Gedanken, Los Angeles Lakers, Salary Cap / CBA

No. 24 gets 24 (a year)!

Ist Kobe Bryant seine Extension wert?

24. Die vielleicht bekannteste Zahl in der Michael Jordan-Nachfolge. Seit heute aber auch die Zahl, die das durchschnittliche Gehalt von Kobe Bryant für die nächsten zwei Jahre umreißt. Die Los Angeles Lakers haben sich heute auf einen zwei-Jahres-Vertrag mit dem Shooting Guard geeinigt. Insgesamt soll dieser 48,5 Millionen Dollar über 2 Jahre erhalten und damit symbolisch nicht nur seine Nummer, sondern auch seinen Verdienst auf dem Trikot tragen.

Die Basketballwelt fragt sich unterdessen nur eines: Ist Kobe Bryant dieses Geld wert?

Eine Frage des Blickwinkels: wirtschaftlich

Kaum ein Spieler der Post-Jordan-Ära ist so populär wie Kobe Bryant. Der US-Amerikaner ist Fan-Liebling, nicht nur für die Fans der Los Angeles Lakers ist er ein Vorbild, auch für die NBA insgesamt fungiert er als Aushängeschild. Auch wenn LeBron James durch Leistung und Erfolg zumeist als bester Spieler der Liga anerkannt wird, gibt es vor allem viele Fans, die noch immer Kobe Bryant als besten Spieler nennen.

Kobe Bryant ist nicht nur ein Name, nicht nur ein NBA-Spieler. Kobe Bryant ist eine Marke. Unzählige Werbespots wurden mit ihm abgedreht, denn der Name steht für Qualität. Eine ganze Generation spielt in seinen Signature-Schuhen.  Der asiatische Markt liegt ihm zu Füßen. Generell wurde das Trikot Bryants 2012 am meisten im Ausland gekauft, obwohl die Los Angeles Lakers zu keinem Zeitpunkt ein Top-Team waren.

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Schaut man also von der wirtschaftlichen Seite auf diesen neuen Deal, muss man Mitch Kupchak gratulieren. Er hat den absoluten Publikumsmagneten für ein vermindertes Gehalt verlängern können. Bryant ist der Grund dafür, dass das Mechandise der Lakers so oft gekauft wurde.  Er allein symbolisiert die Marke Los Angeles Lakers und lässt die Franchise Millionengewinne einfahren, trotz Luxury  Tax –Zahlungen, trotz überteuerter Verträge, trotz sportlichen Misserfolgs.

Eine Frage des Blickwinkels: sportlich

kobebryantshootingDieser Gesichtspunkt ist mit Abstand am schwersten zu beantworten. Bryant spielte neben Howard und Gasol die effizienteste Saison seit Jahren (bestes ORtg seit dem ersten Titel mit Gasol; bestes TS% seit 2008), ließ aber vor allem defensiv schon sehr zu wünschen übrig und konnte nur noch in ganz kurzen Phasen für Stopps sorgen, während der Großteil der Possessions fürs Gamblen und Overhelpen genutzt wurde.

Die Verletzung der Achillessehne wirft über die Leistungsfähigkeit Bryants aber weitere Fragen auf. Kann Bryant überhaupt noch auf dem letztjährigen Level performen? Und ist eine effiziente Offensive es wert, der wahrscheinlich bestbezahlteste NBA-Profi 2014/15 zu sein?

Die Erfahrung (Verletzung zu so einem späten Zeitpunkt in der Karriere) und der Quervergleich zu momentan klar leistungsstärkeren Spielern lässt zu einem “nein” tendieren, aber beantworten lässt sich die Frage noch nicht.

Eine Frage des Blickwinkels: Teambuilding

Die Los Angeles Lakers sind sportlich im Mittelmaß angekommen. Das Team performt ohne Bryant ordentlich, erzielte in der jungen Saison bereits einige Achtungserfolge. Die zweite Runde wird das Team auch mit Bryant jedoch nicht erreichen. Es fehlt neben defensiven Bausteinen auch eine konstante Entlastung als Facilitator oder Scorer neben Bryant. Deshalb haben die Medien diese Saison nach dem Abgang Howards aus Sicht der Lakers bereits abgeschrieben. Man konzentriere sich auf den Free Agent Sommer 2014. Die Vertragsverlängerung Bryants kommt zu diesem Zeitpunkt der Saison überraschend. Die Höhe des Vertrags verkompliziert die Capsituation nochmals.

