Los Angeles Lakers, NBA

Die drei Fragezeichen

Wie geht es für die Los Angeles Lakers weiter?

Andrew Goudelock und Darius Morris starten für die Los Angeles Lakers im Backcourt, weil Kobe Bryant, Steve Nash, Metta World Peace, Steve Blake und Jodie Meeks in Alltagskleidung und verletzt vom Seitenrand das Spiel beobachten. Dwight Howard wird mit zwei Technischen Fouls von den Schiedrichtern frühzeitig zum Duschen geschickt. Die Los Angeles Lakers verlieren gegen die San Antonio Spurs durchschnittlich mit knapp 22 Punkten und scheiden ohne viel Kampf nach vier Spielen aus den diesjährigen Playoffs aus. Die Saison der ruhmreichen Franchise endet wie sie begonnen hat und wie letztlich auch die komplette Saison verlief.

“It’s like a nightmare, like a bad dream. We couldn’t wake up out of it.”

Mit diesen Worten beschreibt Howard die Saison seines neuen Teams und trifft damit wohl auch die Gemütslage der gold-lilanen Community. Nach den spektakulären Verpflichtungen von ihm und Steve Nash im vergangenen Sommer beginnt es ohne Umschweife mit den negativen Schlagzeilen. In der Preseason können die Lakers kein Spiel gewinnen – was zunächst auf die vermeintlich unbedeutende Preseason geschoben wird. Nach fünf Spielen, von denen vier verloren gehen, muss Headcoach Mike Brown bereits seinen Hut nehmen. Nach kurzer Zeit übernimmt Mike D’Antoni in einer Nacht- und Nebelaktion das Zepter in Downtown Los Angeles. Überraschend, denn auch Phil Jackson hatte Interesse signalisiert. Der hochdekorierte Meistertrainer, der mit den Lakers bekanntermaßen fünf Championships erringen konnte, wurde vom Management der Lakers allerdings übergangen. Wie es an die Medien drang, nicht in einer angemessenen Art und Weise. Bereits zu dem Zeitpunkt wurden Zweifel an der Trainerwahl laut. D’Antoni sei in seiner Philosophie zu stur und er lege zu wenig wert auf die Verteidigung, riefen die Kritiker. Ob nun Jim Buss oder Mitch Kupchak die Entscheidung getroffen hat: Es wurde befürchtet, dass Jackson wenig Nutzen aus Nash ziehen würde. Mit der Wiedervereinigung D’Antonis und Nashs nach ihrer gemeinsamen und durchaus erfolgreichen Zeit in Phoenix sollte dies kein Problem darstellen. Und was die Verteidigung betrifft: Da würde Howard den Laden hinten schon alleine dichthalten, wie er es in Orlando bewiesen hatte.

Nur hatte sich Nash bereits im zweiten Saisonspiel verletzt und musste 25 Spiele aussetzen (32 Spiele über die komplette Saison) und Howard war aufgrund seiner Operation am Rücken im vergangenen Sommer weit von seinem gewohnten Fitnesszustand entfernt, sodass seine Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt war – keine Überraschung bei einem Spieler, der primär auf seine Physis angewiesen ist. Selbst zum Jahreswechsel musste er sich noch spöttische Vergleiche mit Kosta Koufos gefallen lassen. Erst nach dem All-Star-Break konnte man wieder die Aktionen sehen, die ihm den plagiierten Spitznamen “Superman” eingebracht haben.

howardgasol

Währenddessen kämpfte sein Partner im Frontcourt, Pau Gasol, ebenfalls mit unterschiedlichen Verletzungen und absolvierte mit 49 Partien die wenigsten seiner Karriere. Wenn er fit war, hatte er mit Integrationsproblemen zu kämpfen, die mit D’Antoni einhergingen. Anfangs war Gasol laut diesem zu gut, um von der Bank zu kommen. Bei solch einer Aussage möchte man sich fragen, welches Verständnis wohl Trainer wie Red Auerbach und Gregg Popovich oder John Havlicek, Kevin McHale oder Manu Ginobili von einem Bankspieler haben. Die Folge war zunächst, dass der Spanier den “Stretch-Four” machen sollte und sich teilweise an der Dreierlinie wiederfand – als einer der besten Lowpost-Spieler der NBA. Als sich dann D’Antoni doch entschloss, Gasol von der Bank zu bringen, war dieser wenig glücklich darüber. Ein Affront gegen einen Spieler, der noch nie von der Bank kam – so zumindest Gasols Interpretation, als dieser oftmals diesbezüglich schmollend vor die Medien trat.

