New York Knicks

New York’s Substitution Pattern

Um Erfolg in der NBA zu haben, benötigt eine Mannschaft ein gewisses Maß an sportlichem Talent. Allerdings ist es ebenso wichtig, diese Qualität in einer Form zu bündeln, um das beste Ergebnis zu erlangen. Welche Aufstellungen harmonieren am besten, welche Duos oder Trios im eigenen Kader haben die stärksten Synergie-Effekte, welche Spieler sollten lieber nie gemeinsam auf dem Parkett stehen? Gut geführte Franchises sind sich dieser Bedeutung deutlich bewusst. Aus diesem Grund verpflichtete bspw. Mark Cuban den Gründer der bekannten Basketballseite 82games.com, Roland Beech, als ‘Director of Basketball Analytics’ für seine Dallas Mavericks. Während solch ein Zahlenspezialist vor einigen Jahrzehnten von einer Position in einer Basketballmannschaft weiter entfernt gewesen wäre als Lamar Odom von seiner Form 2011, findet Beech Gehör und hat in Dallas einen Platz an der Seite von Rick Carlisle auf der Bank des Champions von 2011.

Roland was a key part to all this. I give a lot of credit to Coach Carlisle for putting Roland on the bench and interfacing with him, and making sure we understood exactly what was going on—knowing what lineups work, what the issues were in terms of play calls and training. [Mark Cuban]

Hier soll es aber nicht um die Mavericks gehen, sondern um die New York Knicks, die viel Talent in ihrem Kader versammeln konnten, aber es sich nun die Frage stellt, wie sich dieses Talent bestmöglich in viele Siege ummünzen lässt.

Neben Mike Woodson …

… sitzen folgende Spieler: Carmelo Anthony, Amar’e Stoudemire, Tyson Chandler, Raymond Felton, Ronnie Brewer, Jason Kidd, Marcus Camby, J.R. Smith, Steve Novak, Kurt Thomas, Pablo Prigioni, James White, Chris Copeland und Iman Shumpert, auch wenn dieser zunächst nur im Anzug zu sehen sein wird. Ein Kader, der sich von den Namen her sehen lassen kann und mit dem man berechtigterweise auch den Anspruch haben kann, zumindest die Nummer zwei in der Eastern Conference zu sein. Kann Woodson, der die Mannschaft im Schlussdrittel der vergangenen Saison von Mike D’Antoni übernommen hat und von den letzten 24 Partien der regulären Saison 18 gewinnen konnte, eine erfolgsversprechende Rotation bilden? Er hat einen vollen Kühlschrank zur Verfügung, er muss nur die Schürze umbinden und das passende Rezept finden. Mit Antony und Stoudemire stehen Scorer der ersten Güte bereit, mit Chandler, Brewer, Felton, Camby und Thomas hat man einen defensiven Anker sowie gute Verteidiger, ebenso mangelt es nicht an ‘Veteran Leadership’ (Kidd, Chandler, Thomas), Athletik (Smith, Anthony, Stoudemire, Chandler, White) oder Wurfstärke von außen (Smith, Novak, Anthony, Kidd).

Im Fokus der Optimierung und Harmonisierung stehen natürlich die beiden Stars und Großverdiener der Knicks: Anthony und Stoudemire. Nicht nur viele Fans, sondern auch ein durchaus erfolgreicher Trainer teilt die Meinung, dass diese beiden Spieler nicht zusammenpassen.

They don’t fit together well. [Amar’e] Stoudemire doesn’t fit well with Carmelo [Anthony]. [Phil Jackson]

Während der Combo-Forward mit der #7 es liebt, wenn auf dem Flügel isoliert wird (35,4% seiner Plays im Angriff waren letzte Saison Isolationen), um mit seinem komplettem Offensiv-Arsenal seinen Verteidiger zur Verzweiflung zu treiben, …

… ist das ‘Pick and Roll’ die Parade-Disziplin des athletischen Power Forwards (1,22 Punkte pro Play; Rank #12 in der NBA) – mit dem Rückkehrer Felton hat er einen Point Guard, mit dem er es in der Saison 2010/11 bereits häufiger erfolgreich gespielt hat.