Eigentlich wollten die Lakers einen kompletten Neuaufbau anstreben. Man verlängerte Pau Gasol bisher nicht und hat auch keine Intention dazu, weil die Gehaltsvorstellungen beider Parteien zu sehr auseinander lagen. Gasol wollte auch keine Gehaltskürzungen hinnehmen.

“Probably not,” Gasol said. “You have to explore your options, but I would like to continue to play for the Lakers and maybe finish my career here. But you have to see the cards on the table.”

Die Lakers richteten die Saison auch vollkommen auf den Sommer 2014 aus, indem sie (bis auf kleine Ausnahmen) nur ein-Jahres-Verträge oder ungarantierte Verträge (wie bspw. bei Elias Harris) ausgaben. Einzige nennenswerte Belastung auf dem Cap war und ist der Vertrag von Steve Nash, der den fats zehn Millionen 2014/15 wohl nicht gerecht wird.

Die Bryant-Extension ändert nun alles. Die Payroll für 2014 sieht bisher wie folgt aus: 

Player 2014-15 
Kobe Bryant $23,500,000 
Steve Nash $9,701,000 
Nick Young $1,227,985 
Robert Sacre$915,243
Totals $35,343,228

Provided by Basketball-Reference.comView Original Table
Generated 11/25/2013.

Bryant, Nash und Sacre haben feste Posten im nächsten Jahr, Nick Young kann eine Spieleroption ziehen, was als unwahrscheinlich angenommen werden kann. Blieben also definitiv 34,1 Mio. Dollar festes Gehalt für die nächste Saison. Dies ist zunächst ja kein Problem, man hätte noch 24 Mio. Dollar Cap … wenn es nicht die Regelung der “empty roster spots” als cap hold geben würde. Diese sorgt dafür, dass pro freiem Roster Spots (bis zum 12. Mann) ein Sperrbetrag von $507,336 berechnet wird, um zu gewährleisten, dass man mindestens 12 Spieler signed. Das bedeutet in diesem Fall, dass weitere 4,5 Mio. Dollar nicht als cap space zur Verfügung stehen. Die Lakers ständen bei 19,5 Mio. Cap. Im worst case scenario würde Nick Young seine Spieleroption ziehen (das unrealistische Szenario wird realistisch, wenn Young sich bspw. verletzen würde und somit für keinen neuen Vertrag vorspielen könnte). Der cap space würde dann nur noch 18,8 Mio betragen. Ein Max-Deal für einen 10-Jahres-Veteranen (Carmelo Anthony als wahrscheinlichstes Ziel; LeBron James, Dwyane Wade, Chris Bosh als mögliche Optionen) beginnt bei 19,1 Mio. Dollar. Im schlimmsten Fall für die Lakers müssen also die Max-Player einen geringen paycut (zu den bereits gekürzten Vertragsjahren und der jährlich niedrigeren Gehaltserhöhung) hinnehmen, um für die Lakers spielen zu können!

Selbst wenn Nick Young seine Spieleroption nicht zieht, reicht der cap space für exakt einen Maximal-Vertrag, danach gibt es noch die Room-MLE von 5/2 und das war es dann mit Spielern, die über dem Minimum verpflichtet werden können. 

Ausblick

Die Verlängerung Bryants ist zu diesem Zeitpunkt und auch in der Höhe auf mehreren Ebenen verständlich. Die Verantwortlichen senden ein Signal an ihren (Super-?)Star, dass sie trotz Verletzung an ihn glauben und sind sich zudem sicher, dass er sein Gehalt wieder einspielen wird. Alleine über das Merchandise und die Ticketverkäufe wird Bryant dafür sorgen, dass sich der Vertrag rentiert, den ihm das Lakers Front Office gab.

Sportlich bestehen Fragezeichen ob der Leistungsfähigkeit; schwerwiegender ist jedoch das Argument des Teambuildings, wo eine Organisation ihren finanziellen Gewinn über das sportliche Wohl stellt. Die Lakers werden voraussichtlich bis zum Karriereende Bryants sportlich irrelevant bleiben, auch weil Bryant als 34-jähriger nicht das Team, sondern monetäre Interessen als oberste Priorität ausgibt.
Vergleiche zu Tim Duncan oder Kevin Garnett sind hier interessant, gerade auch, weil Garnett jahrelang mit seinem Vertrag in Minnesota das Teambuilding aktiv behinderte, dies aber 2012 (nach tollen Playoffs!) als 35-Jähriger begriff und den paycut nahm. Bryant hingegen wird auch mit 36 wohl der höchstbezahlteste NBA-Profi sein. Ob dies auch als unbändige Aufopferung fürs Team zählt?

