Oklahoma City Thunder

And the Oscar goes to…

Wenn sich eine Seite in einer Begegnung benachteiligt fühlt, ist der Weg zum Schiedsrichter meist der Kürzeste. Er trifft die endgültige Entscheidung, er ist das schwächste Glied in der Kette. Doch bei all der berechtigten Kritik an den Leistungen der Referees in dieser Postseason, bleibt festzuhalten, dass es einige Spieler den Schiedsrichtern auch verdammt schwer machen. Sehr gut zu sehen war das in der ersten Runde zwischen den Memphis Grizzlies und Los Angeles Clippers, als Chris Paul und Blake Griffin selbst beim minimalsten Kontakt zu Boden gingen.

Ebenfalls zu nennen sind Pau Gasol von den Los Angeles Lakers oder Dwyane Wade beziehungsweise LeBron James von den Miami Heat, die nicht selten den Anschein eines Kontakts erwecken wollen, der in Wirklichkeit gar nicht existierte. Doch auch die Thunder haben einen Spieler, der häufig aus wenig verdammt viel macht. Seine Name ist James Harden.

Ein schmaler Grat

James Harden gehört zu den effizientesten Spielern der NBA. Sein diesjähriger Trueshooting-Wert beträgt 66 Prozent, was einem der höchsten Werte der NBA-Geschichte entspricht. Zur Erklärung: Das True-Shooting versucht durch die unterschiedliche Gewichtung von Freiwürfen, Zwei- und Dreipunktewürfen die Scoring-Effizienz eines Spielers zu messen. Hardens größtes Kapital ist hierbei, in jeder Situation einen Weg an Linie finden zu können. Nur neun Spieler holten in der regulären Saison mehr Freiwürfe heraus als James Harden, nur sieben Spieler trafen mehr Freiwürfe. Doch geht dabei alles mit rechten Dingen zu?

Zwar ist James Harden in der Tat ein Meister darin, bei einem Wurfversuch Kontakt mit dem Gegenspieler zu erzeugen, doch als Anhänger der Thunder gebietet die Fairness, die obige Frage zu verneinen. Immer wieder ertappt der genaue Beobachter den aktuellen 6th-Man-of-the-Year dabei, wie er bei einem Korblegerversuch die Arme nach oben reißt oder mit seinem Körper eine Berührung simuliert, die eigentlich nicht existierte. In der Vergangenheit war Harden darüber hinaus bekannt, bei Sprungwürfen entweder sein Bein in Richtung Gegenspieler zu strecken (um den Kontakt zu forcieren) oder aber nicht mit beiden Beinen auf dem Boden zu landen. Stattdessen fiel er beim Wurfversuch lieber hin, was nicht selten mit Freiwürfen belohnt worden ist. Jedoch sieht man bisher Letzteres in den Playoffs kaum. Dennoch ist festzuhalten, dass sein Repertoire an solchen unsportlichen Aktionen fast unausschöpflich ist, was logischerweise zurecht den Unmut gegenüber dem bärtigen Spieler der Thunder verstärkt. Doch sollten ein paar Dinge voneinander unterschieden werden:

Zum einen ist ein zu unrecht gepfiffenes Foul nicht zwangs-läufig eine schauspielerische Leistung eines Spielers. Schiedsrichter machen Fehler und manchmal profitieren davon für “Flopping” bekannte Akteure, obwohl sie in der jeweiligen Situation nicht übermäßig viel dafür getan haben, dass es gepfiffen wird. Ein Beispiel wäre Spiel 3 der aktuellen Playoffserie gegen die Los Angeles Lakers, als die Schiedsrichter generell eine sehr schlechte Figur gemacht haben und auf beiden Seiten zahlreiche Situationen falsch eingeschätzt haben – mal zu Gunsten der Lakers, mal zu Gunsten der Thunder. Hier ist James Harden nicht via Floppen negativ aufgefallen, auch wenn ein Blick auf die Anzahl seiner Freiwürfe und der ein oder anderen strittigen Situation das vermuten lassen könnte.

Zum anderen ist ausdrücklich zu betonen, dass es eben zum Basketballsport dazu gehört, Kontakte verkaufen zu können. Das schließt natürlich nicht die Situationen ein, in denen ein Spieler einen Kontakt vortäuscht, der nicht vorhanden war. Vielmehr ist gemeint, dass es eine nützliche und keine unsportliche Qualität darstellt, wenn ein Spieler in der Lage ist, den Schiedsrichter darauf aufmerksam zu machen, dass ein regelwidriger Kontakt bestanden hat. Denn eins sollte klar sein: Falls eine Schiedsrichterentscheidung, beispielsweise das Abpfeifen einer Situation aufgrund eines Shooting-Fouls, rechtmäßig ist, kann die zugrundeliegende Aktion kein Flop sein, nur weil der Spieler den Kontakt härter darstellt als er wirklich war. Ein Foul bleibt ein Foul und muss geahndet werden. Es würde dem Basketballsport wohl eher schaden, wenn aufgrund der Geschwindigkeit der Sportart und der dadurch manchmal undurchsichtigen Spielsituationen eigentlich zwingende Pfiffe ausblieben, nur weil ein Spieler nicht auf den Kontakt aufmerksam machen durfte.

Insofern sollten die Zuschauer einer Begegnung aufpassen, dass sie aufgrund von Vorurteilen keine Hetzjagd auf Spieler beginnen, die sich auf Letzteres beschränken. Leider zählt James Harden nicht immer zu diesen Spielern. Und dann ist selbstverständlich jede Kritik gerechtfertigt.

Eine Lösung in Sicht?

Jetzt steht James Harden nur exemplarisch für eine ganze Reihe von Spielern, die immer wieder durch unsportliches Verhalten Vorteile für ihr Team kreieren wollen. Doch wie kann man das Problem lösen? Existiert überhaupt eine Lösung? Eine Möglichkeit wäre, floppende Spieler mit technischen Fouls zu belegen. Schwierig ist die Umsetzung, denn in den meisten Fällen ist es im realen Spieltempo und ohne Wiederholungsmöglichkeit schwerlich zu erkennen, was ein Flop und was ein echtes Foul ist. Dennoch sollte die NBA den Schiedsrichtern die Möglichkeit geben, angemessen zu reagieren, wenn sie zweifelsfrei ein unsportliches Verhalten feststellen.

Doch begründet eine vor kurzem getätigte Aussage von David Stern Hoffnung, dass Lösungen für das häufiger auftretene Flopping gesucht werden. Er machte seinen Unmut vor knapp einer Woche folgendermaßen Luft:

We should give out Oscars rather than MVP trophies.

Bis sich die NBA etwas einfallen lässt, bleibt nur die Hoffnung, dass sich das Floppen im weiteren Verlauf der Postseason in Grenzen hält.

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