Was die Statistiken zu dieser Problematik sagen, verrrät ein Blick auf die 20 meistgenutzen Aufstellungen der Knicks der Saison 2011/12 (Quelle: 82games.com/Knicks): In den fünf erfolgreichsten Aufstellungen (gemessen an der ‘Winning Percentage’) war Stoudemire keiner der fünf Spieler auf dem Linoleum. In der besten Lineup mit subjektiver Gewichtung der aggregierten Minuten (um keine Lineup mit geringer Spielzeit als absolut beste zu verkaufen) lief Anthony als Vierer auf – an der Seite von Chandler, Landry Fields, Shumpert und Baron Davis.

Wie gehen die Knicks mit diesen Erkenntnissen in die neue Saison? Stoudemire als Sixth Man von der Bank bringen? Vielleicht sogar versuchen, ihn in einem Trade zu involvieren? Nein. Zum einen hatte ‘STAT’ in der vergangenen Saison insgesamt kein gutes Jahr und war regelmäßig von Verletzungen gebeutelt. Zum anderen hatte diese Mannschaft bzw. der Kern der Mannschaft bisher keine gemeinsame Vorbereitung. Anthony stieß 2011 während der laufenden Saison zur Mannschaft, die letzte gemeinsame Vorbereitung fiel dank des Lockouts ins Wasser. Des Weiteren zeigt Anthony bei seinen Auftritten für die Nationalmannschaft seine Bereitschaft, den Ball zu teilen und sich auch von seinen Mitspielern in Szene zu setzen zu lassen, um den Ball – ohne die Uhr zu melken oder den Fluss im Angriff zu stören – direkt per Spotup in den Korb zu versenken. Die zwingende Voraussetzung für solch eine Einstellung wird sein, dass das Spiel der Mannschaft erfolgreich läuft. Ansonsten werden viele Superstars immer wieder in bestimmte Muster verfallen und versuchen, es selbst zu richten – auch auf Kosten des Teamspiels -, ob sie nun Michael Jeffrey Jordan, Kobe Bean Bryant oder Carmelo Kyam Anthony heißen.

“Every time I come back and play USA basketball, my mindset is a lot different. The team-oriented atmosphere I bring back to my team, the focus I have, […] and that’s something I keep in the back of my mind coming out of USA Basketball.” [Carmelo Anthony]

Findet Mike Woodson eine Lösung?

Selbst wenn es bei diesem Duo nicht immer ein Rädchen ins andere läuft, sondern es regelmäßig zu Reibungen kommt, könnte die Mannschaft dennoch erfolgreichen Basketball spielen. Möchte jemand die Stimmen zählen, die davon gesprochen oder geschrieben haben, dass LeBron James / Dwyane Wade oder Kevin Durant / Russell Westbrook nicht optimal zusammenpassen? Für die Finals hat es letztlich auch gereicht. Der Coach muss mit den richtigen Rotationen einfach die Probleme minimieren, um den Erfolg zu maximieren. Anthony spielte letzte Saison 34 Minuten, Stoudemire 33 Minuten im Durchschnitt. In einem durchdachten Wechselschema würde in den 14 Minuten, die der ehemalige Orangeman der Syracuse University auf der Bank Platz nimmt, auf jeden Fall Stoudemire zusammen mit Felton auf dem Feld stehen, um wesentlich mehr ‘Rick and Rolls’ anzusagen und zu spielen, als es mit Anthony auf dem Feld der Fall ist.