Der Fels, an den sich die Mannschaft die komplette Saison geklammert hat, war Kobe Bryant. Offensiv. Über die Defense sollte man lieber den Mantel des Schweigens legen. Auch wenn es oftmals aussah, als wäre er in einen Jungbrunnen gefallen, konnte er in seinem Alter die hohe Doppelbelastung auf beiden Seiten des Courts nicht schultern. Aber letztlich zerbrach auch der Fels – wie könnte es anders sein – durch eine Verletzung. Von dessen Riss der Achillessehne dürfte allerdings bereits jeder Sportinteressierte gehört haben. Der negative Höhepunkt einer grausigen Saison.

Soweit die Einleitung. Nun stellt sich die Frage: Wie geht es für die Lakers weiter?

Ausgangslage

Wo fängt man an? Mit der Free Agency Howards oder mit der Handhabe von Bryants Zukunft? Beginnen wir mit Howard, da er langfristig bedeutender ist und die Lakers weniger Einfluss haben. Aber wie will man bei einem Spieler, bei dem man das begründete Gefühl hat, dass er selbst nicht genau wisse, was er will, beurteilen was er macht? Die Fakten sind folgende: Die Lakers können ihm im Gesamtvolumen 30 Millionen mehr bieten als jedes andere Team in der NBA. Los Angeles ist einer der größten Märkte in den USA. Die Franchise beweist seit Jahrzehnten, dass sie immer ganz oben mitspielen kann und will – mitsamt der Bereitschaft viel zu investieren. Um die Dienste Howards buhlen werden vermutlich auch die Atlanta Hawks (Howards Heimat), die Dallas Mavericks sowie – vermutlich der größte Konkurrent für die Lakers – die Houston Rockets, die mit Harden und Howard als Kern sowie ihren Assets einiges auf die Beine stellen können. Mit dem Aus der Los Angeles Clippers kommt möglicherweise die Option dazu, dass Howard sich mit Chris Paul im Stile des Heat-Modells abspricht. Wie er sich entscheiden wird? Das weiß niemand – und das schließt Howard wohl ein. Allerdings steht und fällt jeder Plan mit dieser Entscheidung.

“I just want an opportunity to make a decision for myself to make myself happy. I just don’t want any pressure from anybody.”

Der große Elefant, der im Frontoffice der Lakers steht, ist Kobe Bryant – besser: sein Vertrag. Sollte Howard verlängern, könnte dieser der Franchise teuer zu stehen kommen. Wenn man die ‘Luxury Tax’ hinzurechnet, könnte sich das Ganze zu 85 Millionen aufblähen. Während einige Medien – u.a. auch deutsche – absurderweise bereits vor seiner Verletzung davon sprachen, dass die Lakers ihre Amnesty Provision bei Bryant anwenden könnten, könnte dies nun tatsächlich passieren, auch wenn Mitch Kupchak zunächst dementiert hat, dass man darüber nachdenken würde. Der Ablauf der Frist zum Amnestieren ist die erste/zweite Woche im Juli. Die Entscheidung wird stark davon abhängen, wo Bryant zu dem Zeitpunkt körperlich steht und wie der weitere Genesungsprozess projiziert wird. Aktuell ist von 6-9 Monaten die Rede, bei Rücksichtigung des Alters scheinen aber auch komplette zwölf Monate realistisch. Die Spanne reicht demzufolge von ‘Einsatz beim Season-Opener’ bis ‘kein Spiel in der Saison 2013/14’. Wie man bereits in den Minuten nach der Verletzung – als Bryant mit der gerissenen Achillessehne und schmerzverzerrtem Gesicht zur Freiwurflinie stolperte – erkennen konnte, wird Bryant ein schnelles Comeback anstreben. Zyniker würden sagen, damit er noch möglichst schnell Michael Jordan zumindest in der Ewigen Scoring-Liste überflügeln kann (675 Punkte trennen die beiden Spieler noch).

