Miami Heat, Playoffs, San Antonio Spurs

One more time

Miami erzwingt Spiel sieben

Die Finals gehen in ein entscheidendes siebtes Spiel. Die Miami Heat vertagen in einem dramatischen Overtime-Spiel die Entscheidung, wer NBA Champ 2013 wird. Angeführt von einem Triple Double von LeBron James kommt es zu einem weiteren Aufeinandertreffen. Mitverantwortlich waren auch Ray Allen und Chris Bosh.

CB blocks three

Bosh selbst hatte den Druck auf sich und seine Teamkollegen erhöht, nachdem er darauf hinwies, dass Danny Green, der den Rekord für getroffene Dreipunktewürfe in den Finals brach, nicht zu seinem gewohnten Spiel finden sollte.

“He has a knack for shooting, but he won’t be open tonight,” Bosh said Tuesday. “We’ll see how he shoots with somebody always on him.”

Nachdem Bosh nach dem ersten Spiel dafür kritisiert wurde, dass er zu sehr als reinen Rollenspieler missbraucht wurde und seine Würfe von der Dreierlinie dies belegten, nahm Bosh in der gesamten Serie noch einen Dreier. Aus „CB three“ wurde „CB blocks three“, als ausgerechnet Bosh in den letzten beiden Sekunden der Verlängerung geschickt zu Danny Green rotierte und dessen Versuch zum Ausgleich blockte. Es war ein symptomatischer Moment für Green, der offensiv überhaupt nicht in das Spiel fand und nur einen seiner sieben Versuche unterbringen konnte.

Bosh hingegen konnte zu Teilen die Erwartungen erfüllen, die in ihn gesetzt wurden. Sein viertes Double-Double in den Finals lässt vor allem die Kritiker verstummen, die in Bosh einen schlechten Rebounder sahen.  Dieser hatte jedoch schon vor Spiel sechs gezeigt, dass dies gar sein bestes Defensiv-Rebounding-Jahr in den Playoffs sein sollte (20,8 DRB%), wenn man von seinem 6-Spiele-Ausflug 06/07 absieht.

Chris Bosh ist generell ein Grund dafür, wieso die swarming defense der Miami Heat so gut funktioniert. Durch den small ball, den die Heat erfolgreich praktizieren, haben sie mit Bosh einen so mobilen nominellen Center auf dem Feld, der auch gegen kleinere Gegner den Close-Out schafft und bis zum Perimeter herausrotieren kann. Den Beweis trat er im letzten Play des Spiels an.

Good Timmy

Bosh hat natürlich aber auch Nachteile, die Tim Duncan in der ersten Hälfte mustergültig aufzeigte. Der Center der Spurs dominierte Bosh nach Belieben, trug die Spurs ganz alleine und arbeitete dazu hart am Brett. Seine 25 Punkte und 8 Rebounds sehen beeindruckend aus – noch viel beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dies die Statistiken für eine Halbzeit sind. Duncan arbeitete am Low Block und kam auf überragende Quoten (11-13 FG, 3-4 FT), weil Chris Bosh ihn im 1-on-1 nicht halten konnte und Duncan immer wieder in seine sweet spots kam; oder weil die Rotationen, die Bosh machen musste, um Fehler seiner Vorderleute auszubügeln, Duncan Mismatches oder freie Würfe bescherte. Die Spurs molken Duncan in Perfektion, er erzielte dreizehn Punkte in Folge für die Spurs und hielt diese damit im Spiel.

Während Duncan defensiv auch in der zweiten Halbzeit seinen Job machte und letztlich auf 17 Rebounds kam, verpuffte der offensive Output. Grund dafür waren die Adjustments von Spoelstra, der den entry pass zu Duncan besser verteidigte und so Duncan in der zweiten Halbzeit und Overtime nur acht weitere Würfe gestattete, aus denen Duncan nur fünf Punkte generieren konnte. Je länger das Spiel dauerte, desto weniger Output bekamen die Spurs von Duncan, der im dritten Viertel 5, im vierten und in der Verlängerung keinen Punkt mehr erzielte. Dass Duncan jedoch auch nur ansatzweise dafür verantwortlich gemacht werden sollte, dass die Spurs die Serie hier nicht beenden konnten, greift viel zu kurz. 30 effiziente Punkte seines dienstältesten Spielers waren eher ein Geschenk für die Spurs. Dass sie es nicht nutzen konnte, hatte andere Gründe.

Bad Manu

manuginobiliPersonifiziert findet man diesen Grund in Manu Ginobili. Der Argentinier hatte mit einer Paradevorstellung (24/10) Spiel fünf noch mitentschieden, nur um diese Leistung mit einem weiteren seiner schlechten Spiele im heutigen Aufeinandertreffen zu konterkarieren. Ginobili erzielte kaum mehr Punkte (9) als Turnover (8) und war ein non-factor, wie schon zu oft in dieser Serie – oder in den Playoffs allgemein. Während bei den Heat immer diskutiert wird, ob diese noch eine Big Three besitzen würden, ist Ginobili in diesen Playoffs ein klarer Rollenspieler, und dies nicht einmal ein besonders guter (ein ORtg von 103 ist klar unterdurchschnittlich).

Man wird sehen, ob Ginobili noch einmal einen wichtigen Beitrag für die Spurs leisten kann, oder ob der Auftritt in Spiel 5 eine Rollenspielerexplosion war, auf die man sich nicht verlassen kann.