In die Startaufstellung sollten neben den beiden Stars natürlich das Herz der Defense Chandler sowie die beiden neuen Spieler Ronnie Brewer sowie Jason Kidd (auch wenn Felton letzten Endes mehr Minuten spielen sollte) berufen werden. Brewers Aufgabe wäre das Reinhängen in die Verteidigung und dem Aus-dem-Weg-gehen im Angriff. Bei Kidd wäre es die Hoffnung, dass er – trotz einiger Eskapaden abseits des Parketts – noch genügend Autorität hat, um seine teamorientierte basketballerische Mentalität etwas auf Anthony / Stoudemire abfärben zu lassen, die Offense etwas zu orchestrieren und den einen oder anderen freien Dreier zu versenken. Stoudemire würde im Normalfall als erster Spieler auf die Bank gehen, da es – wie oben beschrieben – das Ziel wäre, die komplette Abwesenheit von Anthony mit Stoudemire (und Felton) zu füllen. Anthony könnte auf die Vier rutschen, wo er offensiv sogar gefährlicher ist als auf der Drei, da kaum ein Vierer in der Lage ist, seinen Wurf zu stören und ihm zeitgleich die Penetrations zu verweigern. Die Rolle des sechsten Mannes hätte Smith inne und man müsste als Knicks-Fan einfach hoffen, dass er an mehr Nächten als Dr. Jekyll statt als Mr. Hyde auftritt. Novak wäre mit seiner 47%-Dreierquote eine hervorragende Ergänzung zu dem Duo Stoudemire/Felton, um den beiden viel Platz zum Operieren zu lassen. Einem Spieler, der quasi jeden zweiten Dreier trifft, steht man nämlich am besten auf den Füßen. Auf Camby und Thomas als Backups von Chandler muss nicht eingegangen werden, da die Auswechslungen auf der Fünf im Falle der Knicks eine geringere strategische Frage darstellen, sofern nicht Stoudemire bedeutende Minuten auf der Position spielen soll, was – wenn man von Verletzungen absieht – nicht der primäre Plan zu sein scheint.

Die richtigen Rotationen helfen, Probleme zu verstärken und Stärken zu forcieren. Speziell bei den Knicks wird es eine große Rolle spielen und Woodson fordern. Wenn es ihm alleine nicht gelingt, sollte er sich nach einen zweiten Roland Beech umschauen. Falls er nicht bereits einen hat …

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2 comments

  1. Dennis Spillmann

    Danke für den Artikel, der einige wichtige Punkte anspricht.

    Ich persönlich habe jedoch Probleme mit den vorgestellten Rotationen. Ich stimme mit dir durchaus überein, dass man Melo und STAT so weit wie möglich trennen sollte, um die beiden verschiedenen Spielertypen bestmöglich einsetzen zu können. Du schlägst im Artikel folgende Lineups vor:

    1. Kidd – Brewer – Anthony – Stoudemire – Chandler
    Hier sehe ich vor allem drei impotente Scorer in der Lineup. Ich verstehe den Gedanken mit der Defense, aber dies geht für mich zu sehr auf Kosten der Offense. Ich würde hier Raymond Felton bevorzugen, der durch das Pick’n’Roll mit Stoudemire funktioniert und generell mal den hauch einer Gefahr darstellt, was man von Kidd nicht behaupten kann. Alternativ kannst du natürlich sagen, dass Felton vor allem auf dem Feld stehen sollte, wenn Anthony dies nicht tut. Für diesen Fall sollte man wohl JR Smith auf der 2 versuchen. Ja, das sieht defensiv nicht so toll aus, aber Tyson Chandlers Aufgabe ist ja eh das Koordinieren der Team-Defense. Das beherrscht er ja. Und ein Stopper auf dem Flügel, entscheidet zumeist kein Basketballspiel. Der Anker mit Chandler wäre auf dem Feld. Der Rest besteht aus dem Einüben von Team-Defense. In aller Kürze also: Hier wird zu viel Offense für zu wenig Defense aufgegeben.

    2. Felton – X – Novak – Stoudemire – Chandler/Camby/Thomas
    Ich verstehe den Gedankengang, dass man neben dem P&R vor allem noch einen Distanzschützen benötigt, der zur Not bei der Hilfe eben diese bestraft. Aber du willst wirklich Steve Novak auf der 3 auflaufen lassen? Deine Ausführungen lassen keinen anderen Schluss zu. Das hat Novak in der letzten Saison kaum getan. Den überwältigenden Teil seiner Minuten sah er auf PF. Genau hier ergibt sich aus meiner Sicht auch ein weiteres Problem: Du musst STAT auf die 5 schieben, damit Novak defensiv auf dem Flügel nicht ein unglaubliches Mismatch kreiert. Dann hast du aber die wohl schlechteste Defensiv-Big-Lineup seit einer ganzen Weile ind er NBA auf dem Feld: Novak-Stoudemire.

