Miami Heat, Playoffs, San Antonio Spurs

Ein gebührendes Ende

Die Miami Heat sind NBA Champs 2013

Selten war ein Titel härter umkämpft und ein Team näher am Titel, um am Ende leer auszugehen. Dabei sah es eine Zeit lang ganz anders aus, ließ die Serie doch von Spiel 2 bis 5 deutlich an Spannung nach. Nachdem das erste Spiel am Ende durch Parkers Gamewinner entschieden worden war, wurde jedes Spiel abwechselnd mit mindestens 10 Punkten Abstand gewonnen. Es schien so, als würden die Teams jeweils abwechselnd Lösungen für die Anpassungen des anderen Teams finden, nur um im folgenden Spiel vor ein anderes Problem gestellt zu werden. Startformationen wurden geändert, Defensivschemen angepasst, offensive Strategien umgeworfen. Die letzten beiden Spiele entschädigten dann jedoch für das Basketballschach und die daraus resultierenden Blowouts (wobei die natürlich auch ihren Reiz hatten), indem sie an Spannung und Heldentaten in der Crunchtime kaum zu überbieten waren. Spiel 6 war bekanntermaßen denkbar knapp, und ein getroffener Freiwurf oder ein Defensivrebound mehr von Seiten der Spurs oder ein  getroffener Dreier weniger von James oder Allen – und wir hätten wohl einen Meister aus Texas. Auch das eine, letzte, alles entscheidende Spiel um die Meisterschaft sollte dem in nichts nachstehen.

History in the Making

Game 7 war dann angerichtet für ein geschichtsträchtiges Spiel. Auf der einen Seite waren da die Heat, angeführt von einem James, der den höchsten Punkteschnitt der NBA-Geschichte in siebten Spielen vorweisen konnte und allgemein in Elimination Games zu überzeugen weiß. Amtierende Champions hatten noch nie in einem siebten Spiel der Finals verloren (6-0), und kein Heimteam hatte seit 35 Jahren ein solches Spiel verloren. Auf der anderen Seite waren die Spurs, die in der Duncan-Popovich Ära noch kein Finale verloren (4-0) hatten, darunter der Sieg gegen James‘ Cavaliers 2007, und den Heat mehr als gewachsen waren, das hatten die ersten sechs Partien bewiesen. Der Versuch, eine Vorhersage auf den Sieger zu machen, hatte etwas von Roulette: schwarz oder rot. Ein Sitz in der ersten Reihe für den anstehenden Showdown war einigen Fans in Miami in der Folge mehr als 50.000 Dollar wert, und  Basketballanhänger überall auf der Welt hingen unabhängig von der Tageszeit gespannt vor den Bildschirmen.

„Das großartigste Spiel seiner Karriere“?

Der Spieler, auf dem die größten Erwartungen und somit auch der größte Druck ruhten, war zweifelsfrei LeBron James. Er war durch Popovichs Taktik, seinen Verteidiger extrem tief absinken zu lassen, um die Zone abzuriegeln, ihm den Drive zu nehmen und ihn zum Wurf zu zwingen, streckenweise beinahe aus dem Spiel genommen worden. Kaum verwunderlich, zieht man in Betracht, was für ein Spielertyp James von Natur aus ist: in erster Linie ein slashender Playmaker, der auf Grund seines Körperbaus aber auch gut beraten ist, oft aufzuposten. Seinen Sprungwurf hat James zwar über seine nun 10-jährige Karriere stetig verbessert, aber zu seinen bevorzugten Waffen gehört er immer noch nicht, so der Eindruck nach den Spielen eins bis sechs. Eine Trefferquote von nur 6-29 aus der Mitteldistanz sowie insgesamt 43% aus dem Feld (gegenüber 56% in der RS) bestätigten die Herangehensweise der Defense der Spurs.

jameswadeLaut eigener Aussage besann sich LeBron dann vor Spiel 7 darauf, dass seine Arbeit in den Offseasons sich insbesondere in der jüngeren Vergangenheit eigentlich ausgezahlt hatte: 46% von 16-23 Feet Entfernung, 41% von der Dreierlinie in der regulären Saison. Das sind keine Werte, die ein Absinken von mehreren Metern rechtfertigen – sofern der verteidigte denn die freien Würfe nimmt. Und genau das tat James dann endlich, mit Selbstvertrauen und der damit einhergehenden Treffsicherheit. Das Resultat war die höchste Punkteausbeute James‘ der 2013er Playoffs – und in einem Finalsspiel 7 seit Tom Heinson 1957, der damals ebenfalls auf 37 Punkte für die Celtics kam. James nahm die freien Dreier, insgesamt 10 – und traf die Hälfte. Auch seine Sprungwürfe aus der Mitteldistanz fanden ihr Ziel, inklusive des vorentscheidenden Wurfs zur Vierpunkteführung 28 Sekunden vor Schluss. Von der Freiwurflinie bewies er ebenfalls „Touch“, indem er alle acht Freiwürfe traf. Auf der anderen Seite des Feldes kümmerte sich James vornehmlich um Spurs-MVP Tony Parker, was in einer Trefferquote von nur 3-12 aus dem Feld für den Franzosen resultierte. Selbst der bekennende James-Kritiker Skip Bayless (ESPN) ließ sich auf Grund all dessen dazu hinreissen, James‘ Performance als „das großartigstes all-around Spiel seiner Karriere“ zu bezeichnen.