Jesus saves the king

Ray Allen traf den für die Heat wichtigsten Wurf in diesen Playoffs, als Miami (ohne verfügbare Auszeit) ihre letzte Possession in der regulären Spielzeit erfolgreich abschloss. Nachdem James einen Dreier nicht verwandeln konnte, landete der offensive Rebound bei Chris Bosh, der geistesgegenwärtig Allen fand. Dieser entschied sich dafür, noch einen Schritt zurückzugehen, um das Spiel mit einem Dreier auszugleichen und damit auch in die Verlängerung zu schicken.

Allen war es auch, der die beiden clutch free throws am Ende der Verlängerung traf, um Miamis Sieg zu besiegeln. Es waren der einzige Dreier und die einzigen Freiwürfe, die Allen in diesem Spiel traf.

Defense wins games – but championships?

Neben der clutch performance Allens war es jedoch vor allem die Defense, die Miami den Sieg bescherte und Spiel sieben ermöglichte. Die Spurs schlossen in Overtime nur drei von 13 Possessions erfolgreich ab, erzielten nur fünf Punkte. Die Heat-Defense schien ausgeruhter und mit einem klaren Konzept versehen zu sein: Tony Parker, der ein schreckliches Spiel hatte (6-23 FG), sollte vom Korb ferngehalten werden, die swarming defense funktionierte exzellent. Miami verteidigte engagiert und führte gar eine shot clock violation herbei, die den Höhepunkt der defensiven Ausrichtung darstellen sollte. Insgesamt hielten die Heat die Spurs bei zwei Field Goals in der Verlängerung; in den letzten drei Minuten ließen sie keinen Treffer mehr zu.

One last dance

Nun lässt sich die gesamte Saison auf ein Schicksalsspiel reduzieren, wo es nicht mehr (und nicht weniger) als um die legacy von LeBron James geht – so vermeintlich der allgemeine Presse-Tenor. Dabei sollte doch klar sein, welche außerordentliche Stellung James mittlerweile in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit einnimmt. Die NBA dreht sich nur noch um den selbsternannten Auserwählten, um seinen Erfolg oder sein Scheitern. Die legacy James‘ ist bereits geschrieben, weil er das Aushängeschild der NBA ist – unklar ist nur das letzte Kapitel. Am Rande geht es um Tim Duncans fünften Ring. Am Rande geht es um Tony Parkers Untermauerung in der Playmaker-Spitze. Am Rande geht es um Danny Greens Dreier-Rekord. Am Rande geht es auch um Dwyane Wade oder Chris Bosh. Doch im Zentrum steht nur James, der auch mit seinen 32/11/10 (viertes Triple Double in den Finals) im Mittelpunkt gestanden hätte, wenn die Heat gescheitert wären.

Die Zentrierung auf James verdeckt den Mannschaftssport Basketball. Natürlich benötigt man schillernde Persönlichkeiten. Natürlich interessieren sich Viele für die Superstars dieser Liga. Aber dieses Spiel besteht aus mehr als James oder Duncan, Parker oder Bosh, Wade oder Ginobili. Beide Teams glauben an Systeme, glauben an das beste Play und nicht an den hero ball. Beide Teams sind darauf ausgerichtet, dass jedes Teil funktioniert. Und so wird es nicht auf die Stars ankommen, wenn es zum letzten Gefecht geht. Es wird um die Summe der Teilchen gehen. Denn das ist nun mal die Grundvoraussetzung im Basketball. Die beiden besten Teams werden am Donnerstag aufeinandertreffen. Und genau das sollte im Mittelpunkt von Spiel sieben stehen: Das bessere Team wird hier gewinnen: Miami oder San Antonio; nicht James oder Parker.

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5 comments

  1. Avatar

    bartek

    Würde man das Foul am Ende noch pfeifen hätten wir vllt einen Meister gehabt … das sollte noch erwähnt werden ;)

  2. Alexander Aust

    bartek meint bestimmt das Foul, dass alle, außer den Heat-Fans gesehen haben. So ungefähr 3 Sekunden vor Schluss^^

    Trotzdem starker Text, Dennis! Auf ein spannendes Spiel 7 und auf einen weiteren Auswärtssieg!

  3. Jonathan Walker

    Ich dachte es mir fast, aber manch einer will auch bei Boshs Block gegen Green ein Foul gesehen haben.

    Ich finde, beide Aktionen sollten in keinem (Playoff-) Spiel gepfiffen werden und waren (endlich) konstant mit der Linie, die über weite Strecken des Spiels auch am anderen Ende gegen die Heat angewandt wurde. Pfeifft man das “Foul” gegen Gino, muss man andere Sachen ebenso pfeiffen und dann wird es ganz schnell zu einer wenig attraktiven Freiwurforgie.

    Wenn es noch dazu um die Meisterschaft geht, sollte im Zweifel sowieso nicht gepfiffen werden.

  4. Poohdini

    Vollkommen richtig, Jonathan.

    Es gab eben auch bei den Heat viele schlechte Calls (No-Calls), es hat sich dann am Ende ausgeglichen. Große Reklamationen sind nicht angebracht. Und kommt mir nicht mit “das war spielentscheidend”. Sowas gibt es im Bball nicht.


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