bryantgrinstUnabhängig von der reinen Kostenseite, die für Fans als irrelevant eingestuft wird, hätte man mit der Amnestierung von Bryant die Möglichkeit die höhere MLE sowie die BAE anzuwenden, um über die Free Agency Spieler nach Los Angeles zu lotsen. Da Bryants Vertragslaufzeit nur noch eine Saison beträgt, könnte er in einem Jahr als Free Agent zu den Lakers zurückkehren. Möglicherweise könnte es auch für Bryant eine Gelegenheit sein, seine Karriere zu verlängern. Ein komplettes Jahr mit einem kontrollierten Trainingsplan könnten für seinen Körper besser sein als ein verfrühtes Comeback mit dem Risiko, die Saison mit einem unzufriedenstellenden Fitnesszustand zu bestreiten und das Verletzungsrisiko dadurch zu erhöhen. Zudem die Vorstellung, dass er mit seinem Trainingseifer über den Zeitraum an seinem Spotup-Dreier arbeitet bzw. diesen automatisiert, um sich für die letzten Jahre in der NBA zu wappnen. Die Schattenseite des Ganzen wären knapp 18 Monate ohne Spielpraxis auf höchsten Niveau. Und natürlich der Shitstorm, der die Lakers, wenn sie solch eine Ikone für viele Fans entlassen, und dies nicht vernünftig kommuniziert wird.

Die anderen Möglichkeiten, die Amnesty Provision zu nutzen, wären Gasol, Steve Blake und Metta World Peace, sofern dieser seine Option zur Verlängerung des Vertrags zieht. Für Nash kann die Ausnahmeregelung nicht angewendet werden, da sein Vertrag erst nach dem neuen CBA geschlossen wurde.

Ein Blick auf die Gehaltsstruktur im Sommer:

Payroll Lakers

Bei Jodie Meeks haben die Lakers die Team-Option den Vertrag zu verlängern, Chris Duhons Vertrag ist nur teilweise garantiert (1,5 Millionen), sofern er bis Ende Juni entlassen wird. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass dies passieren wird. Ebenso wird wohl Antawn Jamison nächste Saison nicht mehr Trikot der Lakers auflaufen. Bei Earl Clark wird es vermutlich davon abhängen, welche Angebote er von anderen Mannschaften erhält. Ob die Fraktion D-League (Morris, Goudelock, Robert Sacre, Darius Johnson-Odom) zurückkommt, bleibt abzuwarten. Morris und Goudelock dürften gute Chancen haben, es sei denn, die Lakers angeln sich in der zweiten Runde (#48; 1st Rounder geht nach Cleveland) ein vielversprechenderes Talent.

Neben den angesprochenen Fragezeichen hinsichtlich Howard und Bryant ist es auch die Free Agency 2014, die den Lakers Entscheidungsmöglichkeiten und Handlungsspielraum nimmt. Aktuell hat man ausschließlich Nash im nächsten Sommer unter Vertrag. Viele klangvolle Namen könnten sich auf dem Markt befinden: LeBron James, Chris Bosh, Dwyane Wade, Carmelo Anthony oder Zach Randolph, dazu eine Reihe junger Spieler (John Wall, Paul George, Greg Monroe, DeMarcus Cousins, Larry Sanders), die allerdings noch eine Verlängerung unterzeichnen könnten oder  ansonsten den RFA-Status inne hätten. Andrew Bogut, Amare Stoudemire, Luol Deng, Rudy Gay oder Danny Granger werden nicht die erste Wahl, aber zu dem Zeitpunkt auch vertragslos sein. Paul Pierce, Dirk Nowitzki und Tim Duncan werden an dieser Stelle der vollständigkeitshalber auch erwähnt. Als attraktiver Standort für Free Agents wird man sich einen großen Teil des Caprooms bewahren wollen.

Stillstand 2013?

Wie man dem vorherigen Abschnitt entnehmen kann, lassen sich – zum jetzigen Zeitpunkt – schwerlich sichere Prognosen abgeben. Howards Verbleib ist die Ausgangsfrage jeder Strategie von den Lakers. Dies weiß auch Kupchak:

“We’re very confident that we can build around Dwight Howard. […] I think he understands: the sooner, the better for everybody.”

Zudem lässt sich derzeit auch nicht sagen, welche Aussagen zu Bryants Genesungsprozess in zwei Monaten – wenn die Frage der Amnestierung geklärt werden muss – getroffen werden, lässt sich derzeit auch nicht prophezeien.