Ein Spiel für die Ewigkeit

timduncanTrotzdem war kein Team zu keinem Zeitpunkt des Spiels mit mehr als sieben Punkten in Führung. Zwar führte Miami über weite Strecken des Spiels, jedoch blieben die Spurs jederzeit in Schlagdistanz, in erster Linie wegen der stark aufspielenden Duncan, Leonard und Ginobili. So waren die Spurs rund 50 Sekunden vor Schluss nur einen Babyhook von Duncan davon entfernt, das Spiel auszugleichen. Doch obwohl nur der viel kleinere Shane Battier im Weg stand, vergab die Spurslegende den Wurf sowie den folgenden Tip-In. Die Nummer 21 der Texaner sank in der Folge ungläubig auf die Knie. Es wäre sicherlich falsch, die gesamte Serie oder auch nur das Spiel auf diese Szene zu reduzieren, doch genau wie die oben erwähnten spielentscheidenden Aktionen der Spurs in Spiel 6, werden diese Fehlversuche Duncan und den Fans San Antonios noch lange nachhängen.

Weiter auffällig war, wie Danny Green, der bereits nach nur fünf Spielen Ray Allens Finalsrekord für getroffene Dreier mit seinem 25 Treffer geschreddert hatte, nur auf 1-12 aus dem Feld kam. Im Gegensatz zu den ersten fünf Spielen bekam Green wie in Spiel sechs kaum einen freien Wurf mehr. Er wurde von der Verteidigung der Heat zum Kreieren und Werfen aus dem Dribbling gezwungen, womit er schlicht nicht klar kam und den Spurs mehr schadete als half, nachdem er früher in der Serie noch als Finals-MVP im Gespräch war.

Auf Seiten der Heat war es jedoch nicht nur James, der vollkommen überzeugte. Auch Wade (und seine lädierten Knie) schlüpften noch einmal ins Flash-Kostüm und lieferten 23/10 und somit eine mehr als gute zweite Option für Miami. Auch wenn Bosh gänzlich ohne Punkte blieb, hatte er vor allem in der Defense und beim Rebounding durchaus einen positiven Einfluss auf das Spiel der Heat. Dafür fand Battier sein Wurfhändchen aus den letztjährigen Finals, welches so lang verschollen war, und traf direkt 6-8 Dreier. Er bestätigte damit ein Muster, das im Verlauf der Saison Miamis deutlich wurde: Auf Grund der Vielzahl an Shootern im Roster der Heat findet sich zumeist einer, der heiß läuft. Ob es nun Chalmers, Allen, Miller, oder eben Battier ist.

Was bleibt?

Was bleibt also nach Titel Nummer zwei für die „Miami Thrice“? Es gab zwar Spekulationen über sowohl ein Aufbrechen der Heat als auch einen bevorstehenden Rücktritt Pat Rileys, doch beides darf wohl als reine Spekulation abgetan werden. Riley wird bleiben, solang die großen Drei in Miami spielen. Und die großen Drei werden zusammen in Miami spielen, solange sie gewinnen. Durch den Repeat wurde nun der Grundstein für eine mögliche Dynastie gelegt.

miamiheatchamps2013

Dem Vermächtnis der Spurs wird die eine Finalsniederlage währenddessen wohl kaum einen Abbruch tun. Zu viel haben Popovich, Duncan, Parker und Ginobili bereits erreicht. Duncan wies Fragen nach seinem Rücktritt zurück – er spiele solange er unter Vertrag steht, und das ist bis 2015. Gleichzeitig zeigten spätestens die Finals, dass die Spurs wieder einmal aus relativ unbekannten Spielern sehr brauchbare Bausteine für die Zukunft geformt haben. An erster Stelle wäre hier Kawhi Leonard zu nennen, der immer öfter mit Shawn Marion oder gar Scottie Pippen verglichen wird, und erst am Anfang seiner Entwicklung steht. Green profilierte sich als einer der besten Schützen der Liga, wenn nicht gar schon jetzt aller Zeiten, sofern er sein Level annähernd halten kann.

Dafür, dass bereits vor einem Jahr die Miami Heat bereits wieder als Titelkandidat Nummer Eins galten, war das Titelrennen am Ende extrem knapp, unmöglich vorherzusagen und die Finalsserie an sich mehr als nur unterhaltsam. Es wird interessant sein zu sehen, wer im kommenden Jahr versucht, den Miami Heat die Championship streitig zu machen!

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