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5 comments

  1. Julian Lage

    Hach, da möchte man doch glatt mal Anthonys Kommentar zu Lins Vertrag ausgraben… Ich glaube, der wichtigste Teil war was von “ridiculous”. Spätestens jetzt sind die nächsten Jahre für die Lakers gelaufen.

  2. Hassan Mohamed

    Schön deutlich gemacht, dass es verschiedene Perspektiven zu beachten gilt, Dennis.

    Aus Sicht von Kobe Bryant hätte ich genauso gehandelt und jeden Cent mitgenommen – obwohl ich eigentlich alles andere als auf Geld fokussiert bin, aber man könnte das Geld für wesentlich nützlichere Dinge als Sporttitel nutzen (vgl. Deng, Mutombo). Mit einem Verzicht auf Geld hätte er die Erfolgschancen der Lakers natürlich erhöht, aber es wäre weiterhin ein ‘long shot’ gewesen, von einer Garantie oder ähnlichem will man gar nicht erst anfangen zu sprechen (vgl. Dirk Nowitzki, Dallas 2012 und 2013). Anthony faselt viel von New York, die Boys aus Miami haben nach dem Aus von Derrick Rose einen Stolperstein weniger Richtung vierte Finals in Folge und der interessante Nachwuchs (George, Cousins, Wall) hat bereits verlängert.

    Ansonsten ist die Lakers-Organisation und Time Warner auch glücklich, die Cash Cow noch zwei Jahre melken zu können. Danach geht es dann von null los. Bryant darf jetzt nur nicht über mangelende Unterstützung meckern, sonst müsste ihm mal jemand das CBA erklären. ;)

  3. Dennis Spillmann

    |Author

    Um Gutes zu tun, muss Bryant aber auch nicht mehr Gehalt nehmen, sondern kann alleine durch seinen Promistatus mit einer Stiftung viel mehr Geld generieren. Das, finde ich, ist ein schwaches Argument.

    Bryant mache ich auch kaum Vorwürfe. Was das Management sich mit diesem Move denkt, versteht aber nun wirklich kaum jemand. Wieso jetzt und nicht erst, wenn man sieht, dass er belastbar ist? Wieso diese Höhe? Hat man wirklich Angst, dass man im Sommer komplett ohne Franchise Player dasteht? So wirkt man jedenfalls nicht stark.

    Weitere Lektüre zum Thema:

    Larry Coon – A quick update on Kobe’s extension and the Lakers’ cap space
    Zach Lowe – The True Hollywood Story of Kobe’s Crippling Contract

    Beide mit anderen Zahlen (Coon schätzt, dass der cap auf 62 Mio hochgeht; Lowe berechnet den Pick mit ein), beide mit derselben Aussage: maximal ein Max-Free Agent, eventuell Reduzierung des Maxdeals, damit er überhaupt unter den cap passt.

  4. Hassan Mohamed

    Es war nicht als Argument für Kobe Bryant, sondern eher grundsätzlich gemeint und meine persönliche Ansicht, da man ja oftmals liest, dass Spieler für den (potentiellen) sportlichen Erfolg auf Gehalt verzichten sollten. Ich will ja nicht behaupten, dass Bryant die 20 Millionen, auf die er auch hätte verzichten können, direkt spendet. ;)

    Die Entscheidung des Managements zu hinterfragen, ist meiner Meinung nach verschwendete Mühe. Es dürfte einfach eine Business-Entscheidung gewesen sein und eine Nachricht an die Investoren. Auch Time Warner wird sicherlich in irgendeiner Form Druck gemacht haben. Ein nicht ausverkauftes Staples Center wie kürzlich wollen die Kapitalisten nicht sehen. Jetzt (in einer Phase, wo die Lakers wenig Beachtung bekomen) hat man deutlich gemacht, dass die Cash Cow noch zwei weitere Jahre gemolken werden kann.

    Bryant: “This wasn’t a negotiation. The Lakers made their offer with cap and building a great team in mind while still taking care of me as a player.”

    Klingt nicht nach Hard Ball, sondern eher danach, dass man dem ‘Golden Boy’ nicht auf die Füße treten wollte. ;)

  5. Dennis Spillmann

    |Author

    Bryant: “This wasn’t a negotiation. The Lakers made their offer with cap in mind while still taking care of me as a player.”

    Fixed. ;)

    Ansonsten stimme ich dir unumwunden zu. Den Spieler respektieren/zufriedenstellen, Gewinne beibehalten. Der Sport interessiert nur am Rande.


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