Relativ sicher scheint nur, dass die Lakers sich nicht den Cap für 2014 zuschießen werden, denn auch bei einer Verlängerung Howards wird man in Tinseltown darauf angewiesen sein, einen weiteren Hochkaräter an Land zu ziehen, um langfristig zu den Meisterschaftsfavoriten zu gehören. Was bedeutet das? Eigentlich nur, dass man in der kommenden Saison – bei einer Verlängerung Howards – im Kern keine großartigen Veränderungen sehen wird. Selbst bei einer Amnestierung von Bryant, die den Lakers ermöglichen würde, die volle MLE und die BAE anzuwenden, bliebe fraglich, ob sie die Optionen – mit der Free Agency 2014 im Hinterkopf – überhaupt nutzen würden. Eine Amnestierung der Lakers-Legende würde in dem Fall nur das Konto von der Buss-Familie schonen. Neue Verpflichtungen kämen wahrscheinlich nur über einjährige Minimumsverträge und dem möglichen Signing des 2nd Rounders. Kader sähe wie folgt aus:

C: Dwight Howard | (Free Agent / Robert Sacre)
PF: Pau Gasol | Jordan Hill | (Free Agent / Earl Clark)
SF: Metta World Peace | (Free Agent / Devin Ebanks)
SG: Jodie Meeks | (Free Agent / Andrew Goudelock) | [Kobe Bryant]
PG: Steve Nash | Steve Blake | (Free Agent / Darius Morris)

(Spieler in kursiv sind Free Agents)

Wenn man die vergangene Saison zugrunde legt, würde man in diese Mannschaft wohl wenig Hoffnung setzen, aber wenn sie gesund bleiben, könnte diese Truppe – unabhängig von Bryant – einen mehr als anständigen Basketball spielen. Aber gerade was Steve Nash betrifft, muss beim Thema ‘Gesundheit’ mit Vorsicht geplant werden. Mit dem Trio Howard / Gasol / Nash sollte man eine mehr als anständige Offensive installieren können. In der Verteidigung gibt es aber Nachholbedarf – auch mit einem vollkommen gesunden Howard als Anker. Zwei hungrige, verteidigungsorientierte Flügelspieler, die sich beweisen wollen und müssen, würden der Mannschaft nicht schaden. Das könnte gar mit den begrenzten finanziellen Möglichkeiten umgesetzt werden. Zudem scheint D’Antoni sich laut Ken Berger von CBS bereits um einen Assistenztrainer für die Verteidigung zu bemühen (Nate McMillian und Alvin Gentry sind im Gespräch) – vielleicht würde es denen gelingen, Herzstevenashlakers, Feuer und Eifer bei den Spieler herauszukitzeln, wie es einem Tom Thibodeau in Chicago oder Lionel Hollins in Memphis gelingt. 
Die 45 Siege der aktuellen Saison wären nicht utopisch. Sofern – wie angesprochen – die Kernspieler grundsätzlich gesund bleiben und die Mannschaft einen Rhythmus aufbauen kann. In anderen Worten: das genaue Gegenteil zur Saison 2012/13.

Ein Extremszenario mit einem Abschied Howards in Kombination mit einer langen Genesungsphase Bryants existiert natürlich ebenso. Dies würde natürlich das sofortige Ende aller Playoffträume bedeuten und in Los Angeles würde es zum radikalen Rebuild kommen, bei dem man auch direkt versuchen würde, Gasol und Nash zu verschiffen – mit Betonung auf dem Verb ‘versuchen’. Der mögliche Hauptgewinn wäre auch ziemlich vielversprechend: Andrew Wiggins in der 2014er Draft. Beim historischen Glück der Lakers, was Franchise Player betrifft, würde die Chancen der Lakers vermutlich über der statistischen Wahrscheinlichkeit liegen.

Geduld ist eine Tugend

Eigentlich müsste man abwarten bis Dwight Howard seine Entscheidung fällt, bevor man diesen Artikel abschließen und die Ausgangsfrage, wie es mit den Los Angeles Lakers weitergeht, weniger spekulativ beantworten kann. Da Howard in den letzten Jahren, insbesondere bei seinem Abschied aus Orlando mitsamt der Trade-Forderung vor sowie nach dem Ziehen der Vertragsoption, jegliche Logik vermissen lässt, wird an dieser Stelle von einer Prognose über dessen Zukunft in Los Angeles abgesehen. Hinsichtlich der Amnestierung von Bryant sind bis auf die reine Steuerersparnisse keine anderen bedeutenden Gründe, die für eine Entlassung sprechen, zu erkennen. Mit der anvisierten Free Agency in einem Jahr sind den Lakers die Hände finanziell sowieso gebunden. In dem Sinne: “Dwight, it’s your call.”

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