viel Fläche, wo sich der Guard sehr gut zurecht findet. Hier ist der Abschluss am Ring noch als Schröders größte Stärke zu sehen.

Schröders Impact auf die Hawks

Dementsprechend gering gestaltet sich Schröders Impact auf die Hawks. Individuell kann er nur direkt am Ring glänzen; aus allen anderen Positionen vermeidet er den Abschluss so gut es geht. Diese Eindimensionalität macht ihn gut ausrechenbar für gegnerische Verteidigungen, die den Drive unter allen Umständen verhindern wollen. Die Hawks lösen diese Situationen aber gut, indem sie per Pick ’n‘ Roll oder Pick ’n‘ Pop versuchen, Schröder gegen den Big des Gegners zu positionieren. In diesen Situationen nutzt Schröder seinen schnellen Antritt, um am Big vorbeizuziehen und per Lay-Up abzuschließen. Der „Driving Lay Up Shot“ ist neben dem Jumper der meistgenutzte Move Schröders, was nochmals verdeutlicht, dass er den Abschluss in Ringnähe absolut sucht und ihn auch findet, aber eben andererseits dies auch die einzige Waffe Schröders darstellt.

Was ein recht ineffizienter Scorer auf der Eins für das Zusammenspiel der Hawks bedeutet, lässt sich am besten dadurch abbilden, wenn man betrachtet, wie das Team offensiv und defensiv mit Schröder auf dem Feld agiert. Vorab sei noch daran erinnert, dass die Hawks bisher nur 8 Spiele verloren haben und sie ihre Gegner auf 100 Possessions mit 7,6 Punkten schlagen. Steht Schröder auf dem Feld, verlieren die Hawks im Schnitt mit einem Punkt! Das heißt, dass das beste Team im Osten in diesen knapp 18 Minuten höchstens wie ein 0.500-Team performt. Die Kombination aus der Notwendigkeit Schröders, den Ball zu dominieren, dabei jedoch noch immer turnoveranfällig zu sein (3,6 Turnover auf hochgerechnet 36 Minuten) und recht ineffizient zu scoren, hilft dem Team nicht gerade.

Schröder ist nach Kent Bazemore (der aber auch wenig Spielzeit bekommt) weiterhin der schlechteste Rotationsspieler der Hawks. Mit ihm läuft die Offense so schlecht wie bei sonst keinem Rotationsspieler auf dem Feld. Der Wert von 100,4 Punkten pro Possession ist gerade mal einen Punkt besser als die Offense der New York Knicks mit dem Triangle-Fiasko und schlechter als tiefe Lotteryteams wie die der Lakers oder der Jazz. Ohne Schröder stellen die Hawks mit 114 PPP die beste Offense der Liga.

Defensiv sieht dies nicht viel besser aus. Auch hier ist wieder nur Kent Bazemore schlechter. Mit Schröder lässt man 101,3 PPP zu. Eigentlich ein richtig guter Wert, aber die Hawks definieren sich über ihre Defense und stellen nach den Warriors die beste Verteidigung der Liga. Insgesamt steht ein kleines Minus, wenn Schröder auf dem Feld steht.
Es ist untypisch für einen Rollenspieler, dass man beim besten Ost-Team ein negatives NetRating hat. Vergleichbare Spieler im Team wie Sefolosha (+10,4) oder Pero Antic (+9,9) erzielen in derselben Einsatzzeit weit bessere Ergebnisse, was auch normal ist, da die Hawks den Osten momentan dominieren.

Fazit

Dennis Schröder hat in seiner zweiten Saison einen Schritt nach vorne gemacht. Seinen Aufstieg muss man aber im Kontext sehen. Von einem der schlechtesten Rookies der letzten 15 Jahre mit 300 oder mehr Minuten ist er zu einem Rollenspieler aufgestiegen, den man im Zweifelsfall nicht mehr komplett aus der Rotation nehmen muss, wenn man gewinnen will, so wie dies in den letztjährigen Playoffs der Fall war.

Stattdessen ist er nun ein mehr schlecht als rechter Rollenspieler, der seinem Team immer noch geringfügig schadet, wenn er auf dem Feld steht, aber zumindest eine Nische gefunden hat und in dem Umfeld des restlichen Hawks-Teams mit seiner Schnelligkeit eigentlich der Prototyp für den Ballhandler ist, da der Rest off-ball zum Teil exzellent funktioniert und größtmögliches Spacing anbieten kann. Gerade mit fortschreitender Entwicklung kann Schröder ein wertvoller Backup für Teague mit denselben Fähigkeiten werden, auch wenn er dies – Stand jetzt – noch nicht ist.

Es ist noch ein langer Weg für Schröder, um auch als Rollenspieler einen positiven Impact auf die Hawks zu entwickeln. Ihm eine gute Saison zu attestieren, ist nur möglich, wenn man das katastrophale erste Jahr als Ausgangslage nimmt. Objektiv betrachtet ist Schröders Spiel immer noch zu lückenhaft, um einem guten Team dauerhaft zu helfen.

Alle Statistiken per nba.com/stats, basketball-reference.com oder nbawowy.com.

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