Playoffs

Vorentscheidung in Hollywood?

Einige Beobachtungen zu Spiel 3 zwischen den Spurs und den Lakers

Nach zwei relativ ungefährdeten Heimsiegen traten die San Antonio Spurs am Freitag im Staples Center zu Spiel 3 ihrer Erstrunden-Serie gegen die Los Angeles Lakers an. Knapp zweieinviertel Stunden später hatte das Team aus Texas dem alten Rivalen mit einem vernichtenden 120:89 die für LA höchste Playoff-Niederlage der Franchise-Geschichte zugefügt und die Führung in der Serie auf 3:0 ausgebaut.

Voraussetzungen

Fans der Lakers mochten zwar auf einen Sieg ihrer Mannschaft gehofft oder gar vertraut haben, aber die Niederlage kam kaum überraschend. Zu chancenlos hatte man letztlich insgesamt schon in den ersten beiden Spielen gegen ein Spurs-Team ausgesehen, welches keinesfalls in Bestform agierte (in Spiel 1 etwa trafen die Spurs nicht einmal 38% ihrer Würfe aus dem Feld). Zudem wurde die mit Kobe Bryant ja schon prominent besetzte Liste der Verletzten bei den Lakers vor deren erstem Heimspiel noch einmal länger: Weder Steve Nash noch Steve Blake oder Jodie Meeks waren fit genug, um das Parkett betreten zu können, während „The Player Formerly Known As Ron Artest“ trotz Problemen mit seinem kürzlich operierten Knie zwar auflief, in 17 Minuten Spielzeit aber 0-6 aus dem Feld warf und später ankündigte, das nächste Spiel aussetzen zu wollen. Statt der beiden Steves standen für Los Angeles der Zweitrundenpick Darius Morris und der kürzlich zum D-League-MVP gekrönte Andrew Goudelock in der Startformation – für beide eine Premiere. Goudelock und Morris machten einen ordentlichen Job und hatten am Ende 20 bzw. 24 Punkte bei durchaus akzeptablen Quoten zu Buche stehen, die Demontage konnten sie freilich nicht verhindern.

howardgasol

Taktisch gesehen gingen beide Mannschaften das Spiel ähnlich an wie die vorherigen Duelle. Die Lakers versuchten das Two-Man-Game zwischen Pau Gasol und Dwight Howard zu etablieren und Howard möglichst viele gute Würfe unter dem Korb zu verschaffen, während Gasol das Spiel aus dem High-Post dirigieren sollte. Die Spurs wiederum konterten dies defensiv mit ihrer Big-Men-Combo aus Tim Duncan und Tiago Splitter und verließen sich offensiv auf Tony Parkers Penetrationen und das Pick and Roll, während Schützen wie Danny Green und Gary Neal von außen für Entlastung sorgen sollten.

Umsetzung

Gasol und Howard lieferten durchaus ein gutes Spiel ab in der Offensive: Dem Spanier gelang mit 11 Punkten, 13 Rebounds und 10 Assists das erste Playoff-Triple-Double seiner Karriere, und Howard hatte zwar wie üblich mit seiner Freiwurfschwäche zu kämpfen (er verwandelte sieben von 15 Versuchen), steuerte aber dennoch 25 Punkte und 11 Rebounds bei. Der beste Big an diesem Abend war aber wohl trotzdem Tim Duncan, der am Ende 26 Punkte (bei 12-16 aus dem Feld), 9 Rebounds und 3 Assists für sich verbuchen konnte, dazu gut verteidigte und mit seinem traumhaft sicher wirkenden Mitteldistanzwurf in der Offensive für wichtiges Spacing tim-duncansorgte. Sogar einen Alley-oop-Dunk streute „The Big Fundamental“ ein, was man seit gefühlt zehn Jahren nicht mehr von ihm gesehen hatte. Großen Anteil am Erfolg der Spurs hatte auch Tony Parker mit seinen 20 Punkten und 7 Assists. Der französische Point Guard war angeschlagen in die Playoffs gegangen, was man ihm im ersten Spiel auch noch angemerkt hatte, scheint sich physisch aber immer mehr seiner Bestform anzunähern. Vor allem in der ersten Hälfte zog er am Freitag nach Belieben zum Korb, schloss dann selbst ab oder fand den offenen Mitspieler am Perimeter. Wie bei Duncan fiel auch Parkers Wurf aus der Mitteldistanz sehr solide, und ein paar Nachlässigkeiten und Ballverluste in der zweiten Hälfte trüben den positiven Gesamteindruck nur geringfügig.

San Antonios Taktik war es wieder, Dwight Howard so oft wie möglich zu „fronten“, d.h. den Pass zu ihm unter den Korb möglichst zu erschweren oder gar zu unterbinden. In Verbindung mit physisch engagierter Verteidigung gelang dies zumindest gut genug, um den Center der Lakers sichtlich zu entnerven und in Foulprobleme zu bringen. Für einen Spieler mit seiner Erfahrung unterlaufen Howard immer noch schlicht zu viele unnötige Fouls, auch wenn seine Frustration darüber, wie hart er teilweise angegangen wird, in gewisser Weise nachzuvollziehen ist. Die Spurs doppelten Howard konsequent und verteidigten zuweilen gar mit drei Spielern gegen ihn, aber die Lakers konnten die so entstandenen Freiräume am Perimeter zu wenig nutzen und trafen nur 4 ihrer 20 Dreierversuche.

Zwar machte es das Team aus Texas mit 5 Treffern bei 16 Würfen von Downtown auch nicht sehr viel besser, aber das mussten sie in diesem Spiel auch nicht unbedingt, weil sie sich mit guter Ballbewegung, vielen präzise gesetzten Screens und guter Laufarbeit abseits des Balles unter dem Korb oder in Korbnähe fast beliebig viele gute Würfe erarbeiten konnten. Damit ist auch das größte Problem der Truppe aus Kalifornien benannt: die Defensive. Trotz des in den letzten Monaten zunehmend fitter wirkenden und besser agierenden Defensivankers Dwight Howard bleibt vor allem die Teamdefense weiterhin ein großes Manko der Lakers. Zu wenig oder zu langsame Helpdefense, zu viele schlampige oder verpasste Rotationen bestimmen die Verteidigung unter Trainer Mike D’Antoni, und das ist gerade gegen ein so diszipliniertes und cleveres Team wie das von Gregg Popovich eine kaum zu überwindende Hürde (die Spurs trafen am Ende rund 61% ihrer Würfe aus dem Feld in Spiel 3).

Ergebnis

So deutet trotz des zu erwartenden Ausfalls von Tiago Splitter einiges darauf hin, dass die Spurs am Sonntag auch Spiel 4 gewinnen werden und damit den Sweep komplett machen. Und so schade es auch ist, dass die Lakers verletzungsbedingt auf einige ihrer wichtigsten Spieler verzichten müssen – die grundlegenden defensiven Probleme, die sich schon durch die ganze Saison ziehen, hätten auch ein Steve Nash oder ein dieses Jahr in der Verteidigung ohnehin oft unterdurchschnittlich agierender Kobe Bryant jetzt nicht mehr zum Besseren wenden können.

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