    Deswegen haben die Knicks für mich vor allem ein Problem: Ihre beiden Starspieler müssen im Prinzip alle 48 Minuten auf PF sehen. Stat auf der 5 ist untragbar und bei der möglichen Rotation aus Chandler/Camby/Thomas auf der 5 auch gar nicht möglich. Novak funktioniert ebenfalls nur auf der 4. Das schließt für mich eigentlich jede Lineup mit Novak und STAT aus, weil das defenisv unverantwortlich ist. Einzig Melo kann auf der 3 neben Novak spielen.

    Die Ansätze in deinem Artikel sind absolut richtig, aber ich finde, dass das Spielermaterial eben weiterhin kaum zusammenpasst, um Synergie-Effekte zu erzielen. Jemanden wie Steve Novak kann man kaum effektiv in die Rotation einbinden, obwohl er (laut seines Vertrages) ein Puzzleteil im Kader sein soll.

  2. Hassan Mohamed

    |Author

    1. Kidd – Brewer – Anthony – Stoudemire – Chandler
    Hier sehe ich vor allem drei impotente Scorer in der Lineup. Ich verstehe den Gedanken mit der Defense, aber dies geht für mich zu sehr auf Kosten der Offense.[…]

    Ich kann Deinen Einwand nachvollziehen. Eine ähnliche Kritik hört man ja bspw. öfter im Zusammenhang mit Scott Brooks und seiner bevorzugten defensiv-orientierten Starting-Five mit Kendrick Perkins, Serge Ibaka und Thabo Sefolosha neben Kevin Durant und Russell Westbrook. Klar hätten die Knicks in der Aufstellung drei Spieler, die keine Würfe für sich selbst kreiieren, aber dafür zwei absolut erstklassige Scorer. Von Kidd würde ich die Aktivität eines Feltons gar nicht zwingend wollen. Ich würde wollen, dass er als Dirigent und Führungspersönlichkeit auftritt: Das Spiel ordnen (auch verbal), die richtigen Pässe spielen und die freien Dreier treffen. Natürlich wenig, was auf dem Boxscorer ersichtlich wird, aber jemand der Anthony/Stoudemire an die Hand nimmt. Wenn er altersbedingt noch weiter abgebaut hat, muss man natürlich schauen. Und Chandler kann zumindest – in der Richtung Position angespielt – sehr hochprozentig die Field Goals versenken.

    2. Felton – X – Novak – Stoudemire – Chandler/Camby/Thomas
    Ich verstehe den Gedankengang, dass man neben dem P&R vor allem noch einen Distanzschützen benötigt, der zur Not bei der Hilfe eben diese bestraft. Aber du willst wirklich Steve Novak auf der 3 auflaufen lassen? Deine Ausführungen lassen keinen anderen Schluss zu. Das hat Novak in der letzten Saison kaum getan. Den überwältigenden Teil seiner Minuten sah er auf PF. Genau hier ergibt sich aus meiner Sicht auch ein weiteres Problem: Du musst STAT auf die 5 schieben, damit Novak defensiv auf dem Flügel nicht ein unglaubliches Mismatch kreiert. Dann hast du aber die wohl schlechteste Defensiv-Big-Lineup seit einer ganzen Weile ind er NBA auf dem Feld: Novak-Stoudemire.

    Ja, Novak wäre in dieser Lineup der Small Forward (offensiv war er ja eh nie etwas anderes). Die Bedenken sind auch hier berechtigt, denn in der Verteidigung wäre es sicherlich keine Offenbarung. Allerdings: Natürlich wäre es ein Traum, wenn man nur Lineups auflaufen lassen kann, die ohne jegliche Schwächen sind. Ich denke, dass es durchaus funktionieren könnte, da man viele Gegner offensiv in Bedrängnis bringen würde. Des Weiteren trifft man ja mit diesem ‘Bench Mob’ nicht zwingend auf hochklassige Starting-SFs, die auch in der Lage wären, diese Schwäche kräftig zu melken. Außerdem wäre es auch nicht das erste Mal, dass er Small Forwards verteidigen würde, und auf das Mittel der Zonenverteidigung kann Coach Woodson in bestimmten Fällen ebenfalls zurückgreifen. Die Vorteile im Angriff könnten die Nachteile in der Verteidigung mMn insgesamt überwiegen.

    Danke für die Kritik. Kann ich wie gesagt durchaus nachvollziehen.


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